In der zwölften Episode vom Elektroauto Supertest vom 26. Januar 2022 auf dem YouTube-Kanal von auto motor und sport hat Alex Bloch den Volvo C40 einem umfassenden Supertest unterzogen.
Der Volvo C40 ist das neueste vollelektrische SUV-Coupé des schwedischen Automobilherstellers. Mit seinem stylischen Design, starken Antrieb und hochwertigen Innenraum will er Käufer im wachsenden Segment der Elektro-SUVs überzeugen. Doch kann der C40 auch in Sachen Effizienz und Alltagstauglichkeit punkten?
- Dynamischer Auftritt mit 408 PS
- Komfortables Fahrwerk mit sportlichem Touch
- Hochwertiger Innenraum mit nachhaltigen Materialien
- Bedienung: Licht und Schatten
- Raumangebot: Kompakte Außenmaße, eingeschränkter Innenraum
- Reichweite und Effizienz: Die Achillesferse des C40
- Ladegeschwindigkeit: Solide, aber keine Spitzenwerte
- Assistenzsysteme auf hohem Niveau
- Preislich in der gehobenen Liga
- Fazit: Dynamischer Premium-Stromer mit Schwächen bei der Effizienz
- AMS YouTube Video zu dem Volvo C40
Dynamischer Auftritt mit 408 PS
Unter der Haube des Volvo C40 steckt ein leistungsstarker Elektroantrieb mit zwei Motoren. Mit einer Systemleistung von 408 PS (300 kW) beschleunigt der Allradler in beeindruckenden 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Fahrleistungen erinnern dabei durchaus an Tesla – der C40 spurtet mit vehementem Vorwärtsdrang los und lässt auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht nach.
Besonders beeindruckend: Selbst bei niedrigem Batteriestand von 20% erreicht der C40 noch eine Beschleunigung von 0-100 km/h in 5,2 Sekunden. Die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse erfolgt dabei sehr ausgewogen, was für exzellente Traktion sorgt. Insgesamt macht die Fahrdynamik großen Spaß und der C40 fühlt sich jederzeit quirlig und spritzig an.
Komfortables Fahrwerk mit sportlichem Touch
Neben der starken Beschleunigung überzeugt der Volvo C40 auch durch sein ausgewogenes Fahrwerk. Die Abstimmung ist zwar etwas straffer als bei manch anderem Elektro-SUV, bietet aber dennoch einen hohen Fahrkomfort. Vor allem mittlere und lange Bodenwellen werden souverän abgefedert. Nur bei kurzen Unebenheiten spürt man ein leichtes „Knubbeln“.
Im direkten Vergleich zum Tesla Model Y zeigt sich der C40 deutlich komfortabler abgestimmt. Die Wankneigung in Kurven hält sich dabei in Grenzen und der Volvo lässt sich präzise steuern. Einzig bei den Abroll- und Windgeräuschen auf der Autobahn gibt es noch Verbesserungspotenzial. Insgesamt bietet der C40 aber ein rundes und ausgewogenes Fahrverhalten, das Komfort und Dynamik geschickt vereint.
Hochwertiger Innenraum mit nachhaltigen Materialien
Im Innenraum präsentiert sich der Volvo C40 hochwertig und modern. Besonders lobenswert ist der Fokus auf Nachhaltigkeit: Anstelle von Leder kommen größtenteils recycelte und synthetische Materialien zum Einsatz. So bestehen beispielsweise die Sitzbezüge aus einem lederähnlichen Kunststoff und die Dekorelemente aus recycelten PET-Flaschen.
Die Verarbeitungsqualität ist auf einem sehr hohen Niveau – alles sitzt bombenfest und wirkt äußerst solide. Einzig der hohe Anteil an Hartplastik-Oberflächen trübt den Premium-Eindruck etwas. Dafür punktet der C40 mit cleveren Details wie den mit Teppich verkleideten Türinnenseiten. Insgesamt vermittelt das Interieur einen hochwertigen und zeitgemäßen Eindruck.
Bedienung: Licht und Schatten
Bei der Bedienung setzt Volvo auf eine Mischung aus klassischen Bedienelementen und modernem Touchscreen. Positiv fallen die großen physischen Tasten am Lenkrad auf, die einen guten Druckpunkt haben und intuitiv zu bedienen sind. Auch der große digitale Tacho liefert alle wichtigen Informationen auf einen Blick.
Das zentrale Infotainment-Display basiert auf Android Automotive und überzeugt durch große, gut erreichbare Kacheln auf dem Hauptbildschirm. Die Sprachsteuerung funktioniert zuverlässig und versteht auch komplexere Befehle. Kritikpunkte gibt es allerdings bei den Untermenüs: Hier sind die Schaltflächen teilweise sehr klein und während der Fahrt schwer zu treffen. Auch die Schriftgröße könnte in manchen Bereichen größer sein.
Ein weiterer Pluspunkt ist das schlüssellose Startsystem: Sobald der Fahrer Platz nimmt, ist der C40 fahrbereit – ein separater Startknopf entfällt. Insgesamt bietet die Bedienung viele gelungene Aspekte, hat aber in einigen Details noch Optimierungspotenzial.
Raumangebot: Kompakte Außenmaße, eingeschränkter Innenraum
Mit einer Länge von 4,43 Metern ist der Volvo C40 für ein SUV dieser Klasse angenehm kompakt. Das macht sich positiv bei der Handlichkeit in der Stadt bemerkbar. Der Wendekreis von 11,8 Metern ist für ein Allradfahrzeug in Ordnung. Dank der guten Rundumsicht und Kameras lässt sich der C40 problemlos einparken.
Im Innenraum muss man jedoch einige Kompromisse eingehen. Vorne sitzt man zwar bequem, der große Mitteltunnel schränkt aber die Beinfreiheit etwas ein. Im Fond wird es für große Personen schon eng – besonders die Kopffreiheit leidet unter der abfallenden Dachlinie. Auch der Kofferraum fällt mit gut 400 Litern Volumen eher knapp aus. Immerhin lässt sich durch Umklappen der Rücksitzbank das Ladevolumen auf über 1.200 Liter erweitern.
Ein praktisches Detail ist der kleine Frunk unter der Fronthaube, in dem sich gut die Ladekabel verstauen lassen. Insgesamt bietet der C40 ein für die Fahrzeuggröße ordentliches, wenn auch nicht überragendes Raumangebot.
Reichweite und Effizienz: Die Achillesferse des C40
Der wohl größte Schwachpunkt des Volvo C40 ist seine Effizienz. Trotz der aerodynamisch optimierten Coupé-Form verbraucht der Stromer deutlich mehr Energie als vergleichbare Konkurrenzmodelle. Im Test lag der Durchschnittsverbrauch bei hohen 24,5 kWh/100 km. Zum Vergleich: Ein Tesla Model Y kommt mit rund 2,5 kWh/100 km weniger aus.
Besonders auf der Autobahn macht sich der hohe Verbrauch bemerkbar. Bei Tempo 120 km/h sinkt die Reichweite auf etwa 275 km, bei 140 km/h sind es nur noch 215 km. Schuld daran ist vor allem der relativ hohe Luftwiderstand mit einem cW-Wert von 0,32. Auch das Gewicht von 2,2 Tonnen trägt zum hohen Energiebedarf bei.
Die Batterie mit 78 kWh Bruttokapazität (75 kWh netto) ermöglicht so eine realistische Reichweite von rund 300 km. Das ist für längere Strecken eher knapp bemessen. Wer häufig Langstrecke fährt, muss also öfter Ladestopps einplanen.
Ladegeschwindigkeit: Solide, aber keine Spitzenwerte
An der Ladesäule zeigt der Volvo C40 eine ordentliche Performance. Die maximale Ladeleistung von 150 kW wird problemlos erreicht und über einen weiten SOC-Bereich gehalten. Im Schnitt lädt der C40 von 10-80% mit knapp 110 kW – das ist ein guter Wert.
Allerdings relativiert der hohe Verbrauch die Ladegeschwindigkeit wieder etwas. Für 100 km Reichweite benötigt der C40 an der Schnellladesäule etwa 12 Minuten. Das ist deutlich länger als bei effizienteren Konkurrenten wie dem Hyundai Ioniq 5. Auch die Ladeverluste fallen mit über 15% recht hoch aus.
Insgesamt ermöglicht der C40 zwar zügiges Laden, kann aber nicht mit den Klassenbesten mithalten. Für gelegentliche Langstreckenfahrten reicht die Ladeperformance aus, Vielfahrer werden sich aber effizientere Alternativen wünschen.
Assistenzsysteme auf hohem Niveau
In Sachen Sicherheit und Assistenzsysteme zeigt sich Volvo gewohnt stark. Der C40 verfügt über ein umfangreiches Paket an Fahrhilfen, die größtenteils gut funktionieren. Besonders clever: Das System erkennt, wenn der Fahrer gerade manövriert oder überholt und hält in solchen Situationen störende Warnmeldungen zurück.
Der adaptive Tempomat mit Lenkassistent arbeitet präzise, wobei die Lenkeingriffe manchmal etwas zu nervös wirken. Diverse Notbremsfunktionen, eine Kreuzungsassistenz und eine 360-Grad-Kamera runden das Sicherheitspaket ab. Einzig die Verkehrszeichenerkennung zeigte im Test gelegentlich Schwächen.
Ein Highlight ist die automatische Bremsfunktion beim Rückwärtsfahren, die zuverlässig Hindernisse erkennt. Insgesamt bietet der C40 ein sehr hohes Sicherheitsniveau, das in vielen Situationen unterstützt.
Preislich in der gehobenen Liga
Mit einem Basispreis von über 60.000 Euro positioniert sich der Volvo C40 im oberen Preissegment der Elektro-SUVs. Gut ausgestattete Versionen kratzen schnell an der 70.000 Euro-Marke. Damit ist der C40 spürbar teurer als viele direkte Konkurrenten.
Allerdings rechtfertigt die hochwertige Verarbeitung, das umfangreiche Sicherheitspaket und die gute Serienausstattung den Aufpreis zum Teil. Wer Wert auf Premium-Anmutung und modernste Assistenzsysteme legt, bekommt hier ein stimmiges Gesamtpaket.
Fazit: Dynamischer Premium-Stromer mit Schwächen bei der Effizienz
Der Volvo C40 hinterlässt im Test einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite überzeugt er mit dynamischen Fahrleistungen, hochwertigem Interieur und umfassenden Sicherheitsfunktionen. Die Kombination aus sportlichem Handling und gutem Fahrkomfort macht den C40 zu einem sehr angenehmen Begleiter im Alltag.
Auf der anderen Seite enttäuscht der hohe Energieverbrauch, der die Reichweite und Reisetauglichkeit einschränkt. Hier hat Volvo noch deutlichen Nachholbedarf gegenüber der Konkurrenz. Auch beim Platzangebot und einigen Bediendetails gibt es noch Optimierungspotenzial.
Insgesamt erreicht der Volvo C40 im Test 3,8 von 6 möglichen Sternen – ein solides, aber nicht überragendes Ergebnis. Er eignet sich vor allem für Käufer, die Wert auf Fahrdynamik, Sicherheit und Verarbeitungsqualität legen und hauptsächlich Kurzstrecken zurücklegen. Wer häufig längere Strecken fährt, findet in der Klasse effizientere Alternativen.
Mit einer verbesserten Aerodynamik und optimierter Antriebseffizienz könnte der C40 in Zukunft durchaus zum Klassenprimus aufsteigen. In der aktuellen Form ist er ein dynamischer und stylisher Premium-Stromer, der jedoch mit einigen Kompromissen bei Reichweite und Raumökonomie erkauft werden muss.
Das aktuelle Elektroauto Supertest Ranking von allen bisherigen Elektroauto Supertests könnt ihr auf der Ranking Seite einsehen und bei Verständnis Fragen euch auch die Bewertungskriterien durchlesen.
AMS YouTube Video zu dem Volvo C40
Bildquellen
- Volvo C40 Rating Snippet: @Volvo