EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Fiat Grande Panda Elektro macht vieles richtig, wo es im Alltag zählt: Er federt für einen Kleinwagen erstaunlich gut, lässt sich ohne Einarbeitung bedienen, bremst kurz und bleibt in der Stadt angenehm handlich. Dafür muss man ihm eine ganze Reihe von Sparmaßnahmen nachsehen — der Realverbrauch ist für die Klasse hoch, die Reichweite entsprechend knapp, und bei Wärmepumpe, Vorkonditionierung, Laderoutenplanung und Assistenz hat Fiat konsequent gestrichen. Preislich ist er gut aufgestellt und liegt etwas günstiger, als das Gebotene erwarten ließe. Unser Rat: als Stadt- und Zweitwagen mit eigener Lademöglichkeit eine sympathische Wahl, als einziges Auto für alle Wege nicht.
Pro
- Für einen Kleinwagen überdurchschnittlich guter Federungskomfort
- Klares Bedienkonzept mit echten Tasten und Drehreglern für die Klimasteuerung
- Kurze Bremswege und gutmütiges, berechenbares Fahrverhalten
- Handliche Außenmaße und kleiner Wendekreis für den Stadtalltag
- Eigenständiges Design, wohnliches Interieur trotz einfacher Materialien
- Alle verfügbaren Assistenzsysteme bereits ab der Basisausstattung
Contra
- Hoher Realverbrauch für die Klasse, dadurch nur rund 250 Kilometer Reichweite
- Keine Wärmepumpe, keine Batterie-Vorkonditionierung, keine Laderoutenplanung
- Ladespitze bleibt deutlich unter der Herstellerangabe und bricht früh ein
- Bordcomputer ohne jede Verbrauchsanzeige
- Assistenzausstattung aufs gesetzliche Minimum reduziert
- Bei 132 km/h abgeregelt, Autobahnreichweite sehr knapp
- Schlecht erreichbare Isofix-Haken, Fensterheber ohne wirksamen Einklemmschutz
Der Grande Panda ist Fiats Versuch, einen echten Markenklassiker ins Elektrozeitalter zu holen — und das mit reichlich Selbstbewusstsein. Vier Meter kantiges Retro-Design, ein 44-kWh-Akku und ein Einstiegspreis, der für ein neues Elektroauto in Deutschland noch als moderat durchgeht: Damit zielt der kleine Italiener auf alle, die ein eigenständiges Stadtauto suchen. Wir haben zusammengetragen, was unabhängige Messungen und Fahrtests über ihn sagen — und dabei zeigen sich klare Stärken wie ebenso klare Grenzen.
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Technische Daten
Reichweite und Verbrauch: der wunde Punkt
Im standardisierten Ecotest des ADAC genehmigt sich der Grande Panda Elektro 19,8 kWh auf 100 Kilometer — gemessen im Mischbetrieb aus Stadt, Landstraße und Autobahn und inklusive der Verluste beim Laden an der heimischen Steckdose. Für einen Kleinwagen ist das viel. Zum Vergleich zieht der ADAC den Hyundai Inster heran, der rund vier Kilowattstunden sparsamer unterwegs ist. Auffällig ist dabei auch die Ladeeffizienz: Um die netto 43,8 kWh große Batterie einmal komplett zu füllen, fließen 50,2 kWh aus dem Netz.
Aus diesem Verbrauch ergeben sich rund 250 Kilometer Reichweite. Das ist ein realistischer Alltagswert, kein Schönwetter-Versprechen — und er deckt sich mit anderen Erhebungen: AUTO BILD kam bei 23 Grad auf einer 155 Kilometer langen Testrunde auf 266 Kilometer, die EV-Database rechnet mit 260 Kilometern im Jahresschnitt. Wer überwiegend innerorts unterwegs ist, kommt laut ADAC auch deutlich über 300 Kilometer. Umgekehrt schrumpft die Reichweite auf der Autobahn drastisch: Bei winterlichen Temperaturen und zügigem Tempo bleiben nur noch etwa 150 Kilometer.
Die Kehrseite geht über die reinen Zahlen hinaus: Der Bordcomputer zeigt weder Durchschnitts- noch Momentanverbrauch an. Ihr müsst euch also auf die Restreichweitenanzeige verlassen — für ein Elektroauto eine unnötige Lücke.
Laden und Reisetauglichkeit: für die Langstrecke nicht gebaut
An der Schnellladesäule bleibt der Fiat hinter dem, was Fiat verspricht. Statt der beworbenen 100 kW misst der ADAC eine Spitze von 87,5 kW. Der übliche Schnellladehub dauert 35 Minuten bei durchschnittlich 57,7 kW — damit liegt der Grande Panda auf Klassenniveau. Gegen Ende des Ladefensters bricht die Leistung allerdings auf knapp 25 kW ein. In einer halben Stunde landen so rund 165 Kilometer im Akku. Zu Hause füllt der 11-kW-Bordlader die Batterie in etwa viereinhalb Stunden.
Eine Besonderheit ist das ausziehbare Spiralkabel in der Frontschürze, das gegen Aufpreis erhältlich ist. Es erspart das Hantieren mit losen Kabeln, halbiert die AC-Ladeleistung aber nahezu. Wer verzichtet, verstaut das Kabel im Kofferraum — einen Frunk gibt es nicht.
Für lange Fahrten fehlt schlicht zu viel: Es gibt keine Batterie-Vorkonditionierung, die den Akku vor dem Ladestopp auf Temperatur bringt, und keine automatische Laderoutenplanung. Ein Anhänger darf bis 550 Kilogramm gebremstes Gewicht mitkommen, die Kupplung läuft über das Zubehörprogramm — für einen kleinen Bootsanhänger reicht das, für den Wohnwagen nicht. Der ADAC empfiehlt Vielfahrern ausdrücklich den Verbrenner. Ein eigenes Kapitel waren die Ladeabbrüche, über die mehrere Redaktionen Anfang 2026 berichteten; nach Umstellung des Bordladegeräts lief das Schnellladen in einem t-online-Nachtest wieder zuverlässig.
Antrieb und Fahrdynamik: gutmütig statt spritzig
83 kW und 122 Newtonmeter treiben die Vorderachse an. In der Stadt fühlt sich das ausreichend flott an, auf dem Papier bleibt es bescheiden: AUTO BILD misst 11,8 Sekunden von null auf 100 km/h, bei 132 km/h regelt die Elektronik ab. Für die Autobahn ist der Grande Panda damit ein Gast, kein Bewohner. Beim Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h vergehen laut ADAC 6,2 Sekunden — Überholen auf der Landstraße geht also ordentlich.
Was gefällt: Der Antriebskomfort ist tadellos, die Leistung lässt sich sauber dosieren, und die Bremsen überzeugen. 34,0 bis 35,5 Meter aus 100 km/h sind für die Klasse ein guter Wert, und der Übergang zwischen Rekuperation und Scheibenbremse ist kaum spürbar. Im Ausweichtest bleibt der Fiat berechenbar und schiebt im Grenzbereich sicher über die Vorderachse.
Sportlich ist er trotzdem nicht. auto-motor.at beobachtet, dass der Panda in schnell gefahrenen Kurven früh an seine Grenzen kommt. Die Lenkung teilt die Meinungen: heise autos beschreibt sie als synthetisch und schwergängig, der ADAC bemängelt ein verzögertes Ansprechen durch die hohen Reifenflanken. Rekuperiert wird nur in zwei festen Stufen, eine Auto-hold-Funktion fehlt.
Komfort und Geräusch: die Überraschung
Hier liegt eine echte Stärke. Trotz simpler Technik — vorn McPherson-Federbeine, hinten eine Verbundlenkerachse — bescheinigt der ADAC dem Grande Panda einen bemerkenswert guten Federungskomfort für einen Kleinwagen. Die weiche Abstimmung und die hohen Reifenflanken schlucken Unebenheiten souverän, außerorts bleiben die Aufbaubewegungen überschaubar. Auch andere Redaktionen loben die Abstimmung als gelungenen Kompromiss zwischen zu weich und zu straff.
Ganz ohne Einschränkung geht es nicht: Die Hinterachse spricht bei kurzen, tiefen Kanten wie versenkten Kanaldeckeln bockig an und bringt Unruhe in den Innenraum. Beim Geräuschniveau hängt viel an der Reifengröße — der ADAC misst auf 16-Zoll-Rädern 68,7 dB(A) bei Tempo 130, AUTO BILD auf 17 Zoll 72 dB(A). Wer es leise mag, wählt also besser die kleineren Räder.
Die Klimatisierung fällt dagegen ab: unterhalb der Topversion nur eine manuelle Anlage, hintere Ausströmer fehlen komplett — der Fond wird entsprechend langsam warm oder kühl.
Innenraum, Raumangebot und Verarbeitung: charmant, aber einfach
Der Grande Panda ist ein Fünfsitzer, und vorn passt das gut: Der Fahrersitz lässt sich für Menschen bis 1,90 Meter Körpergröße einstellen, die Kopffreiheit ist üppig, Ablagen gibt es reichlich — inklusive eines zweiten, geschlossenen Fachs oberhalb des Handschuhfachs. Im Fond wird es enger: Hinter einem 1,85 Meter großen Fahrer sitzt eine gleich große Person zwar noch, die Beinfreiheit ist aber das Limit, und zu dritt geht es auf der Rückbank spürbar beengt zu.
Der Kofferraum ist für die Klasse ordentlich. Der ADAC misst 310 Liter unter der Abdeckung, bis zum Dach werden 390 Liter daraus und mit umgeklappter Rückbank bis zu 1.100 Liter. Praktisch ist das nur bedingt: Die Ladekante liegt 78 Zentimeter hoch, dahinter wartet eine 21 Zentimeter hohe Stufe, eine Kofferraumbeleuchtung fehlt ebenso wie ein 12-Volt-Anschluss. Und weil kein Frunk existiert, kostet das Ladekabel dauerhaft Stauraum.
Bei der Verarbeitung gehen die Urteile auseinander. Der ADAC lobt saubere Spaltmaße und einen exakt gefügten Innenraum ohne Knarzgeräusche, AUTO BILD beschreibt die Spaltmaße dagegen als stellenweise rustikal. Einig sind sich alle darin, dass die Kunststoffe durchweg hart und kratzempfindlich sind und dass Fiat am Unterboden gespart hat, wo Bereiche unverkleidet freiliegen. Dass das Interieur trotzdem wohnlich wirkt, liegt an der farbenfrohen Gestaltung und dem Bambusfaser-Element über dem Handschuhfach. Ein handfester Kritikpunkt bleibt die Kindersicherheit: Die Isofix-Haken sitzen hinter einem Reißverschluss und sind schlecht erreichbar, den Fensterhebern fehlt ein wirksamer Einklemmschutz.
Software, Bedienung und E-Funktionen: klar bedienbar, dünn ausgestattet
Das Bedienkonzept ist das, was die meisten Tester am deutlichsten loben. Vor dem Fahrer sitzt ein 10-Zoll-Kombiinstrument, in der Mitte ein 10,25 Zoll großer Touchscreen mit kabellosem Apple CarPlay und Android Auto. Entscheidend sind aber die Dinge daneben: eine eigene Klimabedieneinheit mit echten Drehreglern und zwei separate Tasten, mit denen sich Spurhalteassistent und Geschwindigkeitswarner mit einem Griff abschalten lassen. Der ADAC nennt das vorbildlich, und im Alltag ist es genau das. Die Menüs sind übersichtlich, der Touchscreen reagiert flott.
Die Funktionstiefe hält damit nicht Schritt. Ein werksseitiges Navigationssystem gibt es nur in der Topausstattung, Lautstärke und Zoom laufen über Touchflächen statt über Drehregler. In der Frühphase häuften sich zudem Berichte über ein Infotainment, das bei Kälte einfror; in späteren Nachtests trat das nicht mehr auf.
Bei den E-spezifischen Funktionen wird die Liste der Lücken lang: keine Wärmepumpe — auch nicht gegen Aufpreis —, keine Vorkonditionierung, keine Laderoutenplanung, kein Frunk, kein bidirektionales Laden. Vorhanden sind eine Standklimatisierung und eine App, über die sich Ladevorgang, Verriegelung und Fahrzeugstatus steuern lassen. Bei der Assistenz beschränkt sich Fiat weitgehend auf das gesetzlich Vorgeschriebene: Notbremssystem, Spurhalter, Verkehrszeichenerkennung und Müdigkeitswarner sind an Bord, ein Abstandsregeltempomat, ein Totwinkelassistent oder ein Notfallassistent sind gar nicht erhältlich. Immerhin gilt: Was verfügbar ist, ist bereits ab der Basis serienmäßig.
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Einordnung im Ranking
Der Grande Panda Elektro ist ein Spezialist, kein Alleskönner. In der Stadt spielt er seine Stärken aus: handliche Maße, kleiner Wendekreis, komfortables Fahrwerk, eine Bedienung ohne Rätselraten. Sobald regelmäßig Autobahn oder Winterlangstrecke dazukommt, wird es mühsam — dafür sind Verbrauch, Reichweite und Ladetempo zu knapp. Direkte Alternativen sind der Plattformbruder Citroën ë-C3, der Renault 5 E-Tech und der Hyundai Inster, der beim Verbrauch klar davonzieht.
Gemessen an dem, was er bietet, ist der Fiat gut bepreist und liegt etwas günstiger, als man für dieses Gesamtpaket erwarten würde — zumal seit 2026 wieder eine staatliche Förderprämie für Privatkäufer greift, deren Höhe vom Haushaltseinkommen abhängt. Wer einen stilsicheren Zweit- oder Stadtwagen sucht und zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, bekommt hier viel Charakter fürs Geld. Wer ein einziges Auto für alles braucht, schaut besser weiter.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 105 von 114
Quellen
- ADAC Autotest Fiat Grande Panda Electric RED (Ankerquelle, Ecotest)
- ADAC Autotest Fiat Grande Panda Electric La Prima
- ADAC Autokatalog: Fiat Grande Panda Electric
- AUTO BILD: Fiat Grande Panda Elektro im Einzeltest (Messwerte)
- EV Database: Fiat Grande Panda (2025-2026)
- Fiat Deutschland: Grande Panda Elektro, Ausstattungslinien
- DriveK: Preisliste Fiat Grande Panda Elektro
- heise autos: Fiat Grande Panda Elektro im Test
- auto-motor.at: Fiat Grande Panda Elektro La Prima im Test
- elektroauto-news.net: Fiat Grande Panda Elektro im Fahrbericht
- t-online: Fiat Grande Panda im Test (Ladeprobleme und Nachtest)
- ACE: Fahrbericht Fiat Grande Panda Elektro
- motor1.com Deutschland: Fiat Grande Panda im Test
- InsideEVs Deutschland: Grande Panda Elektro, Daten und Preise
Bildquellen
- Fiat Grande Panda Aussenansicht — © Fiat Presseportal
- Fiat Grande Panda Heckansicht — © Fiat Presseportal
- Fiat Grande Panda Seitenansicht — © Fiat Presseportal
- Fiat Grande Panda Innenraum — © Fiat Presseportal
- Fiat Grande Panda Infotainment — © Fiat Presseportal
- Fiat Grande Panda Sitze — © Fiat Presseportal
- Fiat Grande Panda Kofferraumv — © Fiat Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
