EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Das Škoda Enyaq Coupé 85 macht fast alles gut und nichts wirklich falsch. Ihr bekommt ein geräumiges, sauber verarbeitetes und angenehm leises Elektroauto mit rund 420 Kilometern Alltagsreichweite, dazu eine Bedienung, die auf echte Tasten setzt statt auf Touch-Spielereien. Dass die schnittige Dachlinie kaum Platz kostet, ist die eigentliche Überraschung. Der Preis dafür ist der Ladekompromiss: 135 kW Spitzenleistung sind heute kein Argument mehr, auch wenn die flachere Ladekurve das teilweise auffängt. Dazu kommen der fehlende Heckscheibenwischer, schwache Kameras und ein Komfortniveau, das sein volles Potenzial erst mit dem aufpreispflichtigen Adaptivfahrwerk zeigt. Wenn ihr überwiegend zu Hause ladet und ein familientaugliches Elektroauto mit Stil sucht, ist das Coupé eine sehr vernünftige Wahl. Wer ständig lange Autobahnetappen fährt, schaut besser bei der Konkurrenz mit schnellerer Ladetechnik.
Pro
- Sehr viel Platz trotz Coupé-Dachlinie, 570 Liter Kofferraum plus großes Unterflurfach
- Hochwertige Verarbeitung und viele durchdachte Alltagsdetails
- Bedienung mit echten Tasten, schnelles Infotainment und starkes Head-up-Display
- Wärmepumpe und Batterie-Vorkonditionierung serienmäßig
- Für die Größe erstaunlich kleiner Wendekreis von 9,3 Metern
Contra
- Nur 135 kW Ladeleistung, bei kühler Batterie deutlich weniger
- Verbrauch von rund 18,3 kWh auf 100 Kilometer nur durchschnittlich
- Kein Heckscheibenwischer, dazu grobe Kamerabilder und ein zögerlicher Einparkassistent
- Voller Federungskomfort nur mit aufpreispflichtigem Adaptivfahrwerk
- Automatische Rekuperation arbeitet unzuverlässig
Das Škoda Enyaq Coupé ist der Enyaq für alle, die etwas mehr Wert auf die Form legen — ohne dabei auf den Nutzwert zu verzichten, für den Škoda seit Jahren steht. Wir schauen uns hier die Variante 85 mit Heckantrieb und der großen Batterie an, also das Modell, das nach der Modellpflege den Kern der Baureihe bildet. Es ist ein Elektroauto für Familien und Pendler, das erstaunlich viel Platz mit einer schnittigen Dachlinie verbindet. Was dabei überzeugt und wo es hakt, lest ihr hier.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: solide Werte, aber kein Effizienzwunder
Im gemischten Alltagsbetrieb liegt der Enyaq Coupé 85 bei rund 18,3 kWh auf 100 Kilometer — und zwar netzseitig gerechnet, also inklusive der Verluste, die beim Laden an der Wallbox entstehen. Aus der nutzbaren Batteriekapazität von 77 kWh ergibt sich damit eine realistische Alltagsreichweite von etwa 420 Kilometern. Der Werksverbrauch nach WLTP liegt je nach Radgröße deutlich darunter, das ist bei Elektroautos aber normal und kein Schummeln — die Norm rechnet schlicht anders.
Für den Alltag heißt das: Wer täglich 50 bis 80 Kilometer pendelt, lädt einmal pro Woche. Wer im Sommer ruhig über Land fährt, kommt spürbar weiter; Messungen aus Fachtests zeigen auf der Landstraße Werte um 15,8 kWh laut Bordcomputer. Umgekehrt frisst hohes Tempo kräftig: Bei 150 km/h notierten Tester 23 bis 24 kWh. Der ADAC hat das Coupé auch im Winter bei null Grad und autobahnbetontem Profil gemessen — dort blieben 316 Kilometer bei 25,7 kWh übrig.
Die ehrliche Kehrseite: Der Enyaq ist kein Effizienzstar. Der ADAC führt das auf den hohen Aufbau und das Gewicht von über zwei Tonnen zurück. Im Vergleich zu flacheren Elektroautos ähnlicher Größe bleibt hier ein spürbarer Aufschlag — und weil die Batterie mit 77 kWh nicht zu den größten ihrer Klasse gehört, lässt sich das nicht einfach durch Kapazität ausgleichen.
Laden & Reisetauglichkeit: die Spitze ist nicht alles
Beim Laden gibt Škoda für die Heckantriebsversion maximal 135 kW an. Das klingt gegenüber der Allradvariante mit 175 kW schwach, und tatsächlich ist es der Punkt, an dem Tester am lautesten kritisieren. Škoda begründet den Unterschied mit einer anderen Zellchemie: Die Ladekurve des Heckantriebs steigt nicht so hoch, hält das erreichte Niveau dafür länger. Unterm Strich nennt der Hersteller für beide dieselbe Zeit von zehn auf achtzig Prozent, nämlich rund 28 Minuten. In der Praxis solltet ihr eher mit 30 bis 35 Minuten kalkulieren, und bei kühler Batterie kann es deutlich zäher werden — ein Fachtest kam bei 15 Grad und halb vollem Akku nur auf 67 kW.
Für die Langstrecke ergibt das ein solides, aber kein herausragendes Bild: Mit rund 420 Kilometern Alltagsreichweite und planbaren Ladepausen kommt ihr entspannt voran, sofern ihr die Vorkonditionierung der Batterie über die Ladeplanung im Navi nutzt. Wer regelmäßig 800 Kilometer am Stück fährt, wird bei der Konkurrenz mit 800-Volt-Technik allerdings schneller wieder auf der Autobahn sein.
Praktisch für den Nutzwert: Mit Anhängerkupplung darf das Coupé 85 bis zu 1.000 Kilogramm gebremst ziehen. Für einen kleinen Anhänger oder ein leichtes Boot reicht das, für den großen Wohnwagen nicht — hier ist die Coupé-Variante deutlicher limitiert als manche Verbrenner-SUV derselben Größe.
Antrieb & Fahrdynamik: kräftig genug, ohne Show
Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 210 kW, das sind 286 PS, und schiebt das Coupé in 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Auf dem Papier ist das im Elektrosegment kein Aufreger, im Alltag fühlt es sich laut Testern kräftiger an, als die Zahl vermuten lässt: Der Antritt kommt spontan und ohne Ruckeln. Bei 180 km/h ist Schluss, was für die Autobahn völlig ausreicht — und angesichts des Verbrauchs bei hohem Tempo ohnehin die vernünftigere Reisegeschwindigkeit deutlich darunter liegt.
Beim Fahrwerk lohnt der genaue Blick: Das adaptive DCC-Fahrwerk kostet Aufpreis, bietet dann aber eine bemerkenswerte Bandbreite von sehr weich bis deutlich straff. Tester loben, wie flink sich das große Auto damit durch Kurven bewegen lässt. Serienmäßig fährt der Enyaq Coupé mit konventionellen Schraubenfedern — immer noch ausgewogen, aber ohne diese Spreizung.
Kritik gibt es an der Rekuperation: Im Normal- und Komfortmodus arbeitet sie automatisch, und diese Automatik ignoriert laut Testberichten rote Ampeln und wirkt im zähen Verkehr oft zu schwach. Wer die Verzögerung dauerhaft selbst einstellen will, muss in den Individualmodus wechseln. Auch die Bremse schneidet in der ADAC-Bewertung der Baureihe schwächer ab als der Rest des Fahrkapitels.
Komfort & Geräusch: ein ruhiger Begleiter
Der Enyaq Coupé ist in erster Linie ein Komfortauto. Tester beschreiben den Innenraum auch bei höherem Tempo als angenehm leise; Wind- und Abrollgeräusche halten sich zurück. Der ADAC bewertet Federung und Klimatisierung der Baureihe sehr gut, das Innengeräusch gut — allerdings an einem Fahrzeug mit dem aufpreispflichtigen Adaptivfahrwerk.
Genau hier liegt der Haken für die Serienbewertung: Der viel gelobte Komfortgipfel hängt am optionalen DCC. Ohne dieses Extra bekommt ihr einen guten, ausgewogenen Alltagskomfort, aber kein Fahrgefühl wie auf Luftfederung. Wer viel Langstrecke fährt, sollte die Option ernsthaft in Betracht ziehen.
Eine kleine Schwäche notierte der ADAC im Wintertest: Der Innenraum heizt sich vergleichsweise langsam auf. Die serienmäßige Wärmepumpe hilft der Reichweite bei Kälte, ersetzt aber kein schnelles Aufwärmen an frostigen Morgen. Praktisch ist dagegen, dass sich die Klimatisierung im Fond separat regeln lässt — für Familien mit Kindern hinten ein echtes Argument.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: Coupé ohne Verzicht
Trotz der abfallenden Dachlinie bleibt das Enyaq Coupé ein Raumriese. In den Kofferraum passen 570 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es bis zu 1.610 Liter. Dazu kommt ein großes Fach unter dem Ladeboden, in dem auch das Ladekabel seinen festen Platz findet. Als Fünfsitzer bietet der Enyaq hinten so viel Knie- und Kopffreiheit, dass laut Testberichten auch hinter einem knapp 1,90 Meter großen Fahrer noch bequem eine erwachsene Person sitzt.
Die Verarbeitung liegt auf einem Niveau, das mehrere Tester ausdrücklich als hochwertig einstufen — harte Kunststoffe finden sich nur weit unten, Ablagen sind ausgekleidet, nichts klappert. Dazu kommen die typischen Škoda-Kleinigkeiten: Regenschirm in der Tür, Mülleimer, durchdachte Ablagen und eine induktive Ladeschale, in die auch große Smartphones passen. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es allerdings nicht.
Die Kehrseite der Form: Es fehlt ein Heckscheibenwischer, was bei Nässe und Schmutz spürbar nervt. Der Kofferraum ist zwar groß, aber relativ flach. Und das große Panoramadach lässt sich weder öffnen noch abdunkeln — bei praller Sonne wird es darunter warm.
Software, Bedienung & E-Funktionen: erfreulich unaufgeregt
Hier macht Škoda vieles richtig. Für Fahrmodi, Assistenzsysteme und Klima gibt es echte Tasten statt reiner Touchflächen, der große Bildschirm reagiert schnell und lässt sich über Favoritentasten sortieren. Das Head-up-Display ist groß und beherrscht sogar erweiterte Navigationsanzeigen zusammen mit Android Auto und Apple CarPlay — das können deutlich teurere Autos nicht.
Auf der E-Seite ist die Ausstattung stimmig: Wärmepumpe serienmäßig, Vorkonditionierung der Batterie, die sich über die Ladeplanung im Navi automatisch auslöst, sowie automatische Freischaltung an passenden Ladesäulen. An Assistenz ist ab Werk viel an Bord, vom adaptiven Abstandsregler über Stau- und Spurwechselassistent bis zum Querverkehrs- und Ausstiegswarner.
Schwachstellen gibt es trotzdem. Das Fahrerinformationsdisplay ist sehr klein, die Bedienung von Tempomat und Assistenten liegt am schlecht einsehbaren Lenkstockhebel. Deutlicher Kritikpunkt in Tests sind die Kameras: Die Bilder der Rückfahr- und Rundumsicht wirken grob aufgelöst und leicht verzögert, und der Einparkassistent arbeitet zwar gründlich, aber sehr zögerlich. Der Spurhalteassistent greift gelegentlich unvermittelt ein.
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Einordnung im Ranking
Das Enyaq Coupé 85 ist ein rundes Gesamtpaket ohne Ausreißer nach oben oder unten: viel Platz, gute Verarbeitung, ordentliche Reichweite, sinnvolle Bedienung. Was fehlt, ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal — die Ladeleistung ist der klarste Kompromiss, die Effizienz nur durchschnittlich. Gemessen an dem, was ihr dafür bekommt, ist der Preis dennoch gut gewählt: ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis, etwas günstiger als der gebotene Gegenwert erwarten ließe. Diese Kennzahl steht bei uns bewusst neben der Gesamtwertung und fließt nicht ins Ranking ein.
Wer sich das Coupé anschaut, wird auch beim VW ID.5 und beim Kia EV6 landen, dazu beim Tesla Model Y und beim Nissan Ariya. Der Škoda punktet in dieser Runde vor allem mit Raum, Bedienlogik und Alltagsdetails; beim Schnellladen ziehen mehrere Konkurrenten davon. Passend ist er für Familien und Vielfahrer, die ein großes, ruhiges Elektroauto suchen und regelmäßig zu Hause laden können — weniger für alle, die jede Woche lange Autobahnetappen mit kurzen Ladestopps abspulen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 13 von 114
Quellen
- EV Database – Škoda Enyaq Coupe 85 (MY25)
- Green NCAP – Škoda Enyaq 85 L&K electric, Datenblatt 2024
- ADAC Autokatalog – Skoda Enyaq Coupé 85 Sportline (01/25–04/26)
- ADAC Winter-Reichweitentest 2025 – Skoda Enyaq Coupé 85
- ADAC Autotest/Ecotest – Skoda Enyaq 85x Sportline (Allrad, Gegenwert)
- InsideEVs – Skoda Enyaq 85 Coupé im Test
- motor1 – Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
- electrive.net – Skoda Enyaq Facelift: Updates bei Technik und Design
- Gas-Junky – Skoda Enyaq 85 Facelift im Test
Bildquellen
- Skoda Enyaq Coupe Aussenansicht — © Skoda Presseportal
- Skoda Enyaq Coupe Heckansicht — © Skoda Presseportal
- Skoda Enyaq Coupe Seitenansicht — © Skoda Presseportal
- Skoda Enyaq Coupe Innenraum — © Skoda Presseportal
- Skoda Enyaq Coupe Infotainment — © Skoda Presseportal
- Skoda Enyaq Coupe Sitze — © Skoda Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
