Ford Capri Extended Range AWD im Test: viel Reichweite, spürbarer Rotstift

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

62,5 % 3,75 / 6

Preis/Leistung

2,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Ford Capri Extended Range AWD ist ein echtes Langstrecken-Talent: Rund 495 Kilometer reale Reichweite, für ein 2,2-Tonnen-SUV gute Effizienz, zügiges Laden und ein angenehm komfortables Fahrwerk machen ihn zum entspannten Reisebegleiter. Dazu kommen ausgereifte Assistenzsysteme und die serienmäßige Vehicle-to-Home-Funktion. Getrübt wird der gute Eindruck vom preisbewussten Innenraum mit viel Hartplastik, der eingeschränkten Übersicht und der stark auf Touch getrimmten Bedienung. Fürs Gebotene ist der Capri zudem etwas teuer. Wer Komfort und Reichweite über Materialanmutung stellt, bekommt dennoch ein stimmiges Elektro-Coupé.

Pro

  • Große reale Reichweite (rund 495 km im ADAC Ecotest) und für 2,2 Tonnen gute Effizienz
  • Kräftiger Allradantrieb mit rund 340 PS und souveränen Fahrleistungen
  • Ausgewogenes, komfortables Fahrwerk mit guter Geräuschdämmung
  • Ausgereifte Assistenzsysteme und Vehicle-to-Home serienmäßig
  • Zügiges Schnellladen bis kurzzeitig knapp 185 kW

Contra

  • Preisbewusste Verarbeitung mit viel hartem Kunststoff
  • Eingeschränkte Übersicht, großer Wendekreis (11,4 m) und 2,07 m Breite
  • Ablenkungsintensive Touch-Bedienung, Klimasteuerung zu tief platziert
  • Für das Gebotene etwas teuer; nur zwei Jahre Garantie

Der Name weckt Erinnerungen an ein flaches Sportcoupé der Sechziger – der neue Ford Capri ist etwas ganz anderes: ein vollelektrisches SUV-Coupé, gebaut in Köln auf der MEB-Plattform von VW, die auch unter VW ID.5 und Škoda Enyaq Coupé steckt. Wir haben uns die Topversion angeschaut, den Extended Range mit 79-kWh-Akku und Allradantrieb. Für wen lohnt sich das 4,63 Meter lange Elektro-Coupé – und wo drückt bei aller Reichweite der Schuh? Kurz vorweg: Beim Stromsparen und auf der Langstrecke macht der Capri vieles richtig, dafür spart Ford spürbar am Innenraum.

Bildergalerie

Ford Capri Aussenansicht
Ford Capri Heckansicht
Ford Capri Seitenansicht
Ford Capri Innenraum
Ford Capri Infotainment
Ford Capri Sitze

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 59.400 €
Nutzbare Batterie 79 kWh
Realverbrauch 17,5 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,5 kWh/100 km
Reale Reichweite 495 km
Ladeleistung (Peak) 185 kW
Ladezeit 10–80 % 30 min
Leistung 250 kW (340 PS)
0–100 km/h 5,3 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Kofferraum 495 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.000 kg
Wendekreis 11,4 m
Maße (L×B) 4.634 × 1.872 mm
Antrieb Allrad

Reichweite & Verbrauch: der eigentliche Trumpf

Im praxisnahen ADAC Ecotest genehmigt sich der Capri AWD 17,5 kWh auf 100 Kilometer – und zwar inklusive der Verluste, die beim Laden anfallen. Aus der 79 kWh großen Batterie ergibt sich damit eine reale Reichweite von rund 495 Kilometern im Mischbetrieb. Nach WLTP stehen mindestens 552 Kilometer auf dem Papier, doch der Ecotest-Wert ist der ehrlichere Maßstab für den Alltag.

Für ein Auto, das leer schon rund 2,2 Tonnen wiegt und beide Achsen antreibt, ist das ein sehr ordentliches Effizienzniveau. Praktisch heißt das: Pendeln unter der Woche, Familienausflüge am Wochenende und auch mal eine längere Etappe sind ohne ständiges Nachladen drin. Wer viel Autobahn oder im Winter fährt, muss die Reichweite allerdings nach unten korrigieren – Tempo und Kälte kosten hier wie bei jedem Stromer spürbar.

Die Kehrseite: Der sparsamste Capri ist eigentlich der Hecktriebler mit einem Motor. Wer den Allrad wählt, zahlt für die Extra-Traktion mit einem Schluck mehr Verbrauch. Für die reine Reichweite ist der AWD also nicht die effizienteste, wohl aber eine langstreckentaugliche Wahl.

Laden & Reisetauglichkeit: zügig, aber kein 800-Volt-Sprinter

Am Schnelllader haben die ADAC-Tester kurzzeitig bis zu knapp 185 kW gemessen, über den ganzen Hub von 10 auf 80 Prozent bleiben im Schnitt 127 kW stehen. Unter guten Bedingungen ist der Akku damit in etwa einer halben Stunde wieder auf 80 Prozent. Zu Hause oder an der Wallbox lädt der Capri dreiphasig mit bis zu 11 kW.

Zusammen mit den rund 495 Kilometern Reichweite ergibt das eine solide, gut planbare Langstrecke: Eine Batterie-Vorkonditionierung lässt sich per Navigationsziel oder manuell aktivieren, und das System bezieht Ladesäulen automatisch in die Routenplanung ein. So bleiben die Ladestopps kurz und kalkulierbar.

Ganz vorne mitspielen kann der Capri beim Tempo aber nicht: Die MEB-Technik arbeitet mit 400 Volt, nicht mit den schnelleren 800-Volt-Systemen mancher Konkurrenten, und jenseits von 80 Prozent wird das Laden deutlich zäher. Ärgerlich für Vielfahrer: Ein Ersatzrad gibt es auch gegen Aufpreis nicht, das Reifenpannenset versteckt sich ausgerechnet unter der Fronthaube.

Antrieb & Fahrdynamik: kräftig, aber schwer

Mit 250 kW, umgerechnet rund 340 PS, ist der Doppelmotor souverän motorisiert. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 5,3 Sekunden, und der Allradantrieb sorgt gerade bei Nässe und in Kurven für zusätzliche Sicherheit. Im Alltag fühlt sich der Capri dadurch jederzeit ausreichend kraftvoll an.

Das Fahrwerk ist gelungen abgestimmt und findet eine gute Balance zwischen Komfort und Kontrolle. Trotzdem lässt sich das hohe Gewicht nicht wegzaubern: Beim ADAC-Ausweichtest zeigt der Capri ein lebhaftes, tänzelndes Heck, das bei Nässe und ambitionierter Fahrweise durchaus fordernd werden kann. Die Lenkung arbeitet präzise und leichtgängig, meldet aber – MEB-typisch – wenig von der Straße zurück.

Komfort & Geräusch: die angenehme Seite

Hier spielt der Capri eine seiner Stärken aus. Das Fahrwerk federt Unebenheiten sauber weg und geizt nicht mit Federungskomfort, die Dämmung hält Wind- und Abrollgeräusche wirksam draußen, und der Elektromotor an der Hinterachse ist im Betrieb kaum herauszuhören. Auf langen Etappen reist es sich entspannt.

Wer möchte, kann den Innenraum mit dem optionalen B&O-System zum kleinen Konzertsaal aufrüsten. Eine Luftfederung bietet Ford dagegen nicht an – der Capri setzt auf konventionelle Dämpfer, was für die Klasse aber völlig in Ordnung geht. Insgesamt ist der Komfort ein echtes Kaufargument.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, viel Plastik

Beim Platz gibt sich der Capri keine Blöße: Vier Erwachsene reisen bequem, der Kofferraum fasst nach ADAC-Messung rund 495 Liter bis zur Hutablage und bis zu 1.390 Liter, wenn man den Raum hinter den Vordersitzen voll nutzt. Ein Frunk fehlt der MEB-Plattform allerdings, und die Ladekante liegt bauartbedingt recht hoch. Die Zuladung von 569 Kilogramm ist standesgemäß.

Der große Wermutstropfen sitzt innen: Tester bemängeln durchgängig den preisbewussten Materialmix. Das Armaturenbrett besteht überwiegend aus hartem Kunststoff, hinten sind die Türverkleidungen komplett hart, und die Mittelkonsole wirkt im Bereich der Armlehne wacklig. Bei einem Testwagenpreis jenseits der 60.000 Euro ist das eine echte Enttäuschung.

Auch die Übersicht ist ein Schwachpunkt: Die lange Fronthaube verdeckt die vordere Wagenkante, das flache Coupé-Heck und die breiten D-Säulen erschweren den Blick nach hinten, und mit 2,07 Metern über die Außenspiegel ist der Capri ziemlich breit. Parksensoren und Rückfahrkamera sind serienmäßig, eine 360-Grad-Kamera kostet aber extra.

Software, Bedienung & E-Funktionen: eigenständig mit Ecken

Anders als bei VW steckt hier Fords eigenes System: Das 14,6 Zoll große, schwenkbare SYNC-Move-Display ist das Herzstück des Cockpits, dahinter verbirgt sich sogar ein abschließbares Fach. Der Aufbau ist überwiegend logisch, und die Assistenzsysteme – von der adaptiven Abstandsregelung mit Stop-and-Go bis zum Toter-Winkel-Warner – arbeiten ausgereift und zuverlässig.

Ein besonderes Extra: Der Capri beherrscht serienmäßig Vehicle-to-Home, kann also mit passender Technik überschüssigen Solarstrom zwischenspeichern und ans Haus zurückgeben. Die Batterie lässt sich aufs Schnellladen vorkonditionieren, und Plug&Charge ist an teilnehmenden Säulen möglich.

Getrübt wird das Bild durch die stark auf Touch ausgelegte Bedienung, die vom Fahren ablenkt, und durch die zu tief sitzende Klimasteuerung. Eine Wärmepumpe gibt es nur gegen Aufpreis – schade, denn sie würde im Winter Reichweite sichern.

Bildergalerie

Ford Capri Aussenansicht
Ford Capri Heckansicht
Ford Capri Seitenansicht
Ford Capri Innenraum
Ford Capri Infotainment
Ford Capri Sitze

Einordnung im Ranking

Der Ford Capri Extended Range AWD ist im Kern ein reichweitenstarkes, komfortables Reise-Coupé mit eigenständiger Optik. Seine direkten Rivalen kommen teils aus dem eigenen Konzernregal – VW ID.5, Škoda Enyaq Coupé, Cupra Tavascan und der Audi Q4 e-tron Sportback teilen die Technik –, dazu kommen Klassiker wie Kia EV6, Hyundai Ioniq 5 und das Tesla Model Y.

Gegenüber den plattformgleichen Geschwistern punktet der Capri mit Fords eigener Software, viel Platz und der starken Reichweite. Er muss sich seine Reisequalitäten aber mit einer preisbewussten Verarbeitung und einer nur mäßigen Übersicht erkaufen – und ist unterm Strich etwas teuer für das Gebotene. Wer vor allem entspannt weite Strecken fahren will und mit dem Hartplastik leben kann, findet hier trotzdem ein rundes Angebot.

Bildquellen

  • Titelbild: Ford Capri Extended Range AWD — © Ford
  • Ford Capri Aussenansicht — © BMW Ford Presseportal
  • Ford Capri Heckansicht — © BMW Ford Presseportal
  • Ford Capri Seitenansicht — © BMW Ford Presseportal
  • Ford Capri Innenraum — © BMW Ford Presseportal
  • Ford Capri Infotainment — © BMW Ford Presseportal
  • Ford Capri Sitze — © BMW Ford Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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