EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der GWM Ora 03 ist ein Sympathieträger mit echten Qualitäten: Er fährt agiler, als die Zahlen vermuten lassen, ist ab Werk außergewöhnlich üppig ausgestattet und wirkt innen wertiger, als der Preis erwarten ließe. Doch der Alltag holt ihn ein. 48 Minuten für eine Schnellladung, ein Kofferraum von gemessenen 215 Litern und eine Bedienung, die selbst Grundfunktionen in Untermenüs versteckt – das sind keine Kleinigkeiten. Zum heutigen Preis geht das Paket in Ordnung, und wer den Ora vor allem in der Stadt bewegt und zu Hause lädt, bekommt ein charmantes, gut gemachtes Elektroauto. Wer damit reisen oder Lasten transportieren will, wird an anderer Stelle glücklicher.
Pro
- Agiles, handliches Fahrverhalten mit direktem Einlenken
- Sehr umfangreiche Assistenz- und Komfortausstattung ab Werk
- Wertige Materialanmutung und eigenständiges Design
- Fünf Jahre Fahrzeuggarantie ohne Kilometerbegrenzung
- Fairer aktueller Grundpreis für die große Batterie
Contra
- Sehr langsames DC-Laden: 48 Minuten von 10 auf 80 Prozent
- Nur 215 Liter Kofferraum, hohe Ladekante, kein Frunk
- Bedienung mit winzigen Touchflächen und versteckten Grundfunktionen
- Keine Laderoutenplanung, keine Batterie-Vorkonditionierung
- Kein Anhängerbetrieb möglich
- Aufdringliche Fahrerüberwachung
Der GWM Ora 03 ist eines der wenigen Elektroautos, das man schon von Weitem erkennt. Kulleraugen-Scheinwerfer, rundliches Heck, ein Zweifarb-Lackkleid – der Kleinwagen aus China will gefallen, und das gelingt ihm. Unter dem Retro-Blech steckt dieselbe Plattform, auf der auch der elektrische Mini gebaut wird, und tatsächlich faehrt sich der Ora ähnlich agil. Ob das reicht, klären die vorliegenden Messdaten und Testberichte – und ihr werdet sehen: Der Ora polarisiert nicht nur optisch.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Effizienzwunder
Im ADAC Ecotest, unserer quantitativen Ankerquelle, kommt der Ora 03 mit der 63-kWh-Batterie auf einen Durchschnittsverbrauch von 20,0 kWh pro 100 Kilometer. Dieser Wert enthält die Ladeverluste beim Laden mit Wechselstrom, ist also der Wert, der tatsächlich von eurer Stromrechnung abgeht. Für eine komplette Vollladung der 59,3 nutzbaren Kilowattstunden fliessen laut Messung rund 68,7 kWh durch die Wallbox. Daraus ergibt sich im gemischten Betrieb aus Stadt, Landstraße und Autobahn eine reale Reichweite von 340 Kilometern.
Für den Alltag heisst das: Wer 40 Kilometer zur Arbeit pendelt, lädt einmal pro Woche. Wer im Winter viel Autobahn faehrt, deutlich oefter. Die Streuung in unabhaengigen Fahrtests ist gross – auf milder Landstraße zeigten Bordcomputer knapp über 16 kWh, bei Außentemperaturen zwischen null und fünf Grad maßen Tester rund 21,7 kWh je 100 Kilometer, jeweils ohne Ladeverluste gerechnet. Der ADAC ordnet den Ora damit als durchschnittlich effizient ein; die fünf Sterne im Ecotest verdankt er vor allem seiner CO2-Bilanz, nicht einer Spitzenposition beim Stromhunger.
Die Kehrseite: 20 kWh sind für ein 4,24 Meter kurzes Auto mit 1,6 Tonnen Leergewicht kein glänzender Wert. Kompaktere Konkurrenten mit ähnlicher Batteriegröße kommen mit weniger aus und fahren entsprechend weiter. Der Werksverbrauch nach WLTP von 16,5 kWh ist – wie fast überall – ein Laborwert, den ihr im Alltag nicht seht.
Laden & Reisetauglichkeit: hier verliert die Katze die Geduld
Das ist der wunde Punkt. Am Schnelllader nimmt der Ora 03 höchstens 67 kW auf, im Test dauert der Sprung von 10 auf 80 Prozent 48 Minuten bei einer mittleren Ladeleistung von 57,8 kW. Nach zehn Minuten an der Säule sind rund 64 Kilometer nachgeladen, nach einer halben Stunde etwa 181. Zum Vergleich: Fahrzeuge derselben Preisklasse schaffen heute das Zwei- bis Dreifache, und die Ladekurve des Ora fällt bereits deutlich vor der 60-Prozent-Marke unter 50 kW ab. An der heimischen Wallbox lädt er dreiphasig mit 11 kW, die Vollladung dauert gut sechs Stunden.
Wer regelmaessig lange Strecken faehrt, spürt das doppelt. Zu den langen Pausen kommt eine reale Reichweite, die auf der Autobahn im Winter noch einmal spürbar schrumpft, sowie ein Innengeräuschpegel, den Messungen bei 130 km/h mit 69,5 dB(A) beziffern – Abroll- und Windgeräusche dominieren. Und eine Laderoutenplanung, die Ladestopps intelligent entlang der Strecke verteilt, gibt es im Navi schlicht nicht. Ihr plant also selbst.
Auch als Zugfahrzeug fällt der Ora aus: Eine Anhängerkupplung ist nicht erhältlich, das Fahrzeug ist für den Anhängerbetrieb nicht zugelassen. Für den Baumarkt-Anhaenger oder den Fahrradträger auf der Kupplung müsst ihr euch anderweitig umsehen. Als Stadt- und Pendlerauto bleibt der Ora dagegen voellig unbeeindruckt von all dem – dort spielt die Ladeleistung praktisch keine Rolle, weil über Nacht geladen wird.
Antrieb & Fahrdynamik: mehr Go-Kart, als man ihm ansieht
Vorn arbeitet ein permanenterregter Synchronmotor mit 126 kW und 250 Newtonmeter, der die Vorderräder antreibt. Aus dem Stand vergehen 8,2 Sekunden bis Tempo 100, bei 160 km/h ist ohnehin abgeregelt. Das klingt bescheiden, fuehlt sich aber lebendiger an, als die Zahlen vermuten lassen: Der Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h gelingt in gemessenen 4,3 Sekunden, das Anfahren aus dem Stand wirkt im Stadtverkehr spritzig. Der Bremsweg aus 100 km/h liegt bei 36,3 Metern und damit im Mittelfeld.
Das eigentliche Pfund ist das Handling. Tester loben durchweg das direkte Einlenken und das leichtfüßige Kurvenverhalten; der ADAC spricht vom bekannten Go-Kart-Gefühl, andere Redaktionen von einem ausgepraegt agilen Fahreindruck. Bei knapp 1,6 Tonnen und kompakten Abmessungen ist das kein Wunder. Untersteuernd ausgelegt bleibt der Ora berechenbar, das ESP greift zuverlaessig ein.
Perfekt ist es nicht. Beim Ausweichtest neigt sich die Karosserie frueh, was die Präzision kostet. Die Lenkung spricht direkt an, gibt aber in keinem ihrer drei Modi eine echte Rückmeldung von der Fahrbahn. Und bei Nässe scharrt der Fronttriebler früher mit den Vorderrädern, als einem lieb ist – die Traktionskontrolle regelt spürbar, aber ruppig. Die abgeregelten 160 km/h werden auf der Autobahn ohnehin selten zum Thema; die Reichweite bremst vorher.
Komfort & Geräusch: komfortabel gemeint, straff geraten
Die Fahrwerksabstimmung ist eher auf Komfort als auf Sport ausgelegt, und in der Stadt federt der Ora Unebenheiten ordentlich weg. Nick- und Wankbewegungen fallen geringer aus als bei vielen kompakten Elektro-SUVs. Sobald es aber konkreter wird, zeigt sich der Kompromiss: Einzelhindernisse wie Bodenschwellen gibt die Hinterachse trocken an die Insassen weiter, und schnelle Anregungen auf der Autobahn kommen im Innenraum an.
Beim Geräusch bleibt es beim durchwachsenen Bild. Der Antrieb selbst ist stromertypisch leise, das gemessene Innengeräusch von 69,5 dB(A) bei 130 km/h speist sich aus Abroll- und Windgeräuschen. Auf Kurzstrecken fällt das kaum auf, auf der Langstrecke schon. Manche Redaktionen urteilen deutlich härter und beschreiben die Abstimmung als eher hoppelnd denn geschmeidig – hier gehen die Fahrurteile auseinander, und beide Eindruecke haben ihre Berechtigung, je nachdem, auf welchem Belag man unterwegs ist.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: schoen, aber schmal
Der Ora 03 ist ein Fünfsitzer, und vorn sitzt man gut: Die Beinfreiheit reicht für Personen bis rund 1,90 Meter, die Sitzhoehe sogar für Zweimetermenschen. Auch im Fond überrascht die Beinfreiheit positiv. Der limitierende Faktor hinten ist die Kopffreiheit, die bei etwa 1,85 Metern Körpergröße endet. Die geringe Innenbreite engt in beiden Reihen etwas ein – ein helles Panoramadach relativiert das subjektiv, ändert aber nichts an den Zentimetern.
Der Kofferraum ist die klare Schwäche des Autos. Die ADAC-Messung ergibt 215 Liter, das ist selbst für einen Kleinwagen wenig und deutlich unter dem, was ein gleich langer Kompakter bietet. Dazu kommt eine 82 Zentimeter hohe Ladekante, eine 21 Zentimeter hohe innere Kante und bei umgeklappter Rückbank eine zehn Zentimeter grosse Stufe. Zurrösen, Seitenfächer oder ein Gepäcknetz? Fehlanzeige. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es ebenfalls nicht – die Ladekabel müssen unter den Kofferraumboden.
Die Materialanmutung dagegen gefällt: Mikrofaserstoff mit Rautensteppung auf Instrumententafel, Sitzflaechen und Türtafeln schafft ein wertiges Ambiente, die Spaltmaße aussen sind gleichmäßig. Die Ausführung hält allerdings nicht ganz mit. Im ADAC-Testwagen knarzte der Fahrersitz und ein Sitzbezug sprang aus seiner Halterung; im Kofferraum dominiert kratzempfindliches Hartplastik. Solide also, mit erkennbaren Sparstellen.
Software, Bedienung & E-Funktionen: der größte Kritikpunkt
Wenn sich alle Testberichte in einem Punkt einig sind, dann hier. Die Schriften und Bedienfelder des zentralen Touchscreens sind zu klein – der Pfeil zur Temperaturanpassung misst etwa fünf Millimeter und verlangt während der Fahrt volle Konzentration. Grundfunktionen wie Sitz- und Lenkradheizung liegen in Untermenüs, der Fahrmodus-Schalter und der Ausschalter sitzen unten links, vom Lenkrad verdeckt. Den Verbrauch zurücksetzen? Ging bis zuletzt nicht.
Wer das umgehen will, landet beim Sprachassistenten – und der ist bestenfalls Mittelmass, krude übersetzt und findet Navigationsziele oft nicht. Dazu kommt eine Fahrerüberwachungskamera, die schon bei einem Blick auf das Display ermahnt. Mehrere Tester schalten sie nach jedem Neustart ab. Immerhin: Zwei 10,25-Zoll-Displays, Over-the-Air-Updates und inzwischen serienmäßiges Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, das Navigationssystem selbst arbeitet ordentlich.
Bei den elektroauto-typischen Funktionen bleiben spürbare Lücken. Eine Batterie-Vorkonditionierung fehlt, ebenso Plug & Charge, Autocharge und die Moeglichkeit, das Auto als Stromquelle zu nutzen. Die Wärmepumpe ist erst ab der zweithoechsten Ausstattung serienmäßig, darunter kostet sie Aufpreis. Dem gegenüber steht ein außergewöhnlich breites Assistenzpaket ab Werk – Abstandstempomat, Stauassistent, Spurhalter, Totwinkelwarner, 360-Grad-Kamera, im Euro-NCAP-Test gab es dafür eine Spitzenbewertung. Nur arbeitet der Abstandstempomat lediglich bis 120 km/h und übernimmt keine Tempolimits, und den Spurführungsassistenten gibt es nur im Topmodell.
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Einordnung im Ranking
Der GWM Ora 03 ist ein Auto mit klarem Profil: charmant gezeichnet, agil, üppig ausgestattet, ordentlich verarbeitet – und in Bedienung, Kofferraum und Ladetempo deutlich unter dem, was die Konkurrenz inzwischen liefert. Genau so fällt er auch im Vergleich mit VW ID.3, Cupra Born, MG4 oder BYD Dolphin aus: vorn beim Fahrgefühl und beim Serienumfang, hinten bei Alltagsnutzen und Langstrecke. Zum aktuellen Grundpreis von 32.490 Euro für die 63-kWh-Variante ist er fair bepreist; das Preis/Leistungs-Verhältnis geht in Ordnung, auch wenn die Preisspreizung bei diesem Modell ungewöhnlich gross ist und Lagerfahrzeuge deutlich günstiger angeboten werden.
Empfehlen würden wir ihn Menschen, die vor allem in der Stadt und im Umland unterwegs sind, die Wert auf Design und Ausstattung legen und die zu Hause laden können. Wer regelmaessig Langstrecke faehrt, viel transportiert oder eine intuitive Bedienung erwartet, sollte sich anderswo umsehen. Wo der Ora 03 damit im Gesamtfeld steht, seht ihr hier:
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 98 von 104
Quellen
- ADAC Autotest & Ecotest – ORA Funky Cat (63 kWh) 400 Pro+ (Ankerquelle)
- ADAC – Test GWM Ora 03
- GWM Deutschland – Technische Daten Ora 03
- GWM Deutschland – Ausstattung Ora 03
- EV-Database – GWM ORA 03 63 kWh
- EV-Database – GWM ORA 03 400 Pro (Grundpreis)
- Auto Zeitung – Ora Funky Cat im Test
- inside digital – GWM Ora 03 400 Pro+ im Test
- Carwow – GWM Ora 03 Test
- autoflotte – Ora Funky Cat Fahrbericht
- auto motor und sport – Kosten und Realverbrauch Ora Funky Cat 400 Pro+
- autonotizen – Ora Funky Cat 400 Pro+ Fahrbericht
- fuhrpark.de – Ora Funky Cat Fahrbericht
Bildquellen
- GWM Ora 3 Aussenansicht — © GWM Presseportal
- GWM Ora 3 Heckansicht — © GWM Presseportal
- GWM Ora 3 Seitenansicht — © GWM Presseportal
- GWM Ora 3 Innenraum — © GWM Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
