VW ID.3 Pro (59 kWh) im Test: Der leise Dauerläufer der Kompaktklasse

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

57,5 % 3,45 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der ID.3 Pro mit 59-kWh-Akku ist ein rundum vernünftiger Kompakter: leise, komfortabel, effizient und mit einem angenehm agilen Heckantrieb. Ihr bekommt viel Alltagstauglichkeit ohne Premium-Preis, müsst dafür aber mit einer nur mittleren Autobahn-Reichweite und der etwas hakeligen Touch-Bedienung leben. Wer vor allem pendelt, Stadt und Überland fährt und nur gelegentlich auf die lange Strecke muss, ist hier goldrichtig — Vielfahrer schauen eher zur großen Batterie.

Pro

  • In der Klasse außergewöhnlich leise und komfortabel
  • Effizienter Antrieb, gute Reichweite im Alltag
  • Agiler, ausgewogener Heckantrieb
  • Ausgereifte, zuverlässige Assistenzsysteme

Contra

  • Nur mittlere Reichweite auf der Autobahn
  • Wärmepumpe kostet Aufpreis, kein Frunk
  • Touch-Slider und gelegentliche Software-Trägheit

Der VW ID.3 war das erste eigenständige Elektroauto aus Wolfsburg — und ist nach mehreren Überarbeitungen deutlich erwachsener geworden. Wir schauen uns hier die mittlere Variante an: den Pro mit 59-kWh-Akku und Heckantrieb, die klassische Wahl für alle, die einen alltagstauglichen Kompakten ohne Premium-Aufschlag suchen. Er ist leise, effizient und angenehm zu fahren — leistet sich aber ein paar Kompromisse, die ihr vor dem Kauf kennen solltet.

Bildergalerie

VW ID3 Pro Aussenansicht
VW ID3 Pro cockpit
VW ID3 Pro Innenraum

Technische Daten

Marktstart 2023
Basispreis 36.425 €
Nutzbare Batterie 59 kWh
Realverbrauch 18 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 300 km
Ladeleistung (Peak) 165 kW
Ladezeit 10–80 % 26 min
Leistung 170 kW (231 PS)
0–100 km/h 7,1 s
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Kofferraum 385 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 10,3 m
Maße (L×B) 4.264 × 1.809 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: effizient, solange die Autobahn nicht dominiert

Mit nutzbaren 59 kWh gehört der ID.3 Pro zur goldenen Mitte im Kompakt-Segment. In unabhängigen Messungen zeigt sich der Antrieb als angenehm sparsam: Bei milden Temperaturen und gemischter Fahrt liegt der reale Verbrauch bei etwa 16 bis 18 kWh auf 100 Kilometern — ein guter Wert für ein rund 1,8 Tonnen schweres Auto. Auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit klettert er auf etwa 20 bis 22 kWh, im Winter und bei zügigem Tempo hat ein Test sogar rund 27 kWh gemessen.

Für den Alltag heißt das: Wer pendelt, in der Stadt und über Land unterwegs ist, kommt real gut 300 bis 340 Kilometer weit. Auf der Autobahn und bei Kälte schmilzt das auf etwa 230 bis 260 Kilometer zusammen. Das reicht bequem für den Berufsverkehr und Wochenendtouren, verlangt auf der langen Strecke aber Planung.

Die ehrliche Kehrseite: Gegen die effizientesten Kompakten und gegen die große 79-kWh-Variante des ID.3 selbst fehlt hier schlicht Batterie. Der Pro ist effizient, aber die Autobahn bleibt seine Schwäche — Vielfahrer greifen besser zur größeren Zelle.

Laden & Reisetauglichkeit: ordentlich, aber kein Schnelllade-Champion

Am Schnelllader zieht der ID.3 Pro bis zu 165 kW, im Schnitt über den relevanten Bereich von 10 auf 80 Prozent etwa 110 kW. Damit ist dieser Sprung in gut 25 Minuten erledigt. Zu Hause lädt er mit bis zu 11 kW Wechselstrom, was für die Übernacht-Ladung locker genügt.

Praktisch bedeutet das solide, planbare Ladestopps — aber keine Rekorde. Weil die mittlere Batterie und das gute, jedoch nicht überragende Ladetempo zusammenkommen, stuft die EV Database die Langstreckentauglichkeit nur im Mittelfeld ein. Auf einer 800-Kilometer-Etappe müsst ihr mehrfach nachladen und die Pausen bewusst einplanen.

Der Kompromiss ist damit klar: Als entspannter Pendler und Überland-Gleiter ist der ID.3 Pro bestens aufgestellt, als kompromissloser Langstreckenläufer nur bedingt. Für die meisten Käufer, die selten mehr als 300 Kilometer am Stück fahren, fällt das kaum ins Gewicht.

Antrieb & Fahrdynamik: agil und souverän statt sportlich

Der Heckmotor leistet in der aktuellen Ausführung 170 kW, also rund 231 PS, und schiebt den Kompakten in etwa 7,1 Sekunden auf 100 km/h — frühere 59-kWh-Pro traten mit 204 PS und rund 7,6 Sekunden an. Bei 160 km/h wird abgeregelt. Für Überholmanöver und den souveränen Antritt aus der Stadt heraus ist das mehr als genug.

Auf der Straße gefällt vor allem die Balance: Der Antrieb an der Hinterachse und der tiefe Schwerpunkt der Batterie sorgen für eine satte Straßenlage und ein agiles Einlenken, das Tester dem ID.3 mehr Fahrspaß bescheinigen als vielen frontgetriebenen Rivalen. Ein Golf wirkt handlicher, doch der VW fühlt sich erwachsen und sicher an.

Die Einschränkung: Mit rund 1,8 Tonnen ist der ID.3 kein Leichtgewicht, echte Sportambitionen hat er nicht. Er ist flott und ausgewogen — wer eine spielerische Go-Kart-Note sucht, wird woanders glücklicher.

Komfort & Geräusch: hier spielt er seine größte Stärke aus

Wenn der ID.3 in einer Disziplin glänzt, dann bei der Ruhe an Bord. Tester heben immer wieder hervor, wie leise der VW dahingleitet — in der Kompaktklasse gilt er als Referenz. Verantwortlich sind die glatte Unterbodenverkleidung und die sorgfältig optimierte Aerodynamik, die Wind- und Abrollgeräusche wirksam draußen halten.

Dazu kommt ein ausgewogener Federungskomfort: Der ID.3 bügelt Unebenheiten gelassen weg und bleibt auch auf längeren Etappen entspannt, unterstützt von bequemen Sitzen. Das macht ihn zu einem angenehmen Reisebegleiter, der eine Klasse gediegener wirkt, als es der Preis vermuten lässt.

Zur Ehrlichkeit gehört: Eine Luftfederung wie in der Oberklasse gibt es nicht, und auf sehr schlechten Belägen meldet sich das Fahrwerk schon mal zu Wort. Für ein absolutes Spitzenurteil fehlt dieser letzte Schliff — für die Klasse ist der Komfort aber vorbildlich.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, spät gereift

Beim Volumen bewegt sich der ID.3 auf Golf-Niveau: 385 Liter Kofferraum, umgeklappt bis zu 1.267 Liter. Dank des flachen MEB-Bodens sitzt man im Fond großzügig, auch groß gewachsene Passagiere haben genug Kopf- und Beinfreiheit. Einen vorderen Kofferraum, den Frunk, gibt es allerdings nicht.

Bei der Verarbeitung hat der ID.3 spät zugelegt. Die Spaltmaße waren immer VW-typisch sauber, doch die Materialien wirkten zum Start billig. Seit dem Facelift ist der Innenraum spürbar wertiger, auch wenn an einigen Sichtstellen weiter Hartplastik verbaut ist.

Die Kehrseite im Alltag: Die kleine Heckscheibe und die breiten C-Säulen schränken die Sicht nach hinten ein — hier helfen Kamera und Assistenten, ein echtes Panorama nach hinten bleibt aber aus.

Software, Bedienung & E-Funktionen: gereift, aber nicht fehlerfrei

Der ID.3 startete mit ausgeprägten Software-Problemen und hat sich über zahlreiche Updates deutlich gefangen. Die Assistenzsysteme gehören heute zu seinen Stärken: Der adaptive Tempomat arbeitet vorausschauend, passt das Tempo an Kurven und Limits an und wird von Testern ausdrücklich gelobt. Batterie-Vorkonditionierung über die Navigation und Plug & Charge sind an Bord.

Trotzdem bleibt die Bedienung ein Kritikpunkt. Die berührungsempfindlichen Slider unter dem Bildschirm sind unbeleuchtet und fummelig, und die Menüs reagieren nicht immer flott — nicht umsonst kehrt VW beim jüngsten Facelift bewusst zu echten Tasten zurück.

Ein weiterer Punkt fürs Kleingedruckte: Die Wärmepumpe, die im Winter Reichweite spart, ist nur gegen Aufpreis zu haben, und Vehicle-to-Load zum Anschluss externer Geräte fehlt. Die Basis ist gut, ein paar E-Komfortfunktionen muss man aber extra ordern oder vermissen.

Einordnung im Ranking

Unterm Strich ist der VW ID.3 Pro ein grundsolider Kompakter, der vor allem mit Ruhe, Effizienz und Ausgewogenheit punktet. Gegen Alternativen wie den Cupra Born als Plattformbruder, den Kia EV3, den Renault Mégane E-Tech oder den preisaggressiven MG4 muss er sich nicht verstecken — beim Geräusch- und Fahrkomfort liegt er sogar vorn, bei Reichweite und Bedienung geben andere den Ton an.

Beim Preis/Leistung schneidet er gut ab und ist zum Listenpreis etwas günstiger, als es der gebotene Gegenwert erwarten lässt — mit den üblichen Rabatten am Auslaufmodell wird das Angebot sogar richtig attraktiv. Passend ist der ID.3 Pro für alle, die einen leisen, unkomplizierten Alltags-Stromer für Pendeln, Stadt und Überland suchen und nur selten die ganz lange Strecke fahren.

Bildquellen

  • VW ID3 Pro Aussenansicht — © Volkswagen Presse Portal
  • VW ID3 Pro cockpit — © Volkswagen Presse Portal
  • VW ID3 Pro Innenraum — © Volkswagen Presse Portal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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