EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Opel Grandland Electric macht vieles richtig: Er ist geräumig, leise, komfortabel und erfreulich einfach zu bedienen. Als 73-kWh-Fronttriebler ist er ein grundsolides Familien-SUV für alle, die vor allem zu Hause laden. Seine Schwachstellen sind aber klar benannt – die nur durchschnittliche Effizienz und das zäh nachlassende Schnellladen kosten ihn ausgerechnet auf der Langstrecke Punkte. Für das Gebotene ist er zudem etwas zu teuer angesetzt. Ein rationaler Kopf-, kein Bauchkauf.
Pro
- Geräumiger Innenraum mit viel Platz im Fond
- Sehr gute Geräuschdämmung, komfortabler Langstreckensitz
- Bodenständige Bedienung mit echten Tasten, Wärmepumpe serienmäßig
- Solide Verarbeitung in der ersten Reihe
Contra
- Nur durchschnittliche Effizienz für ein E-SUV
- Schnellladeleistung fällt früh ab – schwach auf Langstrecke
- Straffes Fahrwerk, gefühlsarme Lenkung
- Für das Gebotene etwas zu teuer
Mit dem Grandland Electric bringt Opel sein bisher größtes Elektroauto an den Start – ein Kompakt-SUV, das ganz bewusst auf Vernunft statt auf Effekt setzt. Er teilt sich die STLA-Medium-Plattform mit dem Peugeot E-3008 und E-5008, tritt aber sachlicher und nüchterner auf. Wir haben für euch die 73-kWh-Basisvariante mit Frontantrieb angeschaut – also genau die Version, die für die meisten Käuferinnen und Käufer realistisch ist. Wo der Rüsselsheimer im Alltag punktet und wo er Federn lässt, lest ihr hier.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Effizienzwunder
Der nutzbare Akku fasst 73 kWh, offiziell stehen 17,2 kWh/100 km und rund 520 Kilometer nach WLTP im Prospekt. Real sieht die Sache nüchterner aus: Im standardisierten Messzyklus – inklusive der Ladeverluste beim Wechselstromladen – landet der baugleiche Antrieb bei etwa 20 kWh/100 km, unabhängige Realtests von Redaktionen ermitteln je nach Tempo und Wetter 18 bis 20 kWh. Das ist für ein gut 1,9 Tonnen schweres SUV vertretbar, aber keine Bestmarke.
Für euch im Alltag bedeutet das eine gemischte Reichweite von rund 365 Kilometern. Auf der Autobahn bei 120 bis 130 km/h schmilzt der Wert spürbar zusammen – im Winter sind dann eher 265 bis 300 Kilometer drin. Zum Pendeln, für die Stadt und die typische Wochenendtour reicht das bequem; wer regelmäßig lange Strecken fährt, schielt eher zur größeren Long-Range-Version. Die ehrliche Kehrseite: Bei der Effizienz fährt die Konkurrenz aus Wolfsburg und Fernost teils sparsamer.
Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst der Opel sich selbst
Am Schnelllader zieht der Grandland maximal 160 kW – auf dem Papier ein guter Wert für ein 400-Volt-Auto. In der Praxis fällt die Kurve allerdings zügig ab, im Schnitt bleiben zwischen 10 und 80 Prozent nur etwa 90 kW übrig. Für diesen Sprung solltet ihr rund 36 Minuten einplanen. An der heimischen 11-kW-Wallbox ist der Akku über Nacht ohnehin längst voll.
Praktisch heißt das: Als reines Langstreckenauto ist der Grandland nur zweite Wahl. Die mittlere Reichweite und die eher durchschnittliche Ladeleistung summieren sich auf spürbare Pausen, wenn ihr viele Kilometer am Stück abspult. Wer hauptsächlich zu Hause lädt und nur gelegentlich weite Touren macht, wird das kaum als Problem empfinden – Vielfahrer mit engem Zeitplan dagegen schon. Immerhin: Eine Wärmepumpe gehört serienmäßig dazu, und die Batterie lässt sich vor dem Schnellladen manuell vorkonditionieren.
Antrieb & Fahrdynamik: souverän, nicht sportlich
Der Fronttriebler leistet 157 kW (213 PS) und schickt 345 Nm an die Vorderachse. In rund 9,0 Sekunden geht es auf Tempo 100 – kein Rekord, aber für den Alltag völlig ausreichend. Das Drehmoment steht typisch für ein E-Auto sofort bereit, sodass sich der Opel spöttisch leicht durch den Stadtverkehr und flott auf die Autobahn bewegen lässt.
Beim Handling zeigt sich der Grandland sicher und berechenbar, aber ohne Ambitionen. Tester loben die stabile Straßenlage und die gute Dosierbarkeit der Bremse, bemängeln jedoch eine etwas leichtgängige Lenkung mit wenig Rückmeldung und ein eher vorsichtig eingreifendes ESP. Ein Kurvenräuber ist er also nicht – wer ein entspanntes, unaufgeregtes SUV sucht, wird das aber kaum vermissen.
Komfort & Geräusch: leise reist es sich hier
Opel setzt auf ein Fahrwerk mit frequenzselektiver Dämpfung. Es ist deutlich straffer abgestimmt als im französischen Schwestermodell: Kurze Querfugen und Kopfsteinpflaster gibt der Grandland spürbarer an die Insassen weiter. Wer ein schwebendes Fahrgefühl erwartet, wird hier nicht ganz glücklich.
Dafür glänzt der Opel mit einer richtig guten Dämmung: Auf der Autobahn bleibt es innen bemerkenswert ruhig, Wind- und Abrollgeräusche halten sich angenehm zurück. Zusammen mit den bequemen, AGR-zertifizierten Sitzen ergibt das einen überzeugenden Langstreckenkomfort – der Grandland fährt satt und erwachsen, auch wenn das straffe Fahrwerk der letzte Schliff Richtung Sofa-Komfort fehlt.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: gute erste Reihe, sparsamere zweite
Der Kofferraum fasst 550 Liter und wächst mit umgeklappter 40:20:40-Rückbank auf bis zu 1.645 Liter. Der ebene Ladeboden und ein Staufach fürs Ladekabel machen den Alltag leichter, einen Frunk unter der Haube gibt es allerdings nicht. Dank des langen Radstands von 2,79 Metern geht es im Fond angenehm luftig zu – auch große Passagiere finden reichlich Kopf- und Beinfreiheit.
Bei der Verarbeitung zeigt der in Eisenach gebaute Opel zwei Gesichter. Die erste Reihe wirkt hochwertig: ein gelungener Mix aus Stoff, Alcantara-Einlagen und Elementen in Metall- und Carbon-Optik, sauber zusammengefügt. In der zweiten Reihe hat Opel dagegen sichtbar gespart – hier dominiert schlichtes Hartplastik. Das ist verschmerzbar, trübt aber den ansonsten wertigen Eindruck etwas.
Software, Bedienung & E-Funktionen: erfreulich bodenständig
Das Infotainment läuft auf einem Snapdragon-Chip, je nach Ausstattung mit 10- oder 16-Zoll-Display und TomTom-Navigation. Wichtiger für den Alltag: Opel behält echte physische Tasten für Klima und Lautstärke bei. Die Menüs sind logisch aufgebaut, das System reagiert flott – die Bedienung erinnert wohltuend an ein Auto und nicht an ein fahrendes Smartphone.
Bei den E-Funktionen ist das Wichtigste an Bord: serienmäßige Wärmepumpe, Ladepunkt-Planung in der Route, Autocharge und ein einstellbares AC-Ladelimit. Eine automatische, navigationsgesteuerte Vorkonditionierung fehlt jedoch, und die Vehicle-to-Load-Funktion gibt es nur als optionale Vorrüstung für später gebaute Fahrzeuge. Der Funktionsumfang ist damit solide, ohne die Spitze der Klasse anzugreifen.
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Einordnung im Ranking
Der Opel Grandland Electric ist ein grundehrliches, komfortabel abgestimmtes Kompakt-SUV mit viel Platz, guter Dämmung und angenehm bodenständiger Bedienung. Seine Schwächen liegen dort, wo E-Autos heute gemessen werden: durchschnittliche Effizienz und ein Schnellladetempo, das ihn als Langstreckenauto ausbremst. Gegen direkte Alternativen wie VW ID.5, Ford Explorer oder Skoda Enyaq muss er sich vor allem beim Laden geschlagen geben.
Dazu kommt der Preis: Für das Gebotene ruft Opel einen Tick zu viel auf – hier zahlt ihr etwas drauf, ohne einen klaren Gegenwert zu bekommen. Wer hauptsächlich zu Hause lädt, ein ruhiges Familien-SUV sucht und auf letzte Effizienz-Prozente verzichten kann, findet im Grandland trotzdem einen verlässlichen Begleiter. Wo genau er im Gesamtfeld landet, seht ihr hier:
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 59 von 104
Quellen
- EV Database – Opel Grandland Electric 73 kWh
- ADAC – Grandland Electric Long Range 97 kWh GS (Ecotest, baugleicher Antrieb)
- motor1/InsideEVs – Grandland Electric Dauertest (73 kWh)
- electrive – Opel Grandland Electric im Fahrbericht
- auto-motor.at – Grandland Electric GS 73 kWh im Test
- InsideEVs – Grandland Electric: Daten und Preise
Bildquellen
- Titelbild Opel Grandland Electric — © Opel
- Opel Grandland Electric Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
- Opel Grandland Electric Heckansicht — © Stellantis Presseportal
- Opel Grandland Electric Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
- Opel Grandland Electric Innenansicht — © Stellantis Presseportal
- Opel Grandland Electric Infotainment — © Stellantis Presseportal
- Opel Grandland Electric Sitze — © Stellantis Presseportal
- Opel Grandland Electric Kofferraum — © Stellantis Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
