Porsche Macan 4 im Test: Der Sport-Porsche unter den Elektro-SUV

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

67,5 % 4,05 / 6

Preis/Leistung

1,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Porsche Macan 4 ist ein rundum gelungenes Elektro-SUV: schnell, präzise abgestimmt, hochwertig verarbeitet und dank 800-Volt-Technik ein Star an der Schnelllad`säule. Reichweite und Reisetauglichkeit passen, der Antrieb lässt keine Wünsche offen. Ihr zahlt dafür allerdings kräftig – und lebt mit kleineren Kompromissen wie dem knappen Fond, dem langsamen AC-Laden und der fehlenden manuellen Vorkonditionierung. Ein sehr gutes Auto, das man sich leisten können und wollen muss.

Pro

  • Sehr schnelles DC-Laden dank 800-Volt-Technik (bis knapp 280 kW gemessen)
  • Agiles, präzises Fahrverhalten mit echtem Porsche-Charakter
  • Hochwertige Verarbeitung und edles Interieur
  • Gute reale Reichweite (rund 470 km) fürs Format
  • Umfangreiche Serienausstattung und -assistenz, sinnvolle haptische Tasten

Contra

  • Hoher Preis und lange, teure Aufpreisliste
  • AC-Laden nur mit 11 kW
  • Keine manuelle Batterie-Vorkonditionierung
  • Knapper Fond durch die coupéhafte Dachlinie

Der Porsche Macan ist komplett zum Elektroauto geworden – und mit dem Macan 4 landet ihr genau in der Mitte der Baureihe: Allradantrieb, zwei Motoren, 800-Volt-Technik und ein Einstiegspreis, der schon in der Basis jenseits der 80.000 Euro liegt. Wir haben zusammengetragen, was unabhängige Messungen und Fahrtests über das Mittelklasse-SUV verraten – von Reichweite und Laden über den Antrieb bis zur Verarbeitung. Kurz vorweg: Der Macan 4 ist ein rundum reifes Auto ohne echte Schwäche im Antrieb – nur günstig ist er eben nicht.

Bildergalerie

Porsche Macan 4 Aussenansicht
Porsche Macan 4 Heckansicht
Porsche Macan 4 Seitenansicht
Porsche Macan 4 Innenraum
Porsche Macan 4 Infotainment

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 81.200 €
Nutzbare Batterie 95 kWh
Realverbrauch 22 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 20,5 kWh/100 km
Reale Reichweite 470 km
Ladeleistung (Peak) 279,7 kW
Ladezeit 10–80 % 23 min
Leistung 300 kW (408 PS)
0–100 km/h 5,2 s
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Kofferraum 540 l
Frunk 84 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 2.000 kg
Wendekreis 12,1 m
Maße (L×B) 4.784 × 1.938 mm
Antrieb Allrad

Reichweite & Verbrauch: effizient, aber kein Kostverächter

Im Macan 4 steckt eine Batterie mit 95 kWh nutzbarer Kapazität (100 kWh brutto). Standardisierte Realmessungen liegen bislang vor allem für den heckgetriebenen Basis-Macan vor – der kommt im ADAC Ecotest auf 20,1 kWh je 100 Kilometer inklusive Ladeverluste. Der Allrad-Macan-4 liegt spürbar darüber: Redaktionstests messen am Bordcomputer rund 21,5 kWh bei Tempo 130 und im Schnitt etwa 22 kWh. Fahrt ihr betont ruhig, geht deutlich mehr – bei konstant 100 km/h wurden gut 15,7 kWh notiert, im gemächlichen Landstraßentempo sogar nur knapp über 12 kWh.

Für den Alltag heißt das: Rund 470 Kilometer reale Reichweite im gemischten Betrieb sind drin, auf der Autobahn bei 130 km/h eher etwa 440 Kilometer. Das ist für ein gut zwei Tonnen schweres, breites Sport-SUV ein ordentlicher Wert, mit dem Pendeln und auch die längere Reise entspannt gelingen. Der WLTP-Bestwert von bis zu 610 Kilometern bleibt dagegen Theorie – wie fast immer.

Die Kehrseite: Ein Effizienzwunder ist der Macan 4 nicht. Wer viel Autobahn fährt, sieht schnell Verbräuche jenseits der 22 kWh, im Winter noch mehr. Die grundsätzlich sparsame PPE-Plattform kann das hohe Gewicht und die breite Front nicht ganz kaschieren.

Laden & Reisetauglichkeit: hier spielt er in der Oberliga

Beim Schnellladen zeigt der Macan, was 800 Volt bringen: Gemessen wurden kurzzeitig fast 280 kW Spitzenleistung und im Schnitt über die wichtige Etappe von 10 auf 80 Prozent rund 190 kW. Praktisch bedeutet das gut 20 Minuten für diesen Ladehub – oder Energie für rund 100 Kilometer in etwa vier Minuten. Damit gehört er zu den schnellsten Elektroautos überhaupt.

In Kombination mit der soliden Reichweite macht ihn das zu einem sehr guten Langstreckenauto: Ladestopps sind kurz und gut planbar, an 400-Volt-Säulen lädt er per Bank-Laden mit bis zu 135 kW weiter. Auf einer typischen 800-Kilometer-Etappe fällt kaum echte Wartezeit an.

Zwei ehrliche Schwächen bleiben: Am Wechselstrom – also an der heimischen Wallbox oder an vielen Stadtsäulen – lädt der Macan nur mit 11 kW statt der bei manchen Konkurrenten möglichen 22 kW. Und eine manuelle Batterie-Vorkonditionierung fehlt: Der Akku wärmt sich nur vor, wenn ihr eine Schnellladung übers Navi ansteuert. Wer spontan lädt, verschenkt bei Kälte Ladezeit.

Antrieb & Fahrdynamik: der Porsche unter den Elektro-SUV

Zwei permanenterregte Synchronmaschinen treiben alle vier Räder an. Im Overboost mit Launch Control stehen bis zu 300 kW (rund 408 PS) und 650 Nm bereit, der Sprint auf 100 km/h gelingt in 5,2 Sekunden, bei 220 km/h ist Schluss. Das fühlt sich kräftig und souverän an, ohne brachial zu sein – und anders als viele E-Autos schiebt der Macan auch oberhalb von 160 km/h noch vehement an.

Der eigentliche Trumpf ist aber nicht die reine Kraft, sondern die Abstimmung: Tester loben das präzise, agile und zugleich sichere Fahrverhalten, das man in dieser Konsequenz bei kaum einem anderen Elektro-SUV findet. Das Bremsgefühl ist klar und vertrauenerweckend, die Lenkung direkt. Hier steckt spürbar Porsche-DNA.

Der Kompromiss: Beim Rekuperieren gibt sich der Macan zurückhaltend. Die Bremsenergie-Rückgewinnung lässt sich nur grob einstellen, einen echten One-Pedal-Modus bis zum Stillstand bietet Porsche nicht. Wer aus anderen E-Autos das kräftige Segeln und Bremsen mit dem Fahrpedal gewohnt ist, muss sich umgewöhnen.

Komfort & Geräusch: langstreckentauglich, aber straff

Auf der Langstrecke gibt sich der Macan komfortabel und gut gedämmt – grobe Bodenwellen bügelt das Fahrwerk souverän weg, das Innengeräusch bleibt auch bei höherem Tempo dezent. Am besten gelingt das mit dem optionalen Luftfahrwerk samt adaptiver Dämpferregelung, das je nach Fahrmodus spürbar zwischen Komfort und Sport wechselt.

Im Serienzustand rollt der Macan 4 auf Stahlfedern mit adaptiven Dämpfern – immer noch gut, aber Porsche-typisch eher straff abgestimmt, gerade auf kurzen Stößen und mit großen Rädern. Ein kleiner Verarbeitungspunkt trübt den Ruhe-Eindruck: Die rahmenlosen Seitenscheiben scheppern beim Zuwerfen der Türen leicht, auch wenn Porsche mit einem cleveren Fenster-Absenken gegensteuert.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: edel, aber hinten knapp

Der Kofferraum fasst 540 Liter und wächst mit umgeklappter Rücksitzbank auf 1.348 Liter; vorn kommt ein Frunk mit 84 Litern hinzu, ideal für die Ladekabel. Das ist praxisgerecht, liegt aber unter dem, was manche direkte Konkurrenten wie der Audi Q6 e-tron oder der Polestar 4 bieten. Die flache, coupéhafte Dachlinie kostet hinten Platz: Der Fond ist eher knapp geschnitten, mit kurzer Sitzauflage und tiefer Sitzposition – Kopffreiheit bleibt selbst für größere Passagiere aber vorhanden.

Mit 4,78 Metern Länge und 1,94 Metern Breite (ohne Spiegel) ist der Macan eine ausgewachsene Erscheinung. Vorn sitzt ihr luftig und auf Wunsch in exzellenten, optionalen Komfortsitzen. Bei Material und Verarbeitung liefert Porsche Referenzniveau: tadellose Spaltmaße, hochwertige Oberflächen, sauberer Zusammenbau – nur ganz unten im Innenraum findet sich hier und da härterer Kunststoff.

Software, Bedienung & E-Funktionen: aufgeräumt mit echten Tasten

Vor dem Fahrer sitzt ein gebogenes 12,6-Zoll-Kombiinstrument, dazu kommen ein zentraler 10,9-Zoll-Touchscreen und ein optionaler Beifahrer-Bildschirm. Die Bedienung der Standardfunktionen gelingt intuitiv, und erfreulicherweise setzt Porsche weiter auf echte, haptische Tasten – etwa eigene Wippen für die Klimatisierung. Der große Funktionsumfang braucht anfangs aber Eingewöhnung.

Bei den E-Funktionen ist fast alles an Bord, was Stand der Technik ist: Wärmepumpe, Frunk, Bank-Laden an 400-Volt-Säulen, umfangreiche Serienassistenz. Kritikpunkte bleiben die schon erwähnte fehlende manuelle Vorkonditionierung und das langsame AC-Laden. Auch der optionale Beifahrer-Screen mochte im Test nicht immer flüssig mitspielen. Das Fahrwerk stellt ihr zudem über den Touchscreen ein statt über eine eigene Taste.

Bildergalerie

Porsche Macan 4 Aussenansicht
Porsche Macan 4 Heckansicht
Porsche Macan 4 Seitenansicht
Porsche Macan 4 Innenraum
Porsche Macan 4 Infotainment

Einordnung im Ranking

Der Macan 4 trifft auf ein starkes Feld: Audi Q6 e-tron, BMW iX, Polestar 4, Lexus RZ oder das Mercedes EQE SUV spielen in derselben Liga. Technisch und fahrdynamisch spielt der Porsche hier ganz vorn mit – vor allem beim Fahrgefühl und beim rasend schnellen Laden setzt er Maßstäbe. Wer ein Elektro-SUV sucht, das echten Porsche-Charakter mit Langstreckentauglichkeit verbindet, ist hier goldrichtig.

Einen Haken hat die Sache: Beim Preis/Leistungs-Verhältnis ist der Macan 4 teuer fürs Gebotene – hier zahlt ihr spürbar den Namen und die Klasse mit. Wer die absolute Fahrkultur und das Markenversprechen nicht braucht, bekommt bei der Konkurrenz für weniger Geld ähnlich viel Auto. Wer sie will, findet im Macan 4 die runde Mitte der Baureihe, für die man den S oder Turbo eigentlich nicht braucht.

Bildquellen

  • Porsche Macan 4 Aussenansicht — © Porsche Presseportal
  • Porsche Macan 4 Heckansicht — © Porsche Presseportal
  • Porsche Macan 4 Seitenansicht — © Porsche Presseportal
  • Porsche Macan 4 Innenraum — © Porsche Presseportal
  • Porsche Macan 4 Infotainment — © Porsche Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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