Genesis GV60 (Facelift) im Test: Premium-Crossover mit 800-Volt-Turbo

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

67,5 % 4,05 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Mit dem Facelift wird der Genesis GV60 rund: Der größere 84-kWh-Akku nimmt der Reichweite die frühere Schwäche, das blitzschnelle 800-Volt-Laden macht ihn zum entspannten Langstreckenbegleiter, und innen spürt man ein Premium-Niveau, das die Konzernbrüder nicht erreichen. Dafür müsst ihr ein für die Außengröße knappes Gepäckabteil, ein straffes Fahrwerk und ein dünnes Servicenetz in Kauf nehmen. Wer das Besondere jenseits der üblichen Verdächtigen sucht und den Hecktriebler statt der teuren Allradler wählt, bekommt hier einen stimmigen, fair bepreisten Elektro-Crossover.

Pro

  • Erstklassige Material- und Verarbeitungsqualität, spürbar über den Konzernbrüdern
  • Sehr schnelles 800-Volt-Laden: in gut einer Viertelstunde wieder weit
  • Solide Alltagsreichweite dank des größeren 84-kWh-Akkus
  • Umfangreiche Serienausstattung inkl. Wärmepumpe und breiter Assistenz

Contra

  • Kofferraum und Kopffreiheit im Fond leiden unter der Coupé-Linie
  • Straffes, teils ruppiges Abrollen; keine Luftfederung serienmäßig
  • Auf Autobahn und im Winter steigt der Verbrauch deutlich
  • In Deutschland noch dünnes Händler- und Servicenetz

Genesis ist die Nobelmarke von Hyundai, und der GV60 ist das erste eigenständige Elektroauto der Marke. Technisch teilt er sich die 800-Volt-Plattform E-GMP mit Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6, will sich aber als das edlere, luxuriösere Angebot verstehen. Für das Modelljahr 2025 hat Genesis nachgelegt: ein größerer 84-kWh-Akku, ein aufgefrischtes Design und ein durchgehendes 27-Zoll-Display. Wir schauen uns hier die Einstiegsversion mit Heckantrieb an – die vernünftige Basis, die im Alltag mehr Sinn ergibt als die PS-starken Allradbrüder.

Bildergalerie

Genesis GV 60 Aussenansicht
Genesis GV 60 Heckansicht
Genesis GV 60 Seitenansicht
Genesis GV 60 Innenraum
Genesis GV 60 Infotainment
Genesis GV 60 Sitze
Genesis GV 60 Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2025
Basispreis 54.680 €
Nutzbare Batterie 80 kWh
Realverbrauch 18,8 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,7 kWh/100 km
Reale Reichweite 485 km
Ladeleistung (Peak) 257 kW
Ladezeit 10–80 % 18 min
Leistung 168 kW (228 PS)
0–100 km/h 7,8 s
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Kofferraum 432 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.600 kg
Wendekreis 11,9 m
Maße (L×B) 4.545 × 1.890 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: der Sprung nach vorn

Im standardisierten ADAC Ecotest genehmigt sich der GV60 mit Heckantrieb rund 18,8 kWh auf 100 Kilometer – und dieser Wert enthält bereits die Ladeverluste an der Wechselstromdose. Daraus ergibt sich eine Alltagsreichweite von etwa 485 Kilometern. Nach WLTP verspricht Genesis für die sparsamste Konfiguration bis zu 561 Kilometer; der reale Wert liegt erwartungsgemäß darunter, ist für ein gut zwei Tonnen schweres Fahrzeug aber ordentlich.

Für euch heißt das: Pendeln und Wochenendtrips deckt der GV60 locker ab, oft über Tage ohne Nachladen. Auf der Autobahn und im Winter steigt der Verbrauch aber spürbar – unabhängige Wintertests notierten kombiniert deutlich über 23 kWh, womit die Reichweite auf rund 300 Kilometer schrumpfen kann. Wer viel bei Tempo 130 und Frost unterwegs ist, plant also besser mit Reserve.

Bemerkenswert ist vor allem der Fortschritt: Der größere Akku und die Effizienz-Feinarbeit rücken den Genesis endlich näher an die sparsamen Konzernbrüder heran. Die früheren, schwereren Allradversionen galten als eher durstig – der Hecktriebler mit dem neuen Speicher macht das deutlich besser.

Laden & Reisetauglichkeit: die große Stärke

Hier spielt die 800-Volt-Technik ihren Trumpf aus. In einer unabhängigen Lademessung erreichte der Facelift mit vorkonditioniertem, warmem Akku eine Spitze von 257 kW; im Schnitt liegen über den Bereich von 10 auf 80 Prozent rund 205 kW an. Damit ist dieser Hub in etwa einer knappen Viertelstunde bis gut 18 Minuten erledigt. An der Wechselstrom-Wallbox lädt der GV60 mit maximal 11 kW, eine volle Ladung dauert dort rund acht bis neun Stunden.

Für die Langstrecke ist das eine komfortable Ausgangslage: Ein Kaffeestopp von 15 bis 20 Minuten reicht, um wieder weit zu kommen. Zusammen mit der navigationsgekoppelten Batterie-Vorkonditionierung, die den Akku vor dem Schnelllader auf Temperatur bringt, gelingen planbare, kurze Pausen.

Die Kehrseite: Die genannten Spitzenwerte gibt es nur mit vorbereitetem, warmem Akku. Wer im Winter unvorbereitet an die Säule rollt, sieht spürbar weniger Leistung. Und die auf 11 kW begrenzte AC-Ladung ist zwar segmentüblich, aber kein Bestwert.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän statt sportlich

Der Heckmotor leistet 168 kW, also 229 PS, und stemmt 350 Nm. Der Sprint auf Tempo 100 dauert 7,8 Sekunden, bei 185 km/h ist Schluss. In Messungen zieht die Maschine gleichmäßig durch – von 60 auf 100 km/h vergehen 3,9 Sekunden – und lässt erst bei hohem Autobahntempo nach.

Im Alltag fühlt sich das völlig ausreichend an: souveräner Vortrieb, präzise Lenkung mit gutem Feedback und eine satte Straßenlage. Ein Sportler ist der Basis-GV60 damit aber nicht. Die Spaßgranaten sind die Allradvarianten mit bis zu 490 PS – die stehen hier jedoch nicht zur Debatte und kosten deutlich mehr.

Der ehrliche Kompromiss: Wer echten Punch sucht, wird beim Hecktriebler nicht glücklich und muss zum teureren Allradler greifen. Für entspanntes, sicheres Gleiten reicht die Basis vollkommen.

Komfort & Geräusch: leise, aber straff

Beim Abrollkomfort zeigt sich der GV60 zweigeteilt. Die Straßenlage ist satt und stabil, doch das Fahrwerk arbeitet kernig-straff; bei langsamer Fahrt werden kurze Unebenheiten recht knackig durchgereicht. Eine Luftfederung gibt es nicht – wer sie in dieser Preisklasse erwartet, geht leer aus.

Auf der Geräuschseite überzeugt der Koreaner: Die Dämmung ist gut, und mit dem optionalen Bang-&-Olufsen-System samt aktiver Geräuschunterdrückung wird es an Bord ausgesprochen still. Dieses Extra ist allerdings aufpreispflichtig.

Unterm Strich reist man gehoben, aber nicht auf Luxus-Niveau einer Sänfte. Auf langen Etappen fällt die Straffheit kaum ins Gewicht, im städtischen Kopfsteinpflaster-Alltag schon eher.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: hier glänzt er

Die Verarbeitungs- und Materialqualität ist der klare Bestpunkt. Tester heben übereinstimmend hervor, dass sich Genesis hier deutlich über die Konzernbrüder Ioniq 5 und EV6 absetzt: hochwertige Materialien, saubere Anmutung, Liebe zum Detail bis in versteckte Ecken. Kritik gibt es nur unterhalb der Sichtlinie, wo Hartplastik auftaucht; helle Innenfarben erwiesen sich zudem als schmutzanfällig.

Der lange Radstand von 2,90 Metern sorgt für großzügige Beinfreiheit im Fond. Die coupéhafte Dachlinie kostet allerdings Kopffreiheit – Personen über etwa 1,90 Meter wird es hinten eng – und der Batterieboden liegt recht hoch. Der Kofferraum fasst 432 Liter und wächst auf bis zu 1.460 Liter; die Ladekante ist hoch, ein nennenswerter Frunk fehlt.

In Summe fühlt sich der GV60 innen teurer an, als es das Konzern-Etikett vermuten lässt. Der Preis dafür ist ein für die Außengröße eher knapper Kofferraum und die eingeschränkte Kopffreiheit hinten.

Software, Bedienung & E-Funktionen: modern und komplett

Das Facelift bündelt die Anzeigen zu einem durchgehenden 27-Zoll-Display. Die Bedienung gilt trotz großer Touchflächen als intuitiv, weil ein zusätzlicher physischer Dreh-Drück-Steller im Stil von BMWs iDrive vieles vom Ablenken abhält; ein Head-up-Display ist verfügbar. Die optionalen digitalen Außenspiegel mit Kamerabild sind Geschmackssache und erfordern Eingewöhnung.

Beim E-Funktionsumfang ist der GV60 stark aufgestellt: Wärmepumpe und Batterie-Vorkonditionierung sind serienmäßig an Bord, dazu Laderoutenplanung und die Vehicle-to-Load-Funktion, mit der sich externe Geräte mit bis zu 3,6 kW versorgen lassen. Auch die Serien-Assistenz ist umfangreich – von der Frontkollisionswarnung mit Fußgänger- und Radfahrererkennung über Spurhalte- und Spurfolge- bis zu Totwinkel-, Querverkehr- und Ausparkassistenten. Im Euro-NCAP-Crashtest gab es fünf Sterne.

Der kleine Wermutstropfen: Manche Extras wie die Kamera-Außenspiegel sind eher Spielerei und kosten Aufpreis. Die Grundausstattung selbst lässt aber kaum Wünsche offen.

Einordnung im Ranking

Der Genesis GV60 mit Heckantrieb ist ein eigenständiger Premium-Crossover, der seine Stärken bei Verarbeitung, Ladetempo und der nun soliden Reichweite ausspielt. Schwächer schneidet er dort ab, wo Größe und coupéhafte Linie ihren Tribut fordern: bei Raumangebot und Stadttauglichkeit. Bei Preis und Leistung ist er fair bepreist – was ihr zahlt, deckt sich mit dem, was der Wagen an Gesamtqualität bietet.

Gegen die günstigeren Konzernbrüder Ioniq 5 und EV6 verkauft sich der GV60 über das edlere Ambiente; gegen etablierte Deutsche wie Audi Q4 e-tron oder BMW iX1 über Ladetempo und Materialgefühl. Er passt zu euch, wenn ihr das Besondere sucht, Wert auf ein hochwertiges Interieur legt und das schnelle 800-Volt-Laden für die Langstrecke nutzen wollt – und wenn ihr mit einem in Deutschland noch dünnen Händler- und Servicenetz leben könnt.

Bildquellen

  • Genesis GV 60 Aussenansicht — © Genesis Presseportal
  • Genesis GV 60 Heckansicht — © Genesis Presseportal
  • Genesis GV 60 Seitenansicht — © Genesis Presseportal
  • Genesis GV 60 Innenraum — © Genesis Presseportal
  • Genesis GV 60 Infotainment — © Genesis Presseportal
  • Genesis GV 60 Sitze — © Genesis Presseportal
  • Genesis GV 60 Kofferraum — © Genesis Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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