Kia EV6 (84 kWh, Heckantrieb) im Test: Der Lade-König der Mittelklasse

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

64,2 % 3,85 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Kia EV6 mit großem 84-kWh-Akku und Heckantrieb ist ein herausragender Langstrecken-Stromer: Das 800-Volt-System lädt rekordverdächtig schnell, die Reichweite ist solide und die Serienausstattung üppig. Abstriche gibt es beim weiterhin straffen Federungskomfort, der nur durchschnittlichen Materialanmutung und der ärgerlich aufpreispflichtigen Wärmepumpe. Wer viel reist und Technik schätzt, bekommt hier zu einem fairen Preis einen der besten E-Crossover seiner Klasse.

Pro

  • Extrem schnelles 800-Volt-Laden (10–80 % in 19 Minuten)
  • Solide Reichweite von rund 460 km im Ecotest
  • Sehr umfangreiche Serienausstattung inkl. Assistenz
  • Exzellenter Bremsweg und sicheres Fahrverhalten
  • Großzügige Beinfreiheit und praktischer Frunk

Contra

  • Federungskomfort bleibt recht straff
  • Materialanmutung im Innenraum nur durchschnittlich
  • Wärmepumpe nur gegen Aufpreis
  • Eingeschränkte Kopffreiheit im Fond

Der Kia EV6 war schon zum Start 2021 einer der spannendsten Stromer seiner Klasse – und mit dem Facelift für das Modelljahr 2025 hat Kia genau an den richtigen Stellen nachgeschärft. Der auffälligste Punkt für euch als Käufer: Der Akku ist von 77,4 auf 84 kWh gewachsen (davon rund 80 kWh nutzbar), und das 800-Volt-System lädt jetzt noch schneller. Wir haben uns die aktuelle Heckantriebs-Variante mit dem großen Akku angesehen – ein Mittelklasse-Crossover, der beim Laden glänzt, bei Reichweite und Effizienz solide liefert und sich vor allem als Langstreckenprofi empfiehlt.

Bildergalerie

Kia EV6 Aussenansicht
Kia EV6 Heckansicht
Kia EV6 Seitenansicht
Kia EV6 Innenraum
Kia EV6 Infotainment
Kia EV6 Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2021
Basispreis 49.990 €
Nutzbare Batterie 80 kWh
Realverbrauch 20,1 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,9 kWh/100 km
Reale Reichweite 460 km
Ladeleistung (Peak) 256 kW
Ladezeit 10–80 % 19 min
Leistung 168 kW (228 PS)
0–100 km/h 7,7 s
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Kofferraum 490 l
Frunk 52 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.800 kg
Wendekreis 12,4 m
Maße (L×B) 4.695 × 1.880 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Effizienzwunder

Im standardisierten ADAC Ecotest – unserer bevorzugten Realwert-Grundlage – genehmigt sich der EV6 mit großem Akku 20,1 kWh auf 100 Kilometer, und zwar inklusive der Ladeverluste beim Wechselstrom-Laden. Das ist ein ehrlicher Alltagswert, aber eben kein Spitzenwert: Interessanterweise verbraucht die 84-kWh-Version im Test sogar etwas mehr als der kleinere Vorgänger-Akku. Der größere Energievorrat gleicht das jedoch aus.

Unterm Strich steht so eine Ecotest-Reichweite von rund 460 Kilometern. Für euch im Alltag heißt das: Pendeln, Einkaufen, Wochenendausflüge deckt der Kia locker ab, in der Stadt sind bei sanfter Fahrweise auch mal deutlich über 500 Kilometer drin. Auf der Autobahn und bei kalten Temperaturen schmilzt die Reichweite dagegen spürbar zusammen – dann solltet ihr eher mit rund 300 Kilometern rechnen, bevor die nächste Säule fällig wird.

Die Kehrseite: Ein echtes Effizienzwunder ist der EV6 nicht. Wer den sparsamsten Stromer der Klasse sucht, findet Alternativen, die aus einer Kilowattstunde mehr herausholen. Der Kia setzt seine Stärke lieber an anderer Stelle ein – beim Laden.

Laden & Reisetauglichkeit: hier spielt das 800-Volt-System seine Trumpfkarte

Das ist die Paradedisziplin des EV6. Dank der 800-Volt-Architektur wandert der Akku im Test in nur 19 Minuten von 10 auf 80 Prozent – ein rekordverdächtiger Wert. In der Spitze nimmt der Kia dabei um die 256 kW an, und was fast wichtiger ist: Er hält hohe Ladeleistungen über einen langen Zeitraum, im Schnitt liegen über den gesamten Ladehub rund 210 kW an. In gut 20 Minuten ladet ihr so Strom für etwa 345 zusätzliche Kilometer nach.

Neu und praktisch: Mit dem Facelift lässt sich der Akku jetzt auch manuell vorkonditionieren, also per Knopfdruck auf die ideale Ladetemperatur vorwärmen. Vorher ging das nur über den Umweg, einen Schnelllader als Navigationsziel einzugeben. Gerade im Winter sorgt das dafür, dass die hohen Ladeleistungen überhaupt abrufbar sind. In Kombination mit der guten Reichweite macht das den EV6 zu einem entspannten Langstreckenauto: Lange Etappen mit kurzen Kaffeepausen am Schnelllader gehen ihm leicht von der Hand.

Ehrlich bleiben muss man beim Software-Drumherum: In Tests wird die bordeigene Laderoutenplanung teils als noch nicht ganz ausgereift kritisiert – wer clever plant, ist zuweilen mit manuellen Ladestopps schneller am Ziel.

Antrieb & Fahrdynamik: sicher und souverän statt sportlich

Der Heckmotor leistet 168 kW, also rund 229 PS, und stemmt 350 Nm auf die Hinterachse. Damit sprintet der EV6 in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 – völlig ausreichend für den Alltag, ohne dass der Wunsch nach mehr Leistung aufkommt. Der E-Motor zieht vom Start weg sauber an, läuft kultiviert und bleibt angenehm leise.

Beim Handling gibt sich der Koreaner betont sicher: Er ist untersteuernd ausgelegt, schiebt in zu zügig angegangenen Kurven also über die Vorderräder und baut Tempo ab. Das ESP greift dabei recht energisch ein – wenig spektakulär, aber grundsolide und berechenbar. Ein echtes Highlight ist die Bremse: Aus 100 km/h steht der EV6 nach im Mittel nur 31,6 Metern, ein exzellenter Wert, der auch manchem Sportwagen gut zu Gesicht stünde.

Die Kehrseite für Fahrspaß-Fans: Die Lenkung wirkt durch die kräftige Unterstützung etwas künstlich und entkoppelt, und dynamisch-verspielt fährt sich der Kia nicht. Wer das sucht, schaut eher zum GT-Modell – der normale EV6 will souverän sein, nicht sportlich.

Komfort & Geräusch: leiser geworden, aber weiter recht straff

Beim Federungskomfort bleibt der EV6 sein etwas zähes Thema. Das Fahrwerk – adaptive Dämpfer gibt es nicht – ist nach wie vor recht straff abgestimmt. Trotz überarbeiteter Abstimmung stellt sich kein deutlich besserer Abrollkomfort ein; besonders im unteren Tempobereich und auf den optionalen 20-Zoll-Rädern reicht der Kia Unebenheiten spürbar durch. Auf der Serienbereifung und mit steigendem Tempo wird es geschmeidiger.

Deutlich verbessert hat Kia dagegen die Geräuschdämmung: Dank Maßnahmen wie einer Doppelverglasung sinkt das Innengeräusch bei 130 km/h auf gemessene 65,2 dB(A) – für euch bedeutet das eine merklich ruhigere Reiseatmosphäre als vor dem Facelift. Windgeräusche halten sich in Grenzen, nur die Abrollgeräusche der großen Räder sind auf rauer Fahrbahn präsent. Insgesamt ordentlicher Reisekomfort mit dem Fahrwerk als bleibender Schwäche.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Beinraum, knappe Kopffreiheit

Vorn sitzt es sich großzügig, selbst große Menschen finden bequem Platz, und das flache Armaturenbrett schafft ein luftiges Raumgefühl. Der lange Radstand von 2,90 Metern sorgt auch im Fond für sehr viel Beinfreiheit. Der Haken: Die flach abfallende Dachlinie kostet Kopffreiheit – über etwa 1,90 Meter große Passagiere stoßen hinten an ihre Grenzen, und die schmalen Seitenscheiben lassen den Fond etwas höhlenartig wirken.

Der Kofferraum fasst nach Herstellerangabe 490 Liter und wächst umgeklappt auf rund 1.290 Liter; strenger gemessen liegen unter der Hutablage etwa 380 Liter. Praktisch ist der Frunk unter der Fronthaube mit rund 50 Litern – genau der richtige Ort fürs Ladekabel. Etwas lästig ist die hohe Ladekante von 75 Zentimetern.

Bei der Qualität zeigt sich ein geteiltes Bild: Die Verarbeitung ist gut, die Spaltmaße sind schmal und gleichmäßig, und selbst auf schlechter Straße knarzt nichts. Die Materialauswahl bleibt aber nur durchschnittlich – im unteren Cockpit- und Türbereich sowie an den Fondtüren dominiert hartes Plastik. Wertig anfassen fühlt sich anders an.

Software, Bedienung & E-Funktionen: durchdacht, mit einer Macke

Die Bedienung geht nach kurzer Eingewöhnung leicht von der Hand, und Kia verdient sich ein Lob dafür, wichtige Funktionen noch über echte, physische Bedienelemente ansteuerbar zu lassen. Der 12,3-Zoll-Touchscreen zeigt eine klare Grafik, Smartphones spiegeln sich jetzt kabellos via CarPlay und Android Auto, und Over-the-Air-Updates sind möglich. Die eine Macke: Für die Klimatisierung gibt es kein eigenes Bedienfeld, stattdessen muss man auf einer berührungsempfindlichen Wechselleiste erst umschalten – das ist während der Fahrt unnötig fummelig.

Bei den E-Funktionen ist der EV6 fast komplett: 800-Volt-Laden, Plug&Charge, Batterie-Vorkonditionierung ab Werk, ein praktischer Frunk und optional die Vehicle-to-Load-Funktion, mit der ihr externe Geräte oder sogar andere Autos mit Strom versorgen könnt. Auch die Assistenzsysteme sind serienmäßig sehr umfangreich, vom adaptiven Tempomat über Totwinkel- und Querverkehrswarner bis zum Autobahnassistenten. Der einzige echte Wermutstropfen: Die im Elektroalltag so hilfreiche Wärmepumpe kostet weiterhin Aufpreis – schade bei einem Auto dieser Preisklasse.

Einordnung im Ranking

Der Kia EV6 mit großem Akku und Heckantrieb ist ein rundes Gesamtpaket, das seine Stärken klar ausspielt: extrem schnelles Laden, solide Reichweite und eine üppige Serienausstattung machen ihn zu einem der überzeugendsten Langstrecken-Stromer der Mittelklasse. Wer viel und weit fährt, bekommt hier einen der besten Reisebegleiter seiner Klasse – direkte Alternativen wie der technisch verwandte Hyundai Ioniq 5, der VW ID.4 oder das Tesla Model Y spielen im selben Feld, jeder mit eigenen Schwerpunkten.

Gegen den EV6 sprechen der straffe Federungskomfort, die nur durchschnittliche Materialanmutung und die aufpreispflichtige Wärmepumpe. Wer vor allem Fahrkomfort und Premium-Haptik sucht, sollte genau das gegenprüfen. Preislich ist der Kia dabei fair bepreist – ihr bekommt ein stimmiges Verhältnis aus Gebotenem und Kaufpreis, ohne Schnäppchen, aber auch ohne Aufschlag für den Namen. Für technikbegeisterte Vielfahrer und Familien mit Fokus auf Langstrecke ist er eine klare Empfehlung.

Bildquellen

  • Kia EV6 Aussenansicht — © Kia Motors Presseportal
  • Kia EV6 Heckansicht — © Kia Motors Presseportal
  • Kia EV6 Seitenansicht — © Kia Motors Presseportal
  • Kia EV6 Innenraum — © Kia Motors Presseportal
  • Kia EV6 Infotainment — © Kia Motors Presseportal
  • Kia EV6 Kofferraum — © Kia Motors Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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