VW ID.4 Pro (210 kW) im Test: der vernünftige Elektro-SUV für die Familie

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

64,2 % 3,85 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der VW ID.4 Pro mit dem 210-kW-APP550-Antrieb ist ein rundum alltagstauglicher Elektro-SUV: effizient, geräumig, komfortabel und mit ordentlichem Ladetempo. Das Facelift hat die größten Schwächen der Anfangsjahre – zähe Software, fummelige Bedienung – deutlich entschärft, ohne sie ganz zu beseitigen. Wer viel Platz, einen ruhigen Antrieb und einen ehrlichen Reisebegleiter sucht, bekommt hier ein stimmiges Gesamtpaket zu einem fairen Preis. Kein Effizienz- oder Ladeweltmeister und kein Dynamiker – aber ein verlässlicher Familienstromer, an dem man lange Freude haben dürfte.

Pro

  • Effizienter APP550-Antrieb, spürbar sparsamer als das Vor-Facelift
  • Viel Platz und großer Kofferraum - echter Familien-SUV
  • Kräftiger, ruhiger Antrieb mit ordentlichem Ladetempo (175 kW, flache Kurve)
  • Hoher Fahr- und Geräuschkomfort
  • Umfangreiche, zuverlässige Assistenz

Contra

  • Kein Frunk, Materialanmutung mittelmäßig für den Preis
  • Bedienung trotz Facelift weiterhin sehr touchlastig
  • Autobahnreichweite im Winter überschaubar, kein 800-Volt-Laden

Der VW ID.4 ist Volkswagens elektrischer Brot-und-Butter-SUV – das Stromer-Pendant zum Tiguan, gedacht für Familien, Pendler und alle, die ein unaufgeregtes Alltagsauto mit ordentlich Platz suchen. Seit dem Herbst-2023-Update steckt im Heck der neue APP550-Antrieb mit 210 kW: mehr Leistung, spürbar weniger Verbrauch. Wir haben uns die aktuelle Pro-Variante mit Heckantrieb und 77-kWh-Akku anhand öffentlicher Mess- und Testdaten angesehen. Das Ergebnis vorweg: ein grundsolider, effizienter Begleiter mit klaren Stärken – und ein paar Eigenheiten, die man kennen sollte.

Bildergalerie

VW ID4 Aussenansicht
VW ID4 Heckansicht
VW ID4 Seitenansicht
VW ID4 Infotainment
VW ID4 Innenraum

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 51.995 €
Nutzbare Batterie 77 kWh
Realverbrauch 18,9 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 365 km
Ladeleistung (Peak) 175 kW
Ladezeit 10–80 % 28 min
Leistung 210 kW (286 PS)
0–100 km/h 6,7 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Kofferraum 543 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.000 kg
Wendekreis 10,3 m
Maße (L×B) 4.584 × 1.852 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: effizient für einen SUV

In unabhängigen Realtests genehmigt sich der ID.4 Pro rund 17 kWh/100 km reine Fahrenergie (heise, Mischstrecke). Rechnet man die AC-Ladeverluste dazu – wie es fair ist, weil ihr die an der Steckdose ja mitbezahlt – landet man bei etwa 19 kWh/100 km. Bei Autobahntempo zwischen 120 und 130 km/h klettert der Verbrauch auf 20 bis 22 kWh, in der Stadt sinkt er deutlich darunter. Daraus ergibt sich eine reale Autobahnreichweite von grob 365 Kilometern, im Sommer eher Richtung 410, im Winter auch mal um die 320.

Für den Pendleralltag und die Wochenendtour heißt das: einmal pro Woche laden reicht meist locker, und die Urlaubsfahrt gelingt ohne Reichweitenangst. Für einen über zwei Tonnen schweren SUV ist dieser Verbrauch ein guter Wert – der APP550-Antrieb macht den Facelift-ID.4 messbar sparsamer als seinen Vorgänger. Ein Effizienzwunder wie flache Aero-Limousinen (etwa der Hyundai Ioniq 6) ist er trotzdem nicht: Bei zügiger Winter-Autobahn rutscht die Reichweite auch unter 300 Kilometer.

Laden & Reisetauglichkeit: solide, aber kein 800-Volt-Sprinter

Am Schnelllader zieht der ID.4 jetzt bis zu 175 kW – von 10 auf 80 Prozent geht es unter guten Bedingungen in etwa 28 Minuten. Tester loben dabei die flache Ladekurve: Der VW hält die Leistung vergleichsweise lange hoch, statt früh einzubrechen. Zu Hause lädt er dreiphasig mit 11 kW, womit der Akku über Nacht bequem voll wird.

Auf der Langstrecke bedeutet das planbare, überschaubare Stopps – Kaffee, WC, weiter. In Kombination mit der soliden Reichweite ist der ID.4 damit ein ehrlich reisetauglicher Begleiter, wenn auch keiner der ganz Schnellen. Die Kehrseite: Die 400-Volt-Technik limitiert. 800-Volt-Konkurrenten wie Hyundai Ioniq 5 oder Kia EV6 laden im besten Fall spürbar zügiger. Und wer unterwegs nur mit Wechselstrom laden kann, wartet mit 11 kW entsprechend lange.

Antrieb & Fahrdynamik: kräftiger Gleiter statt Sportler

210 kW (286 PS) und 545 Nm schieben den Hecktriebler in 6,7 Sekunden auf Tempo 100, bei 180 km/h ist Schluss. Das Facelift hat hier spürbar Punch draufgelegt, den man im Alltag als souveräne Kraftreserve erlebt: Auffahren, Überholen, beladen in die Berge – alles bleibt entspannt.

Ein Sportgerät ist der ID.4 deshalb aber nicht. Lenkung und Fahrwerk sind sauber abgestimmt, mit der optionalen adaptiven Dämpferregelung (DCC) rollt er noch geschmeidiger. Die über zwei Tonnen Gewicht sind allerdings stets präsent, und in schnellen Ausweichmanövern kritisierten Tester früher eine zu forsch eingreifende ESP-Abstimmung. Wer echte Fahrdynamik sucht, ist hier falsch – der ID.4 will komfortabel gleiten, nicht um Kurven zirkeln.

Komfort & Geräusch: eine der Stärken

Beim Komfort spielt der ID.4 eine seiner besten Karten aus. Testern zufolge rollt er ausgewogen ab, bleibt auch auf schlechten Straßen souverän und ist innen angenehm leise. Auf der Langstrecke zahlt sich das aus: Ihr kommt entspannt an, und die optionalen Top-Sitze mit Massagefunktion tun ihr Übriges.

Für die Klasse ist das ein überzeugendes Komfortniveau, das viele direkte Konkurrenten nicht besser hinbekommen. Eine Luftfederung gibt es allerdings nicht; ohne die optionalen adaptiven Dämpfer fällt das Abrollen auf großen Rädern etwas straffer aus.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, schlichte Materialien

543 Liter Kofferraum, umgeklappt bis zu 1.575 Liter – dazu ein dank Elektroplattform flacher Boden und viel Kniefreiheit im Fond, auch für große Mitfahrer. Als Familien-SUV ist der ID.4 damit voll auf der Höhe: Kindersitze, Hundebox, Urlaubsgepäck – passt. Das Raumgefühl ist luftig, die Übersicht gut, die Sitzposition angenehm erhöht.

Zwei Kompromisse bleiben. Einen Frunk gibt es nicht, das Ladekabel muss also in den Kofferraum. Und bei den Materialien bleibt VW zurückhaltend: Verarbeitet ist alles sauber, aber viel Hartplastik wirkt für den aufgerufenen Preis schlicht. Das Facelift hat hier nur behutsam nachgebessert.

Software, Bedienung & E-Funktionen: großer Fortschritt, nicht ganz rund

Das größte Ärgernis der frühen ID-Modelle hat VW mit dem Facelift angepackt: Es gibt nun einen großen 12,9-Zoll-Screen mit schnellerem System (MIB4) und – endlich – beleuchtete Slider für die Klimasteuerung. An E-Funktionen sind Routen- und Batterievorkonditionierung sowie Plug&Charge an Bord, je nach Modelljahr auch eine Wärmepumpe. Die Assistenz inklusive Travel Assist und assistiertem Spurwechsel arbeitet zuverlässig, das Matrix-LED-Licht gibt es gegen Aufpreis.

Der Sprung gegenüber den ersten ID.4 ist deutlich, vieles klappt jetzt flüssig und alltagstauglich. Ganz rund ist das Konzept aber noch nicht: Die Bedienung bleibt sehr touchlastig, manche Menüs sind verschachtelt, und die Touch-Tasten am Lenkrad sind gewöhnungsbedürftig. Wer klassische Knöpfe liebt, wird weiter seufzen.

Einordnung im Ranking

Unterm Strich ist der VW ID.4 Pro genau das, wofür er gedacht ist: ein grundsolider, effizienter und geräumiger Familien-SUV ohne Experimente. Seine direkten Alternativen heißen Skoda Enyaq und Audi Q4 e-tron (die technischen Geschwister), dazu Tesla Model Y sowie die 800-Volt-Koreaner Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6. Gegen die Koreaner verliert er beim Ladetempo, gegen manchen Rivalen beim Infotainment-Feinschliff – dafür punktet er mit Platz, Komfort und einem effizienten Antrieb.

Preislich bewegt sich der ID.4 Pro in einem stimmigen Rahmen und ist fair bepreist für das, was er bietet. Wer einen unaufgeregten, alltagstauglichen Stromer für Familie und Pendelstrecke sucht und auf 800-Volt-Ladetempo verzichten kann, macht mit ihm wenig falsch.

Bildquellen

  • VW ID4 Aussenansicht — © VW Presse Portal
  • VW ID4 Heckansicht — © VW Presse Portal
  • VW ID4 Seitenansicht — © VW Presse Portal
  • VW ID4 Infotainment — © VW Presse Portal
  • VW ID4 Innenraum — © VW Presse Portal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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