EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Zeekr 001 ist der wohl überzeugendste erste Auftritt, den eine chinesische Premiummarke in Deutschland hingelegt hat – und zugleich ein Auto, das seine Herkunft aus dem Jahr 2021 nicht verbergen kann. Verarbeitung, Materialauswahl und Raumangebot spielen auf europäischem Premiumniveau, der Federungskomfort überrascht selbst ohne Luftfahrwerk, und die Beschleunigung ist absurd. Dem stehen ein hoher Realverbrauch, eine für 2026 zähe Ladeleistung und eine Bedienung gegenüber, die konsequent alles in den Touchscreen verlagert. Für Vielfahrer, die zu Hause laden und Wert auf Substanz statt Effizienz legen, ist der 001 ein ernstzunehmendes Angebot. Wer die Autobahn liebt, zahlt an der Ladesäule Zeit und Geld drauf.
Pro
- Verarbeitung und Materialanmutung auf europäischem Premiumniveau
- Große nutzbare Batterie mit über 500 km realer Reichweite im Mischbetrieb
- Beschleunigung auf Sportwagenniveau, souveräner Antrieb
- Sehr guter Federungskomfort schon mit dem Serien-Stahlfahrwerk
- 22 kW AC-Laden, Wärmepumpe und Batterievorkonditionierung serienmäßig
- 2.000 kg Anhängelast – für einen Elektrokombi bemerkenswert
Contra
- Hoher Realverbrauch, auf der Autobahn und im Winter deutlich über der Herstellerangabe
- Nur 400-Volt-Technik: 10 bis 80 Prozent dauern rund eine halbe Stunde
- Bedienung fast vollständig über den Touchscreen, inklusive Außenspiegel
- Lenkung indirekt und rückmeldungsarm, Bremspedal schwammig
- Spurhalte- und Warnsysteme übereifrig und grob geregelt
- In der Stadt sperrig: fast fünf Meter lang, gut zwei Meter breit
Zeekr ist in Deutschland ein Neuling, und der 001 ist die Visitenkarte, mit der sich die Geely-Marke vorstellt: ein knapp fünf Meter langer Elektro-Shooting-Brake mit 100-kWh-Akku, Allradantrieb und einem Preis, der deutlich unter dem liegt, was BMW, Mercedes oder Porsche für vergleichbare Fahrzeuge aufrufen. Ausgeliefert wird er hierzulande erst seit Anfang 2026 – die Technik darunter stammt allerdings noch aus der ersten 400-Volt-Generation. Genau dieser Spagat prägt das Ergebnis: In manchen Disziplinen spielt der 001 vorn mit, in anderen zeigt er sein Alter. Wir haben die öffentlich verfügbaren Messdaten und Fahrtests zusammengetragen und nach unserer Rubrik bewertet.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: viel Akku, wenig Effizienz
Die 94 Kilowattstunden nutzbare Kapazität sind eine Ansage – kaum ein Konkurrent in dieser Klasse hat mehr Energie an Bord. Das Problem ist, was der Zeekr damit anstellt. Green NCAP hat den 001 nach standardisiertem Verfahren vermessen und kam über alle Prüfzyklen hinweg auf 21,6 kWh je 100 Kilometer, gemessen an der Heckantriebsversion. Rechnet man den Mehrverbrauch des schwereren Allradlers mit den serienmäßigen 22-Zoll-Rädern hinzu, landet man bei rund 22,7 kWh – und damit spürbar über dem, was der Hersteller im Datenblatt angibt.
Diese Werte enthalten die Verluste beim Laden, sind also das, was tatsächlich von der Steckdose in den Wagen fließt. Unterm Strich bleiben im gemischten Betrieb etwa 503 Kilometer Reichweite. Das reicht, um von München nach Hamburg mit einem einzigen Stopp zu kommen, und es reicht im Pendleralltag locker für eine Woche ohne Ladekabel. Wer aber Vollgas gibt, sieht die Reichweite schnell schmelzen: Der Autobahnzyklus trieb den Verbrauch auf über 27 kWh, bei minus sieben Grad maßen die Prüfer fast 33 kWh je 100 Kilometer – dann bleiben nur noch gut 330 Kilometer.
Die Kehrseite ist unübersehbar. Zwei bis zweieinhalb Tonnen Leergewicht, breite Walzen und ein Antrieb, der nicht segeln kann, weil beide Motoren permanenterregt sind: Der 001 holt seine Reichweite aus der schieren Akkugröße, nicht aus Effizienz. Ein Hyundai Ioniq 6 kommt mit deutlich weniger Batterie fast genauso weit. Wer viel Autobahn fährt und auf den Stromzähler schaut, findet in dieser Klasse sparsamere Angebote.
Laden & Reisetauglichkeit: solide, aber nicht mehr auf der Höhe
200 Kilowatt Spitzenladeleistung und rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent – das waren 2023 gute Zahlen. 2026 sind sie Mittelmaß. Der Grund liegt in der 400-Volt-Architektur, mit der die europäische Version noch antritt, während in China längst 800- und 900-Volt-Varianten verkauft werden. Über die gesamte Ladekurve gemittelt fließen nur etwa 135 Kilowatt; die Spitze steht bloß kurz an.
Praktisch heißt das: Auf einer langen Fahrt sind die Etappen dank der großen Batterie angenehm lang, die Pausen dafür merklich. Wer an derselben Säule neben einem Xpeng G9 oder einem Ioniq 6 steht, ist gut und gern doppelt so lange beschäftigt. Zwei Dinge relativieren das: Der 001 lädt an der Wallbox mit bis zu 22 Kilowatt dreiphasig – im Alltag ein echter Vorteil, wenn der Wagen tagsüber am Kabel hängt. Und die Batterie lässt sich über die Navigation automatisch vorkonditionieren, was im Winter die Ladezeit rettet.
Beim Nutzwert punktet der Shooting Brake: 2.000 Kilogramm gebremste Anhängelast bedeuten, dass ein mittlerer Wohnwagen oder ein Pferdeanhänger drankommt – für ein Elektroauto dieser Bauform keine Selbstverständlichkeit. Nur sollte man wissen, dass die Reichweite mit Hänger und der ohnehin schwachen Effizienz ordentlich einbricht.
Antrieb & Fahrdynamik: brachial geradeaus, unentschlossen in der Kurve
400 Kilowatt Systemleistung, 686 Newtonmeter, 3,8 Sekunden auf Tempo 100: Der Allradler beschleunigt auf Sportwagenniveau, und zwar aus jedem Tempo heraus. Bei 200 km/h ist elektronisch Schluss – für deutsche Autobahnen eine ehrliche, aber spürbare Grenze, denn dort oben rauscht der Verbrauch ohnehin in Regionen, in denen jede Etappe zur Ladeplanung wird.
So souverän der Antrieb, so zwiespältig das Fahrgefühl. Tester beschreiben die Lenkung übereinstimmend als indirekt und rückmeldungsarm, selbst im Sportmodus. Das hohe Gewicht sorgt zwar für einen tiefen Schwerpunkt, lässt den Wagen in Kurven aber massig wirken. Der ADAC beobachtete auf nasser Straße eine Neigung zum Untersteuern, andere Tester kritisieren ein schwammiges Bremspedal und die grobe Modulation der Rekuperationsbremse.
Für den Charakter des Autos ist das kein Beinbruch: Der 001 will Gran Turismo sein, nicht Kurvenräuber. Wer aus einem BMW i5 oder einem Porsche Taycan umsteigt, wird die letzte Präzision vermissen. Wer den Wagen als schnellen, entspannten Langstreckenkombi begreift, bekommt genau das – nur eben mit Sprintvermögen, das man auf öffentlichen Straßen kaum abrufen kann.
Komfort & Geräusch: das Stahlfahrwerk kann mehr, als man erwartet
Die Luftfederung gibt es beim 001 erst ab der Privilege-Ausstattung. Unsere bewertete Variante rollt auf Stahlfedern und ohne adaptive Dämpfer – und schlägt sich dabei besser, als die Datenlage vermuten lässt. Der ADAC fuhr genau diese Version und beschreibt ein feinfühliges Federungsverhalten; auch andere Tester attestieren dem Serienfahrwerk ein überzeugendes Abrollen.
Im Alltag heißt das: Querfugen, Kanaldeckel und schlechte Landstraßen bügelt der Zeekr ordentlich weg, ohne dass man das Aufpreis-Fahrwerk vermisst. Die Sitze mit Klimatisierung und – gegen Aufpreis – Massagefunktion tragen zum Langstreckenkomfort bei. Der Hersteller gibt 67 Dezibel Fahrgeräusch an, was in dieser Klasse in Ordnung geht.
Ganz auf Oberklasseniveau ist der Geräuschkomfort dennoch nicht. Tester bemängeln Abrollgeräusche, die bei einem Auto mit diesem Preisschild und dieser Optik überraschen – die serienmäßigen 22-Zoll-Räder dürften ihren Anteil daran haben. Und wer die adaptive Dämpfung will, muss zur nächsthöheren Ausstattung greifen.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: hier sitzt jeder Handgriff
Die Verarbeitung ist die unbestrittene Stärke des 001, und zwar quellenübergreifend. Testfahrer suchen vergeblich nach billigen Kunststoffflächen oder Knarzgeräuschen; Materialien und Spaltmaße bewegen sich auf dem Niveau europäischer Premiumhersteller. Zeekr widersteht dabei sogar der Versuchung, alles in Klavierlack zu ertränken – ein Detail, das im Alltag mit Staub und Fingerabdrücken zählt.
Platz gibt es reichlich. 539 Liter Kofferraumvolumen, umgeklappt 2.144 Liter, dazu ein knapp bemessener Frunk von 30 Litern, der gerade das Ladekabel schluckt. Der Radstand von knapp drei Metern verschafft dem Fond großzügige Beinfreiheit, die Rücksitzlehnen lassen sich weit neigen. Als klassischer Fünfsitzer deckt der 001 den Familienalltag ab, ohne dass jemand die Knie anziehen muss – jedenfalls in der Breite.
In der Höhe wird es differenzierter: Der hohe Fahrzeugboden über der Batterie zwingt große Passagiere im Fond in eine leicht angewinkelte Sitzhaltung. Das ist der übliche Kompromiss großer Akkus, fällt bei der flachen Dachlinie des Shooting Brake aber stärker auf. Und der Mini-Frunk ist für ein Auto dieser Länge eine vertane Chance.
Software, Bedienung & E-Funktionen: alles kann der Touchscreen, und das ist das Problem
Die Hardware ist auf der Höhe: ein großer zentraler Touchscreen, ein digitales Kombiinstrument, ein Augmented-Reality-Head-up-Display, elf Kameras, dazu Wärmepumpe, Batterievorkonditionierung und V2L-Funktion serienmäßig. Auf dem Papier fehlt kaum etwas – nur Plug & Charge unterstützt der 001 nicht, dafür aber Autocharge.
In der Praxis kippt das Bild. Nahezu jede Funktion läuft über den Bildschirm, bis hin zur Verstellung der Außenspiegel. Tester beschreiben die rein digitale Bedienung als ablenkend; wenige Direkttasten und ein aufgeräumtes Lenkrad retten den Eindruck nur teilweise. Die Rekuperation kennt lediglich zwei Stufen plus One-Pedal-Schalter – eine sanfte Segelstufe, die den Verbrauch drücken würde, fehlt komplett.
Bei den Assistenzsystemen ist die Kritik am deutlichsten. Der adaptive Tempomat arbeitet zuverlässig, der Spurhalteassistent gilt dagegen als übereifrig und grob geregelt, Warnsysteme melden sich unentwegt. Zeekr behilft sich damit, dass sich die Systeme auf frei belegbare Kacheln legen und so schnell abschalten lassen – eine pragmatische Lösung für ein Problem, das keines sein müsste.
Bildergalerie
Einordnung im Ranking
Der Zeekr 001 ist ein Auto mit klarem Profil: hervorragend verarbeitet, geräumig, komfortabel und irrsinnig schnell geradeaus – aber ineffizient, langsam am Schnelllader und mit einer Bedienung, die man mögen muss. Direkte Alternativen sind der BMW i5 Touring, der Audi A6 Avant e-tron und der Xpeng G9; alle drei sind sparsamer, der Xpeng lädt dank 800-Volt-Technik deutlich flotter.
Beim Preis-Leistungs-Verhältnis wird der 001 dennoch nicht zum Schnäppchen. Für das, was er in der Summe seiner Disziplinen abliefert, ist er etwas teuer fürs Gebotene – die Verarbeitung allein trägt den Aufruf nicht. Wer einen gut gemachten, großen Elektrokombi mit viel Akku sucht, überwiegend zu Hause lädt und die Software-Eigenheiten akzeptiert, bekommt hier viel Auto. Wer Effizienz und kurze Ladestopps braucht, schaut besser weiter. Wie sich der Zeekr klassenübergreifend einsortiert, zeigt die folgende Platzierung.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 29 von 104
Quellen
- Green NCAP – Zeekr 001 Long Range electric RWD, Datenblatt 05/2024
- ADAC Autokatalog – Zeekr 001 Performance AWD (ab 01/26)
- ADAC Fahrbericht – Zeekr 001
- ADAC Crashtest – Zeekr 001 (Euro NCAP 05/2024)
- EV-Database – Zeekr 001 Performance AWD
- EVKX.net – Zeekr 001 Performance AWD
- VISION mobility – Fahrbericht Zeekr 001
- InsideEVs – Zeekr 001 im Test
- Carwow – Zeekr 001 Test (nur Fahreindrücke)
- elektrosportwagen.ch – Zeekr 001 Privilege AWD im Test
- vybe.ch – Zeekr 001 im Test
- Zeekr Europe – Modellseite 001
Bildquellen
- Zeekr 001 Aussenbild — © Zeekr Presseportal
- Zeekr 001 Heckansicht — © Zeekr Presseportal
- Zeekr 001 Seitenansicht — © Zeekr Presseportal
- Zeekr 001 Innenraum — © Zeekr Presseportal
- Zeekr 001 Infotainment — © Zeekr Presseportal
- Zeekr 001 Sitze — © Zeekr Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
