EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Škoda Elroq 85 ist das Elektroauto für Menschen, die kein Elektroauto-Projekt wollen, sondern ein Auto. Er verbraucht wenig, fährt leise und komfortabel, bietet im Fond mehr Platz als seine Außenmaße versprechen und ist serienmäßig sehr gut abgesichert. Dafür lädt er nach starkem Start früh langsamer nach, der Kofferraum ist knapp, ein Frunk fehlt, und ausgerechnet die Wärmepumpe steht auf der Aufpreisliste. Wer den Elroq als Pendler- und Familienauto mit gelegentlicher Langstrecke sieht, bekommt viel Auto für gutes Geld — etwas günstiger, als man für die gebotene Gesamtqualität erwarten würde. Wer ständig weite Autobahnstrecken fährt, findet inzwischen schnellere Lader.
Pro
- Niedriger gemessener Verbrauch von 18,2 kWh/100 km inklusive Ladeverluste
- 475 km gemessene Reichweite im Mischbetrieb
- Hervorragender Federungskomfort und leiser Innenraum (65,9 dB bei 130 km/h)
- Sehr großzügiger Beinraum im Fond trotz kompakter Außenlänge
- Umfangreiche Sicherheitsassistenz bereits serienmäßig
- Haptische Schnellwahltasten statt reiner Touch-Bedienung
Contra
- Ladeleistung bricht früh ein: nur rund 118 kW im Schnitt von 10 auf 80 Prozent
- Kofferraum mit gemessenen 365 Litern knapp, kein ebener Ladeboden, kein Frunk
- Wärmepumpe, Abstandsregeltempomat und Head-up-Display nur gegen Aufpreis
- Touch-Slider für die Lautstärke lässt sich blind kaum bedienen
- Anhängelast von 1.000 kg (gebremst) fällt bescheiden aus
- Herstellergarantie von nur zwei Jahren
Der Škoda Elroq ist das Auto, mit dem die Tschechen bewiesen haben, dass ein Elektroauto kein Statement sein muss. Es reicht, wenn es funktioniert. Das kompakte Elektro-SUV war 2025 das zweitmeistverkaufte Elektroauto Europas, wurde zum German Car of the Year 2026 gewählt — und ist trotzdem im Kern ein sehr pragmatisches Fahrzeug: ein geschrumpfter Enyaq auf der bekannten MEB-Plattform des VW-Konzerns, mit fast identischem Radstand und rund 16 Zentimeter weniger Außenlänge.
Wir schauen uns hier den Elroq 85 an, also die Heckantriebsvariante mit dem großen Akku und rund 286 PS — die Version, auf die mehr als die Hälfte aller Bestellungen entfiel. Wichtig für die Einordnung: Dieser Test gilt für die Ausführung, die bis Frühjahr 2026 bestellbar war. Seit Mitte 2026 rollt ein deutlich überarbeiteter Jahrgang zu den Händlern, den wir separat behandeln werden, sobald unabhängige Messwerte dazu vorliegen. Was hier steht, beruht auf Daten des Autos, das die Tester wirklich vermessen haben.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: der eigentliche Trumpf
Im standardisierten Elektro-Zyklus des ADAC — der Ladeverluste an der Steckdose ausdrücklich mitrechnet — genehmigt sich der Elroq 85 18,2 kWh auf 100 Kilometer. Das ist für ein SUV mit über zwei Tonnen Leergewicht ein bemerkenswert genügsamer Wert, und er ist ehrlich gemessen: Um die nutzbaren 77 kWh der Batterie komplett zu füllen, fließen an der heimischen Wallbox gut 87 kWh durch den Zähler. Daraus ergeben sich rund 475 Kilometer Reichweite im Mischbetrieb.
Was heißt das im Alltag? Wer 40 Kilometer pro Strecke pendelt, lädt einmal pro Woche. Eine Familie kann den Wochenendausflug ohne Ladeplanung angehen. Auch unabhängige Fahrberichte stützen das Bild: Über 735 gemischte Kilometer notierte ein Tester im Schnitt 18,8 kWh, ein anderer kam auf 20,5 kWh. Das sind Bordcomputer-Werte, also ohne Ladeverluste — sie passen damit gut zum Messwert.
Die Kehrseite kommt bei Tempo und Kälte. Bei 130 km/h steigt der Verbrauch auf 21 bis 22 kWh, die Autobahnreichweite fällt dann Richtung 350 Kilometer. Und bei minus zwei Grad maß ein Vergleichstest inklusive Ladeverluste 28,5 kWh und nur noch 323 Kilometer. Das ist kein Elroq-Problem, sondern der ehrliche Winterzustand der Technik — aber wer im Januar oft Autobahn fährt, sollte damit rechnen und über die aufpreispflichtige Wärmepumpe nachdenken.
Laden & Reisetauglichkeit: schnell angefangen, früh nachgelassen
Auf dem Papier lädt der Elroq mit bis zu 175 kW, gemessen wurden sogar knapp 180 kW Spitze. Nur: Die Spitze hält nicht lange. Über den gesamten Ladehub von 10 auf 80 Prozent bleiben im Schnitt rund 118 kW übrig, der Vorgang dauert 33 Minuten. Nach zehn Minuten an der Säule sind etwa 143 Kilometer nachgeladen. Das ist ordentlich, aber kein Spitzenwert mehr — ein früher Einbruch der Ladeleistung wird von Testern ausdrücklich kritisiert.
Für die Langstrecke bedeutet das: Es geht, aber es will geplant sein. Auf 800 Autobahnkilometern kommt man um zwei spürbare Ladestopps kaum herum, und die dauern eben nicht zehn, sondern eher 25 bis 30 Minuten. Der ADAC spricht von einer nur bedingten Langstreckentauglichkeit. Wer regelmäßig 600 Kilometer am Stück fährt, findet in dieser Preisklasse inzwischen Autos, die schneller nachladen.
Beim Nutzwert zeigt sich Škoda von der praktischen Seite und gleichzeitig zurückhaltend. Die gebremste Anhängelast liegt bei 1.000 Kilogramm — genug für einen kleinen Wohnwagen oder einen Anhänger mit Gartenabfällen, aber deutlich weniger, als manche Konkurrenz erlaubt. Dach- und Stützlast reichen dafür für zwei E-Bikes. Und das Ladekabel wandert dank eines Netzes unter der Hutablage nicht bei jedem Einkauf unter das Gepäck.
Antrieb & Fahrdynamik: spritzig, aber kein Sportler
Der Elektromotor an der Hinterachse liefert 545 Newtonmeter ohne Umweg über ein Getriebe. Aus dem Stand auf 100 km/h vergehen 6,6 Sekunden, bei 180 km/h ist elektronisch Schluss. Interessanter als die Sprintzeit sind die Zwischenspurts: Von 60 auf 100 km/h vergehen gemessene 3,1 Sekunden, von 80 auf 120 km/h 4,1 Sekunden. Genau das braucht man beim Überholen und beim Einfädeln — und dort fühlt sich der Elroq deutlich flotter an, als die nüchterne Zahl vermuten lässt.
Auf der Straße bleibt er dabei brav. Das Fahrverhalten ist sicher beherrschbar, die Traktion trotz Heckantrieb kaum ein Thema, der Geradeauslauf auf der Autobahn nahezu tadellos. Aus 100 km/h steht der Wagen nach 34,3 Metern — ein guter Wert, obwohl an der Hinterachse Trommelbremsen sitzen, was zunächst überrascht, angesichts der konstanten Bremswerte aber niemanden beunruhigen muss.
Ein Kurvenräuber ist er nicht, und er will es auch nicht sein. Die komfortorientierte Abstimmung erzeugt in schnellen Kurven auf welligem Untergrund deutliche Aufbaubewegungen. Beim Lenkgefühl gehen die Urteile auseinander: Der ADAC lobt Zielgenauigkeit und Rückmeldung der optionalen Progressivlenkung, eine Heftmessung von auto motor und sport kritisiert sie dagegen als gefühlarm. Wer echte Fahrdynamik sucht, muss beim Elroq zum RS greifen.
Komfort & Geräusch: die stille Stärke
Hier spielt der Elroq eine seiner besten Karten aus. Bei 130 km/h messen die Tester 65,9 dB(A) im Innenraum — leise für die Klasse. Vom Antrieb dringt selbst bei kräftiger Beschleunigung praktisch nichts durch, Abroll- und Windgeräusche bleiben unaufdringlich. Auf langen Etappen ist das der Unterschied zwischen ankommen und erschöpft ankommen.
Die Federung bekommt von den Testern viel Lob: Gullydeckel und Querfugen quittiert der Elroq mit einem einzigen, gewollten Nachschwingen, Kopfsteinpflaster ist eher zu hören als zu spüren. Für die Kompaktklasse ist das ein hervorragendes Niveau. Auch die Vordersitze sind langstreckentauglich, mit gutem Seitenhalt, ohne einzuengen.
Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Das Testfahrzeug trug das adaptive Fahrwerk DCC, das im Sport-Paket steckt und Aufpreis kostet. Serienmäßig ist der Elroq immer noch angenehm abgestimmt — die Bestnoten gehen aber auf das Konto der Option. Und wer die großen 21-Zoll-Räder wählt, holt sich auf Querfugen einen Teil der Härte zurück, die die Federung eigentlich wegdämpfen soll.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: vorn Enyaq, hinten Rotstift
Weil der Radstand vom größeren Enyaq übernommen wurde, sitzt man im Elroq erstaunlich luftig. Vorn kommen Menschen bis knapp 1,95 Meter bequem unter, im Fond reicht der Beinraum selbst für Zwei-Meter-Passagiere; erst die Kopffreiheit wird dort zur Grenze. Auf dem Papier ist der Elroq ein Fünfsitzer, in der Praxis eher ein bequemer Viersitzer plus Notsitz: Der mittlere Rücksitz ist schmal, seine Kopfstütze kaum verstellbar, und für einen Kindersitz taugt er nicht.
Der Kofferraum ist die klarste Schwäche des Autos. Nach unabhängiger Messung passen 365 Liter hinein, bei umgeklappter Rückbank 770 Liter bis zur Fensterunterkante. Das ist Kompaktklasse-Niveau, nicht mehr — und ein ebener Ladeboden entsteht beim Umklappen nicht. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, was mit den Ladekabeln lästig ist. Wer Urlaubsgepäck für vier oder einen ausladenden Kinderwagen unterbringen muss, sollte vorher packen üben.
Bei der Verarbeitung zeigt sich das übliche Volumenmarken-Muster. Vorn schäumt Škoda die Türverkleidungen und polstert den Mitteltunnel, die Materialanmutung wirkt wertig. Hinten kommt spürbar mehr harter Kunststoff zum Einsatz. Die Spaltmaße stimmen rundum, doch im Detail fallen unummantelte Kabelstränge im Motorraum, fehlende Türrahmenverkleidungen und im Testwagen eine klappernde Zierleiste auf. Dafür gibt es die typischen Simply-Clever-Ideen: Eiskratzer in der Heckklappe, Ablagen hinter den Radkästen, eine Hängematte für die Jacke.
Software, Bedienung & E-Funktionen: gute Ideen, alte Bremsklötze
Das MIB4-System auf dem 13-Zoll-Schirm reagiert flott und ist logisch sortiert; kabelloses CarPlay und Android Auto sind serienmäßig, die Ladeplanung im Navi funktioniert. Ein echter Pluspunkt sind die haptischen Schnellwahltasten unterhalb der Lüftungsdüsen — Klima, Assistenz, Heckscheibenheizung liegen dort auf echten Knöpfen statt in Untermenüs.
Zwei Ärgernisse bleiben trotzdem. Die Lautstärke wird über einen Touch-Slider geregelt, den man ohne Hinsehen kaum trifft. Und für einige Grundfunktionen braucht es weiterhin Wischerei und einen Blick weg von der Straße. Tester sprechen von einer Eingewöhnungsphase, die nötig sei — für ein Auto, das mit Alltagstauglichkeit wirbt, ist das eine vermeidbare Hürde.
Bei den E-Funktionen ist die Bilanz gemischt. Die Batterie lässt sich vorkonditionieren, manuell oder automatisch über die Route, die Ladeleistung ist regelbar und begrenzbar, die Standklimatisierung ist Serie. Die Wärmepumpe dagegen kostet Aufpreis — im Winter ein echtes Thema. Ein Frunk fehlt ebenso wie die Möglichkeit, externe Geräte mit Strom zu versorgen. Bei der Assistenz sieht es besser aus: Notbrems-, Spur- und Totwinkelsysteme sind serienmäßig und arbeiten überzeugend. Der komfortable Autobahnassistent Travel Assist samt Abstandsregeltempomat steckt allerdings ebenfalls in einem kostenpflichtigen Paket, was den guten Eindruck etwas trübt.
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Einordnung im Ranking
Der Elroq 85 ist kein Auto der Extreme. Er gewinnt keine Effizienz-Krone, keinen Ladewettbewerb und keinen Kofferraum-Vergleich. Er verliert aber auch nirgends deutlich — und genau das macht ihn stark: sparsam, leise, geräumig, sicher, mit einer Reichweite, die den allermeisten Alltag abdeckt. Wo er in unserem klassenübergreifenden Ranking landet, seht ihr hier:
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 32 von 104
Direkte Alternativen sind der technisch eng verwandte VW ID.4, der eine Nummer größere Škoda Enyaq, dazu Kia EV3, BMW iX1 und Volvo EX40. Gegenüber den Premium-Anbietern hat der Elroq das bessere Preisschild, gegenüber dem koreanischen Wettbewerb den besseren Federungskomfort; beim Nachladen muss er sich beiden geschlagen geben. Für seine Gesamtqualität ist er etwas günstiger bepreist, als man erwarten würde — was das Auto gerade für Familien und Vielpendler interessant macht, die viel Raum und wenig Verbrauch wollen und dafür bei der Ladegeschwindigkeit Kompromisse eingehen können. Wer dagegen jede zweite Woche quer durch Deutschland muss, sollte sich die Ladekurve sehr genau ansehen.
Quellen
- ADAC Autotest & Ecotest: Skoda Elroq 85 (Ankerquelle, getestete Variante)
- ADAC Autokatalog: Skoda Elroq 85 (01/25–04/26)
- ADAC: Škoda Elroq im Test
- EV Database: Škoda Elroq 85 (MY25)
- EVKX.net: SKODA Elroq 85 – Full Specs
- auto motor und sport: Skoda Elroq 85 Sportline im Test
- auto motor und sport: Skoda Elroq 85 Sportline – praktischer Elektro-SUV für den Alltag
- auto motor und sport, Einzeltest Elroq 85 Sportline, Heftausgabe 03/2025 (Print, keine freie URL)
- AUTO BILD: Skoda Elroq vs. Volvo EX40 im Test
- AUTO BILD: Skoda Elroq – alle Infos, Preise und Tests
- AutoScout24: Škoda Elroq im Test
- elektroauto-news.net: Škoda Elroq 85 Fahrbericht (735 km)
- AutoGuru.at: Skoda Elroq 85 77 kWh im Test
- firmenauto.de: Skoda Elroq 85 im Test
- Carwow: Skoda Elroq Test, Konfigurator & Preise
- Gas-Junky.at: Skoda Elroq 85x im Test
Bildquellen
- Skoda Elroq 85 Aussenansicht — © Skoda Presseportal
- Skoda Elroq 85 Heckansicht — © Skoda Presseportal
- Skoda Elroq 85 Innenraum — © Skoda Presseportal
- Skoda Elroq 85 Infotainment — © Skoda Presseportal
- Skoda Elroq 85 Sitze — © Skoda Presseportal
- Skoda Elroq 85 Kofferraum — © Skoda Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
