Volvo EC40 im Test: sparsames SUV-Coupé mit Premium-Preis

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

63,3 % 3,80 / 6

Preis/Leistung

2,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Volvo EC40 macht vieles richtig: Er ist eines der sparsamsten SUV-Coupés seiner Klasse, fährt leise und komfortabel und punktet mit hochwertiger, lederfreier Verarbeitung und einem starken Google-System. Dagegen stehen eine gefühlsarme Lenkung, die Coupé-typischen Abstriche bei Kopffreiheit und Kofferraum und eine Reichweite, die im Winter deutlich nachgibt. Vor allem aber ist der Schwede teuer – fürs Gebotene zahlt man einen spürbaren Aufpreis. Wer Design und Effizienz über den letzten Zentimeter Nutzwert stellt, wird glücklich; alle anderen schauen sich den praktischeren EX40 an.

Pro

  • Sehr effizient: 18,5 kWh/100 km im ADAC Ecotest trotz gut zwei Tonnen Gewicht
  • Leise und komfortabel, hochwertige lederfreie Verarbeitung
  • Kurze Ladestopps dank über 200 kW Spitzenleistung
  • Vorbildliche Sprachbedienung mit Google-Integration

Contra

  • Hoher Preis, dadurch nur mäßiges Preis/Leistungs-Verhältnis
  • Coupé-Dach kostet Kopffreiheit hinten und Kofferraum
  • Reichweite bricht im Winter und auf der Autobahn deutlich ein
  • Klima nur über den Touchscreen, Ladeplanung mit Defiziten

Der Volvo EC40 ist die Coupé-Variante des elektrischen Kompakt-SUV EX40 und war früher unter dem Namen C40 Recharge unterwegs. Mit dem Modelljahr 2024 hat Volvo dem Schweden einen komplett neuen Antrieb spendiert: Der Motor sitzt jetzt an der Hinterachse, ist kräftiger und effizienter. Wir schauen uns hier die Single-Motor-Version mit dem großen 82-kWh-Akku an, also die Ausführung mit der langen Reichweite. Herausgekommen ist ein schickes, leises und ausgesprochen sparsames E-Auto, das sich seinen Auftritt allerdings teuer bezahlen lässt.

Bildergalerie

Volvo EC40 Aussenansicht
Volvo EC40 Heckansicht
Volvo EC40 Seitenansicht
Volvo EC40 Innenraum
Volvo EC40 Sitze

Technische Daten

Marktstart 2021
Basispreis 57.190 €
Nutzbare Batterie 79 kWh
Realverbrauch 18,5 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,2 kWh/100 km
Reale Reichweite 495 km
Ladeleistung (Peak) 208 kW
Ladezeit 10–80 % 32 min
Leistung 185 kW (252 PS)
0–100 km/h 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Kofferraum 340 l
Frunk 31 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.500 kg
Wendekreis 11,7 m
Maße (L×B) 4.440 × 1.873 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber temperaturempfindlich

Fangen wir mit der großen Stärke an: Der EC40 geht erstaunlich sparsam mit seinem Strom um. Im realitätsnahen ADAC Ecotest genehmigt er sich 18,5 kWh auf 100 Kilometer – und zwar inklusive der Verluste beim Laden. Für ein SUV-Coupé, das vollgetankt rund zwei Tonnen wiegt, ist das ein richtig guter Wert. Unabhängige Effizienz-Datenbanken bestätigen die Größenordnung mit knapp 19 kWh im gemischten Betrieb.

Aus dem großen Akku und diesem niedrigen Verbrauch ergibt sich im gemischten Ecotest-Zyklus eine Reichweite von rund 495 Kilometern. Das reicht im Alltag locker für eine ganze Pendelwoche, ohne dass ihr ans Laden denken müsst. Wer viel Stadt fährt, kommt bei milden Temperaturen sogar noch deutlich weiter.

Die Kehrseite zeigt sich, sobald es kalt wird oder ihr länger auf der Autobahn unterwegs seid. Bei Richtgeschwindigkeit schmilzt die Reichweite auf grob 380 Kilometer im Sommer zusammen, im Winter berichten Tester von Werten unter 300 Kilometern. Der EC40 ist also ein Effizienzwunder mit klarer Wetterabhängigkeit – im Winter solltet ihr eure Etappen etwas großzügiger planen.

Laden & Reisetauglichkeit: schneller Sprint, früher Abfall

Beim Nachladen hat das Facelift einen großen Sprung gemacht. Konnte der Vorgänger nur mit bescheidenen 135 kW laden, schafft der neue EC40 in der Spitze über 200 kW – im ADAC-Test wurden knapp 208 kW gemessen. Das klingt nach Oberklasse, und der erste Ladeschub ist tatsächlich flott.

In der Praxis relativiert sich das aber. Die Ladekurve fällt recht früh ab, sodass über den gesamten Ladevorgang im Schnitt nur rund 132 kW ankamen. Von 10 auf 80 Prozent vergehen so etwa 32 Minuten – ein solider, aber kein herausragender Wert. Zum Vergleich: Die schnellsten Wettbewerber mit 800-Volt-Technik sind hier spürbar zügiger wieder voll.

Für die Langstrecke heißt das: Der EC40 ist gut planbar und die Ladestopps bleiben erträglich, echte Rekorde stellt er aber nicht auf. In Kombination mit dem Reichweiten-Einbruch bei Kälte wird eine winterliche Fahrt quer durch Deutschland zur Übung in Geduld. Immerhin: Die Batterie-Vorkonditionierung über das Navi sorgt dafür, dass der Akku an der Schnellladesäule die richtige Temperatur hat.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän, aber kein Sportler

Der neu entwickelte Heckmotor leistet 185 kW, umgerechnet rund 252 PS, und schiebt den EC40 in 7,3 Sekunden auf Tempo 100. Das fühlt sich im Alltag jederzeit souverän an: Ampelstarts, Einfädeln auf die Autobahn, Überholmanöver – alles erledigt der Schwede mühelos und typisch leise. Bei 180 km/h ist Schluss, das gilt bei Volvo mittlerweile für alle Modelle.

Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, bleibt dabei aber komfortabel, und der tief liegende Akku drückt den Schwerpunkt nach unten. Im ADAC-Ausweichtest gibt sich der EC40 sicher und durchaus agil. Ein großes Lob bekommt die Bremse, die sich knackig und immer gleich anfühlt – das ist bei E-Autos keine Selbstverständlichkeit.

Weniger überzeugend ist die Lenkung: Um die Mittellage fehlt es ihr an Rückmeldung, und der Seitenführungsaufbau setzt leicht verzögert ein. Man gewöhnt sich daran, ein spürbares Fahrgefühl vermittelt der EC40 dabei aber nicht. Eine individuelle Anpassung von Federung oder Lenkung lässt Volvo bewusst nicht zu.

Komfort & Geräusch: die leise Reise

Hier spielt der EC40 eine seiner großen Stärken aus. Das Abrollen über Unebenheiten gerät angenehm samtig, und dank guter Dämmung bleibt es im Innenraum bemerkenswert ruhig. Bei Tempo 130 messen die Tester nur 65,8 dB(A) – ein sehr guter Wert, der lange Etappen entspannt macht.

Zum ruhigen Eindruck trägt der lautlose Antrieb ebenso bei wie die weiche Grundabstimmung, die auch auf gröberen Buckeln und unter Beladung genug Reserven lässt. Für Familie und Pendler ist das eine sehr angenehme Kombination.

Der Kompromiss: Eine Luft- oder Adaptivfederung gibt es nicht, das Fahrwerk arbeitet rein passiv. Auf sehr kurzen, harten Stößen meldet sich deshalb gelegentlich eine gewisse Straffheit. An den Federungskomfort einer echten Oberklasse reicht der Volvo damit nicht ganz heran – für seine Klasse ist er aber weit vorne.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: schön, aber Coupé-typisch beschnitten

Innen überzeugt der EC40 mit hochwertiger, komplett lederfreier Verarbeitung und einem aufgeräumten skandinavischen Design. Tester loben die Materialanmutung; nur die wuchtige Mittelkonsole und vereinzeltes Hartplastik im unteren Bereich trüben das Bild leicht. Insgesamt fühlt sich das hier nach Premium an.

Beim Platz macht sich die Coupé-Form bemerkbar. Vorne und bei der Beinfreiheit im Fond gibt es nichts zu meckern, das abfallende Dach kostet hinten aber Kopffreiheit – Passagiere über 1,85 Meter sitzen nicht mehr ganz bequem. Der Kofferraum fasst nach der praxisnahen ADAC-Messung 340 Liter, umgeklappt bis 1.255 Liter; dazu kommt ein kleiner 31-Liter-Frunk vorn, der die Ladekabel schluckt.

Damit ist der EC40 kein Packesel, sondern ein Lifestyle-Kompakter: Wer die schicke Silhouette will, zahlt mit etwas Kopffreiheit und Stauraum. Wem der Nutzwert wichtiger ist, findet im baugleichen EX40 mit klassischem SUV-Dach die praktischere Alternative.

Software, Bedienung & E-Funktionen: Google kann reden, aber nicht alles

Das Infotainment basiert auf Googles Android-System und gehört zu den Stärken des Autos. Die Sprachbedienung ist vorbildlich, Google Maps als Navi ohnehin gesetzt, und Dienste wie Spotify sind direkt an Bord. Ein Lautstärkeregler und Tasten am Lenkrad sind erfreulicherweise geblieben.

Es gibt aber Schwächen. Ein eigenes Klimabedienteil fehlt: Für jede Anpassung muss man erst ein Menü öffnen, was während der Fahrt ablenkt. Und die Einstelltiefe fällt insgesamt schlank aus – wer sein Auto gern bis ins Detail konfiguriert, wird hier weniger glücklich.

Bei den E-Funktionen ist das Wichtigste da: Frunk, One-Pedal-Fahren mit Auto-Modus, Vorkonditionierung der Batterie und ein umfangreiches Assistenzpaket serienmäßig. Die Wärmepumpe kostet allerdings Aufpreis, und Tester bemängeln Defizite bei der Ladeplanung sowie bei Verkehrszeichenerkennung und adaptivem Tempomat. Ein rundes, aber nicht makelloses Paket.

Einordnung im Ranking

Der Volvo EC40 ist ein rundes, sympathisches E-Auto: sehr effizient, leise, gut verarbeitet und mit einem starken Google-Infotainment. Die Coupé-Form kostet etwas Praxisnutzen, und die gefühlsarme Lenkung sowie die im Winter schrumpfende Reichweite sind die größten Schwächen. In seiner Klasse landet er damit im soliden oberen Mittelfeld.

Sein größtes Handicap ist der Preis: Jenseits der 57.000-Euro-Marke ist der EC40 fürs Gebotene etwas teuer, das Preis/Leistungs-Verhältnis fällt entsprechend mäßig aus. Direkte Alternativen wie das Škoda Enyaq Coupé, der VW ID.5, der Ford Capri oder ein Hyundai Ioniq 5 bieten teils mehr Platz oder schnelleres Laden fürs Geld. Wer aber Wert auf Design, Ruhe und Effizienz legt und den Aufpreis akzeptiert, bekommt hier ein sehr angenehmes Auto. Praktischer und meist etwas günstiger bleibt der baugleiche EX40.

Bildquellen

  • Volvo EC40 Aussenansicht — © Volvo Presseportal
  • Volvo EC40 Heckansicht — © Volvo Presseportal
  • Volvo EC40 Seitenansicht — © Volvo Presseportal
  • Volvo EC40 Innenraum — © Volvo Presseportal
  • Volvo EC40 Sitze — © Volvo Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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