VW ID. Buzz Pro Test: Viel Bulli, viel Platz – zu welchem Preis?

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

56,7 % 3,40 / 6

Preis/Leistung

1,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der ID. Buzz Pro ist ein Herzens-Auto mit klarem Nutzwert: riesig innen, charmant im Design, angenehm kräftig – und für das, was er beim Fahren und beim Verbrauch abliefert, schlicht teuer. Wer den Platz und den Bulli-Charakter will, bekommt einen praktischen, sicheren Familien-Van. Wer vor allem Reichweite, Reisetempo und Fahrkomfort sucht, findet für das Geld deutlich effizientere Alternativen. Unterm Strich: ein sympathischer Großraum-Stromer, den man mit den Augen kauft – und dessen Preis man sich schönrechnen muss.

Pro

  • Enormes Platzangebot und 1.121 Liter Kofferraum schon als Fünfsitzer
  • Kräftiger 210-kW-Heckantrieb, für die Größe erstaunlich wendig
  • Bidirektionales Laden (V2H/V2G) serienmäßig, gute Ladeplanung im Navi
  • Solide DC-Ladeleistung: rund 185 kW, 10–80 % in etwa einer halben Stunde
  • Höchstwertung im Euro-NCAP-Crashtest

Contra

  • Hoher Preis – fürs Gebotene teuer
  • Boxige Form kostet Reichweite: real nur rund 360 km, auf der Autobahn deutlich weniger
  • Kein adaptives Fahrwerk, dadurch nur mittelmäßiger Federungskomfort
  • Innenraum stark kostenoptimiert, viel Hartplastik
  • Wichtige Assistenten und die Wärmepumpe nur gegen Aufpreis

Kaum ein Elektroauto löst so viel Wiedererkennung aus wie der VW ID. Buzz. Der elektrische Bulli spielt bewusst mit der Nostalgie des T1 – und ist darunter ein moderner, sehr geräumiger Van auf VWs MEB-Plattform. Wir schauen uns hier die meistverkaufte Variante an: den Pro mit kurzem Radstand, 79-kWh-Akku und 210 kW starkem Heckantrieb. So viel vorweg: Beim Platz und beim Charme spielt er ganz vorne mit, bei Effizienz, Fahrkomfort und vor allem beim Preis muss er Federn lassen.

Bildergalerie

VW ID Buzz Pro Aussenansicht
VW ID Buzz Pro Heckansicht
VW ID Buzz Pro Seitenansicht
VW ID Buzz Pro Innenraum
VW ID Buzz Pro Sitze
VW ID Buzz Pro Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2022
Basispreis 61.077 €
Nutzbare Batterie 79 kWh
Realverbrauch 24,2 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 19 kWh/100 km
Reale Reichweite 362 km
Ladeleistung (Peak) 185 kW
Ladezeit 10–80 % 29 min
Leistung 210 kW (286 PS)
0–100 km/h 7,6 s
Höchstgeschwindigkeit 145 km/h
Kofferraum 1.121 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.000 kg
Wendekreis 11,1 m
Maße (L×B) 4.712 × 1.985 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: Der Bulli und die Physik

Auf dem Papier stehen 79 nutzbare Kilowattstunden und ein WLTP-Wert von rund 458 Kilometern. In der Realität bremst die Physik den quadratischen Körper aber spürbar aus: Standardisierte Realdaten sehen den kurzen Pro bei gut 360 Kilometern im gemischten Alltag. Das ist für einen so großen, hohen Wagen kein schlechter Wert – aber eben auch kein großer.

Entscheidend ist das Tempo. Unter 100 km/h und bei milden Temperaturen kommt ihr gemütlich auf 450 Kilometer und mehr. Sobald es auf die Autobahn geht, dreht sich das Bild: Bei Reisetempo klettert der Verbrauch schnell Richtung 25 bis 27 kWh, und die reale Autobahnreichweite fällt dann unter 300 Kilometer. Im Winter kommt der große Innenraum als zusätzlicher Stromverbraucher dazu – hier hilft die Wärmepumpe, die VW aber nur gegen Aufpreis anbietet.

Ehrlich bleiben müssen wir bei der Datenlage: Einen genormten ADAC-Ecotest gibt es bisher nur für die längere 86-kWh-Version, nicht für genau diesen kurzen 79-kWh-Pro. Unsere Verbrauchs- und Reichweiteneinordnung stützt sich daher auf standardisierte Realwerte der EV-Database, flankiert vom Ecotest der Langversion mit identischem Antrieb. Als Pendel- und Familienauto reicht die Reichweite locker; als Langstreckentourer verlangt der Buzz Planung.

Laden & Reisetauglichkeit: Zügig an der Säule, gemächlich auf der Reise

Beim Laden macht der Buzz vieles richtig. An der Schnellladesäule zieht er bis zu rund 185 kW und ist in etwa einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent voll. Unabhängige Messungen bestätigen das – dort wurden die 185 kW in der Praxis sogar knapp erreicht, und das selbst bei Temperaturen nahe null Grad. Für ein 400-Volt-System mit dieser Batteriegröße ist das ein richtig guter Wert.

Die Kehrseite ist die Ladekurve: Die Spitzenleistung hält der Buzz nur zu Beginn, danach fällt sie deutlich ab. In der Praxis heißt das: Die ersten Prozente flutschen, das letzte Drittel zäh. Zusammen mit der ohnehin knappen Autobahnreichweite ergibt das auf langen Etappen spürbare, planbare Ladepausen. Wer viel Langstrecke fährt, sollte den Buzz eher als komfortablen Zwei-Stopp-Reisenden begreifen denn als Strecken-Fresser.

Antrieb & Fahrdynamik: Mehr Punch, als man erwartet

Mit 210 kW (rund 286 PS) und 560 Nm ist der Heckantrieb kräftig dimensioniert. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in etwa 7,6 Sekunden – für ein über 2,6 Tonnen schweres Gefährt eine muntere Ansage. Im Alltag fühlt sich der Buzz dadurch nie untermotorisiert an; Überholen und Auffahren auf die Autobahn gehen souverän.

Auch das Fahrverhalten überrascht positiv: Dank tief liegender Batterie und Heckantrieb liegt der hohe Kasten erstaunlich stabil in der Kurve und neigt weniger zum Wanken, als man es ihm ansieht. Der enge Wendekreis von rund 11,1 Metern macht ihn zudem handlicher, als seine Maße vermuten lassen. Die Grenze ist aber klar: Ein dynamisches Auto ist und bleibt der Buzz nicht – bei höherem Tempo drücken Gewicht und Luftwiderstand aufs Temperament.

Komfort & Geräusch: Solide, aber ohne Sternstunden

Hier zeigt sich der größte Schwachpunkt des Konzepts. Dem ID. Buzz fehlen die adaptiven Dämpfer, die andere ID-Modelle so ausgewogen machen. Tester beschreiben den Federungskomfort daher als bestenfalls durchschnittlich: Innerorts kommen Unebenheiten spürbar durch, erst ab mittlerem Tempo wird das Abrollen geschmeidiger. Unangenehm hart wird es selten, ein „fliegender Teppich“ ist der Buzz aber nie.

Beim Geräusch liegt er im Mittelfeld: Der E-Antrieb ist naturgemäß leise, doch die große Stirnfläche sorgt bei Autobahntempo für hörbare Windgeräusche. Für entspanntes Cruisen im Stadt- und Landstraßentempo reicht das gut; auf der Langstrecke bleibt Luft nach oben.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: Riesig – und sparsam möbliert

Das ist die Paradedisziplin. Schon als Fünfsitzer schluckt der kurze Buzz 1.121 Liter Gepäck, dazu kommen enorme Kopffreiheit und ein luftiges Raumgefühl in allen Reihen. Die Schiebetüren erleichtern den Einstieg gerade in engen Parklücken enorm – ein echter Familienvorteil. Kurzum: Beim nutzbaren Platz spielt der Buzz in der obersten Liga.

Bei der Verarbeitung liefert VW ordentliche, gleichmäßige Spaltmaße. Die Materialanmutung dagegen ist ernüchternd: viel hartes Plastik, sichtbar kostenoptimiert. Nette Details wie Farbakzente und Bulli-Ornamente können nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass hier zum stolzen Preis kein Premium-Ambiente entsteht. Und einen Frunk gibt es nicht – das Ladekabel findet vorn keinen sinnvollen Stauplatz.

Software, Bedienung & E-Funktionen: Aufgehol, aber touchlastig

Das aktualisierte Infotainment mit großem 12,9-Zoll-Touchscreen reagiert flüssig, und vor allem die Navigation mit automatischer Ladeplanung gehört zu den Stärken: Sie plant Ladestopps ein und nimmt der Langstrecke den Stress. Auch Over-the-Air-Updates und Plug & Charge sind an Bord.

Bei den E-Funktionen glänzt ein Punkt besonders: Der Buzz beherrscht serienmäßig bidirektionales Laden (V2H/V2G) – er kann also etwa Solarstrom zwischenspeichern und ins Haus zurückgeben. Das ist noch selten und ein echtes Plus. Weniger schön: Die Wärmepumpe und viele nützliche Assistenten (Abstandstempomat, Stauassistent, Travel Assist) kosten Aufpreis. Und die Bedienung setzt weiter stark auf Touchflächen statt echter Tasten – im Detail besser als anfangs, aber noch nicht über jeden Zweifel erhaben.

Einordnung im Ranking

Der ID. Buzz Pro ist ein Auto der klaren Prioritäten: Wer Platz, Sicherheit und den unverwechselbaren Bulli-Look sucht, bekommt einen der charmantesten Großraum-Stromer überhaupt. Wer dagegen Effizienz, Reichweite und Fahrkomfort obenan stellt, merkt schnell, dass die boxige Form und das fehlende adaptive Fahrwerk ihren Tribut fordern. Direkte Alternativen wie der VW Multivan eHybrid, der Ford Tourneo/Transit Custom oder – aus einer ganz anderen Richtung – große E-SUV mit sieben Sitzen bieten je nach Bedürfnis mehr Reichweite, mehr Komfort oder mehr Auto fürs Geld.

Und genau da liegt der wunde Punkt: Beim Preis/Leistungs-Verhältnis ist der Buzz teuer fürs Gebotene – hier zahlt man den Namen und den Kult mit. Für Fans ist das jeden Euro wert; wer rein rational rechnet, wird ins Grübeln kommen.

Bildquellen

  • Titelbild (Pressefoto außerhalb der Galerie) — © Volkswagen
  • VW ID Buzz Pro Aussenansicht — © VW Presseportal
  • VW ID Buzz Pro Heckansicht — © VW Presseportal
  • VW ID Buzz Pro Seitenansicht — © VW Presseportal
  • VW ID Buzz Pro Innenraum — © VW Presseportal
  • VW ID Buzz Pro Sitze — © VW Presseportal
  • VW ID Buzz Pro Kofferraum — © VW Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

TOP IN DIESER KLASSE

Beste Van im Test

1 VW ID. Buzz Pro Dieser Test 56,7%
2 Toyota Proace Verso Electric 38,3%

Vergleichen

Aktuelle Tests