EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
4,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Leapmotor B10 macht das ein, was er verspricht: viel nutzbares Elektroauto fürs Geld. Er glänzt mit einem ungewöhnlich großzügigen Innenraum, ruhigem Komfort und einer Serienausstattung, die viele teurere Rivalen alt aussehen lässt. Dafür muss man mit einem nur durchschnittlichen Kofferraum, einer stark auf den Touchscreen ausgelagerten Bedienung und einer eher gefühllosen Lenkung leben. Auf der Autobahn und im Winter schrumpft die Reichweite spürbar – für Pendler und Familien reicht sie im Alltag aber locker. Wer keinen Premium-Stern auf der Haube braucht, bekommt hier ein ehrliches, komfortables Familien-SUV.
Pro
- Ungewöhnlich viel Platz im Fond, klassenbeste Kopf- und Kniefreiheit
- Komfortabel abgestimmt und angenehm leise
- Umfangreiche Serienausstattung inklusive Wärmepumpe und L2-Assistenz
- Für das Segment schnelles DC-Laden (bis 168 kW)
- Attraktiver Einstiegspreis
Contra
- Kofferraum für die Fahrzeuggröße nur durchschnittlich, kein Frunk
- Fast alles läuft über den Touchscreen, kaum physische Tasten
- Gefühllose Lenkung und deutliche Seitenneigung in Kurven
- Autobahn- und Winterreichweite spürbar begrenzt
Ein familientaugliches Elektro-SUV für rund 32.000 Euro – der Leapmotor B10 tritt an, um genau diese Rechnung aufzumachen. Verkauft über das Stellantis-Händlernetz, stellt sich der Kompakt-SUV gegen etablierte Namen wie Škoda Elroq, Hyundai Kona Elektro oder Peugeot E-3008. Wir haben für euch die öffentlich verfügbaren Messdaten und Testberichte zur größeren 67,1-kWh-Variante gebündelt. Herausgekommen ist ein durchdachter Alltagsbegleiter mit klaren Stärken – und ein paar ehrlichen Kompromissen.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Effizienzwunder
Auf dem Papier stehen 434 km nach WLTP. In der Praxis ist der realistische Wert wichtiger: Unabhängige Standardschätzungen sehen den B10 bei rund 18 kWh auf 100 Kilometer im gemischten Betrieb, was etwa 360 Kilometer realer Reichweite entspricht. Die früh von Herstellerseite gezeigten 14 bis 15 kWh stammen von sanften Einführungsrouten und sind nicht auf den deutschen Alltag übertragbar.
Für Pendeln, Schule und Wochenendausflüge ist das mehr als ausreichend – einmal pro Woche laden genügt vielen. Auf der Autobahn steigt der Verbrauch allerdings deutlich: Bei Tempo 110 liegt er je nach Jahreszeit zwischen rund 20 und 25 kWh, im Winter fällt die Reichweite auf etwa 255 Kilometer. Die serienmäßige Wärmepumpe hilft, die Kälteverluste in Grenzen zu halten.
Eingeordnet heißt das: Der B10 ist effizient genug, um im Alltag zu überzeugen, spielt bei der Sparsamkeit aber nicht in der Spitzengruppe. Die ehrliche Kehrseite ist die Langstrecke im Winter – wer viel und schnell Autobahn fährt, sollte die knappere Reichweite einplanen.
Laden & Reisetauglichkeit: schnell genug für die Klasse
Beim Laden macht der B10 vieles richtig. An der Schnellladesäule nimmt die größere Batterie bis zu 168 kW, im entscheidenden Bereich von 10 auf 80 Prozent sind es im Schnitt rund 110 kW. Der Ladehub gelingt so in gut einer halben Stunde; im praxisnahen Fenster zwischen 20 und 80 Prozent lassen sich laut Tests in etwa 20 Minuten rund 200 Kilometer nachladen. Zu Hause lädt der Wagen mit 11 kW über Nacht voll.
Für den Alltag ist das komfortabel: Wallbox oder Laterne reichen völlig, und auch spontane Zwischenstopps auf der Reise sind kurz. Auf langen Strecken empfiehlt es sich, Etappen von 200 bis 250 Kilometern zu planen, weil die Ladekurve oberhalb von 80 Prozent deutlich abflacht.
Im Vergleich zur Konkurrenz ist die Ladeleistung für diese Preisklasse ordentlich – manches Premiummodell lädt kaum schneller. Die Kehrseite bleibt die Kombination aus moderater Reichweite und abflachender Ladekurve: Der B10 ist ein guter Reisebegleiter, aber kein Langstrecken-Champion, der Stopps auf ein Minimum drückt.
Antrieb & Fahrdynamik: entspannt statt sportlich
Unter dem Blech arbeitet ein Elektromotor mit 160 kW – das entspricht rund 218 PS – und 240 Nm, der die Hinterachse antreibt. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 8,0 Sekunden, bei 170 km/h ist Schluss. Das ist keine Rennsport-Ansage, für den Alltag aber völlig ausreichend und angenehm unaufgeregt.
Im Stadtverkehr und auf der Landstraße fühlt sich der B10 souverän und ruhig an, auf der Autobahn bleibt er stabil. Wer sportliche Ambitionen hat, wird jedoch nicht warm mit ihm: Das Fahrwerk ist klar auf Komfort getrimmt, in Kurven neigt sich die Karosserie deutlich zur Seite, und die Lenkung gibt wenig Rückmeldung.
Damit ordnet sich der B10 als gelassener Gleiter ein, nicht als Kurvenräuber – was zum Charakter eines günstigen Familien-SUV passt. Die ehrliche Schwäche ist die gefühllose Lenkung; wer Fahrspaß sucht, findet ihn in dieser Klasse anderswo eher.
Komfort & Geräusch: eine der großen Stärken
Der Komfort ist ein wiederkehrendes Lob in den Tests. Das weich abgestimmte Fahrwerk bügelt Temposchwellen und Unebenheiten sauber weg, der B10 gleitet ruhig und wirkt gut gedämmt. Eine Luftfederung gibt es nicht – nötig ist sie hier aber auch nicht, um ein entspanntes Fahrgefühl zu vermitteln.
Im Alltag zahlt das direkt auf die Familientauglichkeit ein: lange Fahrten ermüden weniger, und der leise Innenraum macht Gespräche und Musik angenehm. Gerade im Vergleich zu manch straff abgestimmtem Rivalen punktet der B10 hier klar.
Belastbare, unabhängige Geräuschmessungen (etwa in Dezibel bei 120 km/h) liegen bislang kaum vor – der positive Eindruck stützt sich auf die Fahrberichte. Und die weiche Abstimmung hat ihren Preis: Was auf der Geraden Komfort bringt, kostet in schnellen Kurven etwas Fassung.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: das Raumwunder
Auf 4,52 Metern Länge bringt der B10 ein überraschend großzügiges Raumangebot unter. Vor allem der Fond begeistert: Kopf- und Kniefreiheit gehören zum Besten der Klasse, selbst Menschen jenseits von 1,90 Metern sitzen hinten bequem. Ein Panorama-Glasdach ist bereits ab Basis an Bord und sorgt für ein luftiges Gefühl.
Für Familien ist das im Alltag Gold wert – hier wirkt der Kompakt-SUV größer, als er ist. Die Anmutung ist für den Preis erfreulich wertig; von einem Billigauto ist innen wenig zu spüren, auch wenn sich bei genauem Hinsehen einzelne Sparstellen finden.
Der Haken sitzt hinten: Mit rund 420 Litern fällt der Kofferraum für ein SUV dieser Größe nur durchschnittlich aus, und einen Frunk gibt es nicht. Wer den großzügigen Fond nutzt, büßt dahinter Ladefläche ein – ein echter Kompromiss für alle mit viel Gepäck.
Software, Bedienung & E-Funktionen: modern, aber Touch-lastig
Im Zentrum steht ein 14,6 Zoll großer Touchscreen mit 2,5K-Auflösung und Snapdragon-Prozessor. Die Software wirkt gegenüber dem größeren C10 spürbar aufgeräumter und lässt sich nach kurzer Eingewöhnung intuitiv bedienen. Bei den E-Funktionen ist der B10 gut aufgestellt: Wärmepumpe, Batterie-Vorkonditionierung, bidirektionales Laden (V2L) und ein umfangreiches Assistenzpaket sind serienmäßig, dazu eine 360-Grad-Kamera.
Für den Alltag heißt das viel Funktion fürs Geld – Ausstattung, für die man anderswo Aufpreis zahlt. Apple CarPlay und Android Auto kamen allerdings erst per Software-Update nach dem Marktstart dazu, und die Vorkonditionierung lässt sich nicht automatisch über das Navi auslösen.
Die größte Kritik betrifft die Bedienphilosophie: Fast alles läuft über den Bildschirm, bis hin zur Heckscheibenheizung und den Außenspiegeln. Physische Tasten sind Mangelware, und der Kartenschlüssel-Start funktioniert nicht immer reibungslos – das lenkt ab und braucht Gewöhnung.
Einordnung im Ranking
Der Leapmotor B10 ist ein rundes Gesamtpaket für preisbewusste Familien, die ohne Komfortverzicht elektrisch fahren wollen. Sein größter Trumpf ist das Verhältnis aus gebotenem Platz, Ausstattung und Preis: gutes Preis/Leistung, etwas günstiger als erwartet. Direkte Alternativen wie Škoda Elroq, Hyundai Kona Elektro, Renault Scenic E-Tech oder Peugeot E-3008 bieten mehr Markenprestige oder ein knackigeres Fahrwerk, verlangen dafür aber meist deutlich mehr Geld.
Wer ein leises, geräumiges Familien-SUV für Pendeln und Alltag sucht und mit durchschnittlichem Kofferraum sowie Touch-Bedienung leben kann, findet im B10 eine der vernünftigsten Optionen seiner Klasse. Wer dagegen Fahrspaß, maximale Autobahn-Reichweite oder ein klassisches Bedienkonzept mit vielen Tasten priorisiert, sollte genauer vergleichen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 63 von 104
Quellen
Bildquellen
- Leapmotor B10 Aussenansicht — © Stellaris Presse Portal
- Leapmotor B10 Rückansicht — © Stellaris Presse Portal
- Leapmotor B10 Sitze — © Stellaris Presse Portal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
