EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Volvo EX40 Single Motor Extended Range ist ein sympathischer, grundsolider Elektro-Schwede: viel echte Reichweite dank großem Akku, ein herausragendes Google-Infotainment, hochwertige lederfreie Verarbeitung und ein angenehm leiser Antrieb. Im Alltag müsst ihr selten laden, auf Reisen plant das Auto die Stopps clever selbst. Die Kehrseiten sind ehrlich zu nennen: Autobahn und Winter drücken die Reichweite spürbar, die 400-Volt-Technik bremst das Ladetempo, der Wendekreis ist groß und die Klimabedienung läuft nur über den Touchscreen. Fürs Gebotene ist der EX40 etwas teuer – wer aber skandinavische Gelassenheit und ein starkes Software-Paket sucht, bekommt ein rundes, erwachsenes Kompakt-SUV.
Pro
- Große, alltagstaugliche Reichweite dank 79-kWh-Akku
- Schnelles DC-Laden bis 205 kW mit cleverer Google-Ladeplanung
- Google Built-in – eines der besten Infotainmentsysteme am Markt
- Hochwertige, lederfreie Verarbeitung und sehr leiser Antrieb
- Praktischer 31-Liter-Frunk und durchdachter Kofferraum
Contra
- Autobahn- und Winterverbrauch drücken die Reichweite spürbar
- 400-Volt-Technik: Ladeleistung fällt früh ab, im Kalten langsamer
- Großer Wendekreis von 11,8 m fürs kompakte Format
- Klimasteuerung ausschließlich über den Touchscreen
- Premium-Preis – etwas teuer fürs Gebotene
Der Volvo EX40 ist das kompakte Elektro-SUV der Schweden – bis 2024 lief es noch unter dem sperrigen Namen XC40 Recharge. Mit der Umbenennung bekam die Baureihe einen neuen, effizienteren Heckantrieb und eine größere Batterie. Wir schauen uns hier die Single Motor Extended Range an: 79 Kilowattstunden nutzbaren Akku, Hinterradantrieb und viel Reichweite fürs Format.
Gedacht ist dieser EX40 für alle, die ein sicheres, leises und alltagstaugliches Familienauto suchen und dafür einen Premium-Preis akzeptieren. Wie er sich zwischen Pendelstrecke, Familienurlaub und kaltem Wintermorgen schlägt, lest ihr hier – ehrlich, mit allen Stärken und Kompromissen.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: souverän im Alltag, durstig auf der Autobahn
Auf dem Papier nennt Volvo einen WLTP-Verbrauch von 16,6 kWh/100 km und bis zu 575 Kilometer Reichweite. Im standardisierten ADAC-Ecotest kam der EX40 diesem Laborwert erstaunlich nah: Mit rund 18,9 kWh/100 km im gemischten Betrieb sind grob 500 Kilometer am Stück drin – für ein gut zwei Tonnen schweres SUV auf einer schon älteren Plattform ein ordentlicher Wert.
Für den Alltag heißt das viel Gelassenheit: Wer täglich pendelt, muss den 79-kWh-Akku oft nur ein- bis zweimal pro Woche laden. Auf der Autobahn ändert sich das Bild aber schnell. Bei Tempo 130 klettert der Verbrauch auf rund 22 kWh/100 km, und im Winter fällt die Reichweite in Tests regelmäßig unter 400 Kilometer.
Die Kehrseite ist damit klar: Die kantige Karosserie ist kein Aerodynamik-Wunder, und das merkt man bei hohem Tempo und Kälte sofort an der schwindenden Restreichweite. Wer viel und schnell Autobahn fährt, sollte die 500-Kilometer-Marke eher als Schönwetter-Bestwert verbuchen.
Laden & Reisetauglichkeit: großer Akku, aber 400-Volt-Bremse
Am Schnelllader zieht die Extended-Range-Version bis zu 205 kW – in Messungen wurden kurzzeitig sogar rund 208 kW erreicht. Volvo verspricht 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent; im ADAC-Test dauerte es bei kühler Batterie eher 32 Minuten, im Schnitt flossen dabei etwa 132 kW. Zu Hause lädt der EX40 dreiphasig mit 11 kW.
Praktisch bedeutet das: Eine Kaffee- und Beinvertret-Pause reicht meist aus, um genug Strom für die nächste Etappe nachzuladen. Besonders angenehm ist die in Google Maps integrierte Routenplanung, die Ladestopps automatisch einplant und die Batterie rechtzeitig vorkonditioniert, damit sie am Schnelllader zügig annimmt. Rund 400 Autobahn-Kilometer plus eine knappe halbe Stunde Pause – so lassen sich auch längere Reisen entspannt takten.
Der Kompromiss steckt in der Technik: Der EX40 nutzt ein 400-Volt-Bordnetz, und die Spitzenleistung hält er nur kurz. Mit steigendem Ladestand und bei niedrigen Temperaturen sinkt das Tempo an der Säule spürbar. An die konstante Ladeflut moderner 800-Volt-Konkurrenten reicht er damit nicht heran.
Antrieb & Fahrdynamik: kräftig, aber betont gelassen
Der Heckmotor leistet 185 kW (rund 252 PS) und schiebt mit 420 Nm an. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,3 Sekunden, bei 180 km/h ist elektronisch Schluss. Vor allem die ersten Meter erledigt der EX40 dank sofort anliegendem Drehmoment flott und mühelos.
Im Alltag fühlt sich das souverän an, ohne aufdringlich zu sein: Überholen, Auffahren, Ampelstart – alles passiert leise und entspannt. Der Wechsel zurück auf Hinterradantrieb tut der Balance gut, und selbst auf verschneiter Fahrbahn zeigt sich die angetriebene Achse ausreichend traktionsstark.
Sportlich will der EX40 aber ausdrücklich nicht sein. Tester bemängeln eine eher gefühlsarme, leichte Lenkung, und das hohe Gewicht kaschiert das Auto nicht völlig. Wer Kurvenhatz sucht, ist hier falsch – wer souveräne Gelassenheit will, richtig.
Komfort & Geräusch: leise Reise, solides Fahrwerk
Der EX40 rollt auf einem konventionellen Stahlfahrwerk, eine Luftfederung gibt es nicht. Die Abstimmung ist ausgewogen bis leicht straff; auf guter Straße fährt es sich angenehm, und der lautlose E-Antrieb macht lange Etappen spürbar entspannter.
Für Familien und Vielfahrer zahlt sich das aus: Die Sitze gelten als langstreckentauglich, und ohne Motorbrummen ermüdet man auf der Autobahn weniger. Gerade als leiser Gleiter über Land und Bahn spielt der Schwede seine Stärken aus.
Ganz makellos ist der Komfort aber nicht. In Tests reicht das Fahrwerk kurze, harte Querfugen mitunter etwas grob an die Insassen weiter, und die wenig windschlüpfige Form kann bei höherem Tempo hörbar werden. Belastbare Innengeräusch-Messungen liegen kaum unabhängig vor – hier bleiben wir bewusst vorsichtig.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: hochwertig, aber kein Raumwunder
Hinter der zweiten Reihe fasst der Kofferraum 410 Liter, umgeklappt bis rund 1.400 Liter; nach der praxisnahen ADAC-Messmethode sind es eher 320 bis 1.265 Liter. Dazu kommen ein 75-Liter-Fach unter dem Ladeboden und ein 31-Liter-Frunk unter der Fronthaube – ideal, um das Ladekabel sauber zu verstauen.
Im Alltag sitzen vier Erwachsene bequem, vorn ist reichlich Platz, im Fond gibt es ordentlich Kniefreiheit. Die Verarbeitung ist typisch Volvo: sauber, hochwertig und komplett lederfrei, mit teils recycelten Materialien. Der faltbare Doppelboden hält Einkäufe an Ort und Stelle.
Ein Raumwunder ist der EX40 trotzdem nicht. Beim reinen Kofferraumvolumen ziehen Konkurrenten wie Škoda Elroq, VW ID.4 oder Hyundai Ioniq 5 vorbei, und das optionale Panoramadach knabbert hinten etwas an der Kopffreiheit. Das kompakte Format hat eben auch seinen Preis beim Platz.
Software, Bedienung & E-Funktionen: Google als Trumpf
Das Infotainment basiert auf Android Automotive mit Google Built-in – für viele Tester eines der besten Systeme am Markt. Google Maps, Sprachsteuerung und vertraute Apps laufen flüssig und logisch, dazu gibt es Updates über die Luft. Im Cockpit sitzen ein 12,3-Zoll-Display und ein hochkant stehender 9-Zoll-Touchscreen.
Bei den E-Funktionen ist der EX40 gut ausgestattet: Wärmepumpe serienmäßig, Batterie-Vorkonditionierung über die Routenplanung, One-Pedal-Fahren und ein umfangreiches Assistenzpaket mit Pilot Assist bis 130 km/h, 360-Grad-Kamera und Totwinkel-Warner mit Lenkeingriff. Ab dem Modelljahr 2026 kommt Plug & Charge hinzu.
Der größte Kritikpunkt ist die Bedienung des Klimas: Dafür gibt es keine eigenen Tasten, alles läuft über den Touchscreen. Auch der Bildschirm wirkt neben den Riesen-Displays der Konkurrenz eher klein, und die Assistenz leistet sich bei der Tempolimit-Erkennung gelegentlich einen Patzer.
Einordnung im Ranking
Der Volvo EX40 Single Motor Extended Range ist ein rundum stimmiges Elektro-SUV, das seine Stärken in Reichweite, Ladeplanung, Software und Verarbeitung ausspielt und sich bewusst als leiser, sicherer Gleiter versteht statt als Sportler. Gegen direkte Alternativen wie BMW iX1, Mercedes EQA, Audi Q4 e-tron oder die günstigeren VW ID.4 und Škoda Elroq punktet er mit seinem großen Akku und dem Google-Infotainment – muss aber beim reinen Platzangebot und beim Ladetempo Federn lassen.
Preislich bleibt der Schwede ambitioniert: Fürs Gebotene ist er etwas teuer, und die betagte Plattform merkt man ihm an manchen Stellen an. Wer skandinavische Ruhe, ein Top-Infotainment und viel echte Reichweite schätzt und das nötige Budget mitbringt, bekommt hier trotzdem ein sehr erwachsenes Gesamtpaket.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 38 von 104
Quellen
- ADAC – Autotest Volvo EX40/EC40
- EV Database – Volvo EX40 Single Motor ER
- fast-forward.at – Test EX40 Single Motor Extended Range
- VISION mobility – Test EX40 Extended Range
- LEADERSNET – Alltagstest Volvo EX40
- carwow.de – Technische Daten Volvo EX40
- AutoScout24 – Volvo EX40 Preise & Infos
- InsideEVs.de – Volvo EX40 Daten & Preise
- Volvo Cars Deutschland – EX40
Bildquellen
- Titelbild: Volvo EX40 in der Außenansicht — © Volvo Cars
- Volvo EX40 Aussenansicht — © Volvo Presse Portal
- Volvo EX40 Innenansicht — © Volvo Presse Portal
- Volvo EX40 Sitze — © Volvo Presse Portal
- Volvo EX40 Kofferraum — © Volvo Presse Portal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
