Zeekr X im Supertest: Premium-Innenraum trifft auf zähes Laden

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

55,8 % 3,35 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Zeekr X ist ein Auto der starken Kontraste. Innenraum, Materialien und Verarbeitung liegen auf einem Niveau, das in dieser Preisklasse ungewöhnlich ist — hier bekommt ihr sichtbar und fühlbar mehr, als das Preisschild verspricht. Bezahlt wird das an anderer Stelle: Der Realverbrauch von rund 20,7 kWh ist für ein Auto dieser Größe hoch, das Schnellladen mit gemessenen 158 kW Spitze kostet auf der Langstrecke Zeit, und das weiche Fahrwerk nimmt dem Antrieb die Präzision, die seine 272 PS nahelegen. Wer den X als komfortablen, luxuriös eingerichteten Stadt- und Pendlerwagen versteht, bekommt ein stimmiges Angebot. Wer regelmäßig lange Strecken fährt, sollte sich die Ladepausen vorher genau ansehen. Und wer nervöse Assistenzsysteme nicht erträgt, sollte vor dem Kauf eine ausgiebige Probefahrt einplanen.

Pro

  • Materialqualität und Verarbeitung auf Premiumniveau
  • Sehr umfangreiche Serienausstattung inklusive AR-Head-up-Display und Wärmepumpe
  • Komfortable Federung im Stadt- und Landstraßenalltag
  • Bis zu 1.600 kg Anhängelast (gebremst)
  • Fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest, starke Kamera- und Radarausstattung

Contra

  • Schnellladen mit gemessenen 158 kW Spitze deutlich unter dem Klassenstandard
  • Hoher Realverbrauch von rund 20,7 kWh je 100 km inklusive Ladeverlusten
  • Fahrwerk schwingt nach, Lenkung ohne Rückmeldung
  • Enger Kofferraum, wenig stützende Rückbank, schlechte Sicht nach hinten
  • Überempfindliche Assistenzsysteme, Bedienung fast ausschließlich per Touch

Der Zeekr X ist der Versuch, ein kompaktes Elektro-SUV mit dem Anspruch eines Premiumautos zu bauen — und ihn zum Preis der Kompaktklasse zu verkaufen. Technisch teilt er sich die Geely-Plattform SEA mit dem Volvo EX30 und dem Smart #1, ist mit 4,43 Metern aber deutlich länger als beide. Wir haben uns den Hecktriebler mit dem 65-kWh-Akku angesehen: 272 PS, gut ausgestattet, mit einem Innenraum, der etliche deutsche Konkurrenten alt aussehen lässt. Wichtig zu wissen: Genau diese Variante war in Deutschland nur bis zum Frühjahr 2026 bestellbar. Der Nachfolger mit LFP-Zellen und stärkerem Motor ist noch von keiner unabhängigen Stelle vermessen worden — deshalb bezieht sich dieser Test ausdrücklich auf den NMC-Stand.

Bildergalerie

Zeekr X Aussenansicht
Zeekr X Heckansicht
Zeekr X Innenraum
Zeekr X Sitze

Technische Daten

Marktstart 2025
Basispreis 42.990 €
Nutzbare Batterie 65 kWh
Realverbrauch 20,7 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,4 kWh/100 km
Reale Reichweite 330 km
Ladeleistung (Peak) 158 kW
Ladezeit 10–80 % 28 min
0–100 km/h 5,6 s
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Kofferraum 362 l
Frunk 21 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.600 kg
Wendekreis 11,5 m
Maße (L×B) 4.432 × 1.836 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: der Preis der Bequemlichkeit

Zeekr gibt den Verbrauch mit rund 16,4 kWh auf 100 Kilometer an. Auswertungen niederländischer Ladekartendaten, die auch die Verluste beim Laden mitzählen, landen dagegen bei etwa 20,7 kWh. Der Unterschied klingt nach Erbsenzählerei, ist aber genau der Betrag, den ihr am Ende bezahlt: Strom, der aus der Säule fließt, aber nie im Antrieb ankommt. Redaktionelle Tests kommen auf ähnliche Werte — Carwow misst rund 19 kWh, die niederländische ANWB bei 13 Grad Außentemperatur 18,4 kWh laut Bordcomputer, der die Ladeverluste eben nicht mitrechnet.

Aus dem realen Verbrauch ergibt sich eine Autobahnreichweite von etwa 330 Kilometern bei sommerlichen Temperaturen. Im Winter schrumpft sie auf knapp unter 280 Kilometer. Für den Alltag ist das reichlich: Wer 40 Kilometer zur Arbeit pendelt, lädt einmal pro Woche. Für lange Etappen bei Tempo 130 im Januar ist es eng.

Die Kehrseite liegt auf der Hand. Der X wiegt fast zwei Tonnen, baut hoch und macht aus seiner Aerodynamik kein Thema. Ein Volvo EX30 auf derselben Basis ist leichter und effizienter. Wer Effizienz zum obersten Kriterium macht, findet in dieser Klasse sparsamere Autos — der Zeekr verkauft stattdessen Raum und Materialaufwand.

Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst er sich selbst aus

An der Wechselstromsäule ist der Zeekr X vorbildlich: Der Hecktriebler zieht bis zu 11 kW, das Topmodell sogar 22 kW. Wer keine eigene Wallbox hat und an einer öffentlichen Laterne oder im Parkhaus nachlädt, profitiert davon spürbar. Am Schnelllader kippt das Bild. Messungen des Ladenetzbetreibers Fastned zeigen einen Spitzenwert von rund 158 kW, im Schnitt bleiben über den Bereich von 10 auf 80 Prozent etwa 100 kW übrig. Eine gute halbe Stunde steht ihr also, um den Akku wieder voll genug zu bekommen.

Für eine Fahrt von München nach Hamburg heißt das: drei Ladestopps, jeder davon lang genug für ein richtiges Essen statt eines Kaffees. Tester der AUTO BILD nannten das Laden schon zum Marktstart die klare Schwachstelle des Autos, und daran hat sich für diese Variante nichts geändert. Konkurrenten mit 800-Volt-Technik sind hier in der Hälfte der Zeit fertig.

Immerhin ist der X kein reines Stadtspielzeug. Eine Anhängerkupplung ist möglich, gebremst dürfen 1.600 Kilogramm an den Haken — genug für einen kleinen Wohnwagen oder den Pferdeanhänger. Dass die Reichweite mit Anhänger deutlich einbricht, versteht sich bei einem Elektroauto dieser Größe von selbst.

Antrieb & Fahrdynamik: schnell, aber kein Kurvenräuber

200 kW an der Hinterachse reichen für 5,6 Sekunden auf Tempo 100. Das ist mehr, als ein Kompakt-SUV je brauchen wird, und der Antritt fühlt sich in Tests kultiviert und gut dosierbar an, nicht wie ein Lichtschalter. Bei 190 km/h ist Schluss — für die deutsche Autobahn ein ehrlicher, wenn auch nicht üppiger Wert.

Das Fahrwerk zieht die Bilanz nach unten. Vorn MacPherson-Federbeine, hinten eine Mehrlenkerachse, alles klar auf Komfort ausgelegt. Auf welliger Fahrbahn und in engeren Kurven schwingt der Aufbau nach, die Dämpfung wirkt mit dem hohen Gewicht überfordert. Tester von Carwow beschreiben ein Wanken bei zügiger Kurvenfahrt, die ANWB kritisiert, dass die Hinterachse schon mit einem einzigen Insassen deutlich durchschlägt.

Dazu kommt eine leichtgängige Lenkung, die in der Stadt angenehm ist und auf der Landstraße kaum Rückmeldung gibt. Zwei Kennlinien lassen sich wählen, sie ändern am Grundcharakter wenig. Immerhin: Die Bremsen sprechen laut Tests schnell und linear an. Der Zeekr X ist ein souveräner Reisewagen mit sportlichen Fahrleistungen — kein Auto, das euch auf der Hausstrecke glücklich macht.

Komfort & Geräusch: weich, bis der Wind kommt

Die weiche Abstimmung, die dem Handling schadet, zahlt im Alltag ein. Querfugen, Kanaldeckel und schlechte Stadtstraßen bügelt der X gelassen weg, und die Dämmung ist für ein Auto dieser Klasse ordentlich. Die Sitze bieten Massage- und Belüftungsfunktion, halten den Körper in Kurven aber kaum — Tester bemängeln durchgängig den fehlenden Seitenhalt.

Auf der Autobahn holt ihn ein Designdetail ein. Die rahmenlosen Türen sehen großartig aus, erzeugen aber ab etwa 150 km/h hörbare Windgeräusche. Wer viel und schnell auf der Autobahn unterwegs ist, wird das als Dauergeräusch wahrnehmen. Unterhalb dieser Marke bleibt der Innenraum angenehm ruhig.

Unterm Strich ein Auto, das den Komfort über die Präzision stellt — bewusst und konsequent, aber eben nicht ohne Preis. Wer beides will, muss in dieser Klasse zu Modellen mit adaptiven Dämpfern greifen, die es hier nicht gibt.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: die eigentliche Stärke

Hier spielt der Zeekr X seine Karte aus. Die Materialanmutung liegt nach Einschätzung der AUTO BILD über dem, was Audi im Vergleichssegment bietet; die Verarbeitung, die rahmenlosen Details und das durchgehende Lichtband im Armaturenbrett wirken in Tests durchweg hochwertig. Der Innenraum ist komplett vegan gestaltet.

Praktisch bleibt er trotzdem ein Fünfsitzer mit Grenzen. Der Kofferraum fasst 362 Liter, dazu kommt ein Frunk von 21 Litern, in dem die Ladekabel verschwinden — mehr nicht. Die 20 Zentimeter Mehrlänge gegenüber EX30 und Smart #1 schaffen im Fond spürbar Luft, doch die ANWB kritisiert eine zu wenig stützende Rückbank, kaum Fußraum unter den Vordersitzen und fehlende eigene Lüftungsdüsen. Ein Kia EV3 packt bei ähnlichem Preis rund 100 Liter mehr in den Kofferraum.

In der Stadt macht sich die kompakte Breite bezahlt, der Wendekreis von 11,5 Metern dagegen nicht — Carwow nennt ihn im Vergleichsfeld ausdrücklich als Schwäche. Und die Sicht nach hinten fällt durch das schmale Heckfenster so knapp aus, dass ihr euch auf Kameras verlasst. Fünf davon sind an Bord, samt Rundumsicht und einem Parkassistenten, der auch dann noch rangiert, wenn ihr längst ausgestiegen seid.

Software, Bedienung & E-Funktionen: klug gebaut, nervös eingestellt

Der zentrale Bildschirm misst 14,6 Zoll, dazu kommen ein kleines Fahrerdisplay und ein serienmäßiges Augmented-Reality-Head-up-Display, das Navigationshinweise in die Windschutzscheibe legt. Die Menülogik gilt in Tests als eingängig und schnell — die AUTO BILD stellte sie über das damalige MBUX von Mercedes. Über die Luft eingespielte Updates gehören dazu.

Auf der E-Auto-Seite ist die Liste erfreulich vollständig: Wärmepumpe serienmäßig, Batterie-Vorkonditionierung, die sich automatisch über die Navigation auslöst, ein Frunk, und über einen Adapter lassen sich mit bis zu 3,3 kW externe Geräte betreiben. Was fehlt, sind Plug & Charge und Autocharge — an der Säule müsst ihr also weiterhin per App oder Karte starten.

Der größte Ärger sitzt woanders. Die 19 Assistenzsysteme sind so empfindlich eingestellt, dass sie bei minimalen Tempoüberschreitungen oder einer unbedachten Kopfbewegung akustisch warnen. Mehrere Tester beschreiben das Fahrerüberwachungssystem als übergriffig; die Kamera auf der Lenksäule wird teils von den Lenkradspeichen verdeckt und meldet dann Unaufmerksamkeit. Vieles lässt sich abschalten, aber eben nur über Touchmenüs — physische Tasten gibt es praktisch nicht.

Bildergalerie

Zeekr X Aussenansicht
Zeekr X Heckansicht
Zeekr X Innenraum
Zeekr X Sitze

Einordnung im Ranking

Der Zeekr X ist kein rundes Auto, sondern ein sehr ungleiches. In Verarbeitung und Materialauswahl spielt er in einer Liga, die man in dieser Preisklasse nicht erwartet. Bei Effizienz, Ladetempo und Fahrwerkspräzision fällt er hinter Konkurrenten zurück, die auf dem Papier billiger wirken. Wer ihn kauft, kauft ein Gefühl von Luxus im Stadtformat und akzeptiert, dass die Langstrecke Geduld verlangt. Preislich geht das auf: Für die gebotene Gesamtqualität ist der X fair bepreist, das Preis/Leistungs-Verhältnis ist stimmig — mehr Auto fürs Geld gibt es hier nicht, weniger aber auch nicht.

Direkte Alternativen sind der technisch verwandte Volvo EX30, der effizienter und günstiger ist, sowie der Smart #1. Wer mehr Kofferraum und Reichweite braucht, schaut zum Kia EV3; wer Fahrdynamik sucht, zum BMW iX1. Der Zeekr passt zu Städtern ohne eigene Wallbox, die Wert auf Ausstattung und Anmutung legen — und die selten weiter als 250 Kilometer am Stück fahren. Ein Hinweis noch: Der hier bewertete Hecktriebler mit NMC-Akku ist ausgelaufen. Sobald es unabhängige Messwerte zur neuen LFP-Variante gibt, prüfen wir die Bewertung erneut.

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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