EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Ford Mustang Mach-E Extended Range mit Heckantrieb ist ein charakterstarkes Elektro-SUV mit einer echten Kernkompetenz: Der große Akku bringt rund 480 Kilometer Alltagsreichweite, und der kräftige Heckantrieb sorgt für souveränen, muscle-car-artigen Schub. Dafür muss man Kompromisse eingehen – das straffe Fahrwerk kostet Komfort, der Verbrauch ist für die Effizienz-Spitze zu hoch, die Ladeleistung fällt früh ab und der Kofferraum ist für die Außenlänge knapp. Als geräumiger Langstrecken-Gleiter überzeugt er, für sein Geld verlangt er dabei aber etwas viel.
Pro
- Große Alltagsreichweite - rund 480 km im ADAC Ecotest
- Kräftiger, seidig laufender Heckantrieb mit starkem Zwischenspurt
- Geräumiger Innenraum mit opulentem Fond und praktischem Frunk
- Umfangreiche Assistenz- und Sicherheitsausstattung auf Fünf-Sterne-Niveau
- Reaktionsschnelles, logisch bedienbares SYNC-4A-Infotainment
Contra
- Straffes, wenig komfortables Fahrwerk ohne adaptive Dämpfer
- Für die Außenlänge knapper Kofferraum
- Ladeleistung fällt schon früh deutlich ab
- Keine serienmäßige Wärmepumpe (Baujahre bis MY24)
- Als Mittelklasse-SUV vergleichsweise teuer
Der Ford Mustang Mach-E ist Fords erster ernsthafter Angriff auf die elektrische Mittelklasse – ein SUV, das den legendären Muscle-Car-Namen trägt, praktisch aber ein geräumiges Familienauto ist. Wir schauen uns hier die Variante an, um die es den meisten geht: die Extended Range mit großem Akku und Heckantrieb. Sie verspricht viel Reichweite und kräftigen Antritt, muss sich dafür aber gegen VW ID.4, Tesla Model Y, Skoda Enyaq und BMW iX3 behaupten. Wie gut ihr das im Alltag gelingt – und wo Ford spart – klären die folgenden Abschnitte.
Ein Hinweis vorab zur Datenbasis: Die unabhängigen ADAC-Messungen entstanden an der eng verwandten Vorstufe mit 88 kWh nutzbarer Kapazität. Die hier bewertete Version teilt Antrieb und Akkupack, hat aber 91 kWh nutzbar – die Werte sind also praktisch deckungsgleich, die Reichweite fällt eher noch einen Tick günstiger aus.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: der große Akku macht den Unterschied
Im gemischten ADAC Ecotest kommt der Mustang Mach-E auf rund 480 Kilometer mit einer Ladung – ein Wert, mit dem er zum Testzeitpunkt sogar den Reichweiten-Rekord im Ecotest hielt. Damit deckt ihr im Alltag problemlos die ganze Woche ab, und auch die Fahrt in den Urlaub wird nicht zur Rechenaufgabe. Auf der Autobahn schmilzt die Reichweite naturgemäß: Bei konstant hohem Tempo und Kälte müsst ihr eher mit gut 340 Kilometern rechnen, bei milden Temperaturen sind es über 430.
Der Verbrauch ist die Kehrseite dieser Größe. Der ADAC misst inklusive der Ladeverluste rund 21,7 kWh auf 100 Kilometer – für ein über zwei Tonnen schweres SUV in Ordnung, aber kein Sparwunder. Effizientere Konkurrenten wie der BMW iX3 holen aus einer Kilowattstunde spürbar mehr heraus. Dass der Mach-E trotzdem so weit kommt, liegt schlicht am großen Akku, nicht an einem besonders genügsamen Antrieb. Wer vor allem auf niedrige Stromkosten schaut, findet effizientere Alternativen; wer Reichweite ohne ständige Ladestopps will, ist hier richtig.
Laden & Reisetauglichkeit: starker Start, frühes Nachlassen
An der Schnellladesäule zieht der Mach-E kurz kräftig an – die ADAC-Tester maßen Spitzen von bis zu 158 kW, mehr als die von Ford genannten 150 kW. Das Problem ist die Kurve danach: Schon zwischen etwa 13 und 30 Prozent Ladestand fällt die Leistung auf rund 105 bis 115 kW und sinkt bis 80 Prozent weiter auf etwa 80 kW. Die letzten 20 Prozent lassen sich nur noch mit rund 12 kW nachladen – auf der Reise steigt man also besser bei 80 Prozent wieder aus.
In der Praxis heißt das: Der Sprung von 10 auf 80 Prozent dauert eher 45 Minuten als eine knappe halbe Stunde. Zusammen mit der großen Reichweite bleibt der Mach-E langstreckentauglich, weil ihr seltener laden müsst – aber jeder einzelne Stopp fällt länger aus als bei Konkurrenten mit flacherer, höher gehaltener Ladekurve. Für entspanntes Reisen zählt am Ende beides, und hier gleicht der Ford die mäßige Ladegeschwindigkeit vor allem über die Distanz aus, die zwischen zwei Stopps liegt.
Antrieb & Fahrdynamik: viel Schub, eigenwilliges Heck
Mit rund 216 kW, also etwa 294 PS, an der Hinterachse tritt der Mach-E entschlossen an. In der aktuellen Abstimmung vergehen keine sechs Sekunden auf Tempo 100, und beim Zwischenspurt spielt er seine Stärke aus: Von 60 auf 100 km/h genehmigt er sich laut ADAC-Messung nur gut drei Sekunden – das fühlt sich beim Überholen tatsächlich nach Muscle Car an. Der Antrieb selbst läuft dabei seidig und ohne Ruckeln.
Beim Fahrverhalten wird es zwiespältiger. Frühe Testwagen fielen im ADAC-Ausweichtest mit einem eigenwillig ausbrechenden Heck und spät eingreifender Stabilitätskontrolle auf – ein Kritikpunkt, auf den Ford mit einer neuen ESP-Abstimmung reagiert hat, die auch per Update auf ältere Fahrzeuge kam. Auch danach bleibt der Heckantrieb bei sportlicher Fahrweise spürbar, und eine ausgeprägte Untersteuertendenz sowie die direkte Lenkung um die Mittellage trüben das Bild. Der Mach-E ist kräftig und alltagssicher, aber kein präziser Kurvenräuber.
Komfort & Geräusch: hier zwickt das Fahrwerk
Der größte Schwachpunkt im Alltag ist die Federung. Der Mach-E fährt ausschließlich mit konventionellem Fahrwerk – adaptive Dämpfer gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. In Tests stolpert er innerorts spürbar über Unebenheiten und untermalt das mit Poltergeräuschen; auf welliger Strecke beruhigt sich der Aufbau zwar etwas, die letzte Gelassenheit auf langen Autobahnetappen fehlt aber.
Für euch bedeutet das: Auf glattem Asphalt reist der Ford ordentlich, auf schlechten Straßen und im Stadtverkehr aber merklich straffer als komfortbetonte Konkurrenten. Der Geräuschkomfort geht dagegen in Ordnung. Wer viel auf ruppigen Landstraßen unterwegs ist, sollte das straffe Setup unbedingt vor dem Kauf Probe fahren – hier trennt sich der Mach-E deutlich von SUVs mit Luftfederung oder adaptiver Dämpfung.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: familientauglich mit einem Haken
Mit 4,71 Metern Länge und knapp drei Metern Radstand ist der Mach-E der erste Mustang, in dem auch hinten Erwachsene bequem sitzen. Die Beinfreiheit im Fond ist geradezu opulent, nur die coupéhaft abfallende Dachlinie knabbert an der Kopffreiheit für sehr große Personen. Vorn wirkt das Cockpit luftig und aufgeräumt, die Verarbeitung ist solide und überwiegend hochwertig, auch wenn sich vereinzelt Hartplastik findet.
Der Haken steckt im Kofferraum: Mit rund 360 Litern nach ADAC-Messung fällt er für die Außenlänge eher knapp aus – die Crossover-Form kostet Volumen. Umgeklappt wachsen daraus gut 1400 Liter, und unter der Fronthaube sitzt ein praktischer, auswaschbarer Frunk mit rund 100 Litern, ideal für Ladekabel oder schmutzige Utensilien. Als Zugfahrzeug taugt der Mach-E dagegen nur bedingt: Anhänge- und Stützlasten sind bescheiden. Für die Familie reicht das Platzangebot gut, ein klassischer Lademeister ist er aber nicht.
Software, Bedienung & E-Funktionen: schneller Touchscreen, ein paar Lücken
Im Zentrum thront ein 15,5 Zoll großer Hochkant-Touchscreen mit Fords SYNC-4A-System, das in Tests für seine flüssige, logisch aufgebaute Bedienung gelobt wird. Dazu kommen ein kleines digitales Fahrerdisplay, Sprachsteuerung, Over-the-Air-Updates sowie Apple CarPlay und Android Auto. Der Wermutstropfen: Viele Funktionen bis hin zur Klimatisierung laufen über den Bildschirm, physische Tasten sind rar – das lenkt während der Fahrt stärker ab als ein paar echte Knöpfe.
Bei den E-Funktionen ist der Mach-E ordentlich, aber nicht komplett ausgestattet. Navigationsbasierte Batterie-Vorkonditionierung, Ladeplanung, Plug & Charge und ein praktischer Frunk sind an Bord, die Assistenz rund um das Paket Co-Pilot360 ist umfangreich und reicht vom Abstandstempomaten bis zum Ausweichassistenten. Es fehlt allerdings in den hier betrachteten Baujahren die serienmäßige Wärmepumpe, die im Winter die Reichweite schont – erst spätere Modelljahre rüsten sie serienmäßig nach. Auch bidirektionales Laden bietet der Mach-E nicht.
Einordnung im Ranking
Der Ford Mustang Mach-E Extended Range mit Heckantrieb ist ein SUV für alle, die vor allem eines wollen: viel echte Reichweite und souveränen Antritt in einem geräumigen Familienauto. Gegen die Effizienz eines BMW iX3, den Ladekomfort mancher Konkurrenten oder die Federung von SUVs mit adaptiven Dämpfern zieht er allerdings den Kürzeren. Preislich spielt er in der gehobenen Mittelklasse – und ist damit für das Gebotene eher etwas teuer.
Wer die große Reichweite und den kräftigen Charakter schätzt und mit dem straffen Fahrwerk leben kann, bekommt ein charakterstarkes, praktisches Elektro-SUV. Wer dagegen Wert auf niedrigen Verbrauch, schnelles Nachladen oder hohen Federungskomfort legt, sollte sich die direkten Alternativen wie VW ID.4, Skoda Enyaq oder Tesla Model Y genauer ansehen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 47 von 104
Quellen
- ADAC - Autokatalog & Ecotest Ford Mustang Mach-E
- ADAC Autotest Ford Mustang Mach-E Extended Range (PDF)
- ADAC - Stromverbrauch & Reichweite im Test
- EV Database - Ford Mustang Mach-E ER RWD
- InsideEVs - Mustang Mach-E Fast Charging Analysis
- motor1.de - Verbrauchstest Ford Mustang Mach-E
- Carwow - Ford Mustang Mach-E Test 2026
Bildquellen
- Ford Mustang Mach-E Aussenansicht — © Ford Presseportal
- Ford Mustang Mach-E Heckansicht — © Ford Presseportal
- Ford Mustang Mach-E Innenraum — © Ford Presseportal
- Ford Mustang Mach-E Infotainment — © Ford Presseportal
- Ford Mustang Mach-E Sitze — © Ford Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
