EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Hyundai Kona Elektro mit der großen 65,4-kWh-Batterie ist ein rundum alltagstaugliches Elektro-SUV: sparsam, überraschend geräumig und mit einem Technikpaket, das kaum Wünsche offenlässt. Preislich ist er fair – das Verhältnis aus Gebotenem und Kaufpreis stimmt. Den einen echten Kompromiss müsst ihr aber akzeptieren: Das Laden an der Schnellladesäule dauert länger als bei vielen Konkurrenten. Wer überwiegend daheim lädt und nur gelegentlich Langstrecke fährt, bekommt hier eine überzeugende, ehrliche Empfehlung.
Pro
- Niedriger Realverbrauch für ein SUV – bei mildem Wetter kommt ihr weit
- Für die Klasse gewachsener, praktischer Innenraum mit ordentlichem Kofferraum
- Sehr vollständige Ausstattung inklusive Wärmepumpe, i-Pedal und V2L
- Kräftiger, agiler Antritt und faires Preis/Leistungs-Verhältnis
Contra
- Langsames Laden durch 400-Volt-Technik – ein Nachteil auf der Langstrecke
- Deutlicher Reichweiten-Einbruch bei Kälte
- Viel Hartplastik im Innenraum, nur symbolisch kleiner Frunk
Der Hyundai Kona Elektro ist längst kein Exot mehr: In seiner zweiten Generation ist der kompakte Stromer spürbar gewachsen und erwachsener geworden. Für euch heißt das ein Elektro-SUV, das genug Platz für vier Erwachsene und Alltagsgepäck bietet, ohne gleich in die Größen- und Preisklasse der großen SUV zu rutschen. Mit der 65,4-kWh-Batterie fahrt ihr die Langstrecken-Variante mit der größten Reichweite. In Tests überzeugt der Kona vor allem mit seiner Effizienz und einem sehr vollständigen Ausstattungspaket – schwächelt aber deutlich an einer Stelle: beim Ladetempo.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: effizient, aber nicht mehr Klassenspitze
Auf dem Papier stehen bis zu 514 Kilometer nach WLTP – allerdings nur mit den serienmäßigen 17-Zoll-Rädern. Realistischer ist der ADAC-Ecotest: Dort genehmigte sich der Kona 18,8 kWh auf 100 Kilometer (inklusive Ladeverluste) und kam so auf rund 410 Kilometer. Bei zügiger Autobahnfahrt um 110 km/h schmilzt die Reichweite bei mildem Wetter auf etwa 355 Kilometer zusammen.
Für den Alltag heißt das: Wer überwiegend pendelt und in der Stadt unterwegs ist, lädt selbst bei täglichem Einsatz nur alle paar Tage nach. Eine entspannte Sommertour von rund 400 Kilometern ist ohne Zwischenstopp drin. Im Winter sieht die Rechnung anders aus – bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt fällt die Reichweite laut ADAC auf unter 200 Kilometer.
Für ein SUV ist der Verbrauch weiterhin niedrig, und die Wärmepumpe hilft, den Winter-Einbruch etwas zu dämpfen. Die Kehrseite: An die Effizienz des sparsamen Vorgängers (16,7 kWh im gleichen Test) reicht die neue, schwerere Generation nicht mehr heran, und der Reichweitenverlust bei Kälte ist happig.
Laden & Reisetauglichkeit: hier liegt der größte Kompromiss
Der Kona lädt am Schnelllader mit maximal rund 101 kW, in unabhängigen Messungen wurden kurzzeitig bis zu 105 kW erreicht. Von 10 auf 80 Prozent vergehen so etwa 41 Minuten. Zu Hause oder an der AC-Säule zieht er bis zu 11 kW – genug, um über Nacht randvoll zu sein.
Praktisch bedeutet das: Für gelegentliche Langstrecken müsst ihr Ladepausen von rund 40 Minuten einplanen. Wer den Kona vor allem daheim lädt und selten weite Strecken am Stück fährt, wird das kaum als Nachteil empfinden.
Im Klassenvergleich ist das Ladetempo aber der wunde Punkt. Der Kona nutzt eine 400-Volt-Architektur, während die größeren Konzernbrüder Ioniq 5 und 6 mit 800 Volt dieselbe Ladung in etwa der halben Zeit schaffen. Die EV-Database bewertet die Langstreckentauglichkeit entsprechend nur mit 2,5 von 5 Punkten. Für Vielfahrer, die häufig lange Etappen zurücklegen, ist das ein echter Kompromiss.
Antrieb & Fahrdynamik: flott genug, kein Sportler
In der hier bewerteten Ausführung schickt ein 160 kW starker Elektromotor – gut 218 PS – seine Kraft an die Vorderräder. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 7,8 Sekunden, bei 172 km/h ist Schluss. Das reicht für kräftigen Antritt an der Ampel und souveränes Überholen.
Im Alltag fährt sich der Kona angenehm agil: Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht gefühllos, das Fahrwerk eher straff und trotzdem ausgewogen. In Tests wird die SUV-typische Seitenneigung im Grenzbereich erwähnt, die das ESP aber sicher abfängt.
Zwei Einschränkungen solltet ihr kennen: Als reiner Fronttriebler bringt der Kona seine Kraft bei Nässe nicht immer sauber auf die Straße, und ein Kurvenräuber ist er nicht. Wichtig außerdem beim Neukauf – Hyundai führt die 65-kWh-Version im aktuellen Modelljahr offiziell mit etwas geringerer Leistung (150 kW/204 PS); ein Blick aufs konkrete Datenblatt lohnt sich.
Komfort & Geräusch: solide, mit straffer Note
Beim Federungskomfort ordnen Tester den Kona als ausgewogen ein: Er bügelt die meisten Unebenheiten ordentlich weg, bleibt aber spürbar straff abgestimmt. Eine Luftfederung gibt es nicht – in dieser Klasse ist das ohnehin unüblich.
Für Pendelstrecken und längere Fahrten ist der Komfort damit alltagstauglich, ohne herauszuragen. Auf kurzen, harten Kanten meldet sich das straffe Fahrwerk am deutlichsten. Belastbare, unabhängige Messungen zum Innengeräusch bei höherem Tempo liegen uns nicht vor – hier bleiben wir daher bewusst zurückhaltend.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: gewachsen und praktisch
Mit 4,36 Metern Länge und einem auf 2,66 Meter gestreckten Radstand ist die zweite Generation deutlich gewachsen – rund acht Zentimeter mehr Beinfreiheit im Fond sind das spürbare Ergebnis. Der Kofferraum fasst 466 Liter und lässt sich auf bis zu 1.300 Liter erweitern; vorn gibt es zusätzlich einen kleinen Frunk mit 27 Litern, ideal fürs Ladekabel.
Im Alltag heißt das: Vier Erwachsene reisen bequem, und das Familiengepäck passt problemlos. Damit gehört der Kona in seiner Klasse zu den raumgünstigen Angeboten, auch wenn er kein Ausbund an Variabilität ist.
Die Kehrseite betrifft die Materialien: In Tests werden die vielen harten Kunststoffe im Innenraum kritisiert. Die Verarbeitung ist ordentlich, der Materialmix wirkt aber stellenweise sparsam – Premium-Anmutung dürft ihr nicht erwarten. Und der Frunk ist eher symbolisch klein.
Software, Bedienung & E-Funktionen: sehr vollständig
Vor dem Fahrer spannen sich zwei 12,3-Zoll-Displays auf, Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord. Angenehm: Hyundai hat sinnvolle physische Tasten behalten, was die Bedienung im Alltag übersichtlich macht. In Tests gilt das System als klar und intuitiv.
Beim Thema E-Funktionen spielt der Kona seine Stärke aus. Batterie-Vorkonditionierung, i-Pedal für das Fahren mit nur einem Pedal, eine intelligente Routenplanung mit Ladestopps sowie Over-the-Air-Updates und ein digitaler Fahrzeugschlüssel sind vorhanden. Die Vehicle-to-Load-Funktion (optional je nach Ausstattung) macht aus dem Auto sogar eine mobile Steckdose für externe Geräte.
Die Kehrseite: Die Vorkonditionierung arbeitet nur in Verbindung mit der Navigation, und mehrere Tester bemängeln die teils übereifrigen, umständlich abschaltbaren Assistenzsysteme. Einzelne Komfort-Features sind zudem an höhere Ausstattungslinien gebunden.
Einordnung im Ranking: für wen sich der Kona lohnt
Der Hyundai Kona Elektro ist ein grundsolides Gesamtpaket: effizient, geräumig für seine Klasse und mit einem sehr vollständigen Technikangebot. Seine klare Schwäche bleibt das Ladetempo, das ihn auf der Langstrecke gegen 800-Volt-Modelle wie den eigenen Ioniq 5, aber auch gegen Rivalen wie Kia Niro EV, Skoda Elroq oder Volvo EX30 ins Hintertreffen bringt.
Preislich ist der Kona fair bepreist – ihr bekommt ein stimmiges Verhältnis aus Gebotenem und Kaufpreis, ohne Schnäppchen, aber auch ohne Aufpreis für den Namen. Ideal ist er für Pendler und kleine Familien, die viel zu Hause laden, Wert auf Effizienz und Ausstattung legen und nur gelegentlich lange Strecken fahren. Wer dagegen häufig weite Etappen plant, sollte das gemächliche Laden ehrlich einkalkulieren.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 45 von 104
Quellen
Bildquellen
- Hyundai Kona Aussenansich — © Hyundai Presse Portal
- Hyundai Kona Innenraum — © Hyundai Presse Portal
- Hyundai Kona Kofferraum — © Hyundai Presse Portal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
