Tesla Model S Maximale Reichweite im Test: der große Reise-Stromer der Oberklasse

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

72,5 % 4,35 / 6

Preis/Leistung

1,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Das Tesla Model S ist ein Ausnahme-Reisewagen: riesige Reichweite, atemberaubender Antrieb und ein Ladenetz, das lange Fahrten fast schon einfach macht. Dazu kommen viel Platz und eine schnelle, lernfähige Software. Getrübt wird das Bild von der stark bildschirmlastigen Bedienung, den kamerabasierten Assistenzsystemen mit Schwächen und einem Komfort, der nicht ganz an die feinste Luxus-Konkurrenz heranreicht. Wer viel Strecke macht und mit Teslas eigenwilliger Philosophie leben kann, bekommt hier eines der überzeugendsten Reise-Elektroautos überhaupt – zu einem allerdings stattlichen Preis.

Pro

  • Sehr große reale Reichweite und für die Fahrzeugklasse guter Verbrauch
  • Brachialer, jederzeit souveräner Allradantrieb (0–100 km/h in 3,2 s)
  • Entspanntes Reisen dank Supercharger-Netz, Vorkonditionierung und kurzer Ladestopps
  • Viel Stauraum: großer Kofferraum plus zusätzlicher Frunk
  • Serienmäßiges Luftfahrwerk und mit der Modellpflege leisere Kabine

Contra

  • Bedienung fast vollständig über den Touchscreen – hohes Ablenkungspotenzial
  • Assistenzsysteme rein kamerabasiert und nicht immer zuverlässig; kein V2L/V2H
  • Hoher Preis – schwaches Preis/Leistungs-Verhältnis
  • 400-Volt-Technik: 250-kW-Ladepeak nicht mehr klassenführend

Das Tesla Model S ist Teslas großer Wurf – die Baureihe, die 2012 bewiesen hat, dass ein Elektroauto Oberklasse, Sportwagen und rollendes Computerprodukt in einem sein kann. Auch in der aktuellen, 2021 gründlich überarbeiteten Generation bleibt es genau das: ein riesiges, brutal schnelles Reise-Elektroauto für alle, die viel Strecke machen und dabei nicht auf Tempo verzichten wollen. Wir haben zusammengetragen, was unabhängige Messungen und Tests über die Version „Maximale Reichweite“ mit Allradantrieb sagen – und wo das Alter der Baureihe inzwischen durchscheint.

Bildergalerie

Tesla Model S Aussen Dunkel
Tesla Model S Aussen Rot
Tesla Model S Sitze
Tesla Model S Cockpit

Technische Daten

Marktstart 2021
Basispreis 93.000 €
Nutzbare Batterie 95 kWh
Realverbrauch 20,6 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 14,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 460 km
Ladeleistung (Peak) 250 kW
Ladezeit 10–80 % 30 min
Leistung 493 kW (670 PS)
0–100 km/h 3,2 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Kofferraum 709 l
Frunk 89 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 12,4 m
Maße (L×B) 5.021 × 1.987 mm
Antrieb Allrad

Reichweite & Verbrauch: großer Akku, ehrliche Autobahnwerte

Tesla verschweigt die genaue Akkugröße, unabhängige Datenbanken schätzen die nutzbare Kapazität auf rund 95 kWh. Auf dem Papier stehen sehr sparsame WLTP-Werte von etwa 14,8 kWh je 100 Kilometer. In der Praxis liegt der Verbrauch naturgemäß höher: Bei Tempo 130 auf der Autobahn ermittelten Tester rund 20,6 kWh je 100 Kilometer, im Stadtverkehr dagegen erstaunlich niedrige 13,0 kWh. Der ADAC misst im gemischten Alltagsprofil vergleichbare gut 20 kWh.

Für euch heißt das: Auf der Langstrecke sind bei zügiger Fahrt real etwa 460 Kilometer drin, bevor der Stecker ruft – im Sommer und bei gemächlichem Tempo auch spürbar mehr. Zum Pendeln oder für Wochenendtouren müsst ihr euch um Reichweite praktisch keine Gedanken machen.

Einordnen muss man das trotzdem: Für ein über zwei Tonnen schweres, fast fünf Meter langes Auto ist dieser Verbrauch richtig gut. Gemessen an den neuesten Effizienzwundern der E-Auto-Welt ist der einstige Vorsprung aber dahin. Und wer die Spitze ausreizt, treibt den Verbrauch drastisch nach oben – dann bleiben nur noch rund 200 Kilometer.

Laden & Reisetauglichkeit: das Netz macht den Unterschied

Am Schnelllader zieht das Model S bis zu 250 kW, von 10 auf 80 Prozent vergehen rund 30 Minuten. Das ist solide, aber kein Spitzenwert mehr – neuere Konkurrenten mit 800-Volt-Technik laden anteilig schneller. Zu Hause lädt der Wagen dreiphasig mit 11 kW.

Die eigentliche Stärke auf Reisen ist weniger die reine Ladeleistung als das Drumherum: Das dichte Supercharger-Netz, die automatische Routenplanung und die Vorkonditionierung der Batterie sorgen dafür, dass Ladestopps kurz und planbar bleiben. In standardisierten Vergleichen kommt das Model S mit einem einzigen 15-Minuten-Stopp über 650 Kilometer weit – ein starker Wert.

Praktisch heißt das für euch: Lange Fahrten fühlen sich entspannt an, weil ihr selten und dann kurz ladet. Die Kehrseite: Wer außerhalb des Tesla-Ökosystems lädt, verzichtet auf den Komfort des automatischen Freischaltens – Plug & Charge beherrscht das Auto nicht, und die 400-Volt-Architektur zeigt gegenüber den schnellsten Neulingen ihr Alter.

Antrieb & Fahrdynamik: mühelos schnell

Zwei Elektromotoren, Allradantrieb und rund 670 PS: In 3,2 Sekunden schießt das Model S auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 250 km/h. Diese Wucht steht praktisch immer und aus jedem Tempo heraus bereit – das macht selbst zügige Überholmanöver zur Nebensache.

Im Alltag bedeutet das eine unangestrengte Souveränität, die man so kaum kennt. In Tests bescheinigen Prüfer dem Tesla ein sehr sicheres Fahrverhalten mit blitzschneller Kraftverteilung und großen Reserven auch im Grenzbereich.

Ehrlich bleibt aber: Das Model S ist ein schwerer Reisewagen, kein filigraner Sportwagen. Über zwei Tonnen Gewicht lassen sich nicht wegzaubern, und die Lenkung wirkt eher effizient als gefühlvoll. Wer echtes Kurvenfeedback sucht, findet es bei leichteren, kompakteren Sportlern. Das optionale Yoke-Lenkrad ist zudem Geschmackssache und im Alltag nicht für jeden praktisch.

Komfort & Geräusch: der ruhige Riese

Serienmäßig rollt das Model S auf einem adaptiven Luftfahrwerk, das den Aufbau je nach Situation absenkt und die Federung anpasst. Der ADAC bescheinigt dem Tesla dank dieser Technik einen hohen Fahrkomfort. Mit der jüngsten Modellpflege legte Tesla zusätzlich bei der Dämmung nach – mehr schallschluckende Materialien und aktives Noise Cancelling sollen die Kabine spürbar leiser machen.

Für euch heißt das: Auf langen Etappen kommt ihr entspannt an, Wind- und Abrollgeräusche halten sich in Grenzen, und das Fahrwerk bügelt die meisten Unebenheiten souverän weg. Genau das erwartet man von einem Reise-Stromer dieser Größe.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Auf den optionalen 21-Zoll-Rädern dringen kurze, harte Stöße stärker durch – die serienmäßigen 19-Zöller sind hier die komfortablere Wahl. Und ganz das wattierte Niveau der etablierten Luxus-Konkurrenz erreicht das Model S nicht. Belastbare, unabhängige Messungen speziell zur leiseren Facelift-Kabine sind zudem noch rar.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, klare Linie

Beim Stauraum spielt das Model S seine Größe aus: 709 Liter im Heck, dazu ein 89 Liter großer Frunk unter der Fronthaube und bis zu 1828 Liter bei umgeklappten Sitzen. Der lange Radstand von 2,96 Metern sorgt vorn wie im Fond für viel Beinfreiheit. Der Frunk ist ideal, um Ladekabel zu verstauen, ohne den Kofferraum zu belegen.

Praktisch ist das ein echtes Familien- und Reiseauto: Urlaubsgepäck, Kinderkram und Einkäufe verschwinden mühelos. Die coupéhaft abfallende Dachlinie kostet allerdings etwas Kopffreiheit im Fond – groß gewachsene Mitfahrer hinten merken das trotz der Außenlänge.

Innen setzt Tesla auf radikale Reduktion: wenige Knöpfe, ein riesiger zentraler Bildschirm, viel Software. Das wirkt aufgeräumt und modern, polarisiert aber. Die Verarbeitung des Flaggschiffs ist solide und überwiegend hochwertig, erreicht in Tests jedoch nicht durchgängig das Referenzniveau der etablierten deutschen Oberklasse – vereinzelt trifft man auf einfachere Materialien und Detaillösungen.

Software, Bedienung & E-Funktionen: schnell, aber sehr bildschirmlastig

Teslas Software gehört zu den Stärken des Autos: Der große Bildschirm reagiert flott, die Menülogik ist eingängig, und per Over-the-Air-Update kommen regelmäßig neue Funktionen aufs Auto. Bei den E-spezifischen Helfern ist das Model S gut aufgestellt – Wärmepumpe serienmäßig, automatische Vorkonditionierung der Batterie vor dem Schnellladen und die erwähnte clevere Routenplanung gehören dazu.

Für euch bedeutet das im Alltag: wenig Ladefrust, ein Auto, das mit der Zeit dazulernt, und eine Bedienung, die nach kurzer Eingewöhnung logisch von der Hand geht.

Die Kehrseite ist die konsequente Bildschirm-Fixierung. Fast alles läuft über den Touchscreen, physische Tasten sind rar – Tester kritisieren das hohe Ablenkungspotenzial im Fahrbetrieb regelmäßig. Auch die Assistenzsysteme sind ein Schwachpunkt: Tesla setzt allein auf Kameras, was in Prüfungen als nicht immer zuverlässig auffällt. Die volle Fahrassistenz (FSD) kostet extra, und bidirektionales Laden zum Versorgen von Geräten oder Haus (V2L/V2H) beherrscht das Model S nicht.

Einordnung im Ranking

Das Tesla Model S bleibt ein beeindruckendes Gesamtpaket: enorme Reichweite, brachiale Fahrleistungen und – dank Supercharger-Netz – die vielleicht entspannteste Langstrecken-Erfahrung im Elektro-Segment. Direkte Alternativen wie Porsche Taycan, Lucid Air, Mercedes EQS oder BMW i7 setzen jeweils andere Schwerpunkte: mehr Fahrspaß, mehr Luxus oder schnelleres Laden.

Für euch passt das Auto, wenn ihr viel und weit fahrt, Tempo liebt und das eingespielte Tesla-Ökosystem schätzt. Getrennt vom Gesamturteil solltet ihr den Preis im Blick behalten: Fürs Gebotene ist das Model S teuer – hier zahlt ihr auch den Namen und die Klasse mit. Wer vor allem Fahrwerksfinesse oder das letzte Quäntchen Materialluxus sucht, findet in dieser Preisregion feiner abgestimmte Alternativen.

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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