EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der NIO ET5 mit 100-kWh-Akku ist ein überraschend reifes Gesamtpaket: extrem effizient, mit über 500 Kilometern Norm-Reichweite, kräftigem Allradantrieb, hochwertigem Interieur und angenehmem Reisekomfort. Die verbesserte Batterie lädt inzwischen ordentlich schnell, und der Akkutausch bleibt ein echtes Alleinstellungsmerkmal – auch wenn das Stationsnetz in Deutschland noch dünn ist. Gegen dieses starke Bild stehen eine sperrige, tastenarme Bedienung, ein knapper Kofferraum ohne Frunk und eine gefühlsarme Lenkung. Vor allem aber ist der ET5 gemessen am Gebotenen etwas teuer, besonders im Vergleich zum Tesla Model 3. Ein empfehlenswertes, eigenständiges Elektroauto – wenn ihr den Aufpreis für Qualität und Effizienz bewusst mittragt.
Pro
- Sehr effizient: nur 19,7 kWh/100 km und rund 530 km im ADAC-Mischzyklus
- Geringste Reichweiten-Abweichung im ADAC-Wintertest (nur ~10 %)
- Hochwertige Verarbeitung auf Premium-Niveau, 5 Sterne bei Euro NCAP
- Kräftiger Allradantrieb, 0–100 km/h in glatten 4 Sekunden
- Verbesserte Batterie lädt spürbar schneller (bis 183 kW gemessen); einzigartiger Akkutausch
Contra
- Deutlich teurer als etablierte Rivalen wie das Tesla Model 3
- Umständliche, tastenarme Bedienung
- Knapper Kofferraum, kein Frunk, wenig Kopffreiheit hinten
- Lenkung mit wenig Rückmeldung
- Akkuwechsel-Netz in Deutschland noch sehr dünn
Der NIO ET5 ist der Versuch einer noch jungen chinesischen Marke, mitten im Revier von BMW i4, Tesla Model 3 und Polestar 2 zu punkten – mit in München gezeichnetem Design, Premium-Materialien und einem eigenwilligen Extra: dem Akkutausch. Wir haben uns die große Version mit 100-kWh-Batterie und Allradantrieb angeschaut, also rund 490 PS und die längste Reichweite. Für wen lohnt sich diese Elektro-Limousine – und wo muss man Abstriche machen? Das Gesamtergebnis fällt ordentlich aus, mit einem klaren Aber beim Preis.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: die große Stärke
Hier spielt der ET5 seine Trumpfkarte aus. Im standardisierten ADAC Ecotest zieht die 100-kWh-Limousine nur 19,7 kWh auf 100 Kilometer aus dem Akku – und zwar inklusive der Verluste beim Laden, die viele Hersteller gern verschweigen. Daraus ergeben sich rund 530 Kilometer im gemischten Norm-Zyklus. Der Hersteller nennt bis zu 590 Kilometer nach WLTP.
Für euch im Alltag heißt das: Pendeln, Familienausflüge und die meisten Wochenendtouren erledigt der ET5, ohne dass ihr an die Ladeplanung denken müsst. Bemerkenswert ist die Winterstabilität. Bei 0 Grad und rund 111 km/h auf der Autobahn kam der NIO im ADAC-Wintertest noch 421 Kilometer weit – und wich damit nur etwa zehn Prozent von den Herstellerangaben ab, ein Spitzenwert unter 25 getesteten Autos. Die Kehrseite: Wer dauerhaft schnell fährt, drückt den Verbrauch natürlich nach oben – der ET5 verzeiht das nur vergleichsweise gutmütig.
Laden & Reisetauglichkeit: spürbar besser geworden
An diesem Punkt hat sich beim ET5 einiges getan. Die aktuelle, verbesserte Batterie lädt am Schnelllader mit einem im Test gemessenen Spitzenwert von 183 kW; von 10 auf 80 Prozent vergehen so nur noch rund 23 Minuten – ein akzeptabler Wert. Ehrlich bleibt aber: Frühe Exemplare mit der ersten Batterie kamen nur auf etwa 128 kW und brauchten für dasselbe Fenster gut 40 Minuten. Zu Hause lädt der NIO dreiphasig mit 11 kW.
Die eigentliche Besonderheit ist der Akkutausch: An einer Power-Swap-Station wird der leere gegen einen vollen Akku getauscht, in fünf bis zehn Minuten. Klingt genial – nur ist das Stationsnetz in Deutschland bislang so dünn, dass ihr euch darauf im Alltag kaum verlassen könnt. Deshalb zählt für die Reisetauglichkeit vor allem das normale Schnellladen, und das ist mit der neuen Batterie gut, aber nicht die Referenz der Klasse. Kleiner Wermutstropfen: Der Ladeanschluss sitzt hinten links, was am Straßenrand gelegentlich nervt. Ein Frunk fürs Ladekabel fehlt.
Antrieb & Fahrdynamik: Kraft im Überfluss
Zwei E-Motoren, Allradantrieb, 360 kW – das sind rund 490 PS und 700 Nm. Damit sprintet der immerhin 2,2 Tonnen schwere ET5 im Modus Sport+ in glatten vier Sekunden auf Tempo 100, Schluss ist bei 200 km/h. Das ist Fahrleistung auf Sportwagenniveau und deutlich mehr, als die meisten BMW-i4-Varianten bieten.
Im Alltag habt ihr also jederzeit satte Reserven, zum Beispiel beim Überholen. Trotzdem ist der ET5 kein Kurvenräuber: Tester beschreiben die Fahreigenschaften als sicher und durchaus agil, kritisieren aber eine entkoppelt wirkende Lenkung, die wenig Rückmeldung gibt. Zusammen mit dem hohen Gewicht bleibt der NIO damit eher der souveräne Gleiter als der spitze Sportler – was zu seinem Charakter aber gut passt.
Komfort & Geräusch: der ruhige Reisebegleiter
Genau als Gleiter überzeugt der ET5 am meisten. Tester nennen ihn angenehm unaufgeregt und merklich komfortabler als ein Tesla Model 3. Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten ordentlich weg, im Innenraum bleibt es ruhig, und die Sitze taugen auch für längere Etappen.
Ganz oben in der Klasse spielt der Federungskomfort aber noch nicht: Hier attestieren die Fachleute „Luft nach oben“, vor allem im Vergleich mit den besten Luftfederungen der deutschen Oberklasse. Für die allermeisten Fahrten reicht das Gebotene locker – wer maximale Sänfte sucht, findet sie eine Fahrzeugklasse darüber.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: Premium mit Einschränkungen
Innen macht der NIO den stärksten Eindruck: Die Verarbeitungs- und Materialqualität nimmt es laut Testern mühelos mit der deutschen Premiumkonkurrenz auf, das Ambiente wirkt loungeartig und hochwertig. Beim Thema Sicherheit gibt es fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest (2023).
Bei der Praktikabilität muss man dagegen Kompromisse eingehen. Der Kofferraum der 4,79 Meter langen Limousine fällt mit rund 386 Litern für das Format eher knapp aus, einen Frunk gibt es nicht, und die coupéhafte Dachlinie kostet große Mitfahrer hinten Kopffreiheit. Wer mehr Platz braucht, sollte einen Blick auf den formgleichen ET5 Touring werfen – den Kombi bietet NIO zum selben Preis an.
Software, Bedienung & E-Funktionen: viel Technik, sperrige Logik
An Bord ist reichlich Technik: ein großer zentraler Touchscreen, ein umfangreiches Assistenzpaket, Over-the-Air-Updates und der sprechende Assistent NOMI. Praktisch und serienmäßig ist die Wärmepumpe, die im Winter Reichweite spart.
Der große Haken ist die Bedienung: Weil NIO fast vollständig auf klassische Tasten verzichtet, wandern viele Funktionen in Menüs – Tester nennen das umständlich und sehen ausgerechnet Tesla als schlechtes Vorbild. Wer sich einarbeitet, kommt zurecht, aber intuitiv geht anders. Eine Vehicle-to-Load-Funktion, um externe Geräte am Auto zu betreiben, fehlt.
Bildergalerie
Einordnung im Ranking
Unterm Strich ist der NIO ET5 ein rundes, erwachsenes Elektroauto: sehr effizient, hochwertig verarbeitet, kräftig und komfortabel. Seine direkten Gegner heißen Tesla Model 3, BMW i4, Polestar 2 und, eine Nummer größer, Mercedes EQE. Gegen diese etablierte Konkurrenz punktet er vor allem mit Effizienz, Materialqualität und dem Akkutausch als Alleinstellungsmerkmal.
Der größte Haken ist der Preis: Der ET5 liegt rund 14.000 Euro über einem vergleichbaren Tesla Model 3 und ist damit, gemessen an dem, was er bietet, etwas teuer – auch wenn die Ausstattung reichhaltig ist. Wer das monatliche Batterie-Abo (BaaS) wählt, senkt zwar den Kaufpreis deutlich, zahlt dafür aber laufend. Am wohlsten fühlt sich der NIO bei Käufern, die Wert auf Effizienz, Ruhe und ein besonderes Interieur legen und den Aufpreis gegenüber den Platzhirschen bewusst in Kauf nehmen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 9 von 104
Quellen
Bildquellen
- Nio ET 5 Aussenansicht — © Nio Presseportal
- Nio ET 5 Heckansicht — © Nio Presseportal
- Nio ET 5 Seitenansicht — © Nio Presseportal
- Nio ET 5 Innenraum — © Nio Presseportal
- Nio ET 5 Infotainment — © Nio Presseportal
- Nio ET 5 Sitze — © Nio Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
