EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Mercedes EQB 250+ ist ein gediegener, geräumiger Familien-SUV mit dem seltenen Extra einer dritten Sitzreihe und hochwertiger Verarbeitung. Er fährt komfortabel und entspannt, patzt aber bei Effizienz und vor allem beim Ladetempo, das 2026 nicht mehr zeitgemäß ist. Für komfortorientierte Familien mit überschaubarem Langstreckenbedarf eine stimmige, wenn auch nicht ganz günstige Wahl – fürs Gebotene ist er etwas teuer.
Pro
- Großzügiges Raumangebot, optional mit dritter Sitzreihe (Siebensitzer)
- Hochwertige Verarbeitung und gediegener Federungskomfort
- Gutes MBUX-Infotainment mit starkem Head-up-Display und Sprachsteuerung
- Wärmepumpe und Batterie-Vorkonditionierung serienmäßig
Contra
- Langsames Schnellladen (nur rund 100 kW Spitze)
- Hoher Realverbrauch für ein E-Auto dieser Größe
- Preis liegt über dem gebotenen Gegenwert
Der Mercedes EQB 250+ ist der elektrische Familien-Bruder des GLB: ein kompakter Hochdach-SUV, den es auf Wunsch sogar mit sieben Sitzen gibt. Genau das macht ihn in seiner Klasse zu einer Ausnahme. Wir haben uns angeschaut, was die sparsamste Variante der Baureihe – Frontantrieb, 190 PS, großer 70,5-kWh-Akku – im Alltag wirklich kann. So viel vorweg: Der EQB überzeugt als geräumiger, gediegen gemachter Mercedes, schwächelt aber bei Effizienz und Ladetempo.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Sparwunder
Der 250+ trägt mit 70,5 kWh nutzbarer Kapazität den größten Akku der Baureihe – das „Plus“ im Namen steht genau dafür. In standardisierten Realdaten landet er bei rund 415 Kilometern im gemischten Betrieb. Auf der Autobahn schmilzt das je nach Temperatur auf etwa 300 bis 385 Kilometer zusammen. Fürs tägliche Pendeln, den Familienalltag und die meisten Wochenendtouren reicht das entspannt; wer regelmäßig lange Strecken am Stück fährt, plant besser einen Ladestopp mehr ein.
Sparsam ist der EQB dabei nicht. Seine kastige, aufrechte Karosserie und die gut zwei Tonnen Gewicht fordern ihren Tribut: Real liegt der Verbrauch inklusive Ladeverlusten bei rund 19 bis 20 kWh auf 100 Kilometer. Das ist für ein E-Auto dieser Größe kein Ausreißer nach oben, aber deutlich mehr, als windschlüpfigere Konkurrenten brauchen. Immerhin: Als leichtere Fronttriebler-Variante ist der 250+ die effizienteste Wahl im EQB-Programm – die kräftigen Allradmodelle genehmigen sich spürbar mehr.
Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst der Benz
An der Schnellladesäule zeigt sich die größte Schwäche des EQB. Mehr als rund 100 kW nimmt er in der Spitze nicht an, ein Ladehub von 10 auf 80 Prozent dauert entsprechend etwa 35 Minuten. Das war schon zum Marktstart kein Bestwert und wirkt gegen moderne 800-Volt-Konkurrenten, die in derselben Zeit deutlich mehr Energie fassen, mittlerweile altbacken.
Für die Langstrecke bedeutet das: Die Reichweite ist ordentlich, aber jeder Nachladestopp kostet mehr Zeit als bei den flotter ladenden Rivalen. Wer nur ein paarmal im Jahr richtig weit fährt, wird damit leben können – für Vielreisende ist der EQB die falsche Wahl. Positiv: Serienmäßig plant die Navigation Ladestopps mitsamt Topografie und Außentemperatur zuverlässig, und mit dem Facelift kam „Plug & Charge“ dazu – einstecken genügt, die Abrechnung läuft automatisch über das Mercedes-Konto.
Antrieb & Fahrdynamik: entspannt statt sportlich
Mit 140 kW, also 190 PS, und Frontantrieb ist der 250+ das gemütliche Basismodell. In etwa 8,9 Sekunden geht es auf Tempo 100, bei 160 km/h ist Schluss. Das reicht für souveränes Mitschwimmen, mehr aber nicht – die Allradversionen mit bis zu 292 PS fühlen sich spürbar lebendiger an.
Der EQB will ohnehin nicht der sportliche Typ sein. Er rollt weich und gelassen dahin und verleitet zu einer ruhigen Fahrweise, die zu seinem Charakter passt. Das Fahrwerk liegt satt, die Lenkung ist unaufgeregt. Wer Fahrspaß im engeren Sinne sucht, ist hier falsch; wer einen entspannten, sicheren Gleiter für Familie und Alltag will, genau richtig.
Komfort & Geräusch: gediegen mit einem Aber
Beim Federungskomfort spielt der EQB eine seiner Stärken aus. Er dämpft souverän, bügelt Unebenheiten gutmütig weg und vermittelt das gediegene Fahrgefühl, das man von einem Mercedes erwartet. Auf längeren Etappen gleitet er angenehm ruhig dahin.
Die Kehrseite: Beim Geräuschkomfort ist noch Luft. Tester bemängeln präsente Abrollgeräusche, die auf der Autobahn deutlicher zu hören sind als bei manchem Wettbewerber. Eine Luftfederung gibt es nicht, das adaptive Fahrwerk kostet Aufpreis. Unterm Strich bleibt der Komfort trotzdem ein klarer Pluspunkt.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: der Trumpf
Als GLB unter Strom erbt der EQB dessen großzügiges Raumkonzept. Der Kofferraum fasst 495 Liter und wächst mit umgeklappter Rückbank auf 1710 Liter – gute Werte für die Klasse. Das echte Alleinstellungsmerkmal ist die optionale dritte Sitzreihe: einen Siebensitzer bietet in diesem Segment sonst kaum jemand. Ehrlich bleibt aber: Die hinteren beiden Plätze taugen nur für Kinder oder kurze Strecken, und einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht.
Bei der Verarbeitung zeigt sich der Mercedes von seiner starken Seite. Materialauswahl und Zusammenbau wirken hochwertig, das Cockpit macht einen wertigen Eindruck. Ein paar härtere Kunststoffe im unteren Bereich trüben das Bild nur leicht – insgesamt liefert der EQB hier Premium-Niveau ab.
Software, Bedienung & E-Funktionen: viel Technik, etwas Einarbeitung
An Bord ist das bekannte MBUX-System, das als Infotainment zu den Guten gehört: schicke Bildschirme, ein hervorragendes Head-up-Display und eine starke Sprachsteuerung. Mit dem Facelift wurde die „Zero-Layer“-Oberfläche serienmäßig, die wichtige Funktionen ohne tiefes Menütauchen erreichbar macht.
Ganz ohne Einarbeitung geht es trotzdem nicht – die Fülle an Einstellungen wirkt anfangs überladen, und die neuen Touchflächen am Lenkrad sind nicht jedermanns Sache. Bei den E-Funktionen ist der EQB gut ausgestattet: Wärmepumpe und Batterie-Vorkonditionierung sind serienmäßig an Bord, dazu solide Assistenzsysteme. Bidirektionales Laden oder Strom aus der Steckdose (V2L) bietet er dagegen nicht.
Einordnung im Ranking
Der Mercedes EQB 250+ ist ein grundsolider, angenehm komfortabler Familien-Stromer mit dem seltenen Bonus einer dritten Sitzreihe und typischer Mercedes-Wertigkeit. Gegen frischere Konkurrenten wie den Hyundai Ioniq 5 oder den Skoda Enyaq verliert er allerdings dort, wo es zählt: beim Verbrauch und vor allem beim gemächlichen Ladetempo. Beim Preis liegt er ordentlich über dem, was die gebotene Gesamtqualität erwarten ließe – hier zahlt man ein Stück weit den Stern und die Klasse mit.
Passen wird er trotzdem vielen: Familien, die einen kompakten, hochwertigen E-SUV mit variablem Innenraum suchen, gelegentlich lange Strecken fahren und Komfort höher gewichten als Effizienz und Ladegeschwindigkeit. Wer viel reist oder aufs Budget schaut, findet in derselben Klasse günstigere und schnellere Alternativen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 45 von 104
Quellen
Bildquellen
- Mercedes EQB 250+ Aussenansicht — © Mercedes Presseportal
- Mercedes EQB 250+ Heckansicht — © Mercedes Presseportal
- Mercedes EQB 250+ Seitenansicht — © Mercedes Presseportal
- Mercedes EQB 250+ Innenraum — © Mercedes Presseportal
- Mercedes EQB 250+ Infotainment — © Mercedes Presseportal
- Mercedes EQB 250+ Sitze — © Mercedes Presseportal
- Mercedes EQB 250+ Kofferraum — © Mercedes Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
