Leapmotor C10 im Test: viel Platz und Wertigkeit zum kleinen Preis

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

55,8 % 3,35 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Leapmotor C10 ist ein clever gemachtes Familien-SUV, das mit viel Raumgefühl, wertiger Verarbeitung und angenehmem Komfort weit über seinen Preis hinaus wirkt. Der Haken sitzt beim Laden: Mit nur 84 kW Ladeleistung und mittlerer Reichweite ist die Langstrecke eine Geduldsprobe. Wer überwiegend im Alltag unterwegs ist, bekommt hier aber viel Auto fürs Geld.

Pro

  • Außergewöhnlich viel Platz vorne und im Fond
  • Wertige, aufgeräumte Verarbeitung für die Preisklasse
  • Komfortable Abstimmung und gute Geräuschdämmung
  • Günstiger Einstiegspreis mit reichhaltiger Serienausstattung

Contra

  • Nur 84 kW Ladeleistung – schwach auf der Langstrecke
  • Durchschnittlicher Verbrauch, im Winter spürbare Einbußen
  • Kleiner Kofferraum für ein SUV, kein Frunk
  • Bedienung stark auf den Touchscreen konzentriert

Der Leapmotor C10 ist eines der Autos, die zeigen, wie ernst es die chinesischen Hersteller mit Europa meinen. Vertrieben über das Stellantis-Netz, tritt das rund 4,74 Meter lange Elektro-SUV als günstiger Familienstromer an – viel Platz, ordentliche Ausstattung, kleiner Preis. Wir haben zusammengetragen, was öffentliche Messungen und Fachtests über die vollelektrische Basisvariante mit 69,9-kWh-Akku und Heckantrieb sagen. Kurz gesagt: Der C10 überzeugt beim Raumgefühl und der Anmutung, schwächelt aber dort, wo es für die Langstrecke zählt.

Bildergalerie

Leapmotor C10 Aussenansicht
Leapmotor C10 Heckansicht
Leapmotor C10 Seitenansicht
Leapmotor C10 Innenraum
Leapmotor C10 Sitze
Leapmotor C10 Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 37.600 €
Nutzbare Batterie 69,9 kWh
Realverbrauch 20 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 19,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 350 km
Ladeleistung (Peak) 84 kW
Ladezeit 10–80 % 44 min
Leistung 160 kW (218 PS)
0–100 km/h 7,5 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 435 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.500 kg
Wendekreis 10,8 m
Maße (L×B) 4.739 × 1.900 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Effizienzwunder

Im Datenblatt stehen 420 bis 425 Kilometer nach WLTP – ein Wert, den der C10 unter realen Bedingungen wie fast jedes E-Auto nicht ganz hält. Kombiniert kommt ihr übers Jahr gerechnet auf etwa 350 Kilometer, im Sommer etwas mehr, im Winter mit der LFP-Batterie spürbar weniger. Auf der Autobahn bei Tempo 130 schrumpft die Reichweite auf rund 280 Kilometer.

Der Grund liegt im Verbrauch. Rund 20 kWh auf 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten sind für ein E-SUV dieser Größe durchschnittlich, aber eben kein Sparwunder – ein Tesla Model Y liegt hier deutlich darunter. Für den Alltag, das tägliche Pendeln und Familienausfahrten reicht die Reichweite bequem. Wer aber regelmäßig lange Strecken fährt, merkt schnell, dass hier andere Autos effizienter unterwegs sind.

Die Kehrseite zeigt sich im Winter besonders deutlich: Die LFP-Zellen mögen Kälte nicht, Effizienz und nutzbare Reichweite geben bei Minusgraden erkennbar nach. Das ist verschmerzbar, wenn das Auto vor allem im Nahbereich bewegt wird – für den großen Roadtrip ist es ein echter Kompromiss.

Laden & Reisetauglichkeit: der wunde Punkt

Hier wird es unangenehm ehrlich. Die maximale Ladeleistung liegt bei nur 84 kW – zu einer Zeit, in der viele Konkurrenten das Doppelte und mehr schaffen. Unter guten Bedingungen lädt der C10 in etwa einer halben Stunde von 30 auf 80 Prozent; das komplette Fenster von 10 auf 80 Prozent dauert laut Datenbank eher um die 40 Minuten. Bei kalter Batterie unter fünf Grad fällt die Leistung sogar auf 50 bis 60 kW, und die Ladepause zieht sich weiter in die Länge.

Für die Langstrecke ist das die entscheidende Schwäche. Mittlere Reichweite plus langsames Laden bedeuten: Auf einer längeren Reise verliert ihr an der Säule mehr Zeit als bei den meisten Mitbewerbern. Wer oft und weit fährt, sollte das ehrlich einkalkulieren. Ein 400-Volt-System, ein kleines Ladefenster und die vorsichtige Kaltladung machen den C10 hier zum Nachzügler – Leapmotor selbst hat für spätere Varianten bereits eine schnellere Ladetechnik in Aussicht gestellt, die getestete Basisvariante profitiert davon aber nicht.

Antrieb & Fahrdynamik: entspannt statt sportlich

Ein einzelner Heckmotor leistet rund 218 PS und schickt den C10 in etwa 7,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Das ist kein sportlicher, aber ein völlig ausreichender Wert – im Alltag fühlt sich das SUV souverän an, beim Ampelstart wie beim Überholen. Bei 170 km/h ist Schluss, was zum ruhigen Charakter des Autos passt.

Denn dynamisch will der C10 gar nicht sein. Die Abstimmung ist klar auf Komfort ausgelegt, das Fahrwerk bügelt lieber Unebenheiten glatt, als in Kurven zu glänzen. Wer ein handliches, agiles Fahrgefühl sucht, ist woanders besser aufgehoben. Wer dagegen entspannt und gelassen unterwegs sein will, bekommt genau das – ein Auto, das nichts erzwingt.

Komfort & Geräusch: eine echte Stärke

Der Federungskomfort gehört zu den angenehmen Überraschungen. Das Fahrwerk ist weich genug abgestimmt, um lange Etappen erholsam zu machen, und die Dämmung hält Wind- und Abrollgeräusche gut draußen. Eine Luftfederung gibt es nicht – die braucht es hier aber auch kaum, um komfortabel voranzukommen.

Dazu kommen bequeme Sitze und – schon in der Basis – ein großes Panoramaglasdach, das den Innenraum hell und luftig macht. Für Familien, die viel Zeit im Auto verbringen, ist das ein handfester Pluspunkt. Ein leichter Wermutstropfen bleibt bei sehr kurzen, harten Stößen, wo das Fahrwerk etwas nachschwingt – für diese Preisklasse ist das Gebotene aber stark.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, kleiner Kofferraum

Beim Platzangebot spielt der C10 seine große Karte aus. Vorne wie im Fond sitzt man außergewöhnlich großzügig – Tester loben das Raumgefühl regelmäßig als klassenbestes Merkmal. Für Familien mit größeren Kindern oder oft besetzter Rückbank ist das ein echtes Argument.

Umso überraschender fällt der Kofferraum aus: Mit rund 435 Litern liegt er eher auf Kompaktklasse- als auf SUV-Niveau, ein Frunk fehlt der Heckantriebs-Variante. Wer viel Gepäck oder sperrige Dinge transportiert, stößt hier früher an Grenzen als bei manchem kleineren Konkurrenten. Das riesige Innenraumgefühl hat also seinen Preis beim Stauraum.

Bei der Verarbeitung überrascht der C10 positiv. Der Innenraum wirkt minimalistisch und aufgeräumt, hochwertige Materialien und wenig Hartplastik heben ihn über das, was man in dieser Preisklasse erwartet. Für ein Auto zu diesem Kurs ist die Anmutung ein klares Lob wert.

Software, Bedienung & E-Funktionen: modern, aber sehr touchlastig

Das Bedienkonzept orientiert sich klar an Tesla: Fast alles läuft über einen großen 14,6-Zoll-Touchscreen, physische Tasten sind rar. Das sieht clean aus und funktioniert flüssig, zwingt euch aber auch für viele Alltagsfunktionen ins Menü – während der Fahrt nicht jedermanns Sache. Ein zusätzliches Fahrerdisplay hilft bei den wichtigsten Infos.

Bei den E-Funktionen ist das Wichtigste an Bord: eine Batterievorkonditionierung, Vehicle-to-Load zum Anschluss externer Geräte und ein umfangreiches Assistenzpaket, das im Sicherheitstest ordentlich abschneidet. Lückenlos ist das Bild aber nicht – eine automatische, navigationsgeführte Ladeplanung fehlt, und der niedrige Ladepeak begrenzt, was intelligente Ladesteuerung überhaupt herausholen kann. Solide Grundausstattung mit ein paar offenen Enden.

Einordnung im Ranking

Der Leapmotor C10 ist ein interessantes Angebot für alle, die viel Auto, viel Platz und eine wertige Anmutung zu einem kleinen Preis suchen und dabei überwiegend im Alltag unterwegs sind. Gegen etablierte Alternativen wie den VW ID.4 oder den Škoda Enyaq punktet er beim Preis und beim Raumgefühl, verliert aber klar bei Ladegeschwindigkeit und Reisetauglichkeit. Beim Preis/Leistungs-Verhältnis steht er gut da – fürs Gebotene zahlt ihr etwas weniger, als man erwarten würde.

Unterm Strich ist der C10 ein ehrliches Familien-SUV mit klarem Profil: stark im Nahbereich, schwach auf der Langstrecke. Wer selten weit fährt, bekommt hier viel fürs Geld. Wer regelmäßig große Distanzen plant, sollte die langen Ladepausen vorher realistisch durchrechnen.

Bildquellen

  • Leapmotor C10 Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
  • Leapmotor C10 Heckansicht — © Stellantis Presseportal
  • Leapmotor C10 Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
  • Leapmotor C10 Innenraum — © Stellantis Presseportal
  • Leapmotor C10 Sitze — © Stellantis Presseportal
  • Leapmotor C10 Kofferraum — © Stellantis Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

TOP IN DIESER KLASSE

Vergleichen

Aktuelle Tests