Kia EV9 AWD im Test: das elektrische XXL-Familien-SUV

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

67,5 % 4,05 / 6

Preis/Leistung

2,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Kia EV9 ist ein durchdachtes Elektro-SUV für alle, die viel Platz und echte Siebensitzer-Qualitäten suchen. Er überzeugt mit einem variablen Innenraum, sehr schnellem Laden und souveränem Reisekomfort. Im Gegenzug muss man mit hohem Autobahnverbrauch, sperrigen Stadtmaßen und einem selbstbewussten Preis leben. Wer den Raum wirklich nutzt, bekommt einen der besten elektrischen Familientransporter – wer ihn nicht braucht, findet günstigere und effizientere Alternativen.

Pro

  • Riesiges, variables Platzangebot mit vollwertigen sieben Sitzen
  • Sehr schnelles Laden dank 800-Volt-Technik (10–80 % in rund 24 Minuten)
  • Hohe Anhängelast von 2,5 Tonnen und umfangreiche Serienausstattung
  • Leises, souveränes Reisen

Contra

  • Hoher Verbrauch und magere Autobahnreichweite
  • Sperrig und unübersichtlich in der Stadt
  • Touch-Sensorflächen ohne Druckpunkt, kein Luftfahrwerk

Der Kia EV9 ist ein Statement auf Rädern: über fünf Meter lang, gut 2,7 Tonnen schwer und mit bis zu sieben vollwertigen Sitzplätzen. Damit füllt der große Koreaner eine echte Lücke – ein rein elektrisches Familien-SUV, das dem Platz eines Vans nahekommt, ohne wie ein Kastenwagen auszusehen. Wir haben uns die Allradversion mit dem großen 99,8-kWh-Akku und 283 kW Systemleistung angeschaut. Für wen lohnt sich der Brocken, und wo muss man Kompromisse machen? So viel vorweg: Der EV9 überzeugt beim Platz und beim Laden, schwächelt aber dort, wo Größe und Gewicht ihren Tribut fordern.

Bildergalerie

Kia EV9 Aussenansicht
Kia EV9 Heckansicht
Kia EV9 Seitenansicht
Kia EV9 Innenraum
Kia EV9 Sitze

Technische Daten

Marktstart 2023
Basispreis 70.190 €
Nutzbare Batterie 95 kWh
Realverbrauch 22,2 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 22,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 500 km
Ladeleistung (Peak) 211,5 kW
Ladezeit 10–80 % 24 min
Leistung 283 kW (385 PS)
0–100 km/h 6 s
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Kofferraum 333 l
Frunk 52 l
Sitzplätze 7 Sitze
Anhängelast 2.500 kg
Wendekreis 12,4 m
Maße (L×B) 5.015 × 1.980 mm
Antrieb Allrad

Reichweite & Verbrauch: großer Akku, großer Durst

Im standardisierten ADAC-Ecotest genehmigt sich der EV9 rund 22,2 kWh auf 100 Kilometer – gemessen im gemischten Zyklus aus Stadt, Land und Autobahn und inklusive der Verluste beim Laden. Für ein derart großes, schweres SUV ist das ein ordentlicher Wert, der zeigt, dass Kia bei Aerodynamik und Wärmemanagement sauber gearbeitet hat. Aus dieser Effizienz ergibt sich im Mischbetrieb eine Reichweite von etwa 500 Kilometern.

Im Alltag hängt der Verbrauch aber stark am Tempo. Innerorts sind unter guten Bedingungen knapp 16 kWh drin, auf der Autobahn klettert der Wert schnell über 26 kWh – bei Richtgeschwindigkeit 130 bleiben real eher rund 300 Kilometer übrig, bei flotterem Tempo noch weniger. Wer also viel und schnell auf der Autobahn unterwegs ist, sollte die 500-Kilometer-Angabe nicht als Reiseversprechen verstehen.

Die Kehrseite ist damit klar: Der EV9 ist kein Effizienzwunder, sondern ein Auto, das seine Masse und Stirnfläche bei hohem Tempo spürbar bezahlt. Für gemütliches Reisen und den Familienalltag reicht die Reichweite locker – für die Langstrecke im Eiltempo braucht es Ladestopps.

Laden & Reisetauglichkeit: hier spielt er ganz oben mit

Das große Plus des EV9 ist seine 800-Volt-Technik. In Messungen erreicht er an einer starken Schnellladesäule einen Spitzenwert von gut 211 kW und hält im Schnitt fast 191 kW über den Ladehub von 10 auf 80 Prozent. Das Ergebnis: In rund 24 Minuten ist der Akku wieder weitgehend gefüllt, und schon nach 20 Minuten sind über 300 Kilometer Reichweite nachgeladen.

Für die Praxis heißt das: Trotz des hohen Autobahnverbrauchs gelingen lange Fahrten entspannt, weil die Ladepausen kurz bleiben. Wer eine Route ins Navi eingibt, dem konditioniert der Wagen die Batterie automatisch vor, damit an der Säule wirklich die volle Leistung fließt – auch im Winter. Dazu darf der EV9 bis zu 2,5 Tonnen an den Haken nehmen, ein für Elektroautos herausragender Wert.

Die ehrliche Einschränkung: Die Reisetauglichkeit lebt vom schnellen Laden, nicht von der Autobahnreichweite. Wer selten lädt und lieber weit am Stück fährt, ist mit sparsameren Konkurrenten besser bedient. Wer die kurzen Ladestopps akzeptiert, bekommt hier aber einen souveränen Langstreckenbegleiter.

Antrieb & Fahrdynamik: kraftvoll, aber kein Sportgerät

Mit 283 kW – rund 385 PS – aus zwei Motoren ist der Allrad-EV9 alles andere als untermotorisiert. Aus dem Stand geht es in etwa 6,0 Sekunden auf Tempo 100, Schluss ist bei 200 km/h. Gegen Aufpreis lässt sich über den Kia-Store eine Boost-Funktion freischalten, die den Sprint auf 5,3 Sekunden verkürzt – im Serienzustand bleibt es bei den 6,0 Sekunden, was für den Alltag völlig ausreicht.

Auf der Straße überrascht der Koloss mit erstaunlicher Handlichkeit. Tester loben, dass er sich für seine Größe agil und sauber durch Kurven bewegen lässt; die Lenkung arbeitet ausreichend direkt. Man merkt aber, dass hier fast 2,7 Tonnen bewegt werden: In schnellen Kurven schiebt der EV9 über die Vorderräder, und dynamikfördernde Extras wie Hinterachslenkung, adaptive Dämpfer oder ein Luftfahrwerk fehlen.

Unterm Strich ist der Antrieb kraftvoll und angenehm unaufgeregt, ein echtes Sportgerät wollte und sollte der EV9 nie sein. Für ein Familien-SUV dieser Größe passt die Auslegung gut.

Komfort & Geräusch: leise und souverän

Beim Reisekomfort punktet der EV9 vor allem mit Ruhe. In Messungen liegt der Geräuschpegel bei rund 66 dB(A) – ein guter Wert, die Motoren bleiben ohnehin unhörbar. Hohe Geschwindigkeiten meistert das große SUV souverän und entspannt, sodass auch lange Etappen wenig ermüden.

Beim Fahrwerk zeigt sich hingegen ein Kompromiss. Der Allrad-EV9 rollt auf einem konventionellen Stahlfahrwerk ab, das grundsätzlich auf der komfortablen Seite abgestimmt ist, an ein Luftfahrwerk aber nicht heranreicht. Im Vergleich mit luftgefederten Oberklasse-Rivalen wirkt er über kurze Stöße und mit den großen Rädern etwas straffer.

Für den Alltag ist das kein Beinbruch: Der Federungskomfort ist ausgewogen und alltagstauglich. Wer den sprichwörtlichen fliegenden Teppich erwartet, muss aber zu Konkurrenten mit Luftfederung greifen.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: der Van im SUV-Kleid

Hier spielt der EV9 seine größte Stärke aus. Der lange Radstand von 3,10 Metern schafft einen Innenraum mit ebenem Boden und viel Platz in allen Reihen. Serienmäßig reisen sieben Personen mit; optional gibt es eine Sechssitzer-Variante mit Einzelsitzen und teils drehbarem oder liegefähigem Gestühl. Selbst in der dritten Reihe sitzen Erwachsene noch ordentlich, sofern sie nicht zu groß sind – der Einstieg dorthin bleibt allerdings etwas fummelig, und der hohe Schweller stört.

Auch beim Gepäck ist der Kia flexibel: Hinter der dritten Reihe fasst der Kofferraum rund 333 Liter, klappt man sie um, wächst das Volumen deutlich, und maximal passen weit über 2.000 Liter hinein. Vorn gibt es zusätzlich einen kleinen Frunk von 52 Litern für die Ladekabel. Kleiner Wermutstropfen: Die vorderen Türtaschen fassen keine großen Flaschen.

Die Verarbeitung geht in Ordnung. Tester attestieren saubere, gleichmäßige Spaltmaße und passgenaue Bauteile; an einigen Stellen – etwa den unlackierten Innenseiten der Klappen – merkt man aber, dass der EV9 kein Premium-Ausbund sein will.

Software, Bedienung & E-Funktionen: durchdacht mit einem Ärgernis

Die Bedienung ist überwiegend gelungen. Vieles läuft über die breiten Bildschirme, doch Kia hat sich klassische Elemente bewahrt: eine separate Walze für die Lautstärke und klar definierte Tasten am Lenkrad, die Fehlbedienung vorbeugen. Updates kommen over the air aufs Auto. Ein echtes Ärgernis sind die berührungsempfindlichen Sensorflächen in der zentralen Zierleiste – schick anzusehen, aber ohne spürbaren Druckpunkt und blind kaum zu treffen.

Bei den E-Funktionen ist der EV9 top ausgestattet: 800-Volt-Bordnetz, serienmäßige Wärmepumpe, automatische Batterie-Vorkonditionierung und die Möglichkeit, über die Fahrzeugsteckdose mit bis zu 3,6 kW externe Geräte zu versorgen (Vehicle-to-Load). Die Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig, halten die Spur und übernehmen Tempolimits; nur Kreisverkehre erkennt der Wagen nicht souverän.

Die Hardware für die Rückspeisung ins Haus oder Netz ist bereits an Bord, in Deutschland aber noch nicht nutzbar – das bleibt vorerst Zukunftsmusik.

Einordnung im Ranking: für wen sich der Riese lohnt

Der EV9 ist ein Spezialist: Wer wirklich sieben elektrische Sitzplätze, viel Variabilität und hohe Anhängelast braucht, findet kaum eine bessere Alternative. Seine direkten Gegenspieler sind der Volvo EX90 und – mit anderem Charakter – der VW ID. Buzz; wer weniger Platz benötigt, kommt mit sparsameren SUV günstiger weg. Preislich verlangt Kia allerdings ein selbstbewusstes Niveau, sodass der EV9 gemessen an der gebotenen Gesamtqualität eher etwas teuer für das Gebotene ausfällt. Für große Familien und Vielreisende, die den Platz brauchen und die kurzen Ladestopps schätzen, ist er trotzdem eine überzeugende Wahl.

Bildquellen

  • Kia EV9 Aussenansicht — © Kia Presseportal
  • Kia EV9 Heckansicht — © Kia Presseportal
  • Kia EV9 Seitenansicht — © Kia Presseportal
  • Kia EV9 Innenraum — © Kia Presseportal
  • Kia EV9 Sitze — © Kia Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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