Škoda Enyaq 85 im Test: Das kann das Elektro-SUV mit Heckantrieb

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

67,5 % 4,05 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Škoda Enyaq 85 mit Heckantrieb ist ein grundehrliches, rundum gelungenes Elektro-SUV: viel Platz, hoher Komfort, effizienter Antrieb und eine erwachsene Bedienung ohne Experimente. Beim Ladetempo und der 400-Volt-Technik zeigt sich, dass die Baureihe nicht mehr taufrisch ist – und ein Frunk oder ein besonders sparsamer Autobahnverbrauch fehlen. Für Familien und Pendler, die Verlässlichkeit statt Rekordwerte suchen, ist er aber eine ausgesprochen gute Wahl – und dabei etwas günstiger, als man es für das Gebotene erwarten würde.

Pro

  • Großzügiges Raumangebot mit 585 bis 1710 Liter Kofferraum
  • Hoher Federungs- und Geräuschkomfort
  • Serienmäßige Wärmepumpe hält die Effizienz auch im Winter stabil
  • Umfangreiche Serien-Assistenz und aufgeräumte Bedienung nach dem Facelift
  • Kleiner Wendekreis von 9,3 Metern erleichtert das Rangieren

Contra

  • Ladeleistung mit 135 kW und 400-Volt-Technik nur guter Durchschnitt
  • Kein Frunk und eher bescheidene Zuladung
  • Sichtbares Hartplastik im unteren Innenraum, winziges Fahrerdisplay

Der Škoda Enyaq gehört seit Jahren zu den meistverkauften Elektroautos in Deutschland – und mit dem großen Facelift hat Škoda den Erfolgs-Stromer noch einmal geschärft. Wir haben uns die Variante Enyaq 85 mit Heckantrieb angesehen: ein geräumiges Elektro-SUV mit 77 kWh nutzbarem Akku, 286 PS und ordentlich Reichweite, das sich vor allem an Familien und Pendler richtet, die Platz, Komfort und Alltagstauglichkeit suchen. Kurz gesagt: Der Enyaq ist ein grundsolider Allrounder mit wenigen echten Schwächen – wo genau er glänzt und wo er Federn lassen muss, zeigt der Blick auf die Details.

Bildergalerie

Skoda Enyaq Aussenansicht
Skoda Enyaq Heckansicht
Skoda Enyaq Seitenansicht
Skoda Enyaq Innenraum
Skoda Enyaq Infotainment
Skoda Enyaq Sitze

Technische Daten

Marktstart 2021
Basispreis 48.900 €
Nutzbare Batterie 77 kWh
Realverbrauch 18 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15 kWh/100 km
Reale Reichweite 400 km
Ladeleistung (Peak) 135 kW
Ladezeit 10–80 % 28 min
Leistung 210 kW (286 PS)
0–100 km/h 6,7 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Kofferraum 585 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.000 kg
Wendekreis 9,3 m
Maße (L×B) 4.658 × 1.879 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: effizient fürs Format, aber kein Rekordhalter

Auf dem Papier gibt Škoda den Enyaq 85 mit rund 15 kWh auf 100 Kilometer nach WLTP an. In der Praxis liegt der Verbrauch inklusive Ladeverlusten bei etwa 18 kWh – ein guter Wert für ein SUV, das gut zwei Tonnen auf die Waage bringt. Standardisierte Realtests kommen auf eine Alltagsreichweite von rund 455 Kilometern; auf der Autobahn bleiben je nach Tempo und Wetter etwa 400 Kilometer übrig, im tiefen Winter entsprechend weniger.

Für euch heißt das im Alltag: Pendeln, Einkaufen und Wochenendausflüge erledigt der Enyaq über Tage hinweg, ohne dass ihr ständig ans Laden denken müsst. Die serienmäßige Wärmepumpe hält die Effizienz auch bei Kälte einigermaßen stabil – ein echter Pluspunkt für den Winterbetrieb. Im Klassenvergleich steht der Škoda damit ordentlich da, ohne die absolute Spitze anzugreifen.

Die Kehrseite: Wer häufig zügig auf der Autobahn unterwegs ist, sieht den Verbrauch spürbar klettern, und die 400-Volt-Technik ist gegenüber neueren Konkurrenten mit 800-Volt-Architektur kein Effizienzwunder mehr. Ein Reichweiten-Champion ist der Enyaq also nicht – aber ein ehrlich gutes Arbeitstier.

Laden & Reisetauglichkeit: souverän, aber nicht mehr top

An der Schnellladesäule zieht der Enyaq 85 mit Heckantrieb bis zu 135 kW; von 10 auf 80 Prozent vergehen rund 28 Minuten. Interessantes Detail: Die Allradversion 85x schafft dank anderer Batteriezellen kurzzeitig 175 kW – unterm Strich sind aber beide gleich schnell wieder fahrbereit. Am heimischen Wallbox-Anschluss lädt der Škoda dreiphasig mit 11 kW.

Auf der Langstrecke ergibt das ein stimmiges Bild: Die gute Reichweite gleicht das nur durchschnittliche Ladetempo aus, sodass ihr eine 800-Kilometer-Etappe mit planbaren, nicht zu langen Stopps hinter euch bringt. Für die klassische Urlaubsfahrt mit Familie reicht das allemal.

Ehrlich bleibt aber: Nach vier Jahren Bauzeit setzen inzwischen koreanische und chinesische Modelle die Maßstäbe beim Laden. Jenseits von 80 Prozent fällt die Ladeleistung deutlich ab, und ein Ladeturbo ist der Enyaq nicht. Tester bezeichnen die Ladeperformance treffend als guten Durchschnitt.

Antrieb & Fahrdynamik: kraftvoll und erwachsen

210 kW – also 286 PS – und 545 Newtonmeter schieben den Enyaq in 6,7 Sekunden auf Tempo 100, bei 180 km/h ist Schluss. Das reicht für souveränes Beschleunigen und entspannte Überholmanöver, ohne nervös zu wirken. Der Hinterradantrieb sorgt für ein ausgewogenes Fahrverhalten und – ein netter Nebeneffekt – für einen erstaunlich kleinen Wendekreis von 9,3 Metern.

Im Alltag fühlt sich das erwachsen an: Die Lenkung ist präzise und angenehm leichtgängig, das Auto liegt stabil auf der Straße. Wer mehr Fahrspaß will, kann das adaptive DCC-Fahrwerk samt Progressivlenkung ordern – beides ist allerdings optional und im Aufpreis-Paket zu finden.

Ein Sportwagen ist der Enyaq trotz der Leistung nicht, und die Rekuperation könnte für Ein-Pedal-Fans kräftiger ausfallen. Wer aber ein souveränes, unaufgeregtes Familien-SUV sucht, bekommt hier genau das.

Komfort & Geräusch: die große Stärke

Der Federungskomfort ist eine der klaren Paradedisziplinen des Enyaq. Tester loben, wie zuverlässig das Fahrwerk Unebenheiten schluckt – selbst Kopfsteinpflaster und ruppige Landstraßen bügelt es weitgehend glatt. Dazu ist der Innenraum gut gedämmt und bleibt lange angenehm leise.

Für euch bedeutet das entspanntes Reisen: Auch nach langen Etappen steigt man ohne Rücken- oder Ohrenschmerzen aus. Mit dem optionalen adaptiven Fahrwerk lässt sich der Spagat zwischen komfortabel und straff sogar noch breiter aufziehen – in der Serie mit Stahlfedern fällt das Fahrwerk eine Spur strammer aus, bleibt aber komfortabel.

Der einzige nennenswerte Wermutstropfen: Ab etwa 130 km/h machen sich beim optionalen Panoramadach leichte Windgeräusche bemerkbar. Insgesamt aber gehört der Komfort klar zu den Highlights.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: Raumwunder mit Sparstellen

Beim Platz spielt der Enyaq ganz oben in seiner Klasse mit: 585 Liter Kofferraum, umgeklappt bis zu 1710 Liter, dazu ein luftiges Raumgefühl vorn wie hinten. Die vielen durchdachten Simply-Clever-Details – von Ablagen bis zum Ladekabel-Fach – machen den Alltag spürbar leichter.

Familien profitieren vom bequemen Einstieg durch große Türausschnitte und der ordentlichen Kindersitz-Tauglichkeit. Die Verarbeitung ist überwiegend auf hohem Niveau – da knistert und klappert wenig. Ein klassischer Frunk unter der Fronthaube fehlt allerdings, das Ladekabel muss also in den Kofferraum.

Ganz ohne Sparstellen geht es nicht: Im unteren Bereich von Armaturenbrett und Türen trifft man auf sichtbares Hartplastik, und die Zuladung fällt für ein so großes Auto eher bescheiden aus. Das trübt den guten Gesamteindruck aber nur wenig.

Software, Bedienung & E-Funktionen: deutlich erwachsener geworden

Mit dem Facelift hat Škoda die Software spürbar aufgeräumt. Das 13-Zoll-Infotainment reagiert flüssig, die Menüstruktur ist logischer geworden, und eine Shortcut-Leiste sowie die dauerhaft eingeblendete Klimaleiste erleichtern die Bedienung. Wer schon einmal in einem Škoda saß, findet sich sofort zurecht.

Bei den E-Funktionen ist der Enyaq gut aufgestellt: Wärmepumpe, automatische Batterie-Vorkonditionierung und Plug & Charge sind an Bord, dazu ein umfangreiches Paket an serienmäßigen Assistenzsystemen von Abstandstempomat bis Spurwechselassistent. Das gibt im Alltag und auf der Langstrecke echte Sicherheit.

Kritik gibt es fürs winzige Fahrerdisplay hinter dem Lenkrad und dafür, dass einige Funktionen stark auf Touch setzen. Ein Vehicle-to-Load-Ausgang fehlt, und das angekündigte bidirektionale Laden fürs Zuhause war zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar.

Einordnung im Ranking: ein verlässlicher Allrounder

In unserem Gesamtranking landet der Škoda Enyaq 85 im soliden oberen Mittelfeld – ein Auto ohne grobe Schwächen, das in Komfort und Raumangebot punktet und beim Laden lediglich guter Durchschnitt bleibt.

Direkte Alternativen sind der technisch verwandte VW ID.4/ID.5, das Tesla Model Y, der Kia EV6 sowie der kleinere Konzernbruder Škoda Elroq, der vieles ähnlich gut macht – nur eine Nummer kompakter.

Preislich ist der Enyaq etwas günstiger, als es die gebotene Gesamtqualität erwarten ließe – ihr bekommt hier viel Auto fürs Geld. Wenn ihr ein geräumiges, komfortables und unkompliziertes Elektro-SUV für Familie und Pendelstrecke sucht und auf das letzte Quäntchen Ladetempo verzichten könnt, ist der Enyaq 85 eine rundum empfehlenswerte Wahl.

Bildquellen

  • Skoda Enyaq Aussenansicht — © Skoda Presseportal
  • Skoda Enyaq Heckansicht — © Skoda Presseportal
  • Skoda Enyaq Seitenansicht — © Skoda Presseportal
  • Skoda Enyaq Innenraum — © Skoda Presseportal
  • Skoda Enyaq Infotainment — © Skoda Presseportal
  • Skoda Enyaq Sitze — © Skoda Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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