EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Peugeot e-408 ist ein charmanter Effizienz-Fastback, der bewusst aus der SUV-Reihe tanzt. Er überzeugt mit sehr sparsamem Antrieb, hohem Fahr- und Geräuschkomfort und einem eigenständigen Design mit gutem Platzangebot im Fond. Getrübt wird das Bild vom nur durchschnittlichen Ladetempo, der bewusst knappen Reichweite und einigen vermeidbaren Detailschwächen wie der empfindlichen Klavierlackoptik und der fehlenden Batterie-Vorkonditionierung. Preislich ist der e-408 fair bepreist und bietet ein stimmiges Preis/Leistungs-Verhältnis. Wer ein elegantes, effizientes E-Auto für Pendel- und Mittelstrecken sucht und keinen Langstrecken-Champion braucht, macht mit ihm wenig falsch.
Pro
- Sehr effizienter Antrieb: real rund 16 bis 17 kWh pro 100 Kilometer
- Eigenständiges Fastback-Design mit viel Platz im Fond
- Hoher Fahr- und Geräuschkomfort, Wärmepumpe serienmäßig
- Direktes, handliches Fahrverhalten mit gut dosierbarer Bremse
Contra
- Nur durchschnittliches Ladetempo (120 kW) und bewusst knappe Reichweite
- Keine Batterie-Vorkonditionierung, kein Frunk
- Empfindliche Klavierlackoptik und eingeschränkte Sicht nach hinten
Der Peugeot e-408 ist die vollelektrische Variante eines ziemlich eigenwilligen Autos: ein Fastback mit coupéhaft abfallendem Heck, leicht erhöhter Sitzposition und einer Silhouette, die zwischen Limousine und Crossover changiert. In einer Klasse, in der fast alle Hersteller auf SUVs setzen, geht Peugeot damit bewusst einen eigenen, betont eleganten Weg. Unter dem schicken Blech steckt bewährte Stellantis-Technik: ein 58 kWh großer Akku, Frontantrieb und ein 213 PS starker E-Motor. Wir haben zusammengetragen, was unabhängige Messungen und Fahrtests über den e-408 verraten – und für wen sich der Franzose lohnt. So viel vorweg: Seine große Stärke ist die Effizienz, seine deutlichste Schwäche das Tempo an der Schnellladesäule.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: die eigentliche Stärke
Beim Verbrauch spielt der e-408 seine größte Trumpfkarte aus. Unabhängige Realdaten sehen ihn im gemischten Alltagsbetrieb bei rund 16 bis 17 kWh auf 100 Kilometer – ein sehr guter Wert für ein Auto dieser Länge. Ein Tester kam über mehr als 1.000 Kilometer sogar auf einen Schnitt von gut 15 kWh, innerorts zeitweise noch darunter. Möglich macht das die konsequent auf Effizienz getrimmte Aerodynamik des flachen Fastbacks in Kombination mit dem sparsamen Antrieb.
Praktisch heißt das: Wer überwiegend pendelt und Landstraße fährt, kommt real gut 350 bis 400 Kilometer weit, im Stadtverkehr auch mehr. Für den Alltag einer Familie oder als Zweitwagen mit gelegentlichen Ausflügen reicht das locker. Der Haken liegt in der Batteriegröße: Mit 58 kWh nutzbarer Kapazität ist der Akku bewusst knapp gehalten. Auf der Autobahn bei höherem Tempo und im Winter sinkt die Reichweite spürbar – unabhängige Schätzungen nennen bei konstant 110 km/h rund 320 Kilometer im Sommer und nur noch etwa 250 Kilometer bei Kälte. Gegen Konkurrenten wie Tesla Model 3 oder Polestar 2, die mit größeren Akkus deutlich weiter kommen, zieht der Peugeot bei der absoluten Reichweite also den Kürzeren. Effizienz-König ja, Langstrecken-Sprinter nein.
Laden & Reisetauglichkeit: hier fehlt das letzte Tempo
Am Gleichstrom-Schnelllader zieht der e-408 maximal 120 kW. Von 20 auf 80 Prozent vergehen damit rund 30 Minuten – ein Wert, der im soliden Mittelfeld liegt, aber eben nicht mehr auf dem Stand der schnellsten aktuellen E-Autos ist. Zu Hause und an der Wallbox lädt der Peugeot dreiphasig mit bis zu 11 kW. Praktisch gelöst ist die Position des Ladeanschlusses hinten rechts, was an vielen Straßenladesäulen das Rangieren erspart.
Auf der Langstrecke wirkt die gute Effizienz dem mäßigen Ladetempo ein Stück weit entgegen: Wer sparsam unterwegs ist, muss seltener und kürzer nachladen, weil schlicht weniger Energie fehlt. Trotzdem bleibt die Kombination aus knapper Reichweite und durchschnittlichem Ladetempo der Punkt, an dem der e-408 auf längeren Reisen Zeit liegen lässt. Unabhängige Langstrecken-Bewertungen fallen entsprechend nur durchschnittlich aus. Für den gelegentlichen Wochenendtrip ist das planbar und verkraftbar, für Vielfahrer mit häufigen 700-Kilometer-Etappen gibt es geeignetere Kandidaten.
Antrieb & Fahrdynamik: souverän, aber kein Sportler
Der einzige verfügbare E-Motor sitzt an der Vorderachse und leistet 157 kW, umgerechnet 213 PS, bei 345 Nm Drehmoment. Den Sprint von null auf 100 km/h erledigt der e-408 in 7,2 Sekunden, bei 160 km/h ist Schluss. Das reicht für souveränes Mitschwimmen im Verkehr und lässt im Alltag keine Wünsche offen, ist aber bewusst kein Sportwagen-Terrain.
Beim Fahrverhalten sammelt der Peugeot dagegen Pluspunkte. Tester loben die direkte Lenkung, die gute Balance aus Komfort und Handlichkeit und das leichtfüßige Einlenken in Kurven. Besonders positiv fällt der nahezu unmerkliche Übergang von der Rekuperation zur mechanischen Bremse auf. Ein Sportmodus schärft die Kennlinien, liefert aber keine zusätzliche Leistung – es bleibt beim gefühlten Plus an Dynamik. Als Kehrseite bringt der Frontantrieb bei kräftigem Beschleunigen aus engen Kurven konzeptbedingt Grenzen mit sich, und die auf 160 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist eine klare Effizienz-Entscheidung.
Komfort & Geräusch: entspannter Reisebegleiter
Komfort zählt zu den Kernkompetenzen des e-408. Vorne arbeitet eine McPherson-Achse, hinten eine aufwendigere Mehrlenkerkonstruktion – eine Luftfederung gibt es nicht, sie fehlt aber kaum. Auf der Autobahn zeigt sich der Peugeot leise und souverän, mit erfreulich geringen Wind- und Abrollgeräuschen. Auf der Landstraße vermittelt er ein natürliches, angenehm analoges Fahrgefühl.
Für lange Etappen sind die Sitze ein echtes Highlight: In der besser ausgestatteten Linie lassen sie sich optional mit Heizung, Massage und ausziehbarer Beinauflage bestellen und machen den e-408 zum bequemen Reisewagen. Die Kehrseite des Komfortkapitels ist überschaubar: Ohne adaptive Dämpfer bleibt das Fahrwerk auf den serienmäßig großen Rädern bei groben Unebenheiten etwas spürbarer als eine Luftfederung, und eine separate Klimazone für den Fond fehlt. Für ein Auto dieser Klasse ist das Komfortniveau insgesamt trotzdem überzeugend.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: schick mit kleinen Macken
Mit 4,69 Metern Länge und 2,79 Metern Radstand bietet der e-408 im Fond viel Beinfreiheit – auch Erwachsene reisen hinten bequem, drei Passagiere passen zumindest auf kurzen Strecken nebeneinander. Der Kofferraum fasst 471 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rückbank auf über 1.500 Liter erweitern. Ein Frunk unter der Fronthaube fehlt dagegen, und die hohe Ladekante von rund 70 Zentimetern erfordert beim Beladen etwas Kraft.
Die Materialanmutung wirkt überwiegend hochwertig, das Design im Innenraum eigenständig und modern. Zwei Wermutstropfen benennen Tester aber immer wieder: die großflächige Klavierlackoptik, die Fingerabdrücke und Staub magnetisch anzieht, sowie die schwache Kofferraumbeleuchtung. Hinzu kommt, dass der Verzicht auf einen Heckscheibenwischer dem Design geschuldet ist – bei Regen und ohnehin flacher Heckscheibe leidet die Sicht nach hinten. Unterm Strich ein stimmiger, praktischer Innenraum mit ein paar vermeidbaren Ärgernissen.
Software, Bedienung & E-Funktionen: eigenwillig, meist stimmig
Im Cockpit setzt Peugeot auf sein bekanntes i-Cockpit-Konzept: ein kleines Lenkrad, über das man auf ein hochgesetztes, scharfes 3D-Kombiinstrument blickt. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, geht nach kurzer Eingewöhnung aber gut von der Hand. Der zentrale Touchscreen wird durch frei belegbare Direkttasten und – sehr löblich – einen klassischen physischen Lautstärkeregler ergänzt. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, ebenso eine TomTom-Navigation mit Ladeplanung.
In der Praxis arbeitet das System zuverlässig, reagiert aber gelegentlich etwas träge; vereinzelt berichten Nutzer von CarPlay-Aussetzern. Bei den E-Funktionen punktet der e-408 mit serienmäßiger Wärmepumpe, die im Winter Reichweite sichert. Auf der Habenseite stehen außerdem die üblichen Assistenten von Notbremsassistent über Spurhalter bis Verkehrszeichenerkennung, während eine adaptive Geschwindigkeitsregelung erst in höheren Linien serienmäßig ist. Eine spürbare Lücke bleibt allerdings: Eine Batterie-Vorkonditionierung, die den Akku vor dem Schnellladen automatisch auf Temperatur bringt, bietet die hier getestete Ausführung nicht – gerade im Winter kostet das am Lader Zeit.
Einordnung im Ranking: für wen sich der e-408 lohnt
Der Peugeot e-408 ist ein sympathischer Solist: ein effizienter, komfortabler und optisch eigenständiger Gegenentwurf zur SUV-Übermacht. Seine Stärken – niedriger Verbrauch, entspannter Reisekomfort, viel Platz im Fond – treffen auf ehrliche Schwächen bei Ladetempo und absoluter Reichweite. Direkte Alternativen wie Tesla Model 3, Polestar 2 oder ein Škoda Enyaq bieten fürs Geld oft mehr Reichweite und schnelleres Laden, verzichten dafür aber auf den eigenwilligen Charme des Franzosen. Preislich ist der e-408 fair kalkuliert: Man bekommt für das aufgerufene Geld ein stimmiges Gesamtpaket, ohne Schnäppchen und ohne Abzocke.
Ideal ist der e-408 damit für alle, die bewusst kein SUV wollen, überwiegend pendeln und mittlere Strecken fahren, Wert auf Effizienz und Komfort legen und mit einer soliden statt rekordverdächtigen Reichweite gut leben können. Wer dagegen häufig lange Autobahn-Etappen mit kurzen Ladestopps plant, sollte eher zu einem Konkurrenten mit größerem Akku und flotterem Ladetempo greifen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 38 von 104
Quellen
Bildquellen
- Titelbild: Peugeot e-408 in Fastback-Silhouette, Seitenansicht — © Peugeot
- Peugeot e-408 Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
- Peugeot e-408 Heckansicht — © Stellantis Presseportal
- Peugeot e-408 Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
- Peugeot e-408 Innenraum — © Stellantis Presseportal
- Peugeot e-408 Sitze — © Stellantis Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
