EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Countryman E ist der vernünftigste Elektro-Mini: sparsam im Verbrauch, sicher auf der Straße, geraumig genug für die Familie und fair bepreist. Er stolpert dort, wo es 2026 wehtut – beim Laden mit rund 128 kW und bei einer Bedienung, die fast alles auf einen runden Touchscreen verlagert. Wer überwiegend pendelt und mit dem Displaykonzept leben kann, bekommt ein charaktervolles Kompakt-SUV mit BMW-Unterbau. Wer regelmäßig lange Autobahnetappen plant, findet für ähnliches Geld Autos, die schneller laden und weiter kommen.
Pro
- Niedriger Realverbrauch für ein knapp zwei Tonnen schweres SUV
- Wärmepumpe, Batterie-Vorkonditionierung und Ladeplanung serienmäßig
- Sicheres, neutrales Fahrverhalten und präzise Lenkung
- Gute Dämmung auf der Autobahn, hohe Karosserie-Verarbeitungsqualität
- Viel Platz vorn, brauchbare 460 Liter Kofferraum
Contra
- Nur rund 128 kW Ladeleistung – 2026 wenig
- Bedienung fast vollständig über den runden Touchscreen, Software träge
- Kein Fahrerdisplay serienmäßig, kein Frunk, kein bidirektionales Laden
- Nur 750 kg Anhängelast gebremst
- Straffes Abrollen mit großen Rädern; Innenraum wirkt enger als die Maße
Mini und „mini“ – das passt beim Countryman schon lange nicht mehr zusammen. Die dritte Generation misst 4,45 Meter, steht auf derselben Plattform wie der BMW iX1 und rollt in Leipzig vom Band. Als Countryman E bekommt ihr das Einstiegsmodell der Elektro-Baureihe: 150 kW an der Vorderachse, eine Batterie mit 64,6 kWh nutzbarer Kapazität und ein Auftritt, der auf dem Parkplatz mehr Aufmerksamkeit erntet als die meisten Konkurrenten. Unterm Strich entsteht daraus ein solides, aber kein herausragendes Elektro-SUV: Beim Verbrauch macht der Mini seine Sache gut, beim Laden und bei der Bedienung verschenkt er Punkte.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: die stille Stärke
Nach WLTP nennt Mini 15,7 kWh auf 100 Kilometer und bis zu 462 Kilometer Reichweite. Solche Normwerte sind Laborzahlen – interessanter ist, was übrig bleibt. Datenbanken mit Realwerten setzen den Countryman E bei rund 16,8 kWh je 100 Kilometer im gemischten Betrieb an, was auf etwa 385 Kilometer Alltagsreichweite hinausläuft. Ein Test bei sommerlichen Temperaturen kam auf 16 bis 20 kWh und leitete daraus 350 bis 400 Kilometer bei zurückhaltender Fahrweise ab.
Für ein 1,9 Tonnen schweres SUV mit steiler Front ist das ein anständiges Ergebnis. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,26 hilft, und die Antriebstechnik aus dem BMW-Regal arbeitet effizient. Praktisch heißt das: Wer 40 Kilometer zur Arbeit pendelt, lädt einmal pro Woche. Wer am Wochenende zweihundert Kilometer an den See fährt und zurück, kommt ohne Ladestopp aus.
Die Kehrseite zeigt sich, sobald Autobahn und Winter zusammentreffen. Bei rund 110 km/h und Temperaturen um den Gefrierpunkt schrumpft die Reichweite auf gut 275 Kilometer – und bei 130 km/h wird es spürbar weniger. Die Batterie ist mit ihren 64,6 kWh schlicht nicht groß, und das merkt man auf langen Strecken deutlicher als beim Pendeln. Wettbewerber wie der Skoda Elroq oder der Renault Scénic bieten in vergleichbaren Karosserien mehr Puffer, kosten dafür aber auch mehr.
Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst der Mini
Die Spitzenladeleistung liegt bei rund 128 kW. Das war 2024 Mittelfeld und ist 2026 schlicht wenig. Von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Hersteller 29 Minuten; unabhängige Berechnungen kommen auf etwa 33 Minuten und eine mittlere Ladeleistung von 86 kW. Immerhin: Die Ladekurve fällt flach ab, der Countryman hält sein Tempo über weite Teile des Ladefensters. Das ist mehr wert als ein hoher Spitzenwert, der nach drei Minuten einbricht.
Was die Reisetauglichkeit trotzdem dämpft, ist die Kombination aus beidem: eher knappe Reichweite plus eher langsames Laden. Auf einer 800-Kilometer-Etappe landet ihr bei zwei Ladepausen, und die dauern jeweils eine gute halbe Stunde. Bidirektionales Laden gibt es nicht – weder V2L noch V2H. Die Batterie-Vorkonditionierung arbeitet automatisch, sobald ihr eine Ladesäule ins Navi eingebt, und die Routenplanung baut Stopps selbständig ein. Das funktioniert zuverlässig und nimmt der Sache viel Stress.
Beim Nutzwert bleibt der Countryman E hinter dem zurück, was die SUV-Optik verspricht: Die zulässige Anhängelast liegt bei 750 Kilogramm gebremst. Ein kleiner Wohnwagen, ein Pferdeanhänger oder ein schwer beladener Autotransporter scheiden damit aus. Für einen Fahrradträger oder einen leichten Anhänger zum Baumarkt reicht es.
Antrieb & Fahrdynamik: erwachsen statt Go-Kart
150 kW klingen nach reichlich, doch der Countryman E wiegt fast zwei Tonnen. 8,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind das Ergebnis – ordentlich, aber im Feld der Elektroautos unauffällig. Bei 170 km/h ist Schluss, elektronisch abgeregelt. Wer regelmäßig auf der linken Spur unterwegs ist, sollte das einkalkulieren; für Richtgeschwindigkeit und Landstraße ist es völlig ausreichend.
Tester loben die präzise Lenkung und das satte, sichere Fahrverhalten der Frontantriebs-Plattform. Kurven nimmt der Mini neutral, die Rekuperation lässt sich gut dosieren. Das viel beschworene Go-Kart-Gefühl aber ist Geschichte, und das sagen die Kritiker ungewöhnlich deutlich: Zu breit sei das Auto, zu schwer, spätestens in engen Kurven sei es mit der Handlichkeit vorbei. Wer diesen Namen kauft und das alte Mini-Fahrgefühl erwartet, wird enttäuscht.
Das ist kein Versagen, sondern eine Verschiebung. Der Countryman ist zum Familienauto geworden, und danach fährt er sich: souverän, berechenbar, ohne Nervosität. Nur eben nicht mehr verspielt.
Komfort & Geräusch: gut gedämmt, straff gefedert
Der längere Radstand tut dem Countryman gut. Auf der Autobahn fährt er merklich entspannter als das Vormodell, die Dämmung ist auf BMW-Niveau. Erst jenseits von 130 km/h werden Windgeräusche an den kantigen Außenspiegeln hörbar – ein Detail, das bei entspanntem Reisetempo keine Rolle spielt.
Beim Federungskomfort gehen die Urteile auseinander. Mit kleineren Rädern und dem Serienfahrwerk beschreiben Tester die Abstimmung als ausgewogen und alltagstauglich. Mit den großen 20-Zoll-Rädern kippt das Bild: Temposchwellen und Kanaldeckel gibt der Countryman dann trocken und akustisch vernehmbar an die Insassen weiter. Wer Komfort will, sollte bei der Felgengröße widerstehen – auch wenn die großen Räder optisch besser zum Auftritt passen.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: groß, aber nicht luftig
Vorn sitzt es sich weit überdurchschnittlich: Kopf- und Beinfreiheit reichen für Fünfsitzer-Alltag auch bei zwei Meter großen Menschen. Hinten wird es bei ähnlicher Körpergröße an den Köpfen eng, die Beine haben genug Luft. Der Kofferraum fasst 460 Liter, umgeklappt und dachhoch beladen 1.450 Liter. Das ist kein Bestwert – ein Skoda Elroq und erst recht ein Renault Scénic nehmen mehr mit – aber es liegt im gehobenen Mittelfeld.
Zwei Einschränkungen gehören zur Wahrheit. Erstens gibt es keinen Frunk unter der Haube; die Ladekabel wandern in den Kofferraum. Zweitens ist die Ladekante mit 80 Zentimetern hoch, was das Einladen schwerer Kisten mühsam macht. Anders als bei den Verbrenner-Countryman lässt sich die Rückbank in der Elektroversion nicht verschieben.
Beim Material urteilen die Tester gespalten. Die Karosseriequalität aus der Leipziger Fertigung wird durchgehend gelobt, an den Spaltmaßen findet niemand etwas auszusetzen. Im Innenraum trifft das textilbezogene Armaturenbrett auf Kunststoffe, die dem Preis nicht ganz gerecht werden – Pseudo-Metallzierteile werden ausdrücklich kritisiert. Dazu kommt ein Raumgefühl, das durch schmale Fensterflächen und hohe Türverkleidungen enger wirkt, als die Maße vermuten lassen.
Software, Bedienung & E-Funktionen: das runde Problem
In der Mitte des Armaturenbretts thront ein kreisrundes OLED-Display mit 24 Zentimetern Durchmesser. Optisch ist das ein Statement, funktional ist es der größte Schwachpunkt des Autos. Über diesen Bildschirm läuft fast alles, physische Tasten hat Mini weitgehend gestrichen. Wer die Sitzheizung anpassen will, wischt während der Fahrt auf einer runden Glasfläche. Der Menüaufbau erschließt sich Testern nicht intuitiv, die Android-basierte Software gilt als noch etwas träge. Ein Display hinter dem Lenkrad fehlt komplett – das Head-up-Display kostet Aufpreis und ist damit optional.
Gerettet wird die Bedienung von zwei Dingen: Unter dem Rundbildschirm sitzen echte Drehregler für die Klimatisierung, und am Lenkrad gibt es weiterhin Tasten. Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig an Bord, allerdings nur in einem rechteckigen Ausschnitt des runden Displays. Der Sprachassistent versteht freie Formulierungen und beantwortet auch Wissensfragen.
Bei den E-Funktionen ist der Countryman solide aufgestellt: Wärmepumpe serienmäßig, automatische Batterie-Vorkonditionierung, dynamische Routenplanung mit Ladestopps, Plug & Charge. Die Serien-Assistenz umfasst Spurhalte- und Spurwechselassistent, Querverkehrswarner und Geschwindigkeitsassistenz. Was fehlt: Rekuperations-Wippen am Lenkrad, wie sie andere Hersteller selbstverständlich mitliefern, und jede Form von bidirektionalem Laden. Das teilautomatisierte Fahren auf Level 2 ist ein Aufpreis-Feature.
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Einordnung im Ranking
Der Mini Countryman E ist ein Auto, das man aus Sympathie kauft und aus Vernunft behalten kann. Er verbraucht wenig, fährt sicher, bietet ordentlich Platz und ist fair bepreist – das Preis/Leistungs-Verhältnis geht in Ordnung, ihr zahlt hier ungefähr das, was das Auto wert ist. Wer die Bedienung über den Rundbildschirm akzeptiert und selten weite Strecken fährt, bekommt ein charaktervolles Kompakt-SUV mit BMW-Technik im Unterbau.
Wer häufig Autobahn fährt, sollte genauer hinschauen: Ein Skoda Elroq oder ein Renault Scénic E-Tech laden schneller beziehungsweise kommen weiter, ein Kia EV3 kostet oft weniger. Und wer die Technik des Countryman schätzt, aber auf das Design verzichten kann, findet im BMW iX1 das nüchternere Schwestermodell. So sortiert sich der Mini in unserem Gesamtfeld ein:
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 59 von 104
Quellen
- ADAC – MINI Countryman E Essential Trim (03/24–01/26), Technische Daten
- ADAC – MINI Countryman E Essential Trim (ab 01/26)
- ADAC – BMW iX1 im Test (Ecotest-Referenz Plattformbruder)
- EV Database – Mini Countryman E (MY24-25)
- EV Database – Mini Countryman E (MY26)
- AUTO BILD – Mini Countryman: alle Infos, Preise und Tests
- AUTO BILD – Audi Q3 vs. Mini Countryman im Vergleichstest
- InsideEVs – Mini Countryman Electric (2024) im Test
- InsideEVs – Mini Countryman Electric: Daten und Preise
- Carwow – MINI Countryman Electric Testbericht
- AUTO ZEITUNG – Mini Countryman Electric: Testfahrt
- green car magazine – Die neue innere Größe: Mini Countryman E
- meinauto.de – MINI Countryman Electric: Testbericht
- BMW Group PressClub – MINI Countryman E: technisches Update 2026
Bildquellen
- Mini Countryman E Aussenansicht — © BMW Presseportal
- Mini Countryman E Heckansicht — © BMW Presseportal
- Mini Countryman E Innenraum — © BMW Presseportal
- Mini Countryman E Infotainment — © BMW Presseportal
- Mini Countryman E Sitze — © BMW Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
