EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Lancia Ypsilon Elettrica ist ein sympathischer Exot: viel Stil, ein knackiges Fahrwerk und eine unkomplizierte Bedienung machen ihn zum charmantesten Auftritt im Stellantis-Kleinwagentrio. Den selbst gesetzten Premium-Anspruch löst er aber nur halb ein – zu viel Hartplastik, ein knapper Kofferraum und das eher gemächliche Ladetempo holen ihn auf den Boden zurück. Wenn ihr ein auffälliges Stadtauto mit Charakter sucht und Design über Nutzwert stellt, werdet ihr glücklich. Wer Platz, Reichweite und schnelles Laden braucht, findet für ähnliches Geld sachlichere Alternativen. Verlässliche eigene Messungen zum Ypsilon stehen zudem noch aus; unsere Einschätzung stützt sich auf den baugleichen Peugeot e-208.
Pro
- Eigenständiges, auffälliges Design mit echtem Charakter – hebt sich klar von Corsa und e-208 ab
- Handlich und wendig in der Stadt, effizienter Antrieb für die Klasse
- Übersichtliche, fix reagierende Bedienung mit zwei scharfen Displays
Contra
- Premium-Anspruch trifft auf viel Hartplastik und Klapper-Kritik im Innenraum
- Kleiner Kofferraum und enger Fond – der Nutzwert bleibt knapp
- Nur 100 kW Ladeleistung und kleine Batterie bremsen auf der Langstrecke
Lancia ist zurück – zumindest fast. Der Ypsilon Elettrica ist der erste Stromer der wiederbelebten Traditionsmarke und tritt mit einem klaren Versprechen an: ein Premium-Kleinwagen mit italienischem Stil zu sein, der sich von seinen technischen Geschwistern Opel Corsa Electric und Peugeot e-208 abheben will. Unter dem extravaganten Blechkleid steckt allerdings bekannte Stellantis-Technik: ein 115 kW starker Frontantrieb, ein 54-kWh-Akku und eine Alltagsreichweite um die 360 Kilometer. Wir ordnen für euch ein, für wen sich der schicke Italiener lohnt – und wo der Premium-Anspruch an der Realität kratzt. Wichtig vorab: Unabhängige Messungen speziell zum Ypsilon fehlen bislang, weshalb wir uns bei Verbrauch und Reichweite auf den technisch identischen Peugeot e-208 stützen.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber kein Langstreckenläufer
Auf dem Papier gibt Lancia 14,3 kWh pro 100 Kilometer und bis zu 425 Kilometer nach WLTP an – gute Werte für einen Kleinwagen. Realistischer ist der Blick auf den baugleichen e-208, den der ADAC in seinem alltagsnahen Ecotest mit 16,0 kWh gemessen hat, inklusive der Verluste beim Laden. Daraus ergeben sich rund 360 Kilometer bei gemischter Fahrweise. Der Ypsilon dürfte praktisch identisch liegen, weil Motor, Akku und Gewicht dieselben sind.
Für den Alltag heißt das: Pendeln, Einkaufen und der Wochenendausflug sind entspannt drin, oft sogar mehrere Tage ohne Nachladen. Auf der Autobahn und im Winter schmilzt die Reichweite aber spürbar – bei zügigem Tempo sind eher 250 bis 300 Kilometer realistisch. Für die Klasse ist der Antrieb effizient, an echte Langstreckenautos reicht die kleine 51-kWh-Batterie aber nicht heran. Wer regelmäßig weite Strecken fährt, ist mit einem größeren Akku besser bedient.
Laden & Reisetauglichkeit: fürs Pendeln gemacht, nicht für die lange Tour
Am Schnelllader zieht der Ypsilon maximal 100 kW; von 20 auf 80 Prozent vergehen so rund 24 bis 28 Minuten. Das ist heute bestenfalls Durchschnitt – bei der überschaubaren Akkugröße fällt es im Alltag aber kaum ins Gewicht, weil ohnehin nur wenige Kilowattstunden nachzuladen sind. Zu Hause und an der Wallbox lädt er dreiphasig mit bis zu 11 kW, ein leerer Akku ist damit in etwa fünf Stunden wieder voll.
Praktisch bedeutet das: Als Stadt- und Pendlerauto, das meist über Nacht lädt, macht der Ypsilon alles richtig. Auf der langen Reise hingegen wird die Kombination aus kleiner Batterie und gemächlichem Ladetempo zum Bremsklotz – häufigere und teils längere Stopps sind die Folge. Wer vor allem in und um die Stadt unterwegs ist, wird das kaum je merken; Vielreisende schon.
Antrieb & Fahrdynamik: flott genug, überraschend knackig
115 kW (156 PS) und 260 Nm schieben den 4,08 Meter kurzen Italiener in 8,2 Sekunden auf Tempo 100, bei 150 km/h ist Schluss. Sportlich ist das nicht, für ein Stadtauto reicht der spontane E-Schub aber locker. Interessanter ist das Fahrwerk: Es stammt weitgehend vom Opel Corsa und ist erstaunlich straff und agil abgestimmt. Tester loben den niedrigen Schwerpunkt und die Handlichkeit, mit der sich der Ypsilon auch auf kurvigen Landstraßen erstaunlich munter bewegen lässt.
Im Alltag punktet er mit direktem Antritt an der Ampel und guter Kontrolle. Die Kehrseite: Die Lenkung arbeitet zwar leichtgängig, gibt aber wenig Rückmeldung, und der elegante Auftritt weckt Erwartungen an Komfort, die das knackige Set-up nicht durchgängig einlöst. Wer es betont sanft mag, muss mit der eher strammen Grundabstimmung leben.
Komfort & Geräusch: ordentlich, aber mit Klapper-Kritik
Beim Komfort gehen die Urteile auseinander. Einige Tester attestieren dem Ypsilon, schlechte Fahrbahnen souverän wegzufiltern und angenehm ruhig zu sein – Lancia hat die Geräuschdämmung gegenüber den Konzernbrüdern hörbar verbessert. Andere kritisieren genau das Gegenteil: ein kräftiges Rumpeln über grobe Querfugen und, im Fall eines Testwagens, ein unschönes Scheppern aus dem Armaturenbrett.
Für den Stadt- und Pendelbetrieb ist das Niveau in Ordnung, hier stört die straffe Abstimmung selten. Auf schlechten Straßen und langen Etappen zeigt sich aber, dass der Premium-Anspruch beim Federungs- und Geräuschkomfort noch nicht vollständig eingelöst ist. Ein ruhiger Gleiter im Stil größerer Klassen ist der kleine Lancia nicht.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Stil, kleiner Nutzwert
Innen setzt der Ypsilon Akzente: die runde Mittelablage „Tavolino“ mit induktiver Ladefläche, plüschige Sitze und ein Retro-Charme, der bewusst an die 70er erinnert. Optisch und haptisch hebt er sich von Corsa und e-208 ab. Bei den Materialien holt ihn die Kleinwagen-Realität aber ein: Abseits weniger weicher Flächen dominiert Hartplastik, und der selbst gesetzte Premium-Maßstab wird damit nicht durchgängig erreicht.
Beim Platz gilt Kleinwagen-Logik: Der Kofferraum fasst 309 Liter – knapp für die Fahrzeuglänge und deutlich weniger als beim Hybrid-Ypsilon mit 352 Litern. Der Fond ist für zwei Erwachsene nutzbar, aber kleinwagentypisch eng, einen Frunk gibt es nicht. Für Singles, Paare und den Stadteinsatz reicht das gut; als Familien-Packesel ist der Ypsilon nicht gedacht.
Software, Bedienung & E-Funktionen: unkompliziert und aktuell
Die Bedienung gehört zu den Stärken. Zwei 10,25-Zoll-Bildschirme liefern scharfe Bilder, der Bordrechner reagiert fix, und die Menüs sind weitgehend selbsterklärend – laut Testern sogar weniger verschachtelt als bei manch anderem Konzernprodukt. Die zentrale S.A.L.A.-Steuerung bündelt Klang, Klima und Licht per Knopfdruck oder Sprache.
Bei den Assistenten ist der Ypsilon auf aktuellem Stand: adaptiver Tempomat, Spurhalter, 360-Grad-Kamera und teilautomatisiertes Fahren nach Level 2 zwischen 30 und 150 km/h sind an Bord. Batterie-Vorkonditionierung ist möglich, eine Wärmepumpe gibt es allerdings nur gegen Aufpreis – gerade im Winter ärgerlich, wenn sie fehlt. Ein bidirektionales Laden für externe Verbraucher (V2L) ist vorgesehen.
Bildergalerie
Einordnung im Ranking
Der Lancia Ypsilon Elettrica ist ein Kopf-, kein Vernunftkauf. Wer ein eigenständiges, auffälliges Design und italienisches Flair sucht, bekommt hier deutlich mehr Charakter als bei den technisch gleichen Opel Corsa Electric, Peugeot e-208, Fiat 600e oder Jeep Avenger. Wer dagegen auf Platz, Ladetempo und nüchternen Gegenwert schaut, findet in dieser Preisregion sachlichere Alternativen – und weiter unten warten günstigere Stromer wie der Fiat Grande Panda.
Beim Preis ist Vorsicht geboten: Ein offizieller deutscher Listenpreis steht noch aus, unsere Einordnung stützt sich auf eine an den Schwestermodellen orientierte Schätzung um 40.000 Euro. Auf dieser Basis ist das Preis/Leistungs-Verhältnis in Ordnung und einen Tick besser, als der reine Preis vermuten lässt – bestätigt sich am Ende ein höherer Kurs, kippt dieser Vorteil aber schnell. Für stilbewusste Städter, die Design über Nutzwert stellen, bleibt der Ypsilon trotzdem eine reizvolle Wahl.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 59 von 104
Quellen
- ADAC – Lancia Ypsilon (Fahrbericht & Ecotest-Vergleich)
- EV-Database – Lancia Ypsilon 54 kWh (MY25)
- ecomento – ADAC-Ecotest-Auswertung 2026
- elektroauto-news – Reichweitenplus & Fahrbericht
- autoflotte – Erstkontakt Lancia Ypsilon
- VISION mobility – Fahrbericht Lancia Y
- AutoBild – Lancia Ypsilon Infos & Preise
Bildquellen
- Beitragsbild Lancia Ypsilon Elettrica — © Lancia
- Lancia Ypsilon E Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
- Lancia Ypsilon E Heckansicht — © Stellantis Presseportal
- Lancia Ypsilon E Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
- Lancia Ypsilon E Innenraum — © Stellantis Presseportal
- Lancia Ypsilon E Infotainment — © Stellantis Presseportal
- Lancia Ypsilon E Sitze — © Stellantis Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
