EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Junior Elettrica ist Alfas erster Stromer – und ein zwiespältiger Auftritt. Das Design zieht Blicke an, der Verbrauch ist niedrig, und die Serienausstattung mit Wärmepumpe und Routenplanung passt. Doch die kurze reale Reichweite, das Laden ohne Vorkonditionierung, die gefühllose Lenkung und der von hartem Kunststoff geprägte Innenraum holen die Emotion schnell auf den Boden zurück. Fahrdynamisch bleibt der 156-PS-Elettrica Durchschnitt, echte Alfa-Sportlichkeit gibt es erst in der teureren Topversion. Für Stadt und Umland ist der kleine Italiener ein charmanter Begleiter – nur bezahlt ihr das Herzblut spürbar mit. Wer vor allem Substanz sucht, findet bei der eng verwandten Konzernkonkurrenz oft mehr Auto fürs Geld.
Pro
- Niedriger Verbrauch von rund 16,5 kWh/100 km (inklusive Ladeverluste)
- Serienmäßig Wärmepumpe, 11-kW-Lader, Routen- und Ladeplanung, V2G-fähig
- Für die Klasse ordentlicher Kofferraum und bequemer, hoher Einstieg
- Ausdrucksstarkes Design und sehr gute optionale Matrix-LED-Scheinwerfer
Contra
- Knappe reale Reichweite von rund 335 km
- Keine Lade-Vorkonditionierung, dadurch schwächeres Schnellladen bei Kälte
- Gefühllose, rasternde Lenkung und wankanfälliges, straffes Fahrwerk
- Viel harter Kunststoff, enger Fond und schlechte Sicht nach hinten
- Fürs Gebotene vergleichsweise hoher Preis
Alfa Romeo und Elektroauto – das klang lange nach einem Widerspruch. Mit dem Junior Elettrica wagt die Traditionsmarke ihren ersten rein elektrischen Schritt, und zwar dort, wo es am engsten zugeht: im kleinen SUV-Segment. Technisch teilt sich der Italiener die eCMP-Plattform mit Verwandten wie Jeep Avenger, Fiat 600e und Peugeot e-2008, optisch will er aber unbedingt ein echter Alfa sein. Ob das reicht, entscheidet am Ende weniger der Scudetto-Grill als Reichweite, Ladetempo und Fahrwerk – und genau da muss der Junior Federn lassen. Unterm Strich steht ein charmantes, aber teuer erkauftes Klein-SUV mit durchschnittlichen inneren Werten.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber kurzatmig
Beim Verbrauch macht der Junior seine beste Figur. Im standardisierten ADAC Ecotest genehmigt sich der 156-PS-Elettrica rund 16,5 kWh auf 100 Kilometer – und da sind die Ladeverluste beim Wechselstromladen schon eingerechnet. Das ist für ein höher gebautes SUV ein guter Wert, den vor allem das niedrige Gewicht von knapp 1,6 Tonnen ermöglicht. Im Alltag hängt der Verbrauch aber stark am rechten Fuß: Redaktionelle Tests notierten bei zügiger Fahrt auch 19 bis 22 kWh, womit die Reichweite spürbar schrumpft.
Das eigentliche Problem ist die kleine Batterie. Mit netto 51 kWh und dem Ecotest-Verbrauch kommt der Junior auf real etwa 335 Kilometer im gemischten Betrieb – auf der Autobahn und im Winter deutlich weniger. Fürs Pendeln, den Stadtverkehr und die Wochenendtour reicht das bequem. Wer aber regelmäßig lange Strecken fährt, merkt schnell, dass hier früh der nächste Ladestopp ansteht. Selbst für ein Elektroauto dieser Klasse nennen Tester die Reichweite offen mager – der WLTP-Prospektwert von 410 Kilometern bleibt bei echtem Tempo Theorie.
Laden & Reisetauglichkeit: solide Technik, fehlende Vorkonditionierung
Am Schnelllader zieht der Junior serienmäßig bis zu 100 kW Gleichstrom, kurzzeitig maß der ADAC sogar 107 kW. Von 10 auf 80 Prozent vergehen unter idealen Bedingungen 29 Minuten, im Schnitt flossen dabei rund 78 kW – nach einer halben Stunde sind so etwa 236 Kilometer nachgeladen. Das ist für das B-Segment in Ordnung, aber kein Bestwert. Zu Hause lädt der Alfa mit bis zu 11 kW Wechselstrom und ist damit in gut fünf Stunden voll.
Ein echter Wermutstropfen für Vielfahrer: Eine gezielte Vorheizung der Batterie vor dem Schnellladen gibt es laut Messungen nicht. Kommt ihr im Winter mit kalter Batterie an die Säule, fällt die Ladeleistung entsprechend niedriger aus, ohne dass ihr gegensteuern könnt. Eine Wärmepumpe ist zwar an Bord, eine nutzergesteuerte Lade-Vorkonditionierung ersetzt sie aber nicht. In Kombination mit der ohnehin knappen Reichweite bleibt die Langstrecke damit die klare Schwachstelle: planbar ja, entspannt nur bedingt.
Antrieb & Fahrdynamik: mehr Schein als Sportlichkeit
Vorn sitzt ein E-Motor mit 115 kW – umgerechnet rund 156 PS – und 260 Nm, der die Vorderräder antreibt. In 9,0 Sekunden geht es auf Tempo 100, bei 150 km/h ist Schluss. Für den Alltag ist das ausreichend flott, mit dem sportlichen Anspruch, den der Name weckt, hat es aber wenig zu tun. Der Junior schiebt ordentlich an, wirkt dabei aber eher brav als spritzig.
Auch beim Fahrwerk bleibt der erhoffte Alfa-Zauber aus. Tester kritisieren eine gefühllose, um die Mittellage rasternde Lenkung und ein schwammiges Bremspedal; in schnellen Kurven neigt sich die Karosserie spürbar zur Seite. Im ADAC-Ausweichtest bleibt der Junior dank ESP zwar sicher beherrschbar, ein echter Kurvenräuber ist er aber nicht. Wer die emotionale Seite von Alfa sucht, muss zur separaten Topversion mit 280 PS greifen – der hier getestete Elettrica bleibt fahrdynamisch Durchschnitt.
Komfort & Geräusch: eher straff als samtig
Komfort ist nicht die Kernkompetenz des Junior. Das Fahrwerk ist recht straff abgestimmt und zugleich wankanfällig – eine Kombination, die weder besonders sportlich noch ausgesprochen komfortabel wirkt. Ein Luftfahrwerk oder adaptive Dämpfer gibt es in dieser Variante nicht, kurze Stoßfugen und Querfugen reicht der Alfa entsprechend direkter an die Insassen weiter als die sanfteren Klassenkollegen.
Positiv fällt der hohe, bequeme Einstieg vorn auf, typisch fürs SUV-Format. Zum Geräuschkomfort bei Autobahntempo liegen kaum belastbare unabhängige Messungen vor – hier bleiben wir lieber offen, statt zu spekulieren. Fest steht: Wer viel Wert auf ein souverän gleitendes Fahrgefühl legt, findet in der Klasse komfortablere Angebote.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: schickes Design, harte Realität
Der Kofferraum fasst nach Herstellerangabe rund 400 Liter und ist damit für die Klasse ordentlich – größer als etwa bei Volvo EX30 oder Smart #1. Der ADAC misst bis zur Hutablage allerdings nur 295 Liter; erst mit umgeklappter Rückbank werden bis zu 1.265 Liter daraus. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, das Ladekabel muss also mit in den Kofferraum. Die Zuladung von 445 Kilogramm ist brauchbar, eine Anhängerkupplung ist für den Elettrica aber nicht zugelassen.
Im Fond wird es eng: Die Kopffreiheit geht in Ordnung, für die Knie bleibt aber wenig Luft, der Mitteltunnel stört und der mittlere Platz taugt nur zur Not. Dazu kommt die stark eingeschränkte Sicht nach hinten durch die schräge, hohe Heckscheibe und breite Dachsäulen. Die Verarbeitung bewerten Tester als befriedigend: Die Spaltmaße sind gleichmäßig, im Innenraum dominiert aber harter Kunststoff, und an einem Testwagen fiel eine lose Heckleuchte auf. Das Design ist ein echtes Verkaufsargument – bei den Materialien spürt man dagegen den Rotstift.
Software, Bedienung & E-Funktionen: solide mit Lücken
Die Bedienung erledigt der Junior über ein Alfa-Connect-System mit großem Zentraldisplay und das digitale „Cannocchiale“-Kombiinstrument, dazu Navigation und Sprachsteuerung. Die Stellantis-Technik arbeitet solide und logisch, und angenehm ist, dass Alfa echte physische Tasten beibehält – die Kurzwahltaste zur Konfiguration der Assistenzsysteme loben Tester ausdrücklich.
Bei den E-Funktionen ist der Junior grundsätzlich gut ausgerüstet: Wärmepumpe, 11-kW-Bordlader, Routenplanung mit automatischer Einbindung von Ladesäulen und V2G-Fähigkeit gehören zum Serienumfang. Es fehlen aber spürbare Details: die erwähnte Lade-Vorkonditionierung, ein Frunk sowie ein Parkassistent oder eine 360-Grad-Kamera, die generell nicht verfügbar sind. Viele Helfer wandern zudem ins optionale Technologie-Paket, das die sehr guten Matrix-LED-Scheinwerfer enthält. Serienmäßig gibt es hinten nur Parksensoren.
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Einordnung im Ranking
Der Alfa Romeo Junior Elettrica ist ein Auto fürs Herz mehr als für die Tabelle. Wer das italienische Design liebt, kein großes Auto braucht und hauptsächlich in der Stadt und im Umland unterwegs ist, bekommt ein charaktervolles, effizientes Klein-SUV. Rational betrachtet liefert er aber vor allem Durchschnitt: knappe Reichweite, mittelmäßiges Laden ohne Vorkonditionierung, ein Fahrwerk ohne echten Alfa-Esprit und ein Innenraum, der optisch mehr verspricht, als die Materialien halten.
Direkte Alternativen auf gleicher Technik – Jeep Avenger, Fiat 600e, Opel Mokka Electric oder Peugeot e-2008 – bieten das Gleiche oft günstiger, während Volvo EX30, Smart #1 oder Hyundai Kona Elektro je nach Priorität mehr Reichweite, Platz oder Komfort liefern. Und genau der Preis ist der wunde Punkt: Fürs Gebotene ist der Junior etwas teuer, das Alfa-Emblem zahlt man hier deutlich mit. Wer damit leben kann, wird mit einem Stück italienischem Lifestyle belohnt.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 91 von 104
Quellen
- ADAC – Autotest Alfa Romeo Junior Elettrica 156 Speciale (AT6501)
- ADAC – Test & Datenblatt Alfa Romeo Junior Elettrica 156
- AutoScout24 – Fahrtest Alfa Romeo Junior Elettrica
- InsideEVs – Alfa Romeo Junior: Preise, Akku, Ausstattung
- motor1 – Fahrbericht Alfa Romeo Junior
- Carwow – Technische Daten Alfa Romeo Junior Elettrica
- Alfa Romeo Deutschland – Modell- und Preisinformationen
Bildquellen
- Alfa Romeo Junior E Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
- Alfa Romeo Junior E Heckansicht — © Stellantis Presseportal
- Alfa Romeo Junior E Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
- Alfa Romeo Junior E Innenraum — © Stellantis Presseportal
- Alfa Romeo Junior E Infotainment — © Stellantis Presseportal
- Alfa Romeo Junior E Sitze — © Stellantis Presseportal
- Alfa Romeo Junior E Kofferraum — © Stellantis Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
