Renault Mégane E-Tech Electric (EV60) im Test: Wie gut ist der Kompakt-Crossover?

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

59,2 % 3,55 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Renault Mégane E-Tech Electric macht als effizienter, agiler Kompakt-Crossover vieles richtig: großer Kofferraum, sparsamer Antrieb und ein modernes Bedienkonzept, das in den höheren Linien zu den besten der Klasse zählt. Für Stadt, Pendeln und mittlere Distanzen ist er eine überzeugende Wahl. Seine ehrlichen Schwächen liegen auf der Langstrecke – das Schnellladen ist nur mittelprächtig und stark temperaturabhängig, die Autobahnreichweite begrenzt. Wer hauptsächlich regional fährt und zu Hause lädt, bekommt hier viel Alltagsauto zum fairen Preis.

Pro

  • Effizienter Antrieb mit Fünf-Sterne-Ergebnis im ADAC Ecotest
  • Für die Kompaktklasse großzügiger Kofferraum (440 Liter)
  • Agiler, spritziger Antrieb (0–100 km/h in 7,4 Sekunden)
  • Sehr gutes OpenR-Link-Infotainment mit Google (höhere Linien)

Contra

  • Schnellladen nur mittelprächtig und stark temperaturabhängig
  • Begrenzte Autobahnreichweite auf der Langstrecke
  • Enge Kopffreiheit im Fond, kein Frunk
  • Schlechte Sicht nach hinten, Wärmepumpe nicht serienmäßig

Mit dem Mégane E-Tech Electric hat Renault 2022 den Sprung von der Zoe-Ära in die moderne Kompaktklasse gewagt – ein 4,20 Meter kurzer Crossover auf der eigens für Elektroautos entwickelten CMF-EV-Plattform. Er richtet sich an alle, die ein alltagstaugliches, effizientes E-Auto für Stadt und Pendelstrecke suchen und dabei Wert auf ein modernes Bedienkonzept legen. In Tests punktet er mit agilem Antrieb, sparsamem Verbrauch und einem für die Klasse großzügigen Kofferraum – sichtbar schwächer ist er beim Schnellladen und auf der langen Autobahnetappe. Wir haben die öffentlich verfügbaren Messdaten und Testurteile für euch zusammengetragen und eingeordnet.

Bildergalerie

Renault Megane E-Tech Aussenansicht
Renault Megane E-Tech Heckansicht
Renault Megane E-Tech Seitenansicht
Renault Megane E-Tech Innenraum
Renault Megane E-Tech Infotainment
Renault Megane E-Tech Sitze
Renault Megane E-Tech Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2022
Basispreis 42.000 €
Nutzbare Batterie 60 kWh
Realverbrauch 19,4 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,1 kWh/100 km
Reale Reichweite 365 km
Ladeleistung (Peak) 110 kW
Ladezeit 10–80 % 42 min
Leistung 160 kW (218 PS)
0–100 km/h 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Kofferraum 440 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 900 kg
Wendekreis 10,4 m
Maße (L×B) 4.200 × 1.860 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam im Alltag, durstig auf der Autobahn

Beim Verbrauch gehört der Mégane zu den effizienten Vertretern seiner Klasse. Im standardisierten ADAC Ecotest stehen 19,4 kWh auf 100 Kilometer zu Buche – und zwar inklusive der Verluste, die beim Laden an der Wallbox entstehen. Das reicht für die volle Fünf-Sterne-Wertung im Ecotest. Rein rechnerisch schluckt der Akku für eine Ladung von leer auf voll rund 70 kWh, obwohl netto 60 kWh nutzbar sind. Der WLTP-Wert liegt mit 16,1 kWh erwartungsgemäß darunter, ist aber vor allem ein Laborvergleich.

Aus der Effizienz ergibt sich im gemischten Ecotest-Zyklus eine Reichweite von rund 365 Kilometern. Für den täglichen Weg zur Arbeit, den Wocheneinkauf und die übliche Stadt- und Überlandrunde ist das komfortabel – wer zu Hause lädt, muss selten öfter als einmal pro Woche an die Steckdose. Damit liegt der Mégane auf Augenhöhe mit den effizientesten Kompakten und etwas günstiger im Konsum als manch schwererer Konkurrent.

Die Kehrseite zeigt sich, sobald es schnell wird: Bei hohem Autobahntempo steigt der Verbrauch deutlich, in unabhängigen Messungen bis in den Bereich um 24 kWh und darüber. Die reale Autobahnreichweite sackt dann auf etwa 200 bis 250 Kilometer ab. Für den Pendler ist das nebensächlich, für den Vielfahrer ein spürbarer Dämpfer.

Laden & Reisetauglichkeit: der wunde Punkt

Am Gleichstrom-Schnelllader gibt der Mégane die Herstellerangabe von bis zu 130 kW nur kurz und unter günstigen Bedingungen frei. Im ADAC-Dauertest wurde mit betriebswarmer Batterie kurzzeitig etwa 110 kW gemessen, danach fällt die Kurve zügig ab. Im Schnitt kommt er zwischen 10 und 80 Prozent auf rund 73 kW – und braucht dafür in der Praxis mehr als 40 Minuten. Zu Hause lädt er je nach Ausstattung mit bis zu 22 kW Wechselstrom, was für die Übernachtladung locker ausreicht.

Praktisch heißt das: Für den Alltag mit gelegentlichem Nachladen ist die Ladeleistung in Ordnung, für die entspannte Langstrecke aber zu behäbig. Besonders unangenehm ist das Verhalten bei kalter Batterie – dann bricht die Ladeleistung im Schnitt auf rund 47 kW ein. Der Mégane wärmt den Akku zwar vor einem Ladestopp vor, allerdings nur automatisch über die Routenführung des Navis; manuell lässt sich die Vorkonditionierung nicht auslösen, und Tester kritisieren, dass Renault diese Funktion kaum dokumentiert.

In Summe bedeutet die Mischung aus mittlerer Autobahnreichweite und gemächlichem Laden: Wer weite Strecken fährt, muss mehrere längere Stopps einplanen. Für die große Urlaubsreise ist der Mégane damit nur bedingt die erste Wahl – als Zweit- oder Pendlerauto mit gelegentlicher Fernfahrt geht die Rechnung besser auf.

Antrieb & Fahrdynamik: spritzig und agil

Vorn arbeitet ein 160 kW starker Elektromotor, umgerechnet rund 218 PS, mit 300 Nm Drehmoment. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Franzose in gemessenen 7,4 Sekunden, den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h in flotten 3,5 Sekunden. Bei 160 km/h wird abgeregelt – typisch für die Klasse. Das genügt für ein lebhaftes, im Sport-Modus richtig bissiges Fahrgefühl.

Im Alltag macht der Mégane damit vor allem in der Stadt und auf der Landstraße Spaß: Er hängt williger am Fahrpedal, als es die reinen Zahlen vermuten lassen, und fühlt sich handlich an. Tester loben das agile Einlenken. Die Kehrseite des Frontantriebs: Bei Nässe oder in engen Kurven kann die angetriebene Vorderachse unter Volllast kurz die Traktion verlieren, und die Lenkung wird nach dem zackigen Ansprechen um die Mittellage herum etwas indirekt. Ein Dynamik-Wunder ist er nicht, aber ein angenehm spritziger Begleiter.

Komfort & Geräusch: ausgewogen unterwegs

Beim Fahrkomfort hinterlässt der Mégane in Tests einen guten Eindruck. Das Fahrwerk federt Unebenheiten sauber weg und bleibt auch auf längeren Etappen umgänglich – eine Luftfederung wie in der Oberklasse gibt es natürlich nicht, braucht es in dieser Klasse aber auch nicht. Auf den serienmäßigen 18-Zöllern rollt er merklich geschmeidiger ab als auf den 20-Zoll-Rädern der Topversionen, die den Federungskomfort etwas straffer ausfallen lassen.

Im Alltag ist der Mégane damit ein entspannter Reisebegleiter für zwei bis vier Personen, ohne größere Schwächen bei der Dämmung. Wer maximalen Abrollkomfort sucht, sollte bei der Radgröße bewusst zur kleineren Variante greifen.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: großer Kofferraum, knappes Dach

Trotz kompakter 4,20 Meter Außenlänge steckt im Mégane ein ordentliches Platzangebot. Der Kofferraum faucht mit 440 Litern (nach ADAC-Messmethode rund 420) für die Klasse großzügig aus und liegt über vielen direkten Konkurrenten; umgeklappt wachsen daraus bis zu rund 1.330 Liter. Vier Erwachsene reisen bequem, der lange Radstand von knapp 2,69 Metern sorgt für anständige Beinfreiheit im Fond.

Die Kompromisse liegen woanders: Einen vorderen Kofferraum gibt es nicht – Renault hat den Antrieb bewusst vorn untergebracht, was Gewicht spart, aber den Frunk kostet. Die niedrige, coupéhaft geschnittene Dachlinie schränkt die Kopffreiheit im Fond spürbar ein, und beim Umklappen der Rücksitze entsteht keine ebene Ladefläche. Auch die Sicht nach hinten leidet unter der hohen Gürtellinie und der kleinen Heckscheibe – eine Rückfahrkamera ist Serie, der digitale Innenspiegel kostet Aufpreis.

Bei der Verarbeitung liefert Renault solide Kompaktklasse-Kost: Das Cockpit ist modern digitalisiert, in den gehobenen Linien kommen hochwertige Materialien und Ambientelicht zum Einsatz, während im unteren Bereich der übliche Hartplastik-Mix bleibt. Gravierende Qualitätsmängel meldet keiner der Tests.

Software, Bedienung & E-Funktionen: starkes System, in der Basis abgespeckt

Das große OpenR-Link-System mit integriertem Google – also Google Maps, Sprachassistent und Play Store direkt an Bord – gilt in Tests als eines der besten Infotainmentangebote der Klasse: schnell, logisch und sinnvoll durch ein paar physische Tasten ergänzt. Der Haken im Ist-Zustand: Dieses System steckt erst in den höheren Ausstattungslinien. Die Basisversion muss mit einem kleineren Hochkant-Display ohne die volle Google-Integration auskommen – nach wie vor brauchbar, aber eben nicht das gefeierte Highlight.

Bei den E-Funktionen ist das Grundgerüst vorhanden: topografie- und verkehrsabhängige Ladeplanung über das Navi, automatische Batterie-Vorkonditionierung und die praktische Autocharge-Freischaltung an kompatiblen Säulen. Es fehlen aber Bausteine, die andere schon serienmäßig bieten: Eine Wärmepumpe ist nicht Standard, ein Frunk fehlt, und die Vorkonditionierung lässt sich nicht von Hand steuern. In der nüchternen Basisausstattung sind zudem einige Assistenzsysteme wie ein Totwinkel-Warner nicht einmal gegen Aufpreis zu haben – die volle Fünf-Sterne-Sicherheitsbasis aus dem NCAP-Crashtest bleibt davon unberührt.

Einordnung im Ranking

Der Renault Mégane E-Tech Electric ist ein rundum stimmiger Kompakt-Crossover für Stadt, Pendeln und mittlere Distanzen: effizient, agil und mit einem überraschend großen Kofferraum. Wer hauptsächlich regional unterwegs ist und zu Hause laden kann, bekommt hier viel Auto für den Alltag. Seine klaren Grenzen liegen auf der Langstrecke, wo das gemächliche, temperaturempfindliche Laden und die begrenzte Autobahnreichweite bremsen. Als direkte Alternativen drängen sich der VW ID.3, der Cupra Born, der MG4 sowie Hyundai Kona Elektro und Kia Niro EV auf – wer häufig weite Strecken fährt, findet dort teils schnelleres Laden. Beim Preis bleibt der Mégane fair bepreist: Das Verhältnis aus gebotener Qualität und Kaufpreis geht stimmig auf, ohne echtes Schnäppchen und ohne Aufschlag – diese Kennzahl steht bewusst getrennt vom Gesamturteil.

Bildquellen

  • Renault Megane E-Tech Aussenansicht — © Renault Presseportal
  • Renault Megane E-Tech Heckansicht — © Renault Presseportal
  • Renault Megane E-Tech Seitenansicht — © Renault Presseportal
  • Renault Megane E-Tech Innenraum — © Renault Presseportal
  • Renault Megane E-Tech Infotainment — © Renault Presseportal
  • Renault Megane E-Tech Sitze — © Renault Presseportal
  • Renault Megane E-Tech Kofferraum — © Renault Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

TOP IN DIESER KLASSE

Beste Crossover im Test

Vergleichen

Aktuelle Tests