EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
4,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Kia EV3 mit großem 81,4-kWh-Akku ist ein erstaunlich effizientes, sehr komfortables Kompakt-SUV zum fairen Preis. Bei milden Bedingungen sind reale Reichweiten um die 500 Kilometer drin, das Fahrwerk ist kommod und leise, die Serienausstattung reichhaltig. Getrübt wird das Bild vom mäßigen Ladetempo des 400-Volt-Systems, vom deutlich höheren Winterverbrauch und von viel Hartplastik im Innenraum. Wer keine Dauer-Langstrecke mit vielen Ladestopps plant, bekommt hier einen der rundesten Alltagsstromer seiner Klasse – mit sehr gutem Preis/Leistungs-Verhältnis.
Pro
- Sehr effizienter Antrieb, dadurch hohe Alltagsreichweite bei milden Bedingungen
- Hoher Fahr- und Geräuschkomfort für die Klasse
- Reichhaltige Serienausstattung, i-Pedal 2.0 und lange Herstellergarantie
Contra
- Mäßiges Ladetempo (127 kW DC, nur rund 11 kW AC) durch 400-Volt-System
- Im Winter und bei hohem Tempo deutlich höherer Verbrauch, geringere Reichweite
- Viel Hartplastik im Innenraum; Wärmepumpe an der Basis nur gegen Aufpreis
Der Kia EV3 ist Kias Antwort auf die Frage, wie viel Elektroauto man für vernünftiges Geld bekommt. Das nur 4,30 Meter kurze Kompakt-SUV beerbt den Niro EV, übernimmt die kantige Designsprache des großen EV9 und tritt gegen etablierte Größen wie VW ID.3, Cupra Born und Škoda Elroq an. Wir haben uns die Variante mit dem großen 81,4-kWh-Akku und Frontantrieb angesehen – also die reichweitenstärkste Ausbaustufe. Das Ergebnis vorweg: ein erstaunlich effizienter, ausgesprochen komfortabler Alltagsbegleiter mit einer klaren Schwäche beim Tempo des Nachladens.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: sparsam – solange es nicht zu kalt wird
Kia gibt für den EV3 mit großem Akku und den effizienten 17-Zoll-Rädern einen WLTP-Verbrauch von rund 15,5 kWh auf 100 Kilometer an, in der Spitze sollen so bis zu 605 Kilometer drin sein. Das ist für ein höher bauendes SUV ein bemerkenswert niedriger Wert – möglich macht ihn ein guter cW-Wert von 0,263 und ein spürbar auf Effizienz getrimmter Antrieb.
Im Alltag bestätigt sich das bei milden Temperaturen: Unabhängige Tester kamen bei gemischter Fahrt auf rund 16 bis 17 kWh und damit auf reale Reichweiten um die 480 bis 500 Kilometer – selbst ohne betont sparsame Fahrweise. Fürs Pendeln und für die Familie heißt das: Laden wird zur Nebensache, viele kommen eine Woche ohne Steckdose aus. In der Effizienz spielt der EV3 damit ganz vorn in der Kompaktklasse mit.
Die Kehrseite zeigt sich, sobald es kalt wird oder zügig über die Autobahn geht. Im standardisierten Winter-Reichweitentest des ADAC/ÖAMTC stieg der Verbrauch auf 24,2 kWh, die Reichweite sank auf 350 Kilometer; ein AutoBild-Test mit 19-Zoll-Rädern bei acht Grad landete ähnlich bei 393 Kilometern. Wer also viel bei Tempo 130 oder im Winter unterwegs ist, sollte die milden Bestwerte gedanklich deutlich nach unten korrigieren.
Laden & Reisetauglichkeit: konstant, aber nicht schnell
Beim Nachladen zeigt sich der wichtigste Kompromiss des EV3. Statt der 800-Volt-Technik der größeren Kia-Modelle steckt hier ein 400-Volt-System. In der ADAC-Messung erreichte der Wagen eine Spitzenladeleistung von 127 kW und im Schnitt 114 kW zwischen 10 und 80 Prozent – rund 169 Kilometer wurden in 20 Minuten nachgeladen, ein voller 10-auf-80-Prozent-Stopp dauert etwa eine halbe Stunde.
Positiv fällt auf, dass die Ladekurve sehr flach verläuft: Der EV3 hält sein Ladeniveau über einen weiten Bereich nahezu konstant, statt früh einzubrechen. Das macht Ladestopps gut planbar, und in Kombination mit der ordentlichen Reichweite gelingen längere Reisen durchaus entspannt. Zu Hause lädt der Kia dreiphasig mit knapp 11 kW.
Trotzdem bleibt festzuhalten: Konkurrenten wie der Škoda Elroq (bis 145 kW) oder ein VW ID.3 GTX (bis 180 kW) zapfen sichtbar schneller Strom. Auf der ganz langen Strecke mit vielen Stopps kostet das 400-Volt-System des EV3 also Zeit – für die meisten Alltags- und Wochenendfahrten reicht das Tempo aber gut aus.
Antrieb & Fahrdynamik: kräftig genug, entspannt ausgelegt
Ein einzelner Elektromotor an der Vorderachse leistet 150 kW (204 PS) und stellt 283 Nm bereit. Damit sprintet der rund zwei Tonnen schwere EV3 in 7,7 Sekunden auf Tempo 100, bei 170 km/h ist Schluss. Das reicht für souveräne Überholmanöver und einen kräftigen Antritt an der Ampel; das feinfühlige Traktionsmanagement hält die Vorderräder auch bei Nässe im Griff.
Abgestimmt ist der EV3 klar auf Komfort, nicht auf den Rennstreckenmodus. Die Lenkung ist leichtgängig und direkt, das Fahrwerk aus MacPherson-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse arbeitet ausgewogen. Wer es sportlich angeht, merkt allerdings die Grenzen: In schnell gefahrenen Kurven neigt sich der Aufbau etwas, und die Lenkung wirkt dann eine Spur künstlich. Ein Sportgerät will der EV3 aber ohnehin nicht sein – als handlicher, kräftiger Alltagsstromer überzeugt er.
Komfort & Geräusch: die heiße Zone dieses Autos
Der Komfort ist eine der großen Stärken des EV3. Tester loben ein sensibel ansprechendes Fahrwerk und ein sehr ruhiges Geräuschniveau – gerade auf der Autobahn fällt auf, wie leise Wind und Abrollen nach innen dringen. Für die Klasse setzt der Kia hier ein hohes Niveau, das man sonst eher eine Fahrzeugklasse darüber erwartet.
Eine Luft- oder Adaptivfederung ist nicht verfügbar, was dem EV3 nach oben eine Grenze setzt. Auf den größeren 19-Zoll-Rädern und auf schlechten Belegen wird der Federungskomfort etwas straffer – in der serienmäßigen 17-Zoll-Bereifung bleibt er aber durchweg angenehm. Unterm Strich ein rundum kommoder Reisebegleiter.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: clever gepackt, mit Sparstellen
Aus 4,30 Metern Länge und einem langen Radstand von 2,68 Metern holt Kia viel heraus. Vorn wie hinten sitzen auch große Menschen bis etwa 1,90 Meter bequem; nur zu dritt wird es auf der Rückbank eng, weil die Innenbreite fehlt. Der Kofferraum fasst nach der strengen ADAC-Messmethode 420 Liter und wächst mit umgeklappter Bank auf rund 1.250 Liter; ein 25 Liter großer Frunk nimmt das Ladekabel auf, ein variabler Ladeboden schafft Ordnung.
Praktische Ideen wie die ausziehbare Tischkonsole werten den Alltag auf. Bei der Verarbeitung liefert der EV3 saubere Spaltmaße und weiche Oberflächen an den wichtigen Kontaktpunkten – gleichzeitig dominiert an vielen Stellen harter Kunststoff, und echtes Leder gibt es nicht. Kleiner Wermutstropfen im Alltag: eine recht hohe Ladekante, an der schwere Gegenstände etwas Mühe machen.
Software, Bedienung & E-Funktionen: modern und gut durchdacht
Vor dem Fahrer spannen sich zwei 12,3-Zoll-Displays auf, dazu kommen kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie eine flotte Routenplanung, die auf Wunsch die Batterie vor dem Schnelllader vorkonditioniert. Erfreulich: Kia behält eine physische Leiste für die Klimabedienung bei, statt alles in Menüs zu verstecken. Das i-Pedal 2.0 erlaubt in drei Stufen das Fahren bis zum Stillstand und rekuperiert auf Wunsch sogar vorausschauend nach Navidaten.
Zur Ausstattung zählen serienmäßig umfangreiche Assistenten inklusive Autobahnassistent, dazu bidirektionales Laden (V2L) und ein ChatGPT-gestützter Sprachassistent. Ein Detail, das man kennen sollte: Die Wärmepumpe – wichtig für die Winterreichweite – ist nur in der GT-Line serienmäßig, bei Air und Earth kostet sie Aufpreis. Nervig können zudem die gesetzlich vorgeschriebenen Warntöne sein, und der Startknopf sitzt etwas versteckt hinter dem Lenkrad.
Bildergalerie
Einordnung im Ranking
Der Kia EV3 mit großem Akku ist ein stimmiges Gesamtpaket: sehr effizient, ausgesprochen komfortabel, ordentlich verarbeitet und mit einer langen Herstellergarantie abgesichert. Wer viel bei milden Bedingungen fährt und Wert auf Reichweite und Ruhe legt, bekommt hier einen der rundesten Kompakt-Stromer. Wer dagegen häufig lange Autobahn-Etappen mit vielen Ladestopps plant, findet in einem Škoda Elroq oder VW ID.3 die schnelleren Lader.
Preislich startet die 81,4-kWh-Version bei rund 41.000 Euro – dafür bekommt ihr spürbar mehr Auto, als der Preis vermuten lässt. Das Preis/Leistungs-Verhältnis fällt entsprechend sehr gut aus, zumal die lange Garantie und die reichhaltige Serienausstattung den Gegenwert zusätzlich heben. Direkte Alternativen sind VW ID.3, Cupra Born, Škoda Elroq und der kompaktere Volvo EX30.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 9 von 104
Quellen
Bildquellen
- Kia EV3 Aussenansicht — © Kia Presseportal
- Kia EV3 Heckansicht — © Kia Presseportal
- Kia EV3 Seitenansicht — © Kia Presseportal
- Kia EV3 Innenraum — © Kia Presseportal
- Kia EV3 Infotainment — © Kia Presseportal
- Kia EV3 Sitze — © Kia Presseportal
- Kia EV3 Kofferraum — © Kia Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
