EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der VW e-Up! mit großer Batterie ist kein Alleskönner – und will es auch nicht sein. Als sparsamer, wendiger Stadt- und Pendlerstromer macht er vieles richtig: geringer Verbrauch, kompakte Maße, solide verarbeitet und im Alltag genügsam. Sobald es aber auf die Autobahn oder Langstrecke geht, zeigen kurze Reichweite und langsames Laden ihre Grenzen. Wer das weiß und vor allem kurze Wege fährt, bekommt einen ehrlichen kleinen Begleiter mit gutem Preis/Leistungs-Verhältnis. Vielfahrer sollten sich woanders umsehen.
Pro
- Sehr sparsam, besonders in der Stadt
- Kompakt und wendig – ideal zum Parken
- Solide verarbeitet, für die Klasse angenehmer Federungskomfort
- Spritziger Antritt an der Ampel
- App-Steuerung für Laden und Klimatisierung
Contra
- Kurze Reichweite, vor allem auf der Autobahn
- Langsames Schnellladen, kein aktives Batterie-Temperaturmanagement
- Kaum moderne Assistenzsysteme, nur 3 von 5 NCAP-Sternen
- Enger Fond, kein Frunk
Der VW e-Up! war der erste Stromer im VW-Konzern – und blieb bis zu seinem Aus Ende 2023 einer der kleinsten. Wir schauen uns hier die späte Ausführung mit der großen 32,3-kWh-Batterie an, den City-Flitzer, den viele als Pendler- und Zweitwagen kennen. Für wen lohnt er sich? Vor allem für alle, die in Stadt und Umland unterwegs sind – und die auf der Autobahn nicht viel erwarten. Unterm Strich ist der e-Up! ein Auto mit einer klaren Stärke und ein paar ebenso klaren Grenzen.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: der sparsame Stadtspezialist
Beim Verbrauch spielt der e-Up! seine größte Stärke aus. Im standardisierten ADAC-Ecotest genehmigt er sich rund 16,7 kWh auf 100 Kilometer – und dieser Wert schließt die Ladeverluste bereits mit ein. Innerorts sinkt der Bedarf sogar auf gemessene 11,4 kWh. Für ein Auto, das ihr täglich an die Steckdose hängt, ist das ausgesprochen genügsam.
Praktisch heißt das: Mit der netto 32,3 kWh großen Batterie kommt ihr im Alltag realistisch rund 220 Kilometer weit – genug für eine Woche Pendeln oder etliche Einkaufsfahrten zwischen zwei Ladevorgängen. Auf der Autobahn sieht die Rechnung anders aus. Bei zügigem Tempo klettert der Verbrauch auf über 20 kWh, und die reale Reichweite fällt dann je nach Jahreszeit auf etwa 145 bis 185 Kilometer.
Für einen Kleinstwagen ist die Effizienz vorbildlich – nur wenige Autos fahren so sparsam durch die Stadt. Die Kehrseite ist ebenso deutlich: Wer regelmäßig lange Strecken plant, stößt schnell an Grenzen, und im Winter mit laufender Heizung schmilzt die Reichweite spürbar zusammen.
Laden & Reisetauglichkeit: fürs Zuhause gemacht, nicht für die Fernstrecke
An der heimischen Wallbox oder einer AC-Säule lädt der e-Up! mit bis zu 7,2 kW – über Nacht ist der Akku damit locker voll. Am Schnelllader gibt sich der Kleine dagegen bescheiden: Per CCS zieht er in der Spitze rund 40 kW, gemessen eher etwas weniger, und für den Sprung von 10 auf 80 Prozent solltet ihr rund 50 Minuten einplanen. Die Schnellladefunktion war zudem lange nicht serienmäßig an Bord, sondern ein Aufpreis-Extra.
Für den Alltag ist das kein Problem: Wer ohnehin zu Hause oder bei der Arbeit lädt, merkt von der langsamen DC-Leistung fast nichts. Auf der Langstrecke wird sie zum echten Bremsklotz. Dazu kommt, dass die Batterie kein aktives Temperaturmanagement besitzt – bei Kälte sinkt die Ladegeschwindigkeit weiter ab.
Im Vergleich zu modernen Klein-Stromern, die längst über 100 kW laden, wirkt der e-Up! hier klar aus der Zeit gefallen. Unterm Strich: als reines Stadt- und Pendlerauto völlig ausreichend, für häufige Urlaubs- oder Geschäftsfahrten quer durchs Land aber nur bedingt geeignet.
Antrieb & Fahrdynamik: an der Ampel flink, auf der Autobahn genügsam
Der e-Up! schickt 61 kW (83 PS) und 210 Nm an die Vorderräder. Weil das Drehmoment beim E-Motor sofort anliegt, spurtet er in nur 3,5 Sekunden auf Stadttempo 50 – das fühlt sich im Verkehr überraschend spritzig an. Bis Tempo 100 vergehen allerdings 11,9 Sekunden, und bei 130 km/h ist Schluss.
Im Stadtverkehr macht dieser Antritt richtig Laune: An der Ampel seid ihr vorne weg, und die kompakte Länge tut ihr Übriges. Auf der Autobahn merkt ihr dann, dass die Kraft nach oben hin ausgeht – Überholmanöver wollen geplant sein.
Gemessen an der Kleinstwagen-Klasse ist der Durchzug aus dem Stand top, das Handling gilt als stabil und die Lenkung als präzise. Zwei ehrliche Kehrseiten bleiben: Der absolute 0-auf-100-Wert ist gemächlich, und wenn die Batterie unter zehn Prozent fällt, drosselt der e-Up! Leistung und Heizung spürbar – dann verzichtet ihr besser auf Überholvorgänge.
Komfort & Geräusch: für die Klasse angenehm ausgewogen
Beim Fahrwerk setzt der e-Up! auf eine schlichte, aber gelungene Abstimmung – von Luftfederung oder adaptiven Dämpfern ist er weit entfernt, das erwartet in dieser Klasse aber auch niemand. Tester loben eine für einen Kleinstwagen angenehm ausgewogene Federung und ein niedriges Geräuschniveau, dazu eine stoische Gelassenheit auf der Autobahn.
Im Alltag heißt das: Kurze und mittlere Strecken absolviert der Kleine komfortabler, als man einem 3,60-Meter-Auto zutrauen würde. Auf den Vordersitzen sitzt es sich auch für größere Personen ordentlich.
Ganz ungetrübt ist das Bild nicht. Der künstliche Warnton für Fußgänger dringt als Brummen mit in den Innenraum und ging manchen Testern auf die Nerven. Belastbare Innengeräusch-Messungen bei Richtgeschwindigkeit liegen zudem kaum unabhängig vor – hier bleibt das Urteil eher beschreibend als in Dezibel gegossen.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: klein, aber clever
Auf 3,60 Metern Länge zaubert VW erstaunlich viel Nutzraum. Vorne sitzen selbst großgewachsene Fahrer bequem, der Kofferraum fasst rund 250 Liter und lässt sich dank umklappbarer Rückbank auf über 900 Liter erweitern. Praktisch ist der doppelte Ladeboden, unter dem die Ladekabel verschwinden. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht.
Für Single, Paar oder als Zweitwagen reicht das dicke aus: Zwei Getränkekisten plus Wocheneinkauf sind kein Thema. Eng wird es hinten – im Fond ist der Platz für Erwachsene knapp, längere Fahrten zu viert sind eher Notlösung.
Bei der Verarbeitung hinterlässt der e-Up! einen soliden Eindruck, nichts klappert oder knarzt. Gleichzeitig dominiert hartes Plastik, und in den Türen schaut sogar blankes Blech hervor. Im Klassenvergleich wirkt das ordentlich, absolut betrachtet spürt man an vielen Stellen den Rotstift.
Software, Bedienung & E-Funktionen: bewusst reduziert
Ein großes Zentraldisplay sucht ihr im e-Up! vergebens. Vor dem Fahrer sitzen klassische analoge Rundinstrumente, das Infotainment übernimmt euer eigenes Smartphone in einer Docking-Station samt „maps + more“-App. Echte Tasten und Schalter machen die Grundbedienung angenehm einfach und ablenkungsarm.
Praktisch: Über die We-Connect-App lassen sich Laden und Klimatisierung aus der Ferne steuern – im Winter startet ihr die Vorheizung also bequem vom Sofa. Allerdings gilt die App als teils zäh, und ein vollwertiges Navi ab Werk fehlt.
Bei den E-Funktionen bleibt der e-Up! spürbar sparsam: keine Wärmepumpe, keine Batterie-Vorkonditionierung und kein aktives Temperaturmanagement des Akkus. Auch moderne Assistenz ist Mangelware – einen Notbremsassistenten gibt es nicht, im Euro-NCAP-Crashtest reichte es nur für drei von fünf Sternen. Wer hier ein technisch aktuelles E-Auto erwartet, wird enttäuscht; wer Basis-Mobilität mit den wichtigsten Alltagsfunktionen sucht, kommt gut zurecht.
Einordnung im Ranking
Der e-Up! ist ein Spezialist: In der Stadt brilliert er, auf der Langstrecke schwächelt er – und genau das prägt seine Gesamtnote. Klassenübergreifend landet er dort, wo ein sparsamer, wendiger Kleinstwagen mit kurzer Autobahn-Reichweite eben stehen muss.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 96 von 104
Seine direkten Geschwister sind der baugleiche Seat Mii electric und der Skoda Citigo-e iV; wer mehr Reichweite braucht, schaut eher zu einem Renault Zoe. Zum reinen Listenpreis betrachtet ist der e-Up! ein gutes Preis/Leistungs-Angebot – er kostet eher etwas weniger, als die gebotene Gesamtqualität erwarten ließe. Diese Kennzahl steht bewusst neben der Gesamtnote und fließt nicht ins Ranking ein. Kurz: Für Stadtbewohner, Pendler und alle, die einen unkomplizierten Zweitwagen suchen, ist der kleine Stromer eine ehrliche Empfehlung – für Vielfahrer eher nicht.
Quellen
- ADAC – VW e-Up Test/Autokatalog
- ADAC – VW e-Up im Dauertest (75.000 km)
- EV Database – Volkswagen e-Up! (2022–2023)
- mobile.de – VW e-Up! Modellübersicht
- mobile.de Magazin – VW e-Up im großen Test
- heise autos – VW e-Up im Test: Doppelschritt
- AutoScout24 – VW e-up! Infos/Daten
- AUTO BILD – VW Up Gebrauchtwagen-Test
Bildquellen
- VW e-Up Aussenansicht — © VW Presseportal
- VW e-Up Cockpit — © VW Presseportal
- VW e-Up Sitze — © VW Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
