EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
5,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Leapmotor T03 macht genau das, wofür er gebaut wurde: bezahlbare Elektromobilität für die Stadt. Für einen kleinen Preis gibt es einen wendigen, ordentlich verarbeiteten und komplett ausgestatteten Stromer mit überraschend gutem Federungskomfort. Die Grenzen sind aber genauso deutlich: kurze Reichweite, langsames Laden, fehlendes CarPlay und Assistenten, die eher nerven als helfen. Wer überwiegend kurze Strecken fährt und zu Hause laden kann, bekommt hier viel Auto fürs Geld. Alle anderen sollten die Kompromisse sehr genau abwägen.
Pro
- Günstiger Einstiegspreis – für unter 19.000 Euro fabrikneu und voll ausgestattet
- Wendig und stadttauglich: nur 3,62 m lang, 9,7 m Wendekreis, gute Übersicht
- Für die Preisklasse solide Verarbeitung und clever genutzter Innenraum
- Überraschend komfortable Federung
- Für die Klasse kräftiger Antrieb an der Ampel
Contra
- Kurze reale Reichweite (rund 210 km) und hoher Verbrauch für die Fahrzeuggröße
- Langsames Laden: AC nur einphasig 6,6 kW, DC-Peak nur 48 kW
- Kein Apple CarPlay oder Android Auto
- Assistenzsysteme arbeiten unzuverlässig und warnen ständig; Klima und Heizung nicht parallel nutzbar
Der Leapmotor T03 ist ein vollelektrischer Kleinstwagen, den der Stellantis-Konzern gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor nach Deutschland bringt. Für unter 19.000 Euro bekommt ihr hier ein fabrikneues, komplett ausgestattetes E-Auto mit Platz für vier bis fünf Personen – ein Angebot, das bislang praktisch nur der Dacia Spring gemacht hat. Der T03 ist bewusst als Stadtauto und Zweitwagen gedacht: kurz, wendig und günstig in der Anschaffung. Wo seine echten Stärken liegen und wo die klaren Grenzen anfangen, klären wir hier.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: für die Stadt gemacht, nicht für die Autobahn
Auf dem Papier gibt Leapmotor 265 Kilometer nach WLTP an, gestützt auf einen Normverbrauch von 16,3 kWh pro 100 Kilometer. Der ADAC misst im standardisierten Ecotest jedoch einen realistischeren Alltagsverbrauch von 19,4 kWh pro 100 Kilometer – inklusive der Verluste beim Laden. Für einen so kleinen Wagen ist das erstaunlich viel, und es drückt die reale Reichweite auf rund 210 Kilometer im gemischten Betrieb.
Im Alltag heißt das: Fürs Pendeln und den innerstädtischen Verkehr reicht der T03 locker, hier sind auch im Winter noch etwa 200 Kilometer drin. Auf der Autobahn dagegen ist spätestens nach rund 150 Kilometern Schluss, und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt steigt der Verbrauch spürbar – ein Wintertest notierte 20,5 kWh mit dauerhaft laufender Heizung.
Die Kehrseite: Trotz der für die Klasse großen 36-kWh-Batterie fällt der T03 bei der Effizienz hinter sparsamere Rivalen wie den Dacia Spring zurück. Wer regelmäßig lange Strecken plant, ist mit dem kleinen Leapmotor schlicht falsch beraten.
Laden & Reisetauglichkeit: der größte Kompromiss
Beim Laden zeigt der T03 seine deutlichste Schwäche. Am Schnelllader nimmt er in der Spitze nur 48 kW an, im Schnitt zwischen 10 und 80 Prozent eher 30 kW – für diesen Ladehub muss man realistisch rund 53 Minuten einplanen. Herstellerseitig werden zwar 36 Minuten genannt, allerdings nur für den geschönten Bereich von 30 bis 80 Prozent.
Zu Hause lädt der Kleine per Wechselstrom nur einphasig mit 6,6 kW. An der Wallbox über Nacht ist das kein Problem, doch wer auf öffentliche AC-Säulen angewiesen ist, wartet deutlich länger als bei den heute üblichen 11-kW-Ladern. Ein dreiphasiger Lader fehlt.
Für die Langstrecke bedeutet das eine doppelte Bremse: kurze Reichweite trifft auf langsames Laden. Als reines Stadt- und Pendlerauto mit fester Lademöglichkeit funktioniert der T03 gut – als Urlaubsbegleiter auf der Autobahn wird er zur Geduldsprobe.
Antrieb & Fahrdynamik: flott an der Ampel, zäh ab Tempo 100
Der Elektromotor an der Vorderachse leistet 70 kW, also rund 95 PS, und liefert 158 Nm Drehmoment. Das reicht für ein spritziges Anfahren: Tempo 50 ist nach etwa fünf Sekunden erreicht, was den T03 im Stadtverkehr souverän wirken lässt. Bis 100 km/h vergehen allerdings 12,7 Sekunden, bei 130 km/h ist Schluss.
Praktisch passt das zum Einsatzzweck: In der Stadt und auf der Landstraße fühlt sich der Kleine ausreichend munter an. Jenseits der 100 km/h wird er dagegen zäh, und die weiche, leichtgängige Lenkung vermittelt wenig Rückmeldung. Bei flotter Kurvenfahrt neigt sich die Karosserie deutlich, und bei Seitenwind wird der Geradeauslauf nervös.
Die Kehrseite ist also klar: Der T03 ist ein City-Talent ohne dynamische Ambitionen. Wer Fahrspaß auf kurvigen Strecken sucht, findet ihn hier nicht – muss ihn in dieser Klasse und Preisklasse aber auch nicht erwarten.
Komfort & Geräusch: erstaunlich sanft, aber laut bei Tempo
Positiv überrascht der Federungskomfort. Tester loben, dass der T03 selbst Kopfsteinpflaster erstaunlich gut wegschluckt und nicht staksig anspricht – für einen leichten Kleinstwagen keine Selbstverständlichkeit. Eine Luftfederung gibt es in dieser Klasse selbstredend nicht, nötig ist sie für den städtischen Alltag aber auch nicht.
Getrübt wird der Eindruck vom Geräuschniveau. Ab etwa 100 km/h streicht der Wind hörbar um die Karosserie und macht dem Radio das Leben schwer. Hinzu kommt der vorgeschriebene Warnton für Fußgänger, der im Innenraum bis rund 30 km/h ungewöhnlich präsent ist.
Ein echter Alltagsärgernis steckt im Detail: Klimaanlage und Heizung lassen sich nicht gleichzeitig betreiben. Bei beschlagenen Scheiben im Winter ist das mehr als nur unbequem.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: klein, aber clever genutzt
Mit 3,62 Metern Länge und einem für die Klasse großzügigen Radstand von 2,40 Metern holt der T03 innen mehr heraus, als die Außenmaße vermuten lassen. Vorne sitzt man luftig, sogar große Menschen finden im Fond noch knapp ausreichend Platz – für einen Kleinstwagen beachtlich. Fünf Sitzplätze sind vorhanden, wobei die Mitte hinten sehr schmal ausfällt.
Der Kofferraum fasst 210 Liter, mit umgeklappter Rückbank rund 508 Liter bis maximal 880 Liter. Praktisch ist das überschaubar: Die Ladekante ist hoch, die Lehne nur komplett umlegbar, und beim Umklappen bleibt eine Stufe. Die Zuladung liegt bei mageren 289 Kilogramm, einen Frunk gibt es nicht.
Bei der Verarbeitung sammelt der T03 Pluspunkte: Materialien und Zusammenbau wirken solide und keineswegs billig – hochwertiger als beim Dacia Spring. Der Haken: Das Cockpit besteht nahezu vollständig aus Hartplastik. Für den Preis geht das in Ordnung, Premium-Anmutung darf man aber nicht erwarten.
Software, Bedienung & E-Funktionen: schnell, aber eigenwillig
Im Zentrum steht ein 10,1 Zoll großer Touchscreen, der laut Tests flüssig reagiert und übersichtlich aufgebaut ist. Davor sitzt ein digitales Kombiinstrument mit allen wichtigen Infos. So weit, so gut – doch die Ergonomie hat Tücken: Der Bildschirm sitzt tief, spiegelt stark, und sein linkes Drittel wird vom Lenkrad verdeckt.
Weil nahezu alles über den Touchscreen läuft, inklusive Licht und Klima, wandert der Blick beim Bedienen oft von der Straße. Der größte Kritikpunkt für viele: Apple CarPlay und Android Auto fehlen und sind auch nicht geplant. Immerhin sind Navigation mit Ladesäulen-Anzeige und eine für die Preisklasse gute Rückfahrkamera an Bord.
Beim Thema Assistenz liefert der „Leap-Pilot“ zehn Systeme serienmäßig – auf dem Papier stark. In der Praxis kritisieren Tester allerdings die ständige Warntönerei und einen adaptiven Tempomaten, der nur unzuverlässig arbeitet. Eine bidirektionale Vehicle-to-Load-Funktion und OTA-Updates runden das Paket ab.
Einordnung im Ranking
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 102 von 104
Richtig stark ist der T03 dort, wo es zählt: beim Preis. Fürs Gebotene ruft Leapmotor einen sehr fairen Kurs auf – ihr bekommt hier spürbar mehr Auto, als der niedrige Einstiegspreis vermuten lässt. Für Stadtpendler, Erst-E-Auto-Käufer und als Zweitwagen mit fester Lademöglichkeit ist er damit ein heißer Tipp. Wer eine echte Reichweite oder CarPlay braucht, sollte dagegen eine Klasse höher schauen.
Quellen
Bildquellen
- Leapmotor T03 Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
- Leapmotor T03 Heckansicht — © Stellantis Presseportal
- Leapmotor T03 Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
- Leapmotor T03 Infotainment — © Stellantis Presseportal
- Leapmotor T03 Sitze — © Stellantis Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
