Ford Explorer (Extended Range RWD) im Test: das effiziente Vernunft-SUV

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

60,0 % 3,60 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der elektrische Ford Explorer ist ein ehrliches, alltagstaugliches Kompakt-SUV, das seine größten Stärken dort ausspielt, wo es zählt: Er fährt effizient, bietet viel Platz und eine ausgereifte Assistenz aus dem VW-Regal. Dafür müsst ihr mit Kompromissen leben – das Laden bleibt mit 135 kW und 400-Volt-Technik nur Mittelmaß, die Materialanmutung ist spürbar sparsam, und die reine Touch-Bedienung samt zickiger Lenkrad-Sensortasten kostet Nerven. Unterm Strich bekommt ihr aber viel vernünftiges Auto fürs Geld: Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist gut und fällt etwas günstiger aus, als man erwarten würde. Wer ein effizientes Familien-E-SUV ohne Premium-Aufpreis sucht, macht mit der Heckantriebs-Version nur wenig falsch.

Pro

  • Sehr effizient: real rund 18 kWh und gute Alltagsreichweite
  • Geräumig mit großem Kofferraum und cleverer Mittelkonsole
  • Ausgereifte Fahrerassistenz und solides Fahrverhalten
  • Attraktives Preis/Leistungs-Verhältnis

Contra

  • Nur 135 kW Ladeleistung, keine 800-Volt-Technik
  • Spürbar einfache Materialanmutung, vor allem im Fond
  • Bedienung fast nur per Touch, Lenkrad-Sensortasten zu empfindlich
  • Kein Frunk fürs Ladekabel

Ford schickt mit dem Explorer ein rein elektrisches Kompakt-SUV ins Rennen, das ihr auf den ersten Blick kaum als Verwandten des VW ID.4 erkennt – unter dem eigenständigen Blech steckt aber genau dessen MEB-Technik. Wir schauen uns hier die Variante an, die für die meisten die vernünftigste ist: den Extended Range mit Heckantrieb, großem 77-kWh-Akku und 286 PS. Gedacht ist er für Familien und Pendler, die ein geräumiges, effizientes E-SUV ohne Premium-Aufpreis suchen. Wie sich zeigt, spielt der Ford seine Stärken bei Effizienz und Platz aus – dafür macht er bei Material und Ladetempo Abstriche.

Bildergalerie

Ford Explorer Aussensicht
Ford Explorer Heckansicht
Ford Explorer Seitenansicht
Ford Explorer Innenraum
Ford Explorer Sitze
Ford Explorer Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 41.435 €
Nutzbare Batterie 77 kWh
Realverbrauch 18 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,6 kWh/100 km
Reale Reichweite 450 km
Ladeleistung (Peak) 135 kW
Ladezeit 10–80 % 28 min
Leistung 210 kW (286 PS)
0–100 km/h 6,4 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Kofferraum 470 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.000 kg
Wendekreis 11,4 m
Maße (L×B) 4.468 × 1.871 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: die heiße Paradedisziplin

Der größte Trumpf des Explorer ist seine Effizienz. In unabhängigen Tests lag der Verbrauch über gemischte Strecken bei rund 18 kWh auf 100 Kilometer – in einem Langstreckentest über 772 Kilometer waren es sogar nur knapp 17,7 kWh, und das ohne bewusste Sparfügelei. Auf der Landstraße sind Tester bei moderaten Temperaturen bis auf 15,5 kWh gekommen. Für ein gut zwei Tonnen schweres SUV ist das ein richtig ordentlicher Wert. Der offizielle WLTP-Verbrauch liegt bei etwa 15,6 kWh.

Aus dem nutzbaren 77-kWh-Akku ergibt das im Alltag eine reale Reichweite von grob 450 Kilometern. Zum Pendeln, für Einkaufsfahrten und die Familienrunde am Wochenende reicht das locker über die Woche, ohne dass ihr ständig an die Ladung denken müsst. Auffallend: Die effizientere Heckantriebs-Version zieht hier klar an der schwereren Allrad-Variante vorbei, die in Messungen spürbar mehr Strom braucht.

Die Kehrseite zeigt sich auf der Autobahn. Bei Tempo 130 klettert der Verbrauch je nach Temperatur auf 20 bis 23 kWh, womit die realistische Autobahn-Reichweite auf etwa 400 Kilometer schrumpft. Im Winter geht davon wie bei jedem Stromer noch einmal etwas ab. Wer viel schnell auf der Langstrecke unterwegs ist, sollte das einplanen.

Laden & Reisetauglichkeit: solide, aber kein Sprinter

Beim Laden gibt sich der Explorer durchschnittlich. An der Gleichstrom-Schnellladesäule nimmt die Heckantriebs-Version maximal 135 kW an; von 10 auf 80 Prozent vergehen unter guten Bedingungen rund 28 Minuten. Zu Hause oder an der Wechselstromsäule sind bis zu 11 kW möglich, eine volle Ladung dauert dort gut sieben Stunden.

In Kombination mit der guten Reichweite ergibt das eine brauchbare Langstreckentauglichkeit: Ein Kaffeestopp lädt genug Kilometer nach, um zügig weiterzukommen, und die Routenplanung bezieht Ladestopps automatisch ein. Für die typische Urlaubsfahrt mit Familie ist der Ford damit gut planbar unterwegs.

Die Schwachstelle ist die fehlende 800-Volt-Technik. Schnelllade-Könner wie der Hyundai Ioniq 5 sind mit rund 18 Minuten für denselben Ladehub deutlich flotter. Dazu kommt: Ist die Batterie kalt und wurde nicht rechtzeitig vorkonditioniert, fällt die Ladeleistung in der Praxis merklich niedriger aus als die 135 kW auf dem Papier.

Antrieb & Fahrdynamik: kräftig und gelassen

Der einzelne Heckmotor leistet 210 kW (rund 286 PS) und stemmt 545 Nm auf die Hinterachse. Damit sprintet der Explorer in 6,4 Sekunden auf 100 km/h, bei 180 km/h ist Schluss. Im Alltag ist das reichlich Kraft: An der Ampel, beim Überholen und beim Auffahren auf die Autobahn hängt der Ford munter am Fahrpedal, und der Hinterradantrieb sorgt für saubere Traktion auch aus Kurven heraus.

Das Fahrwerk ist auf Sicherheit statt Schärfe abgestimmt. Tester beschreiben ein ruhiges, ausgewogenes Verhalten, ein sensibel regelndes ESP und stabile Autobahn-Manieren. Ford hat Aufhängung und Dämpfer gegenüber den VW-Verwandten leicht angepasst, an der grundlegenden Plattform ändert das aber wenig.

Wer ein echtes Sportgerät im Sinne früherer Focus-Modelle erwartet, wird nicht ganz fündig: Die Lenkung ist leichtgängig, aber wenig mitteilsam, und die Bremse spricht etwas synthetisch an. Die rund 2,1 Tonnen Gewicht lassen sich zwar gut kaschieren, ganz verschwinden sie aber nie.

Komfort & Geräusch: ordentlich, mit Luft nach oben

Beim Federungskomfort gehen die Urteile auseinander. Während der ADAC das Fahrwerk als eher straff mit einer Tendenz zum Wippen kritisiert, empfinden es andere Redaktionen als straff, aber nicht unkomfortabel. Einig ist man sich, dass lange Bodenwellen souverän weggebügelt werden, kurze Stoßfugen und Kanten aber spürbar durchkommen. Ein adaptives Fahrwerk gibt es nicht.

Beim Geräuschkomfort schlägt sich der Explorer gut: Bis etwa 130 km/h halten sich Wind- und Abrollgeräusche im Hintergrund, der Antrieb arbeitet ohnehin leise. Für die Langstrecke ist das eine angenehm ruhige Basis – den letzten Feinschliff zum echten Komfort-SUV bleibt der Ford aber schuldig.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, spürbares Sparen

Beim Platz punktet der Explorer. Der Kofferraum fasst rund 470 Liter und wächst mit umgeklappter Rückbank auf etwa 1.460 Liter – für die Kompaktklasse ein guter Wert. Vorn wie hinten sitzt man geräumig, auch größere Passagiere haben im Fond ordentlich Kopf- und Beinfreiheit. Ein cleveres Detail ist die 17 Liter große, umbaubare Mittelkonsole, in der auch ein Laptop Platz findet.

Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es dagegen nicht – die Ladekabel müssen also in den Kofferraum. Das ist im Alltag verschmerzbar, aber schade.

Bei der Verarbeitung wird das Preisbewusstsein deutlich. Tester bescheinigen einen befriedigenden Gesamteindruck, bemängeln aber viel hartes, teils knarzendes Plastik, eine im Fond klar einfachere Materialwahl und eine etwas wackelige Mittelkonsole. Die Ausstattung ist dafür schon in der Basis reichhaltig – Ford legt das Geld sichtbar eher in Features als in Anmutung.

Software, Bedienung & E-Funktionen: gut gedacht, halb per Touch

Im Zentrum steht ein 14,6 Zoll großer, neigbarer Touchscreen mit Fords SYNC-Move-System. Drahtloses Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, die Menüs gelten als übersichtlich, und eine dauerhaft eingeblendete Leiste für die Klimasteuerung hilft im Alltag. Bei den E-Funktionen ist das übliche MEB-Repertoire da: Batterie-Vorkonditionierung, ein Battery-Care-Modus zum Schonen des Akkus, Plug & Charge und eine Ladeplanung mit automatischen Stopps.

Die Fahrerassistenz stammt spürbar von VW und arbeitet ausgereift – der adaptive Tempomat erkennt zum Beispiel Tempolimits und passt die Geschwindigkeit an. Eine Wärmepumpe kostet Aufpreis, ein echtes One-Pedal-Driving fehlt, und die Rekuperation in Stufe B fällt eher zurückhaltend aus.

Der größte Kritikpunkt ist die Bedienung fast ausschließlich über den Bildschirm: Physische Tasten sucht man vergebens, und die Sensortasten am Lenkrad – ebenfalls ein VW-Erbe – reagieren im Test oft zu empfindlich und lösen ungewollt aus. Ein Head-up-Display gibt es nur optional.

Bildergalerie

Ford Explorer Aussensicht
Ford Explorer Heckansicht
Ford Explorer Seitenansicht
Ford Explorer Innenraum
Ford Explorer Sitze
Ford Explorer Kofferraum

Einordnung im Ranking: der effiziente Vernünftige

Der Ford Explorer trifft auf ein dicht besetztes Feld: Skoda Enyaq, VW ID.4, Nissan Ariya sowie die schnellladenden Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 und natürlich das Tesla Model Y. In diesem Umfeld positioniert er sich als der effiziente, praktische Vernünftige – stark bei Verbrauch und Platz, ausgereift bei der Assistenz, aber gebremst durch mageres Ladetempo und einfache Materialien. Preislich landet er nach der 2026er Anpassung angenehm attraktiv, sodass er beim Preis/Leistungs-Verhältnis etwas günstiger ausfällt, als man für das Gebotene erwarten würde.

Am besten passt er zu effizienzbewussten Familien und Pendlern, die ein geräumiges E-SUV für den Alltag und gelegentliche Langstrecke suchen und dafür auf 800-Volt-Ladetempo und Premium-Anmutung verzichten können.

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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