Volvo EX90 im Test: viel Komfort, viel Auto, hoher Preis

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

65,0 % 3,90 / 6

Preis/Leistung

0,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Volvo EX90 ist ein Meister der leisen Töne: Kaum ein Elektro-SUV reist so ruhig und gelassen, dazu gibt es serienmäßig sieben Sitze, viel Platz und ein hohes Sicherheitsniveau. Diese Stärken erkauft er sich aber mit einem hohen Realverbrauch, einer zähen Touch-Bedienung und einem stolzen Preis. Wer Komfort und Platz über alles stellt und überwiegend gemischte Strecken fährt, bekommt ein rundum entspannendes Auto. Wer Effizienz, schnelles Laden und eine durchdachte Bedienung erwartet, sollte genau hinschauen.

Pro

  • Referenzverdächtiger Geräusch- und Federungskomfort, schon mit Serienfahrwerk
  • Serienmäßig sieben Sitze, sehr viel Platz vorn und im Fond
  • Hohes Sicherheits- und Assistenzniveau, Wärmepumpe und Vorkonditionierung serienmäßig
  • Große Batterie sorgt bei gemäßigten Bedingungen für alltagstaugliche Reichweite

Contra

  • Hoher Realverbrauch, im Winter und auf der Autobahn deutlich über 30 kWh/100 km
  • Träge, fast reine Touch-Bedienung mit Software-Schwächen
  • Für die Stadt sperrig: über fünf Meter lang, großer Wendekreis
  • Sehr hoher Preis, schwaches Preis/Leistungs-Verhältnis

Der Volvo EX90 ist die große, vollelektrische Antwort auf den XC90: ein über fünf Meter langes Oberklasse-SUV mit serienmäßig sieben Sitzen, das vor allem zwei Dinge sein will — sicher und komfortabel. Wir haben uns die Variante mit Allradantrieb und dem großen 107-kWh-Akku angesehen (400-Volt-Technik, Modelljahr 2024/25). Herausgekommen ist ein Auto mit einer glasklaren Paradedisziplin und ein paar ebenso deutlichen Baustellen. Für wen sich der schwere Schwede lohnt und wo er patzt, lest ihr hier.

Bildergalerie

Volvo EX90 Aussenansicht
Volvo EX90 Heckansicht
Volvo EX90 Seitenansicht
Volvo EX90 Innenraum
Volvo EX90 Sitze

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 91.700 €
Nutzbare Batterie 107 kWh
Realverbrauch 21,2 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 20,9 kWh/100 km
Reale Reichweite 505 km
Ladeleistung (Peak) 250 kW
Ladezeit 10–80 % 30 min
Leistung 300 kW (408 PS)
0–100 km/h 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Kofferraum 655 l
Frunk 37 l
Sitzplätze 7 Sitze
Anhängelast 2.200 kg
Wendekreis 12,2 m
Maße (L×B) 5.037 × 1.964 mm
Antrieb Allrad

Reichweite & Verbrauch: die große Batterie muss viel Masse bewegen

Im EX90 steckt ein für die Klasse üppiger Akku: netto 107 kWh (brutto 111 kWh). Nach WLTP verspricht Volvo bis zu rund 610 Kilometer. Realistischer ist der kombinierte Alltagswert: Bei gemäßigten Bedingungen kommt der Allradler auf grob 500 Kilometer, was für ein knapp 2,8 Tonnen schweres SUV ordentlich ist.

Der Haken ist der Verbrauch. Bei milden Temperaturen und ruhiger Fahrt liegt er um 21 kWh auf 100 Kilometer — im Winter und auf der Autobahn klettert er in unabhängigen Messungen aber deutlich über 30 kWh, in Extremfällen Richtung 35 bis 42 kWh. Dann schrumpft die Reichweite spürbar auf um die 350 Kilometer. Effizienz ist damit nicht die Stärke des großen Volvo; wer viel und schnell Autobahn fährt, muss die WLTP-Zahl gedanklich kräftig kürzen. Für den typischen Familien- und Pendelalltag mit gemischtem Streckenprofil reicht die Reserve dagegen fast immer locker.

Laden & Reisetauglichkeit: solide, aber kein Schnelllade-Ass

Die kanonische 400-Volt-Version lädt laut Volvo mit bis zu 250 kW. In der Praxis wird dieser Spitzenwert allerdings nicht ausgereizt — Messungen an der Baureihe zeigen einen deutlich niedrigeren realen Peak. Von 10 auf 80 Prozent vergehen so rund 30 Minuten. Das ist brauchbar, aber angesichts von Preis und Batteriegröße kein Bestwert.

Auf der Langstrecke bedeutet das: Der EX90 fährt entspannt und weit, zwingt euch bei zügigem Autobahntempo wegen des hohen Verbrauchs aber häufiger zur Pause, als es die reine Akkugröße vermuten lässt. Wechselstrom lädt er nur einphasig bis dreiphasig mit 11 kW — einen 22-kW-Lader gibt es nicht, was an der heimischen Wallbox längere Standzeiten bedeutet. Wer die Ladeplanung dem eingebauten Google-Navi überlässt, wird ordentlich zu passenden Stopps geführt.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän statt sportlich

Zwei Motoren leisten zusammen rund 408 PS und schieben das SUV in etwa 5,9 Sekunden auf Tempo 100. Das fühlt sich für einen Koloss dieser Größe erstaunlich kräftig an, auch wenn Volvo bei 180 km/h abregelt. Wer mehr Leistung will, findet sie in der stärkeren Performance-Version — nötig ist sie für den Alltag nicht.

Fahrdynamisch gibt sich der EX90 souverän: Das optionale Luftfahrwerk hält die knapp 2,8 Tonnen ordentlich in Schach, Alpenpass-Ambitionen sollte man aber keine haben. Die Lenkung ist auf Komfort ausgelegt, nicht auf Rückmeldung. Kurz: Der Volvo will kein Kurvenräuber sein, sondern gelassen gleiten — und das gelingt ihm gut.

Komfort & Geräusch: hier spielt der EX90 seine größte Karte aus

Das ist die Paradedisziplin. Tester loben den Geräuschkomfort als nahezu referenzverdächtig: Selbst bei Autobahntempo bleibt der Innenraum so ruhig, dass man sich fast flüsternd unterhalten kann. Alles, was draußen ist, bleibt draußen.

Beim Fahrwerk gilt: Schon das serienmäßige Stahlfeder-Setup wird als souverän und ausgewogen beschrieben — die aufpreispflichtige Luftfederung ist eine Kür, kein Muss. Der EX90 bügelt Unebenheiten weich weg und vermittelt genau das entspannte, gehobene Reisegefühl, das man von einem Volvo dieser Größe erwartet. Wer Ruhe und Gelassenheit sucht, wird hier bestens bedient.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: Platz satt, feiner Stoff, kleine Sparstellen

Serienmäßig ist der EX90 ein Siebensitzer — das bietet in dieser Klasse längst nicht jeder. In Reihe eins und zwei geht es fürstlich zu, die dritte Reihe taugt allerdings nur für Kinder oder Kurzstrecken. Der Kofferraum fasst hinter der zweiten Sitzreihe rund 655 Liter und wächst umgeklappt auf über 2.100 Liter; bei voller Bestuhlung bleiben eher bescheidene 300 bis 320 Liter. Vorn gibt es zusätzlich einen kleinen Frunk von rund 37 Litern für die Ladekabel.

Die Materialien sind hochwertig, teils recycelt, und Volvo verzichtet bewusst auf Leder. Ganz makellos ist der Premium-Eindruck aber nicht: Tester bemängeln vereinzelt knarzendes Hartplastik und ein spürbares Spardiktat — etwa bei den Fensterheber- und Spiegelbedienungen. Für ein Auto dieser Preisklasse ist das schade.

Software, Bedienung & E-Funktionen: der größte Kritikpunkt

Hier wird aus dem Wohlfühl-Volvo ein zwiespältiges Erlebnis. Nahezu alles läuft über den zentralen Touchscreen — bis hin zu Spiegelverstellung, Klima und Handschuhfach. Physische Knöpfe fehlen fast völlig, das System reagiert gelegentlich träge, und selbst simple Kommandos scheitern schon mal an der Google-Sprachbedienung. Wer vom Verbrenner umsteigt, braucht Geduld.

Auf der Haben-Seite steht ein starkes Sicherheits- und Assistenzpaket sowie die serienmäßige Wärmepumpe und die vorausschauende Batterie-Vorkonditionierung — beides hilft, im Winter Energie zu sparen. Bidirektionales Laden (etwa um andere Geräte oder das Haus zu versorgen) hat Volvo angekündigt, serienmäßig nutzbar ist es aktuell aber noch nicht. Unterm Strich ist die Technikbasis modern, die Bedienung hinkt dem Anspruch aber hinterher.

Bildergalerie

Volvo EX90 Aussenansicht
Volvo EX90 Heckansicht
Volvo EX90 Seitenansicht
Volvo EX90 Innenraum
Volvo EX90 Sitze

Einordnung im Ranking: viel Auto, hoher Preis

Der Volvo EX90 ist ein grundsympathisches, extrem komfortables Reise-SUV mit viel Platz und hohem Sicherheitsniveau — aber mit klaren Schwächen bei Effizienz und Bedienung. In seinem Umfeld trifft er auf Schwergewichte wie den Kia EV9, den BMW iX, das Mercedes EQE SUV und den technisch verwandten Polestar 3. Wer ein leises, geräumiges Familien-SUV für gemächliche Langstrecken sucht und die eigenwillige Bedienung akzeptiert, ist hier richtig.

Ein Punkt bleibt aber unübersehbar: Beim Preis/Leistungs-Verhältnis schneidet der EX90 schwach ab. Für das Gebotene ist er sehr teuer — man bezahlt hier spürbar den Namen, die Größe und den Komfort mit. Wo genau er sich im Gesamtfeld einsortiert, seht ihr hier:

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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