EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Abarth 500e macht genau eine Sache richtig gut: Er ist ein wendiger, charakterstarker Stadtflitzer mit einem Handling, das man einem elektrischen Kleinstwagen so nicht zutraut. Alles andere ist Kompromiss. Die Reichweite von rund 205 Kilometern im gemischten Betrieb ist knapp, die fehlende Wärmepumpe macht den Winter unangenehm, hinten und im Kofferraum wird es eng, und das Fahrwerk ist hart. Für den Preis der Basisversion bekommt ihr anderswo mehr Auto — wenn ihr aber kurze Wege fahrt, zu Hause laden könnt und den Auftritt bewusst wollt, ist der kleine Skorpion ein ehrliches Spaßgerät mit klaren Grenzen.
Pro
- Agiles, präzises Handling und direkte Lenkung
- Sehr wendig in der Stadt: 3,67 m Länge, 9,4 m Wendekreis
- Uconnect-Infotainment serienmäßig mit Navigation, Klimabedienung bleibt physisch
- Echtes Fahren mit einem Pedal bis zum Stillstand
- Soundgenerator abschaltbar
Contra
- Kurze Reichweite, im Alltag oft unter 200 km
- Weder Wärmepumpe noch Batterievorkonditionierung bestellbar
- Kein Abstandstempomat, kein V2L, kein Frunk
- Enger Fond, nur 185 l Kofferraum, kein Anhängerbetrieb
- Straffes Fahrwerk mit wenig Federungskomfort
- Sitzposition kaum anpassbar
- Rückfahrkamera erst in der teureren Linie Turismo
Der Abarth 500e ist der Versuch, eine laute italienische Kultmarke ohne Auspuff weiterzuleben. Aus dem knuffigen Fiat 500e wird hier ein Kleinstwagen mit 155 PS, Sportfahrwerk, größeren Bremsen und einem Lautsprecher unter dem Heck, der den alten Vierzylinder imitiert. Gedacht ist er für Leute, die in der Stadt und auf der Landstraße Spaß wollen und dafür bereit sind, praktische Argumente hinten anzustellen. Wie viel vom Abarth-Versprechen elektrisch übrig bleibt und wo der kleine Skorpion deutlich zwickt, ordnen wir hier auf Basis der verfügbaren Messdaten und Fahrberichte ein.
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Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: der Preis für die Extraleistung
Hier liegt die größte Schwachstelle des Autos, und sie ist keine Überraschung. Der Akku mit 37,8 kWh nutzbarer Kapazität stammt unverändert aus dem Fiat 500e, die Leistung aber ist deutlich höher, die Reifen sind breiter und das Fahrwerk straffer. Schon auf dem Papier zeigt sich das: Der Normverbrauch nach WLTP liegt bei 17,1 kWh je 100 Kilometer und damit rund ein Viertel über dem des zahmeren Fiat.
Ein eigener standardisierter Realtest des Abarth liegt bislang nicht vor. Rechnet man das Ergebnis des baugleichen Fiat aus dem ADAC Ecotest über die Normwerte auf die stärkere Variante hoch, landet man im gemischten Betrieb aus Stadt, Landstraße und Autobahn bei rund 21 kWh je 100 Kilometer inklusive Ladeverluste und damit bei etwa 205 Kilometern Reichweite. Diese Zahl ist eine Übertragung, kein Messwert, und dürfte den Aufschlag durch Mehrgewicht und Sportreifen eher noch unterschätzen.
Die unabhängigen Fahrberichte stützen das oder liegen sogar darunter: Redaktionen berichten von gut 180 bis 200 Kilometern im Alltag, auf der Testrunde von auto motor und sport waren es 148 Kilometer, und bei zügiger Autobahnfahrt meldet AUTO BILD ein leeres Akkupaket schon nach rund 120 Kilometern. Für den Weg ins Büro und zurück reicht das bequem. Wer regelmäßig 200 Kilometer am Stück fährt, ist mit diesem Auto falsch beraten.
Laden & Reisetauglichkeit: für die Stadt gebaut, nicht für die Bahn
Am Schnelllader nimmt der 500e laut Abarth bis zu 85 kW, in der Praxis pendelt sich die Leistung darunter ein. Von 10 auf 80 Prozent vergehen rund 25 Minuten, was für einen kleinen Akku ordentlich klingt, in absoluten Kilometern aber wenig bringt: Ein Stopp liefert eben nur einen Bruchteil dessen, was ein Mittelklasse-Stromer nachlädt. Zu Hause lädt der Wagen dreiphasig mit bis zu 11 kW, eine volle Ladung dauert damit gut vier Stunden.
Kritischer als das Tempo ist, was fehlt. Der Abarth hat weder Wärmepumpe noch Batterieheizung und keine Vorkonditionierung des Akkus vor dem Schnellladen. Im Winter kostet das doppelt: Die Reichweite sinkt spürbar, und der kalte Akku nimmt am Lader weniger Leistung an. Wer keine eigene Wallbox hat und im Januar an der Straße parkt, merkt das jeden Morgen.
Für längere Fahrten kommt erschwerend hinzu, dass die Höchstgeschwindigkeit bei 155 km/h abgeregelt ist und der Verbrauch schon davor stark steigt. Eine Anhängerkupplung gibt es nicht, der Wagen ist für Anhängerbetrieb gar nicht zugelassen. Ein Frunk unter der Haube fehlt ebenfalls, das Ladekabel wandert also in den ohnehin kleinen Kofferraum. Als Zweitwagen ist all das verschmerzbar, als einziges Auto im Haushalt nicht.
Antrieb & Fahrdynamik: agil, aber kein Kraftwerk
114 kW und 235 Nm klingen in einem 3,67 Meter kurzen Auto nach viel, und aus dem Stand fühlt sich das auch so an. Gemessen wurden von auto motor und sport 7,7 Sekunden auf 100 km/h, der Hersteller nennt 7,0 Sekunden. Beides ist flott genug für den Alltag, für einen Wagen mit Skorpion im Logo aber eher zurückhaltend. Dazu kommt eine Eigenheit, die Tester ausdrücklich anmerken: Oberhalb von etwa 90 Prozent Ladezustand steht die volle Spitzenleistung nicht zur Verfügung.
Stärker ist der 500e beim Kurvenfahren. Der tief liegende Akku, der kurze Radstand und die neu abgestimmte Lenkung ergeben ein Handling, das Redaktionen als deutlich erwachsener und besser austariert beschreiben als bei den früheren Benzinern, ohne dabei brav zu wirken. Über enge Landstraßen macht das Auto damit erkennbar mehr Freude als der Fiat, auf dem es basiert.
Die Grenze setzt die Vorderachse. Wer aus langsamen Kurven zu grob am Fahrpedal zieht, überfordert den Grip; eine Differenzialsperre gibt es nicht. Und der Soundgenerator überzeugt nicht jeden: Manche Tester finden ihn charmant, andere vermissen die Emotion des alten Vierzylinders und beschreiben den Antrieb im Vergleich als vergleichsweise nüchtern. Abschalten lässt er sich immerhin.
Komfort & Geräusch: straff abgestimmt, kurzer Radstand
Sportlich abgestimmte Kleinstwagen haben es beim Federungskomfort schwer, und der 500e macht davon keine Ausnahme. Der Radstand von nur 2,32 Metern lässt dem Fahrwerk wenig Zeit, Unebenheiten zu verarbeiten, die straffere Abstimmung und die großen Räder verstärken das zusätzlich. Auf schlecht geflicktem Asphalt bockt das Auto nach übereinstimmenden Beschreibungen spürbar.
Ganz einig sind sich die Tester allerdings nicht. Während auto motor und sport die Federelemente als nur mäßig ansprechend beschreibt, attestiert der Tour-Check von VISION mobility der Abstimmung trotz Straffheit einen brauchbaren Restkomfort. Wahrscheinlich spielt die Radgröße eine Rolle: Die Basis rollt auf 17 Zoll, viele Testwagen waren mit 18 Zoll unterwegs.
Im Alltag heißt das: In der Stadt und auf gepflegten Landstraßen ist der 500e gut erträglich, auf langen Autobahnetappen mit Querfugen wird er anstrengend. Wer aus einem komfortabel abgestimmten Kompaktwagen umsteigt, sollte das vor dem Kauf unbedingt auf einer schlechten Strecke ausprobieren.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: charmant und eng
Der 500e ist als Viersitzer zugelassen, und diese vier Plätze sind sehr unterschiedlich nutzbar. Vorn sitzt man ordentlich, hinten ist der Platz nach Einschätzung des ADAC extrem knapp; die Rückbank taugt für Kinder und kurze Strecken. Der Kofferraum fasst 185 Liter, das reicht für den Wocheneinkauf und eine Reisetasche, nicht für den Familienurlaub. Mit umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 550 Liter.
Eine Einschränkung fällt in Tests immer wieder auf: Sitzhöhe und Lenkradverstellung stoßen früh an ihre Grenzen, die Sitzposition lässt sich also kaum an den eigenen Körperbau anpassen. Wer groß ist oder eine bestimmte Haltung braucht, sollte das vor dem Kauf ausprobieren.
Bei den Materialien bleibt der Abarth ein Fiat 500e mit Sportkleid. Der ADAC beschreibt das Cockpit des Schwestermodells als von harten, günstigen Kunststoffen geprägt; daran ändern Sportsitze, Alcantara-Optik und viel Skorpion-Branding nichts Grundsätzliches. Die Verarbeitung selbst gilt als solide. Wichtig für die Kaufentscheidung: Die hier zugrundeliegende Basisausstattung hat nur Parksensoren hinten. Die HD-Rückfahrkamera samt Rundumsicht ist der teureren Linie Turismo vorbehalten, und eine Wärmepumpe lässt sich überhaupt nicht bestellen.
Software, Bedienung & E-Funktionen: solide Basis, dünne Kür
Das Uconnect-System mit 10,25-Zoll-Touchscreen und digitalem Kombiinstrument ist serienmäßig an Bord, inklusive Navigation, DAB-Radio, kabelloser Smartphone-Einbindung und induktiver Ladeschale. Die Bedienung geht laut Fahrberichten in Ordnung, die Lenkradtasten funktionieren gut, und die Klimaanlage behält echte Tasten statt eines Touch-Menüs. Das ist in dieser Preisklasse längst nicht selbstverständlich.
Kritik gibt es dennoch. Das Multimedia-Menü wirkt anfangs unübersichtlich, und manche Einstellungen sind über den Hauptbildschirm zu erreichen, andere über das Instrument vor dem Fahrer. In einem Test fiel zudem eine zeitweise verzögerte Tachoanzeige auf.
Bei den elektroauto-typischen Funktionen wird es dünn. Notbremsassistent, aktiver Spurhalter, Verkehrszeichen- und Müdigkeitserkennung sind Serie, ein Abstandstempomat dagegen fehlt, was auf der Autobahn deutlich auffällt. Es gibt kein Vehicle-to-Load, kein Plug and Charge und keine Batterievorkonditionierung. Positiv hervorgehoben wird das echte, bis zum Stillstand wirkende Fahren mit einem Pedal im Street-Modus, das im Stadtverkehr gut funktioniert.
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Einordnung im Ranking
Der Abarth 500e ist ein Spezialist, und unser Bewertungssystem misst alle Autos an denselben absoluten Maßstäben. Bei Stadttauglichkeit spielt er deshalb ganz vorn mit: 3,67 Meter Länge und ein Wendekreis von 9,4 Metern sind eine Ansage. Bei Reichweite, Reisetauglichkeit und Raumangebot fällt er dagegen deutlich zurück, und der Effizienzaufschlag gegenüber dem Fiat kostet zusätzlich Punkte.
Beim Preis wird es unangenehm. Für das, was der Wagen an Platz, Reichweite und Ausstattung bietet, ist er etwas teuer fürs Gebotene. Direkte Alternativen wie der Renault 5 E-Tech oder der Mini Cooper E liefern für ähnliches Geld mehr Reichweite oder mehr Raum, ohne den Fahrspaß völlig zu opfern. Für wen sich der 500e trotzdem lohnt: für Käufer mit Wallbox und kurzen Wegen, die den Auftritt und das Handling bewusst wollen und den Wagen als Zweitauto einsetzen. Wer ein Alltagsauto für alles sucht, ist woanders besser aufgehoben.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 147 von 162
Quellen
- ADAC Autokatalog: Abarth 500e (42 kWh), ab 05/23
- ADAC Autotest/Ecotest: Fiat 500e (42 kWh) La Prima — Ankerquelle (Proxy)
- ADAC Autotest-PDF: Fiat 500e (42 kWh) La Prima
- auto motor und sport: Abarth 500e im Test (03.05.2025)
- InsideEVs Deutschland: Abarth 500e (2023) im Test
- VISION mobility: VM-Tour-Check Abarth 500e
- AUTO BILD: Abarth 500e — Modelluebersicht und Tests
- EV Database: Abarth 500e Hatchback
- EV Database: Fiat 500e Hatchback 42 kWh (WLTP-Delta)
- ADAC Fahrbericht: Testfahrt Abarth 500e
- AutoScout24: Abarth 500e im ersten Test
- carwow.de: Abarth 500e (Ausstattungsdetails)
- motor1.de: Verbrauchstest Fiat 500e
Bildquellen
- Abarth 500 E Aussenansicht — © Abarth
- Abarth 500 E Heckansicht — © Abarth
- Abarth 500 E Innenraum — © Abarth
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
