EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Subaru Uncharted mit großem Akku und Frontantrieb ist ein ehrliches, erwachsenes Elektro-SUV: komfortabel gefedert, ungewöhnlich komplett ausgestattet und dank 22-kW-Lader alltagsfreundlicher, als es das Datenblatt vermuten lässt. Dafür müsst ihr zwei Dinge akzeptieren. Erstens fällt der reale Verbrauch deutlich höher aus, als die WLTP-Reichweite von 592 Kilometern glauben macht; belastbare Messwerte einer Prüforganisation stehen noch aus. Zweitens ist der Fond eng und die Anhängelast mit 750 Kilogramm mager. Wer das Abenteuerversprechen der Optik einlösen will, braucht ohnehin die Allradversion. Als komfortabler Langstreckenbegleiter für zwei Personen ist der Fronttriebler aber eine stimmige Wahl.
Pro
- Sehr komfortabel abgestimmtes Fahrwerk, gute Geräuschdämmung
- 22 kW Wechselstrom-Ladeleistung serienmäßig statt der üblichen 11 kW
- Wärmepumpe, Batterie-Vorkonditionierung und Ladeplanung in allen Linien serienmäßig
- Umfangreiches Assistenzpaket und echte Drehregler für die Klimatisierung
- Hohe Normreichweite und stabile Ladekurve bis 80 Prozent
Contra
- Realer Verbrauch deutlich über dem WLTP-Wert, standardisierter Realtest steht noch aus
- Knapper Knieraum im Fond, kein Frunk, nur durchschnittlicher Kofferraum
- Anhängelast von 750 Kilogramm gebremst, Geländetechnik bleibt dem Allradmodell vorbehalten
- Kombiinstrument je nach Sitzposition schlecht ablesbar, kein Plug and Charge
Subaru und Elektroauto, das hieß bisher: Solterra, Allrad, ordentliche Bodenfreiheit und eine Reichweite, die niemanden vom Hocker riss. Der Uncharted ist etwas anderes. Das kompakte Elektro-SUV gibt es erstmals in der Markengeschichte auch mit reinem Frontantrieb, und genau diese Version schauen wir uns hier an: großer Akku, eine angetriebene Achse. Technisch ist der Uncharted der Zwilling des Toyota C-HR+, beim Design und beim Preis geht Subaru eigene Wege. Herausgekommen ist ein Auto mit einer sehr klaren Stärke, einem ehrlichen Verbrauchsproblem und einem Kompromiss, den man kennen sollte, bevor man unterschreibt.
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Technische Daten
Reichweite und Verbrauch: die Lücke zwischen Norm und Netzsteckdose
Auf dem Papier sieht es glaenzend aus. 592 Kilometer nach WLTP, 13,8 kWh auf 100 Kilometer, dazu ein nutzbarer Akku von 72 kWh. Damit gehoert der Uncharted zu den Kompakt-SUV mit den laengsten Normreichweiten überhaupt. Nur ist WLTP eben ein Laborwert, und die Realitaet fällt regelmaessig deutlich darunter aus.
Ein standardisierter Realtest des ADAC liegt für den Uncharted noch nicht vor, der Club hat bislang nur einen Fahrbericht ohne Messwerte veröffentlicht. Wir stützen uns deshalb auf einen variantengenauen Datenbankwert und rechnen ihn auf die Netzseite hoch, also inklusive der Verluste beim Laden: Dabei landen wir bei rund 19,4 kWh je 100 Kilometer im gemischten Betrieb und einer Alltagsreichweite von etwa 410 Kilometern. Auf der Autobahn bei rund 110 km/h und milden Temperaturen bleiben davon etwa 380 Kilometer, bei minus zehn Grad nur noch knapp 300.
Interessant ist der Widerspruch zu den Fahrberichten. Tester lasen auf dem Bordcomputer 14,5 bis 15,2 kWh ab, allerdings ohne nennenswerten Stadtanteil und ohne Ladeverluste. Beim baugleichen Toyota melden Tester dagegen rund 19 kWh gemischt und über 24 kWh auf der Autobahn. Für den Alltag heisst das: Wer entspannt pendelt, kommt sehr weit. Wer im Winter Langstrecke fährt, sollte mit deutlich weniger rechnen, als die Werbung verspricht.
Laden und Reisetauglichkeit: ordentlich, aber kein Schnelllader
Der Uncharted setzt auf die günstigere 400-Volt-Technik. Am Schnelllader nimmt er bis zu 150 kW, von 10 auf 80 Prozent vergeht rund eine halbe Stunde. Entscheidend ist dabei weniger die Spitze als der Durchschnitt, und der liegt bei etwa 110 kW. Tester bestaetigen, dass die Kurve stabil bleibt und die versprochene Leistung nicht nach zwei Minuten einbricht, was mindestens so viel wert ist wie eine hohe Spitzenzahl.
Richtig stark ist Subaru beim Wechselstrom: 22 kW sind serienmäßig an Bord, während die Konkurrenz meist bei 11 kW aufhoert. Wer an einer öffentlichen Saeule oder im Büro lädt, halbiert damit die Standzeit. Die Batterie lässt sich ausserdem vorkonditionieren, automatisch über die Navigation oder von Hand.
Auf der ganz langen Strecke bleibt der Uncharted trotzdem Mittelfeld: Mit einem Ladestopp von einer Viertelstunde sind rund 450 Kilometer drin, das ist brauchbar, aber kein Argument gegen die schnellsten Wettbewerber. Ein echter Schwachpunkt ist die Anhängelast. Der Fronttriebler darf gebremst nur 750 Kilogramm ziehen, das reicht für einen kleinen Anhänger und sonst nichts. Wer mehr braucht, kommt an der Allradversion nicht vorbei, die 1.500 Kilogramm schafft.
Antrieb und Fahrdynamik: unaufgeregt statt sportlich
165 kW, umgerechnet 224 PS, treiben die Vorderachse an. In 7,3 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, bei 160 km/h ist Schluss. Das ist ehrlich gesagt genau die richtige Dosis: genug Souveränität für jeden Zwischenspurt, ohne dass die Vorderräder überfordert wären. Wer regelmaessig auf freien Autobahnabschnitten mitschwimmen will, wird die Abregelung allerdings frueh spüren.
Fahrdynamisch legt der Uncharted keinen Ehrgeiz an den Tag, und das ist keine Kritik. Tester beschreiben ihn als leicht zu dirigieren und ausgesprochen berechenbar; auf einem Übungsgelände blieb er selbst bei Vollbremsungen auf rutschigem Belag und abrupten Ausweichmanövern unauffällig. Die Lenkung arbeitet direkt, mehrere Rekuperationsstufen lassen sich per Wippen am Lenkrad anpassen und beeinflussen auch die Gasannahme.
Die Kehrseite betrifft ausgerechnet das, wofür Subaru steht. 211 Millimeter Bodenfreiheit hat auch der Fronttriebler, das dazugehoerige Können aber nicht: X-Mode, Geländekamera und Bergabfahrhilfe bleiben den Allradmodellen vorbehalten, hier gibt es lediglich einen Schnee-Modus. Optisch verspricht dieses Auto also mehr Abenteuer, als es einlöst.
Komfort und Geräusch: die größte Stärke
Wenn ein Punkt in allen Fahrberichten wiederkehrt, dann dieser: Der Uncharted federt gut. Tester nennen das Fahrwerk sehr ausgewogen und betont komfortabel abgestimmt, und zwar auch mit den großen 20-Zoll-Rädern, die es allerdings nur an den Allradversionen gibt. Auf unseren kanonischen 18-Zöllern duerfte das Abrollen eher noch geschmeidiger sein.
Bemerkenswert ist, dass der kürzere Radstand gegenüber dem größeren Solterra dem Komfort kaum schadet. Dickes Akustikglas haelt Windgeräusche auch bei 130 km/h im Hintergrund, das Reisen wird dadurch spuerbar entspannter, als es die kompakten Abmessungen vermuten lassen.
Ein Referenzniveau ist damit nicht erreicht. Es gibt weder Luftfederung noch adaptive Dämpfer, die Abstimmung ist ein guter Kompromiss und keine Zauberei. Aber für die Klasse und für diesen Preis ist das Ergebnis überdurchschnittlich, und im Alltag merkt man das jeden Tag.
Innenraum, Raumangebot und Verarbeitung: hinten wird es eng
403 Liter Kofferraumvolumen sind für ein Kompakt-SUV Durchschnitt, mehr nicht. Ein Frunk unter der vorderen Haube fehlt komplett, das Ladekabel muss also mit nach hinten. Die flach abfallende Heckscheibe erschwert es zusätzlich, sperrige Dinge einzuladen. Fünf Sitzplätze sind Serie, und da die Plattform von Anfang an für Elektroautos gebaut wurde, ist der Fußraum im Fond komplett eben.
Der Haken sitzt genau dort. Der Radstand liegt zehn Zentimeter unter dem des Solterra, und das merkt man auf der Rückbank: Tester berichten von spitz angewinkelten Knien und je nach Position der Vordersitze knapper Beinfreiheit, selbst bei Passagieren unter 1,70 Meter. Für den Schulweg reicht das, für die Urlaubsfahrt zu viert mit Erwachsenen hinten sollte man vorher Probe sitzen.
Bei der Verarbeitung gibt es nichts zu beanstanden, aber auch keine Begeisterung. Die Materialanmutung wirkt solide und robust, Softtouch-Oberflächen finden sich allerdings vor allem vorne. Die Active-Ausstattung bringt Kunstlederbezüge, elektrisch verstellbare Vordersitze und eine elektrische Heckklappe mit, deren Memory-Funktion für die Öffnungshöhe in der Tiefgarage Gold wert ist.
Software, Bedienung und E-Funktionen: viel Serie, ein Ärgernis
Die Ausstattungsliste liest sich für diese Preisklasse ungewöhnlich vollständig. Eine Wärmepumpe ist in allen Linien serienmäßig an Bord, was im Winter bares Geld spart. Dazu kommen Navigation mit Ladestopp-Planung, Batterie-Vorkonditionierung, zwei induktive Ladeschalen und im Active eine 220-Volt-Steckdose mit 1.500 Watt im Kofferraum, an der sich Werkzeug oder Campingzubehör betreiben lässt. Auch das Assistenzpaket ist komplett, von der Notbremse über Totwinkel- und Querverkehrswarner bis zum Ausstiegswarner.
Beim Bedienkonzept hat Subaru vieles richtig gemacht. Unter dem 14 Zoll großen Zentraldisplay sitzen echte Drehregler für die Klimatisierung, ein Detail, an dem viele Wettbewerber scheitern. Die Menülogik entspricht dem, was Toyota-Fahrer kennen, und funktioniert unaufgeregt.
Ein Ärgernis bleibt: Das digitale Kombiinstrument sitzt knapp unter dem Rand der Windschutzscheibe und ist laut Testern aus dieser Position nicht ideal ablesbar, der oben und unten abgeflachte Lenkradkranz verdeckt die Anzeigen zusätzlich. Auch an das tief stehende Lenkrad muss man sich erst gewöhnen. Plug and Charge unterstuetzt der Uncharted nicht, das Freischalten läuft weiter über App oder Karte.
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Einordnung im Ranking
Der Uncharted trifft ein Segment, in dem es voll ist. Skoda Elroq, Kia EV3, Renault Scénic und der technisch identische Toyota C-HR+ zielen auf dieselben Käufer, meist mit mehr Kofferraum oder frecherer Software. Der Subaru punktet stattdessen mit Federungskomfort, dem 22-kW-Lader und einer Serienausstattung, die kaum Wünsche offen lässt. Er ist dabei fair bepreist: Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist stimmig, ein Schnäppchen ist er nicht.
Empfehlen würden wir ihn Pendlern und Paaren, die viel Strecke machen, Wert auf ruhiges Reisen legen und selten zu viert mit Erwachsenen unterwegs sind. Wer regelmaessig Anhänger zieht oder wer die Geländetalente sucht, für die der Uncharted optisch wirbt, sollte direkt zur Allradversion greifen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 85 von 162
Quellen
- ADAC Autokatalog: Subaru Uncharted Active (ab 06/26)
- ADAC Autokatalog: Subaru Uncharted Trend (ab 06/26)
- ADAC Fahrbericht: Alles neu im Subaru Uncharted (05/2026)
- EV Database: Subaru Uncharted 77 kWh (MY26)
- EV Database: Subaru Uncharted 57.7 kWh (MY26)
- EVKX.net: Subaru Uncharted FWD 77 kWh
- AUTO ZEITUNG: Erste Testfahrt im Kompakt-Stromer (26.05.2026)
- autonotizen: Subaru Uncharted 2026 mit Reichweiten-Test (18.05.2026)
- AUTO BILD: Subaru Uncharted, alle Infos und Tests
- auto motor und sport: Subaru Uncharted kommt nach Deutschland (20.05.2026)
- firmenauto: Subaru Uncharted Fahrbericht, Preise, Daten, Marktstart
- ACE: Toyota C-HR+ im Test (Schwestermodell, Gegenwert)
- Euro NCAP: Subaru Uncharted, Fünf-Sterne-Bewertung
Bildquellen
- Subaru Uncharted Aussenansicht — © Subaru
- Subaru Uncharted Heckansicht — © Subaru
- Subaru Uncharted Seitenansicht — © Subaru
- Subaru Uncharted Innenraum — © Subaru
- Subaru Uncharted Infotainment — © Subaru
- Subaru Uncharted Sitze — © Subaru
- Subaru Uncharted Kofferraum — © Subaru
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
