Mercedes CLA 250+ EQ im Supertest: Reichweiten-Rekord mit Kompromissen

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

70,0 % 4,20 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Mercedes hat beim CLA EQ genau das geliefert, was angekündigt war: ein Elektroauto, das beim Energieverbrauch neue Bestmarken setzt und dabei nicht klein und leicht, sondern komfortabel und kräftig ist. 740 Kilometer aus einer standardisierten Messung und 21 Minuten für die Ladung von 10 auf 80 Prozent machen Langstrecke wirklich entspannt.

Der Preis dafür steht im Innenraum. Die windschnittige Karosserie kostet Kopffreiheit hinten und Übersicht rundum, die Bedienung ist an zu vielen Stellen in Menüs gewandert, und die Basisausstattung ist für ein Auto dieser Preisklasse dünn. Wer vorn sitzt, viel fährt und mit der Aufpreisliste rechnet, bekommt trotzdem eine der überzeugendsten Elektro-Limousinen am Markt.

Pro

  • Rekordverdächtig niedriger Verbrauch von 13,4 kWh je 100 km inklusive Ladeverlusten
  • 740 km Reichweite im standardisierten Mischzyklus
  • Schnellladen von 10 auf 80 Prozent in gemessenen 21 Minuten
  • Komfortabel abgestimmtes Fahrwerk und niedriges Innengeräusch
  • Wärmepumpe, Vorkonditionierung und Ladeplaner serienmäßig
  • Umfangreiche Assistenzsysteme ohne Aufpreis

Contra

  • Lädt nicht an älteren 400-Volt-Gleichstromsäulen; Nachrüstung für die Limousine nicht bestellbar
  • Knappe Kopffreiheit im Fond und mühsam nutzbarer Kofferraum
  • Schwache Rundumsicht, Parksensoren nur gegen Aufpreis
  • Bedienung stark in Menüs verlagert, Lautstärke nur über Touchfläche
  • Magere Basisausstattung: schon die Klimaautomatik kostet extra
  • Deutliche Windgeräusche im Dachbereich

Mercedes hat mit dem CLA EQ das erste Auto auf die neue MMA-Plattform gestellt und dabei alles auf einen einzigen Wert getrimmt: Effizienz. Herausgekommen ist eine viertürige Limousine der Mittelklasse mit 800-Volt-Technik, Zweiganggetriebe und einer Reichweite, wie sie bisher nur deutlich größere und teurere Elektroautos geschafft haben. Wir haben zusammengetragen, was unabhängige Messungen über den CLA 250+ EQ mit 85-kWh-Akku und Heckantrieb sagen — und wo er trotzdem Kompromisse verlangt.

Bildergalerie

Mercedes CLA EQ Limousine Aussenansicht
Mercedes CLA EQ Limousine Heckansicht
Mercedes CLA EQ Limousine Innenraum
Mercedes CLA EQ Limousine Sitze

Technische Daten

Marktstart 2025
Basispreis 55.728 €
Nutzbare Batterie 85 kWh
Realverbrauch 13,4 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 12,2 kWh/100 km
Reale Reichweite 740 km
Ladeleistung (Peak) 320 kW
Ladezeit 10–80 % 21 min
0–100 km/h 6,7 s
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Kofferraum 385 l
Frunk 70 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.500 kg
Wendekreis 11,2 m
Maße (L×B) 4.723 × 1.855 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: der neue Maßstab bei der Effizienz

Der zentrale Wert vorweg: Im standardisierten Ecotest ermittelte der ADAC einen Verbrauch von 13,4 kWh auf 100 Kilometern — und zwar netzseitig, also inklusive der Verluste, die beim Laden an der Wallbox anfallen. Das ist der niedrigste Wert, den diese Messreihe je bei einem Elektroauto erfasst hat, und er stammt von einem fast zwei Tonnen schweren Auto mit 272 PS. Aus den 85 nutzbaren Kilowattstunden ergeben sich unter diesen Bedingungen 740 Kilometer im gemischten Betrieb aus Stadt, Landstraße und Autobahn.

Green NCAP kommt unabhängig davon zu einem ähnlichen Bild: 13,9 kWh im Warmtest, 14,6 kWh auf einer realen Mischrunde bei 9 Grad und 18,8 kWh im dynamischen Autobahntest. Für den Alltag heißt das: Wer 40 Kilometer am Tag pendelt, lädt selbst im Winter nur etwa alle anderthalb Wochen.

Die Kehrseite: Diese Bestwerte hängen stark an den Bedingungen. In redaktionellen Fahrtests mit Winterreifen und Topausstattung lagen die Verbräuche bei 17 bis 19 kWh — gute Werte für diese Fahrzeugklasse, aber eben keine Rekorde mehr. Größere Räder, schwerere Ausstattungslinien und Kälte kosten hier spürbar viel; im Winterprofil misst Green NCAP 23,6 kWh und 425 Kilometer. Der Effizienzvorsprung ist real, aber keine Konstante.

Laden & Reisetauglichkeit: schnell, aber mit einem echten Haken

Die 800-Volt-Architektur zahlt sich beim Schnellladen aus. Der ADAC füllte den Akku unter guten Bedingungen in 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent — 65 Kilowattstunden, die nach Ecotest-Maßstab für rund 572 Kilometer reichen. Schon nach zehn Minuten sind über 350 Kilometer nachgeladen. Die von Mercedes genannte Spitzenleistung von 320 kW liegt allerdings nur ganz kurz an; ab etwa der Hälfte des Akkustands sinkt die Leistung unter 200 kW, ab 80 Prozent unter 100 kW. In der Praxis lohnen sich deshalb zwei kurze Stopps mehr als ein langer.

Für die Langstrecke ist das eine starke Kombination: große Reichweite plus kurze Pausen. Ein Fahrtest rechnete die knapp 600 Kilometer von Düsseldorf nach Berlin mit einem einzigen Ladestopp von elf Minuten durch. Auch als Zugfahrzeug taugt er ordentlich: bis zu 1,5 Tonnen gebremste Anhängelast, die Kupplung kostet allerdings Aufpreis.

Und dann ist da der Haken, den man kennen sollte: Das Coupé lädt ausschließlich an Gleichstromsäulen, die auch 800 Volt liefern. An älteren, auf 400 Volt begrenzten Ladepunkten lädt es per CCS schlicht gar nicht. Eine Nachrüstoption gibt es bislang nur für den Shooting Brake, für die Limousine ist sie nicht bestellbar. Wer oft an älteren Standorten lädt, sollte das vor dem Kauf prüfen. Zu Hause sind serienmäßig 11 kW drin, 22 kW kosten Aufpreis.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän statt sportlich

An der Hinterachse arbeitet ein Synchronmotor mit 200 kW, also rund 272 PS. Der Sprint auf 100 km/h ist mit 6,7 Sekunden angegeben — kein Sportwagenwert, aber im Alltag völlig ausreichend. Aussagekräftiger ist der Zwischenspurt: 60 auf 100 km/h vergehen in gemessenen 3,6 Sekunden, Überholmanöver sind also schnell erledigt. Bei 210 km/h riegelt die Elektronik ab.

Die Besonderheit steckt im Getriebe: Anders als fast alle Elektroautos hat der CLA zwei Gänge, die bei höherem Tempo die Motordrehzahl senken. Das erklärt einen Teil der guten Autobahnwerte, sorgt beim Durchbeschleunigen zwischen 110 und 120 km/h aber für eine kurze, spürbare Zugkraftunterbrechung. Beim Bremsen überzeugt der Wagen: 34,6 Meter aus 100 km/h im Mittel aus zehn Bremsungen sind ein guter Wert für ein Auto dieses Gewichts.

Beim Fahrgefühl gehen die Urteile auseinander. Manche Tester loben die angenehm gewichtete Lenkung mit brauchbarer Rückmeldung, andere finden sie leichtgängig und synthetisch. Einig sind sich alle darin, dass der CLA komfortabel abgestimmt ist und nicht auf Kurvenjagd zielt. Die Energiesparreifen haben eine Grenze: Oberhalb eines bestimmten Tempos schmieren sie seitlich weg, das ESP fängt das zuverlässig ab. Adaptive Dämpfer gibt es für diese Variante gar nicht.

Komfort & Geräusch: entspannt unterwegs, mit einer Einschränkung

Das serienmäßige Komfortfahrwerk auf 17-Zoll-Rädern macht seine Sache gut. In Tests schluckt es abgesenkte Kanaldeckel und Fahrbahnflicken sauber weg, nur sehr ausgeprägte Bodenwellen bringen die Federwege an ihre Grenzen. Auf der Autobahn nennen die Prüfer den Komfort tadellos.

Auch akustisch liefert der CLA ab: Bei 130 km/h wurden 65,0 dB(A) im Innenraum gemessen, ein guter Wert, zumal ohne Doppelverglasung. Vom Antrieb ist praktisch nichts zu hören. Einschränkung ist der Bereich über dem Kopf: Der Testwagen fiel mit deutlichen Windgeräuschen im Dachbereich auf, ein zweiter Fahrtest nennt Geräusche rund um die rahmenlosen Türen ab Autobahntempo.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: die Aerodynamik fordert Tribut

Der CLA ist ein Fünfsitzer, aber vor allem einer für vorn. Dort sitzt man gut, die Kopffreiheit reicht rechnerisch für sehr große Menschen. Hinten dreht sich das Bild: Beinfreiheit ist reichlich da, doch schon ab gut 1,80 Meter Körpergröße berührt der Kopf den Dachhimmel. Die flach abfallende Dachlinie kostet genau dort Platz, wo Erwachsene ihn brauchen — dazu öffnen die hinteren Türen nicht weit.

Der Kofferraum fasst nach Messung 385 Liter, umgeklappt bis zu 760. Der Wert an sich geht in Ordnung, die Nutzung ist aber mühsam: kleine Öffnung, eine Ladekante von knapp 77 Zentimetern und innen eine 18 Zentimeter hohe Stufe. Immerhin nimmt ein Frunk von rund 70 Litern das Ladekabel auf. Wer regelmäßig sperrig lädt, ist mit dem Kombi-Ableger besser bedient.

Bei der Verarbeitung fällt das Urteil zweigeteilt aus. An der Karosserie gibt es nichts zu bemängeln, alles sitzt passgenau. Im Innenraum zeigt die Basisausstattung dagegen sichtbare Sparstellen: weich hinterschäumte Flächen nur oben, eine unverkleidete B-Säule, Grate am Handschuhfach, statt vier nur zwei Fensterheberschalter. Kritik auf hohem Niveau — angesichts des Preises fällt sie trotzdem auf.

Software, Bedienung & E-Funktionen: viel Technik, umständliche Wege

Die Hardware sitzt: Der 14-Zoll-Touchscreen löst hoch auf und reagiert flüssig, das Fahrerdisplay ebenfalls, und die Sprachbedienung versteht auch frei formulierte Sätze. Bei den E-Funktionen ist der CLA gut aufgestellt — Wärmepumpe, Batterievorkonditionierung und eine Routenplanung, die Ladestopps zuverlässig einplant und anzeigt, was die Ladeleistung gerade begrenzt, gehören zur Serie. Updates kommen über Mobilfunk ins Auto.

Die Bedienung ist die eigentliche Schwachstelle. Direktwahltasten sind verschwunden, die Lautstärke regelt man über eine Touchfläche am Lenkrad, die Klimasteuerung liegt komplett im Bildschirm — die Heckscheibenheizung sogar in einer Unterebene, was Prüfer ausdrücklich kritisieren. Die Folge sind lange Blickabwendungen.

Bei der Assistenz ist die Serienausstattung dagegen erfreulich vollständig: Abstandsregeltempomat, Spur-, Totwinkel- und Ausweichassistent, Notbremssystem mit Fußgängererkennung und Ausstiegswarner sind ohne Aufpreis dabei. Optional bleiben etwa Autobahnassistent und Head-up-Display. Rückwärtsladen bietet der CLA bislang nicht.

Was ihr an der Basis nicht bekommt

Ein Punkt, der beim Einstiegspreis leicht untergeht: Die günstigste Linie ist knapper bestückt, als man bei diesem Preisniveau erwarten würde. Serienmäßig gibt es nur eine manuell geregelte Klimaanlage — die Klimaautomatik kostet extra. Parksensoren und Rundumkameras stehen ebenfalls in der Aufpreisliste, was schwer wiegt, weil die Rundumsicht ohnehin schwach ausfällt; Serie ist nur die Rückfahrkamera. Auch CarPlay und Android Auto, die induktive Ladeschale, das schlüssellose Zugangssystem und die Lenkradheizung sind Optionen. Wer realistisch konfiguriert, landet schnell mehrere tausend Euro über dem Grundpreis — das solltet ihr einkalkulieren, bevor ihr Preise vergleicht.

Bildergalerie

Mercedes CLA EQ Limousine Aussenansicht
Mercedes CLA EQ Limousine Heckansicht
Mercedes CLA EQ Limousine Innenraum
Mercedes CLA EQ Limousine Sitze

Einordnung im Ranking

Der CLA 250+ EQ ist ein Auto der Extreme: Bei Verbrauch, Reichweite und Ladetempo spielt er ganz vorn mit, bei Raumangebot, Übersichtlichkeit und Bedienlogik landet er im Mittelfeld. Gemessen an dem, was er unterm Strich bietet, ist er fair bepreist — ein stimmiges Preis/Leistungs-Verhältnis, aber eben kein Schnäppchen. Diese Kennzahl weisen wir bewusst getrennt vom Gesamturteil aus.

Passen dürfte er vor allem zu Vielfahrern und Pendlern, die viel Autobahn sehen, meist zu zweit unterwegs sind und kurze Ladepausen schätzen. Wer regelmäßig Erwachsene hinten mitnimmt oder sperrig transportiert, schaut besser zum Kombi-Ableger oder zum Hyundai Ioniq 6. Hier steht der Mercedes in unserer Gesamtwertung:

TOP IN DIESER KLASSE

Vergleichen

Aktuelle Tests