Mini Cooper SE im Supertest: Charakterkopf mit Reichweitenproblem

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

51,7 % 3,10 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Mini Cooper SE macht keinen Hehl daraus, was er ist: ein Lifestyle-Stadtauto mit Fahrspaß-Gen, das seine Schwächen offen mitbringt. Verarbeitung, Design, Infotainment und Antrieb sind stark, die Wendigkeit in der Stadt ist erstklassig. Dafür zahlt ihr mit einer Reichweite um 300 Kilometer, einem Ladetempo von gestern, einem Kofferraum, der kaum den Wocheneinkauf fasst, und einem Fahrwerk, das auf schlechten Straßen wehtut. Wer das weiß und trotzdem will, bekommt eines der charaktervollsten Elektroautos überhaupt. Wer ein vernünftiges Erstauto für alle Lebenslagen sucht, sollte weitersuchen.

Pro

  • Sehr gute Karosserie- und Fertigungsqualität, satte Anmutung
  • Ausgezeichnete Stadttauglichkeit: 3,86 Meter kurz, Parksensoren und Rückfahrkamera serienmäßig
  • Kraftvoller, spontan ansprechender Antrieb mit 218 PS
  • Herausragendes Infotainment mit runder OLED-Anzeige, starker Ladeplanung und gutem Sprachassistenten
  • Wärmepumpe und Batterie-Vorkonditionierung serienmäßig
  • Sehr guter Geräuschkomfort, gemessene 67,1 dB(A) bei Richtgeschwindigkeit

Contra

  • Reale Reichweite um 300 Kilometer, auf der Autobahn im Winter deutlich weniger
  • Nur 95 kW Ladeleistung und kein 22-kW-Wechselstromladen
  • Sehr straffes Fahrwerk, spürbar wenig Restkomfort auf schlechten Straßen
  • Winziger Kofferraum, kein Frunk, enger Fond und mühsamer Zustieg
  • Kein Kombiinstrument: Tempo ablesen erfordert Blickabwendung, Head-up-Display kostet Aufpreis
  • Kein bidirektionales Laden, Abstandsregeltempomat nur im teuersten Paket
  • Keine Anhängerkupplung verfügbar

Der Mini Cooper SE ist der Beweis, dass ein Elektroauto nicht vernünftig sein muss, um Menschen zu begeistern. Seit 2024 steht der Dreitürer auf einer eigens entwickelten Elektroplattform, gebaut wird er in China – am Charakter hat das erstaunlich wenig geändert. Was ihr hier bekommt, ist ein kompromissloser Stadtwagen mit Gokart-Genen, einer 54,2 kWh großen Batterie und einem Bedienkonzept, das mutiger ist als alles andere in dieser Klasse. Was ihr nicht bekommt: Reichweite, Ladetempo und Federungskomfort auf der Höhe der Zeit. In unserem Supertest landet er entsprechend im soliden Mittelfeld – mit sehr hohen Ausschlägen nach oben und unten.

Bildergalerie

Mini Cooper SE Aussenansicht
Mini Cooper SE Heckansicht
Mini Cooper SE Innenraum
Mini Cooper SE Infotainment
Mini Cooper SE Sitze
Mini Cooper SE Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 31.000 €
Nutzbare Batterie 49,2 kWh
Realverbrauch 18,8 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 14,1 kWh/100 km
Reale Reichweite 300 km
Ladeleistung (Peak) 95 kW
Ladezeit 10–80 % 31 min
0–100 km/h 6,7 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 135 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 4 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 10,8 m
Maße (L×B) 3.858 × 1.756 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: der ehrliche Kurzstreckler

Auf dem Papier verspricht Mini 400 Kilometer nach WLTP und einen Verbrauch von 14,1 kWh auf 100 Kilometer. In der Realität ist beides nicht zu halten. Unabhängige Messungen kommen auf deutlich höhere Werte: Ein deutscher Fachtest ermittelte bei kühler, aber nicht winterlicher Witterung 18,8 kWh auf 100 Kilometer inklusive der Verluste beim Laden – im reinen Fahrbetrieb waren es 16,4. Eine österreichische Redaktion maß im einstelligen Temperaturbereich 17,2 kWh und kam auf rund 280 Kilometer. Realistisch sind damit etwa 300 Kilometer, wenn man es nicht darauf anlegt.

Wie stark das Tempo hineinspielt, zeigt ein standardisierter Reichweitentest bei rund 18 Grad: Bei 90 km/h fuhr der Mini fast 380 Kilometer weit, bei 130 km/h waren es nur noch etwa 250. Diese Spreizung ist ungewöhnlich groß – die kurze, hohe Karosserie mit ihrem knappen Radstand ist aerodynamisch kein Meisterwerk, und die Batterie hat schlicht wenig Reserve. Im Winter berichten Tester von Werten um 250 Kilometer bei Autobahntempo.

Für das, wofür der Mini gedacht ist, reicht das gut aus. Wer 30 Kilometer zur Arbeit pendelt und zu Hause laden kann, wird die Batterie kaum je unter die Hälfte fahren. Und der Antrieb an sich ist nicht ineffizient: Bei moderatem Tempo unter 100 km/h sind Verbräuche in Richtung 10 kWh drin. Die Kehrseite bleibt aber unübersehbar – wer regelmäßig weite Strecken fährt, kauft hier das falsche Auto. Ein Renault 5 oder ein Peugeot e-208 kommen mit ähnlichen Batteriegrößen spürbar weiter.

Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst der Mini sich selbst aus

95 kW Spitzenleistung an der Gleichstromsäule – das war schon 2024 kein guter Wert und ist es 2026 erst recht nicht. Von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Messung am baugleichen Antriebspaket 31 Minuten. Wechselstrom nimmt der Mini nur mit 11 kW an, 22 kW gibt es auch gegen Aufpreis nicht. Tester nennen die Ladegeschwindigkeit übereinstimmend enttäuschend, und man muss ihnen recht geben: Ein Volvo EX30 oder ein Cupra Raval sind an der Schnellladesäule deutlich schneller wieder weg.

In der Praxis bedeutet das: Auf einer Langstrecke kommt ihr mit knapp 250 Kilometern Autobahnreichweite ins Rollen, ladet dann eine gute halbe Stunde und fahrt wieder etwa 200 Kilometer. Für 800 Kilometer werden daraus drei Stopps und eine gefühlt endlose Reise. Der Mini bietet dafür immerhin die wichtigen Werkzeuge: Ladesäulen lassen sich automatisch in die Route einplanen, die Batterie wird auf Wunsch vorkonditioniert, ein Zielladestand ist einstellbar, und Autocharge funktioniert. Ein Max-Range-Modus riegelt bei 90 km/h ab und schindet noch einmal rund 35 Kilometer heraus.

Ein Anhänger ist übrigens kein Thema: Für den elektrischen Cooper gibt es überhaupt keine Anhängerkupplung, weder ab Werk noch im Zubehör. Auf dem Dach dürfen 75 Kilogramm mitfahren, das reicht für zwei E-Bikes. Wer sein Auto als gelegentliches Zugfahrzeug braucht, muss sich in dieser Klasse anderswo umsehen.

Antrieb & Fahrdynamik: 218 PS und ein Streit unter Testern

An der Vorderachse arbeitet eine Synchronmaschine mit 160 kW und 330 Nm. Der Sprint auf 100 km/h dauert 6,7 Sekunden, bei 170 km/h ist elektronisch Schluss. Für die Autobahn heißt das: Ihr schwimmt souverän mit, aber die linke Spur gehört anderen. Im Stadtverkehr und auf der Landstraße wirkt der Antrieb hellwach, das Ansprechverhalten ist spontan, Zwischenspurts erledigt der Mini mühelos.

Beim Fahrwerk gehen die Urteile allerdings weit auseinander, und das sollte man wissen. Ein Test lobt die präzise Lenkung und beschreibt ein wieselflinkes, kurvenfreudiges Auto, das dem Gokart-Versprechen gerecht wird. Ein anderer widerspricht deutlich: Unter Volllast wirke der Cooper SE unruhig und schiebe in schnellen Kurven früh über die Vorderräder, das versprochene Gokart-Gefühl sei nicht mehr da. Beide Beobachtungen lassen sich zusammenbringen, wenn man die dokumentierten Schwächen des Vorderradantriebs betrachtet: Die Antriebsschlupfregelung hat sichtbar zu tun, und beim beherzten Beschleunigen zerren spürbare Antriebseinflüsse am Lenkrad.

Dazu kommt ein mäßiger Bremsweg – am technisch nahen Basismodell wurden im Mittel aus zehn Bremsungen 38,7 Meter aus 100 km/h gemessen, was ein durchschnittliches bis schwaches Ergebnis ist. Der Mini ist also fahraktiv und macht Laune, aber er ist kein präzises Werkzeug. Er ist ein Spielzeug, und zwar ein sehr gut gemachtes.

Komfort & Geräusch: zwei Autos in einem

Selten liegen Licht und Schatten so nah beieinander. Die Dämmung ist vorbildlich: Bei Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn wurden 67,1 dB(A) im Innenraum gemessen, Wind- und Abrollgeräusche halten sich zurück, vom Antrieb hört man praktisch nichts. Tester beschreiben den Innenraum als flüsterleise. Auch die Karosserie überzeugt akustisch – keine Knistergeräusche, satt schließende Türen.

Die Federung dagegen ist der klare Tiefpunkt dieses Autos. Sie ist bewusst sehr straff abgestimmt, und das rächt sich im Alltag. Kurze Wellen und Fahrbahnkanten dringen ungefiltert in den Innenraum, der Wagen neigt zum Stuckern und Wippen, bei Kanaldeckeln oder Belagswechseln reagiert er bockig. Auf der Autobahn leidet der Langstreckenkomfort deshalb erheblich. In der sportlichen Ausstattungslinie mit größeren Rädern beschreiben Tester das Fahrwerk als für die Langstrecke fast zu unbequem, die Sportsitze inklusive.

Wer täglich durch die Stadt fährt, wird damit leben – dort federt der Mini gröbere Stöße durchaus ordentlich weg. Wer regelmäßig über schlechte Landstraßen muss oder Rückenprobleme hat, sollte unbedingt eine ausgiebige Probefahrt machen. Adaptive Dämpfer gibt es nicht, auch nicht gegen Aufpreis.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: eng, aber liebevoll

Der Cooper SE ist ein Viersitzer, und das ist keine Formalie. Vorn sitzt es sich gut, selbst Menschen um 1,95 Meter finden Platz, die Kopffreiheit reicht für über zwei Meter. Hinten wird es dagegen eng: Ist der Fahrersitz auf 1,85 Meter eingestellt, bleibt dahinter noch Beinraum für etwa 1,75 Meter. Der Zustieg über die langen Dreitürer-Türen ist mühsam, Kindersitze lassen sich nur unter Verrenkungen montieren. Wer das häufig braucht, sollte vor dem Kauf eine Einbauprobe machen.

Der Kofferraum ist selbst für einen Kleinwagen sehr knapp. Bei Beladung bis zur Hutablage messen Prüfer 135 Liter – das entspricht ungefähr zwei Getränkekisten. Legt man die Rückbank um und packt bis unters Dach, wächst der Stauraum auf 770 Liter. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, das Ladekabel muss also nach hinten. Immerhin liegt die Ladekante niedrig, und die Nutzbarkeit ist im Rahmen der bescheidenen Größe gut gelöst.

Bei der Verarbeitung liefert Mini ab. Die Spaltmaße sind schmal und gleichmäßig, der Unterboden vollständig verkleidet, die rahmenlosen Scheiben wirken wertig. Tester bescheinigen dem China-Mini eine hohe Fertigungsqualität – die Herkunft merkt man ihm nicht an. Bei den Materialien wird dann aber gespart: Harter Kunststoff dominiert, wenn auch meist ansprechend texturiert. Nur auf der Instrumententafel und an den Türen sorgt ein Strickgewebe für weiche Haptik. Die hinteren Seitenverkleidungen sind durchweg hart, und die Ablagen sind spärlich – ein geschlossenes Fach für Kleinkram fehlt komplett.

Software, Bedienung & E-Funktionen: mutig, schön, anstrengend

Das kreisrunde OLED-Display mit 24 Zentimetern Durchmesser ist der Star dieses Autos. Es sieht großartig aus, das System darunter ist schnell, die Menüführung liebevoll gestaltet, der Sprachassistent kann viel, und die Ladeplanung gehört zum Besten in dieser Preisklasse. In Sachen Multimedia und Konnektivität spielt der Mini klassenübergreifend ganz vorn mit: kabelloses CarPlay und Android Auto, eSIM mit WLAN-Hotspot, App-Store, Over-the-Air-Updates fürs Infotainment.

Das Problem ist die Ergonomie. Es gibt kein Kombiinstrument. Schon um die Geschwindigkeit abzulesen, müsst ihr den Blick von der Straße nehmen und in die Mitte schauen. Alle Informationen laufen auf dem einen Display zusammen, was schnell überladen wirkt. Bedient wird ausschließlich per Touch und Swipe, eine Handauflage fehlt, und auf unebener Fahrbahn wird jede Eingabe zur Geduldsprobe. Das optionale Head-up-Display entschärft das erheblich – es ist faktisch Pflicht, auch wenn es nur eine ausfahrende Kunststoffscheibe ist. Ein Lichtblick ist die haptische Kippschalterleiste unter dem Display: Starten, Fahrstufe, Lautstärke, Fahrmodi laufen darüber, und das funktioniert hervorragend.

Bei den E-Funktionen ist die Basis solide. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig an Bord, die Batterie lässt sich manuell oder automatisch über die Navigation vorkonditionieren, die Rekuperation kennt fünf Stufen inklusive echtem Ein-Pedal-Fahren. Es fehlen aber Dinge, die anderswo längst dazugehören: kein bidirektionales Laden, nicht einmal vorbereitet. Keine Schaltwippen zum Dosieren der Rekuperation. Und der Abstandsregeltempomat samt Lenkassistent steckt im teuersten Ausstattungspaket – serienmäßig gibt es nur Tempomat und Begrenzer. Die übrige Assistenz ist dafür breit und ab Werk dabei, vom vorausschauenden Notbremssystem über den Totwinkelwarner bis zum Ausweichassistenten.

Bildergalerie

Mini Cooper SE Aussenansicht
Mini Cooper SE Heckansicht
Mini Cooper SE Innenraum
Mini Cooper SE Infotainment
Mini Cooper SE Sitze
Mini Cooper SE Kofferraum

Einordnung im Ranking

Der Mini Cooper SE ist ein Auto, das sich seinen Charakter etwas kosten lässt – nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Alltagstauglichkeit. In unserer Gesamtwertung zieht ihn vor allem das Trio aus knappem Raumangebot, magerer Reichweite und schwacher Langstreckentauglichkeit nach unten. Nach oben ziehen ihn die Stadttauglichkeit, die Verarbeitung und ein Antrieb, der spürbar Freude macht. Beim Preis/Leistungs-Verhältnis schneidet er ordentlich ab: Für das Gebotene ist er etwas günstiger als erwartet – seit dem Marktstart hat Mini die Einstiegspreise merklich gesenkt.

Direkte Alternativen gibt es reichlich. Wer mehr Reichweite und schnelleres Laden will, findet beim Peugeot e-208, beim Renault 5 oder beim Cupra Raval das rationalere Angebot. Wer Platz braucht, greift zum Aceman aus dem eigenen Haus. Der Cooper SE ist die richtige Wahl für alle, die überwiegend in der Stadt unterwegs sind, zu Hause oder bei der Arbeit laden können und ein Auto wollen, das nach etwas aussieht und beim Fahren grinsen lässt. Wer diese Prioritäten nicht teilt, wird an ihm verzweifeln.

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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