Jeep Avenger Elektro im Test: kleiner City-Jeep mit klarem Profil

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

52,5 % 3,15 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Jeep Avenger Elektro ist ein gelungener, eigenständiger Einstieg der Marke in die Elektromobilität – solange man ihn als das nimmt, was er ist: ein handliches, effizientes Stadt-SUV mit Charakter. In der Stadt und auf Kurzstrecken überzeugt er mit Übersicht, cleverem Raumangebot und niedrigem Verbrauch. Auf der Langstrecke bremsen ihn die begrenzte Reichweite, das nur mittelprächtige Laden und der enge Fond, und im Innenraum dominiert günstiges Hartplastik. Zum Startpreis von rund 38.500 Euro ist der Avenger fair bepreist – Preis und Gebotenes stehen in einem stimmigen Verhältnis. Wer einen wendigen City-Stromer mit Jeep-Optik sucht und selten weite Strecken fährt, macht mit ihm wenig falsch.

Pro

  • Handlich und stadttauglich mit guter Übersicht
  • Effizienter Verbrauch dank geringem Gewicht
  • Praktischer Kofferraum und viele clevere Ablagen für die Fahrzeuggröße
  • Eigenständiges Design mit echtem Jeep-Charakter
  • Wärmepumpe und physische Bedientasten serienmäßig

Contra

  • Begrenzte Reichweite und nur durchschnittliche Reisetauglichkeit
  • Enger Fond, kein Frunk
  • Viel Hartplastik im Innenraum
  • Träge Navigation und schwacher Assistenz-Wert bei Euro NCAP

Jeep und Elektro – das klang lange nach einem Widerspruch. Mit dem Avenger löst die US-Marke ihn auf ihre eigene Art: Statt eines wuchtigen Geländewagens gibt es ein nur 4,08 Meter kurzes Stadt-SUV, das komplett in Europa entwickelt und im polnischen Tychy gebaut wird. Für Jeep ist der Avenger der Einstieg ins Elektro-Zeitalter, für euch ein handlicher, charakterstarker Cityflitzer mit robuster Offroad-Optik. Wir haben ihn auf Basis öffentlicher Messdaten unter die Lupe genommen – und dabei zeigen sich klare Stärken in der Stadt und ebenso klare Grenzen auf der Langstrecke.

Technische Daten

Marktstart 2023
Basispreis 38.500 €
Nutzbare Batterie 51 kWh
Realverbrauch 18,4 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,5 kWh/100 km
Reale Reichweite 310 km
Ladeleistung (Peak) 105 kW
Ladezeit 10–80 % 31 min
Leistung 115 kW (156 PS)
0–100 km/h 9 s
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
Kofferraum 355 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 10,5 m
Maße (L×B) 4.084 × 1.776 mm
Antrieb Frontantrieb

Bildergalerie

Jeep Avenger Aussenansicht
Jeep Avenger Heckansicht
Jeep Avenger Seitenansicht
Jeep Avenger Innenraum
Jeep Avenger infotainment

Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber kein Langstrecken-Held

Im standardisierten ADAC Ecotest genehmigt sich der Avenger 18,4 kWh auf 100 Kilometer – und zwar inklusive der Verluste beim Laden, gemessen bei milden 22 Grad im gemischten Zyklus. Für ein SUV ist das ein ordentlicher Wert, der vor allem dem geringen Gewicht von unter 1,6 Tonnen zu verdanken ist. Ein echter Spar-Champion wie manch flacher Kompaktwagen ist der kleine Jeep damit aber nicht.

Aus dieser Effizienz ergibt sich eine realistische Reichweite von rund 310 Kilometern – ein Wert, den auch die unabhängige Datenbank EV Database für den kombinierten Alltag bestätigt. Die vom Hersteller genannten knapp 400 Kilometer nach WLTP erreicht ihr im echten Leben also nicht. Zum Pendeln, für Einkauf und Wochenendausflug reicht das locker; wer regelmäßig weite Strecken fährt, muss aber genauer planen.

Die Kehrseite zeigt sich, sobald es schneller oder kälter wird: Auf der Autobahn und im Winter schrumpft die Reichweite spürbar auf teils nur noch gut 215 bis 270 Kilometer. Für die Stadt ist das kein Problem, auf der langen Reise wird es zum Thema.

Laden & Reisetauglichkeit: solide, aber ohne Glanz

Am Schnelllader zog der Avenger im ADAC-Test in der Spitze gut 105 kW – etwas mehr, als Jeep offiziell mit 100 kW verspricht. Von 10 auf 80 Prozent vergehen so rund 31 Minuten. Zu Hause oder am Arbeitsplatz lädt der dreiphasige 11-kW-Anschluss den Akku über Nacht bequem voll.

Das klingt zeitgemäß, reicht aber nur für durchschnittliche Langstreckentauglichkeit: Die unabhängige Bewertung von EV Database vergibt dafür lediglich zwei von fünf Sternen. Der Grund liegt im Zusammenspiel aus überschaubarer Reichweite und einem Laden, das zwar in Ordnung geht, aber nicht heraussticht.

Hinzu kommt ein praktischer Wermutstropfen: Eine intelligente Ladestopp-Planung ins Navi hat der Avenger nicht an Bord, und eine Vorkonditionierung des Akkus vor dem Schnellladen fehlt ebenfalls. Auf der Langstrecke bleibt das Laden damit etwas Handarbeit.

Antrieb & Fahrdynamik: leichtfüßig statt bissig

Der einzige E-Motor sitzt vorn und leistet 115 kW (156 PS) bei 260 Newtonmeter Drehmoment. Den Sprint auf 100 km/h erledigt der Avenger in glatten 9,0 Sekunden, AutoBild maß im Test praxisnahe 9,1 Sekunden; bei 150 km/h ist Schluss. Die volle Leistung gibt der Jeep allerdings nur im Sport-Modus frei – in Normal und Eco geht es bewusst zügiger als sparsamer zu.

Weil der Wagen so leicht ist, fühlt er sich trotz bescheidener Papierwerte flott und handlich an. Tester loben die sichere Straßenlage und die direkte Lenkung; im Alltag fädelt man mühelos in den Verkehr ein. Einen echten Antritt aus dem Stand darf man aber nicht erwarten – das Drehmoment kommt eher sanft.

Die Kehrseite: So richtig spitz oder verspielt ist der Avenger nicht, und die sehr leichtgängige Lenkung nimmt auf schnellen Landstraßen etwas Vertrauen. Und wer den Jeep-Namen mit Allrad verbindet, muss umdenken: Der Elektro-Avenger fährt ausschließlich mit Frontantrieb – einen echten Allradler gibt es nur beim separaten Hybrid-Modell 4xe.

Komfort & Geräusch: gütiger Kompromiss mit Abstrichen

Das Fahrwerk trifft einen guten Kompromiss: Lange Bodenwellen bügelt der Avenger angenehm weg, und im Stadttempo fährt er sich rund. Eine adaptive Dämpfung oder gar Luftfederung gibt es in dieser Klasse ohnehin nicht – erwartet also keinen fliegenden Teppich, sondern soliden Alltagskomfort.

Bei kurzen, harten Stößen wie Querfugen wird das Fahrwerk aber etwas ruppig, und mit steigendem Tempo melden sich Wind- und Reifengeräusche deutlicher als etwa in einem VW ID.3 oder Cupra Born. Für kurze und mittlere Strecken ist das gut zu verschmerzen, auf langen Autobahnetappen fällt es stärker auf.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: clever gepackt, aber sparsam möbliert

Für seine Außenlänge ist der Avenger erstaunlich praktisch: Der Kofferraum fasst 355 Liter und damit mehr als bei so manchem größeren Rivalen; umgeklappt wachsen daraus bis zu 1.252 Liter. Ab der Linie Longitude gibt es einen doppelten Ladeboden, und im ganzen Innenraum verteilen sich clevere Ablagen – Jeep beziffert deren Volumen auf rund 34 Liter, ungewöhnlich viel in dieser Größe.

Der Preis dafür ist ein enger Fond: Beinfreiheit und Einstieg hinten sind knapp, größere Passagiere sitzen auf der Rückbank gedrängt. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht.

Bei den Materialien zeigt sich der Spagat zum Preis: Der Avenger ist ordentlich verarbeitet und das bunte, aufgeräumte Cockpit gefällt, doch es dominiert Hartplastik an Türen und Mittelkonsole. Der ADAC monierte am über 45.000 Euro teuren Topmodell sogar einen billig wirkenden Dachhimmel, und auch andere Tester finden selbst in gehobenen Ausstattungen kratzempfindliche Kunststoffe. Fair eingepreist ist der ab rund 38.500 Euro startende Stromer trotzdem.

Software, Bedienung & E-Funktionen: pragmatisch, mit Lücken

Beim Bedienkonzept macht der Avenger vieles richtig: Der 10,25 Zoll große Uconnect-Touchscreen ist logisch aufgebaut, und darunter sitzen echte, physische Tasten für die wichtigsten Funktionen – das erleichtert die Bedienung während der Fahrt spürbar. Updates kommen per Mobilfunk ins Auto, und eine Wärmepumpe für effizientes Heizen ist serienmäßig an Bord.

Getrübt wird der gute Eindruck von der TomTom-Navigation, die im Test träge und mitunter ungenau reagierte, sowie einer Sprachsteuerung, die sich Zeit lässt. Bei den E-Funktionen fehlen neben der erwähnten Vorkonditionierung und Laderoutenplanung auch Extras wie das Laden externer Geräte aus dem Akku (V2L).

An Assistenten sind Notbremssystem mit Fußgänger- und Radfahrererkennung sowie ein Spurhalter serienmäßig; der teilautonome Autobahnassistent ist höheren Linien vorbehalten (optional). Beim Euro-NCAP-Crashtest schnitt der Assistenzbereich mit nur 53 Prozent allerdings schwach ab – hier gibt es Luft nach oben.

Einordnung im Ranking: der City-Spezialist unter den Elektro-SUV

Der Jeep Avenger Elektro ist ein ausgesprochener Stadtwagen mit SUV-Attitüde. Seine Stärken – kompakte Maße, gute Übersicht, effizienter Verbrauch und ein clever gepackter Innenraum – spielt er im urbanen Umfeld voll aus. Wer hauptsächlich pendelt, in der Stadt unterwegs ist und ab und an einen Feldweg unter die Räder nimmt, bekommt hier ein charakterstarkes, fair bepreistes Angebot.

Gegen direkte Konkurrenten wie Peugeot e-2008, Opel Mokka Electric, Ford Puma Gen-E, Renault 4 oder Citroën ë-C3 Aircross punktet er mit Eigenständigkeit und Alltagsnutzen, muss aber bei Reichweite, Reisetauglichkeit und Materialanmutung Abstriche hinnehmen. Für Vielfahrer und Langstreckenpendler ist er die falsche Wahl – als sympathischer, wendiger Zweitwagen oder City-SUV dagegen eine Überlegung wert.

Bildquellen

  • Titelbild: Jeep Avenger Elektro in Front-/Seitenansicht — © Jeep
  • Jeep Avenger Aussenansicht — © Jeep Presseportal
  • Jeep Avenger Heckansicht — © Jeep Presseportal
  • Jeep Avenger Seitenansicht — © Jeep Presseportal
  • Jeep Avenger Innenraum — © Jeep Presseportal
  • Jeep Avenger infotainment — © Jeep Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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