EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Honda e:Ny1 ist ein sympathischer, komfortabler Alltagsbegleiter mit hochwertigem Innenraum und viel Platz im Fond – solange man ihn nicht als Langstreckenauto missversteht. Das zähe Laden mit 78 kW, die fehlende Wärmepumpe und die knappen Nutzwerte trüben das ansonsten runde Bild. Nach der Preissenkung ist er fair bepreist und für Pendler mit Lademöglichkeit zu Hause eine überlegenswerte, entspannte Wahl.
Pro
- Hoher Fahrkomfort und ausgewogenes, sicheres Fahrwerk
- Ordentlich verarbeiteter, hochwertig wirkender Innenraum
- Großzügiges Platzangebot im Fond
- Umfangreiche Serienausstattung inklusive Assistenzpaket
Contra
- Langsames Laden (78 kW) ohne Routenplanung – schwach auf Langstrecke
- Keine Wärmepumpe, dadurch hoher Winterverbrauch
- Geringe Zuladung, kein Anhänger- oder Dachtransport
- Großer Wendekreis (11,6 m) fürs kompakte Format
Mit dem e:Ny1 nimmt Honda den zweiten Anlauf in Sachen Elektro – nach dem charmanten, aber teuren und reichweitenschwachen Honda e. Herausgekommen ist ein rund 4,39 Meter langes Kompakt-SUV, das optisch stark an den Hybrid-Bruder HR-V erinnert, technisch aber auf einer eigenen Elektroplattform steht. Gedacht ist der e:Ny1 für Familien und Pendler, die ein ordentlich verarbeitetes, komfortables Alltagsauto suchen und nicht ständig auf Langstrecke gehen. Wir haben für euch zusammengetragen, was unabhängige Messungen sagen – und wo die Kompromisse liegen.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: brauchbar, aber kein Sparwunder
Honda gibt den Normverbrauch mit 18,2 kWh je 100 Kilometer nach WLTP an. Im standardisierten ADAC Ecotest, der auch die Verluste beim Laden einrechnet, waren es 20,6 kWh – aufgeteilt in 16,5 kWh in der Stadt, 21,6 kWh über Land und 23,8 kWh auf der Autobahn. Aus der nutzbaren Batterie von 61,9 kWh ergibt sich im gemischten Ecotest-Zyklus eine reale Reichweite von rund 320 Kilometern.
Für den Alltag reicht das gut aus: Pendeln, Einkauf, Wochenendtour – all das deckt der e:Ny1 ohne Nachladen ab, und wer viel in der Stadt unterwegs ist, kommt sogar spürbar weiter. Auf der Autobahn schmilzt die Reichweite dagegen erkennbar, real bleiben bei zügigem Tempo eher um die 300 Kilometer. Ein zweiter unabhängiger Test kam bei betont sportlicher Fahrweise auf deutlich höhere Werte von rund 25 kWh, ein sparsam gefahrener Test dagegen auf unter 18 kWh – die Spanne hängt also stark am rechten Fuß.
Im Vergleich zu effizienten Konkurrenten wie Hyundai Kona Elektro oder Peugeot e-2008, die auf dem Papier klar weniger Strom ziehen, ist der Honda kein Effizienzvorbild. Die größte Kehrseite: Eine Wärmepumpe fehlt komplett. Im Winter kostet das Heizen deshalb zusätzlich Reichweite, und der Verbrauch steigt bei Kälte spürbar an.
Laden & Reisetauglichkeit: der klare Schwachpunkt
Am Schnelllader zieht der e:Ny1 in der Spitze maximal 78 kW – ein Wert, der heute im Feld eher hinterherhängt. Das Nachladen von 10 auf 80 Prozent dauert rund 45 Minuten. Honda argumentiert, die Ladeleistung werde dafür länger konstant gehalten, statt kurz hoch auszuschlagen und dann einzubrechen; im ADAC-Test ergab sich daraus ein Durchschnitt von rund 64 kW über den Ladehub. An der Wallbox lädt er dreiphasig mit bis zu 11 kW, eine leere Batterie ist so in etwa sechs Stunden wieder voll.
Wer zu Hause oder bei der Arbeit laden kann, wird damit im Alltag gut zurechtkommen – über Nacht ist der Akku ohnehin voll. Auf der Langstrecke aber wird das zähe Laden zum Geduldsspiel: Kurze Reichweite plus langsames Nachladen bedeuten häufigere und längere Stopps als bei der Konkurrenz. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Laderoutenplanung und eine Vorkonditionierung der Batterie fehlen – ist der Akku nicht warm, sinkt die Ladeleistung weiter.
Direkte Alternativen wie der Peugeot e-3008 laden mit rund 150 kW fast doppelt so schnell. Für ein Auto, das sich als Familien-SUV empfiehlt, ist die schwache Reisetauglichkeit der größte Wermutstropfen.
Antrieb & Fahrdynamik: lebendig und entspannt zugleich
Unter der Haube sitzt ein Elektromotor mit 150 kW, umgerechnet rund 204 PS, und 310 Nm Drehmoment, der die Vorderräder antreibt. Aus dem Stand geht es in 7,6 Sekunden auf Tempo 100, bei 160 km/h ist Schluss. Das reicht für flottes Mitschwimmen: Einfädel- und Überholmanöver gelingen souverän, das Drehmoment liegt wie bei E-Autos üblich sofort an.
Im Alltag punktet der e:Ny1 mit einer stimmigen Abstimmung. Tester loben die ausgewogene Fahrwerksauslegung und die präzise Lenkung – der Honda fährt sich unaufgeregt und sicher, ohne nervös zu wirken. Das relativ geringe Gewicht von rund 1,7 Tonnen für ein Elektro-SUV hilft dabei.
Ein Sportgerät ist er dennoch nicht, und will es auch gar nicht sein. Die frühe Abriegelung bei 160 km/h und der reine Frontantrieb setzen dem Temperament Grenzen – für die Zielgruppe sind das aber verschmerzbare Kompromisse, zumal die niedrige Höchstgeschwindigkeit der Reichweite zugutekommt.
Komfort & Geräusch: gemütlicher Gleiter
Beim Komfort spielt der e:Ny1 eine seiner Stärken aus. In Tests gilt er als tiefenentspannter Allrounder mit hohem Fahrkomfort: Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten sauber weg, die Sitze sind bequem, das ganze Auto vermittelt ein ruhiges, gelassenes Fahrgefühl.
Praktisch heißt das: Auf langen Etappen wie im städtischen Stop-and-go bleibt der Honda angenehm. Genau dieser Charakter macht ihn zum entspannten Begleiter für den Alltag, gerade für Menschen, die es lieber ruhig als sportlich-hart mögen.
Die Kehrseite: Die Geräuschdämmung ist nur mäßig. Bei höherem Tempo dringen Wind- und Abrollgeräusche stärker in den Innenraum, als es der ansonsten hohe Komfortanspruch erwarten lässt. Ein echter Flüsterer ist der e:Ny1 also nicht.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: hochwertig, aber mit Grenzen
Innen macht der Honda vieles richtig. Das Interieur wirkt reduziert und hochwertig, die Verarbeitung ist ordentlich, und Details wie die griffigen Drehregler für die Klimatisierung gefallen. Im Fond ist das Platzangebot großzügig: viel Beinfreiheit, ein flacher Boden, auch größere Passagiere sitzen bequem.
Der Kofferraum fällt mit 361 Litern in der Basis – 344 mit Advance-Paket – dagegen nur durchschnittlich aus; umgeklappt sind es bis zu 1.176 Liter. Für kleines Familiengepäck reicht das, gegen Konkurrenten wie Kona Elektro oder Peugeot e-2008 zieht der Honda beim Volumen aber den Kürzeren.
Deutlicher wiegen die praktischen Grenzen: Die Zuladung liegt bei mageren 350 Kilogramm, Anhänger- und Dachlast sind gar nicht freigegeben – Fahrradträger auf der Kupplung fallen damit weg. Einen Frunk gibt es nicht, und der Wendekreis ist mit 11,6 Metern fürs kompakte Format ungewöhnlich groß, was das Rangieren in der Stadt weniger mühelos macht, als man es von einem Auto dieser Größe erwarten würde.
Software, Bedienung & E-Funktionen: gut bedienbar, dünn bei EV-Extras
Das Cockpit dominiert ein hochkant stehender 15,1-Zoll-Touchscreen, dazu kommt ein 10,25-Zoll-Digitalinstrument hinterm Lenkrad. Der Bildschirm ist in drei Zonen für Navigation, Medien und Klima gegliedert. Lobenswert: Honda behält echte Tasten und Drehregler für wichtige Funktionen bei, was die Bedienung im Alltag intuitiv hält.
An Assistenz ist reichlich an Bord – das Honda-Sensing-Paket mit Abstandstempomat und Notbremsassistent gehört ebenso zur Serie wie ein digitaler Schlüssel samt App mit Fahrzeugortung. Für den täglichen Gebrauch ist der e:Ny1 damit gut ausgestattet.
Bei den E-Auto-spezifischen Funktionen wird es allerdings dünn: keine Wärmepumpe, keine Vorkonditionierung der Batterie, keine Laderoutenplanung. Genau die Bausteine, die ein modernes Elektroauto auf der Langstrecke souverän machen, fehlen hier – ein spürbarer Rückstand gegenüber der aktuellen Konkurrenz.
Einordnung im Ranking
Der Honda e:Ny1 ist ein ehrlicher, angenehm entspannter Alltags-Stromer mit hochwertigem Innenraum, viel Platz im Fond und hohem Fahrkomfort – der aber an einer klaren Stelle schwächelt: beim Laden und damit auf der Langstrecke. Preislich ist er nach der deutlichen Senkung fair bepreist, das Preis/Leistungs-Verhältnis geht in Ordnung. Gegen direkte Alternativen wie Kia Niro EV, Hyundai Kona Elektro, Peugeot e-2008 und e-3008, Jeep Avenger oder Volvo EX30 muss er sich vor allem bei Ladeleistung und Nutzwert geschlagen geben, punktet dafür mit Komfort und Verarbeitung.
Am besten passt der e:Ny1 zu Familien und Pendlern, die zu Hause oder bei der Arbeit laden können, Wert auf ein ruhiges, gut gemachtes Auto legen und nur selten weite Strecken am Stück fahren. Wer regelmäßig auf die Autobahn muss, sollte dagegen genauer hinschauen.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 68 von 104
Quellen
Bildquellen
- Honda eNY1 Aussenansicht — © Honda Presseportal
- Honda eNY1 Heckansicht — © Honda Presseportal
- Honda eNY1 Seitenansicht — © Honda Presseportal
- Honda eNY1 Innenraum — © Honda Presseportal
- Honda eNY1 Infotainment — © Honda Presseportal
- Honda eNY1 Sitze — © Honda Presseportal
- Honda eNY1 Kofferraum — © Honda Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
