EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
3,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der MG4 Electric mit der 64-kWh-Batterie zeigt, wie viel Elektroauto fürs Geld möglich ist: Er fährt mit rund 18,3 kWh sparsam, kommt im Alltag etwa 390 Kilometer weit und begeistert mit einem agilen, präzisen Heckantrieb, der in der Kompaktklasse Seltenheitswert hat. Dafür ist er fair bepreist. Die Schattenseiten liegen bei den unausgereiften Assistenzsystemen, der trägen Bedienung und den einfachen Innenraummaterialien. Wenn ihr Fahrspaß und Effizienz höher gewichtet als ein feines Cockpit und Software auf Referenzniveau, bekommt ihr hier ein stimmiges, ehrliches Gesamtpaket.
Pro
- Sparsam: rund 18,3 kWh/100 km im ADAC-Ecotest trotz Heckantrieb
- Agiles, präzises Handling — einer der fahraktivsten Kompaktstromer
- Alltagstaugliche Reichweite von etwa 390 km (Ecotest-Mix)
- Wärmepumpe in der Luxury-Ausstattung serienmäßig
- Fair bepreist fürs Gebotene
Contra
- Assistenzsysteme unausgereift und teils unzuverlässig
- Träges Infotainment, gewöhnungsbedürftige Bedienung
- Einfache Innenraummaterialien, viel Hartplastik
- Autobahn-Reichweite und Ladetempo eher Mittelmaß
Als der MG4 Electric 2022 startete, war er so etwas wie ein Weckruf: ein kompakter Stromer mit Heckantrieb, frechem Design und einem Preis, der die etablierte Konkurrenz nervös machte. Wir schauen uns hier die Variante mit der großen 64-kWh-Batterie in der Top-Ausstattung Luxury an — also den MG4, der auf mehr Reichweite und Wärmepumpe-Komfort ausgelegt ist. Für wen lohnt er sich? Vor allem für euch, wenn ihr ein alltagstaugliches, agiles Kompaktauto sucht und dafür kein Oberklasse-Geld ausgeben wollt. Perfekt ist er nicht — aber unterm Strich ein erstaunlich reifes Paket fürs Geld.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: sparsam, solange ihr es nicht eilig habt
Im standardisierten ADAC-Ecotest genehmigt sich der MG4 rund 18,3 kWh auf 100 Kilometer — und zwar inklusive der Verluste, die beim Laden anfallen. Das ist für ein Auto mit Heckantrieb ein guter Wert, der auf Augenhöhe mit vielen effizienteren Kompaktstromern liegt. Innerorts sind es sogar nur etwa 13,7 kWh, auf der Autobahn klettert der Verbrauch dagegen auf rund 21,3 kWh. Die serienmäßige Wärmepumpe und die flache, windschlüpfige Karosserie helfen mit, den Schnitt niedrig zu halten.
In der Praxis heißt das: Im gemischten Ecotest-Betrieb kommt ihr auf etwa 390 Kilometer mit einer Ladung. Für den Pendelalltag, Einkäufe und die gelegentliche Überlandfahrt ist das mehr als genug — Laden wird da schnell zur Nebensache, die ihr bequem zu Hause oder bei der Arbeit erledigt.
Die Kehrseite zeigt sich, sobald es kalt wird oder ihr dauerhaft schneller als 120 km/h fahrt. Dann sinkt die Reichweite spürbar, und der offizielle WLTP-Wert von 16,6 kWh wirkt reichlich optimistisch. Der MG4 ist eben ein sparsames Auto für moderates Tempo, kein Langstrecken-Effizienzwunder.
Laden & Reisetauglichkeit: brauchbar, aber kein Schnelllade-Champion
An der Schnellladesäule zieht der MG4 mit der 64-kWh-Batterie bis zu 140 kW. Damit ist der Sprung von 10 auf 80 Prozent laut Datenbankwerten in etwa 28 Minuten erledigt — in der Praxis und vor allem bei Kälte solltet ihr eher mit gut einer halben Stunde rechnen. Zu Hause lädt die Luxury-Version dreiphasig mit 11 kW, sodass der Akku über Nacht locker voll wird.
Für die Langstrecke bedeutet das: Es funktioniert, verlangt aber Planung. Mit rund 390 Kilometern Reichweite im Mix und einem Ladestopp von etwa 30 Minuten kommt ihr entspannt von A nach B, nur eben nicht ganz so flott wie mit Autos, die dauerhaft jenseits der 200-kW-Marke laden. Praktisch ist die zuschaltbare Batterieheizung, die im Winter hilft, die Ladeleistung nicht komplett einbrechen zu lassen.
Die ehrliche Schwäche: Bei niedrigen Temperaturen leidet sowohl die Reichweite als auch das Ladetempo, und die Ladekurve ist insgesamt eher solide als spektakulär. Wer viel und schnell reist, findet in der Klasse mittlerweile flottere Alternativen.
Antrieb & Fahrdynamik: der heimliche Spaßmacher
Der Heckmotor leistet 150 kW, also rund 204 PS, und schiebt den MG4 in 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Das klingt nicht nach Sportwagen, fühlt sich im Alltag aber flott und sehr souverän an — an der Ampel und beim Überholen ist immer genug Druck da. Bei 160 km/h ist Schluss, was zu einem Auto dieser Auslegung gut passt.
Der eigentliche Trumpf ist aber das Fahrwerk. Tester loben immer wieder die präzise Lenkung und das agile, ausgewogene Handling — dank Heckantrieb gehört der MG4 zu den handlichsten und spaßigsten Autos seiner Klasse. Auf der Landstraße macht das richtig Laune, und auch in der Stadt zahlt sich die Wendigkeit aus.
Die Kehrseite dieser Sportlichkeit: Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt. Wer maximalen Komfort erwartet, muss mit dem einen oder anderen Rumpler leben. Und wer eine Anhängerkupplung braucht, wird enttäuscht — mehr als 500 Kilogramm Anhängelast sind nicht drin.
Komfort & Geräusch: solide mit straffem Einschlag
Beim Federungskomfort gehen die Urteile auseinander. Der ADAC bescheinigt dem MG4 ein recht komfortables Fahrwerk, andere Tests betonen eher die straffe Abstimmung, die auf schlechten Straßen spürbar wird. Unterm Strich landet der MG4 damit im soliden Mittelfeld: langstreckentauglich, aber kein rollendes Sofa.
Im Alltag heißt das: Auf gut asphaltierten Strecken reist ihr angenehm ruhig, auf Kopfsteinpflaster und bei Querfugen wird es hörbar und fühlbar straffer. Zur Geräuschdämmung liegen kaum belastbare unabhängige Messwerte vor, weshalb wir uns hier auf die allgemeine Einordnung der Tester beschränken.
Die Kehrseite ist letztlich Geschmackssache: Der straffe Grundcharakter, der die Fahrdynamik so schön macht, kostet ein Stück Geschmeidigkeit. Wer überwiegend Komfort sucht, findet weichere Alternativen.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, einfache Materialien
Mit 4,29 Metern Länge und einem üppigen Radstand von 2,71 Metern bietet der MG4 innen mehr Platz, als die kompakten Außenmaße vermuten lassen. Vorn wie hinten sitzt man ordentlich, die Kniefreiheit im Fond geht für die Klasse in Ordnung. Der Kofferraum fasst nach Herstellerangabe 363 Liter und bis zu 1.177 Liter mit umgeklappter Rückbank; der ADAC misst unter der Abdeckung allerdings nur rund 250 Liter — kein Ausbund an Stauraum. Einen Frunk gibt es nicht.
Praktisch heißt das: Für Familieneinkauf, Kinderwagen oder das Wochenendgepäck reicht es, ein Möbelhaus-Großeinkauf wird aber knapp. Beim Umklappen der Rückbank entsteht zudem eine Stufe, die das Beladen sperriger Dinge erschwert.
Bei der Verarbeitung merkt man dem Vor-Facelift-MG4 den Preis an. Die Montage ist ordentlich, das Materialbild aber schlicht: viel Hartplastik, wenig Wertanmutung. Tester kritisieren das karge Ambiente regelmäßig. Wer hier Premium-Gefühl erwartet, sucht besser woanders.
Software, Bedienung & E-Funktionen: hier hakt es am meisten
Auf der Habenseite stehen ein paar wichtige E-Auto-Basics: Die Wärmepumpe ist in der Luxury-Ausstattung serienmäßig, eine zuschaltbare Batterieheizung ist an Bord, und über die MG-App lassen sich Ladung und Vorklimatisierung steuern. Das deckt die Grundbedürfnisse ab.
Deutlich schwächer fällt das Urteil bei den Assistenzsystemen aus. Der ADAC kritisiert Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte- und Abstandsassistent teils scharf — sie arbeiten unzuverlässig und entwickeln in manchen Situationen ein regelrechtes Eigenleben, das sogar heikel werden kann. Auch das Infotainment reagiert eher träge, und die Bedienung verlangt eine gewisse Eingewöhnung, weil viele Funktionen über den Touchscreen laufen.
Die Kehrseite ist damit klar benannt: Software und Assistenz sind der wunde Punkt dieses MG4. Für den Preis darf man hier mehr Reife erwarten — hier hat MG erst mit dem späteren Facelift spürbar nachgelegt.
Einordnung im Ranking
Der MG4 Electric mit 64-kWh-Batterie ist ein ehrliches Angebot: sparsam, agil und mit einer alltagstauglichen Reichweite ausgestattet, dazu fair bepreist fürs Gebotene. Seine Schwächen bei Assistenz, Software und Materialanmutung sind real, ändern aber nichts daran, dass er im Kompaktsegment eine überzeugende Vernunftwahl mit Spaßfaktor bleibt.
Wer einen VW ID.3, Peugeot e-208 oder Hyundai Kona Elektro auf dem Zettel hat, sollte den MG4 unbedingt dazunehmen — besonders, wenn euch Fahrdynamik und Preis wichtiger sind als ein edles Cockpit. Wo genau er sich im Gesamtfeld einordnet, seht ihr hier:
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 80 von 104
Quellen
Bildquellen
- MG4 Electric Aussenansicht — © MG Motors Presse Portal
- MG4 Electric Heckansicht — © MG Motors Presse Portal
- MG4 Electric Innenraum — © MG Motors Presse Portal
- MG4 Electric Sitze — © MG Motors Presse Portal
- MG4 Electric Kofferraum — © MG Motors Presse Portal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
