MG ZS EV Long Range im Test: sparsames China-SUV mit Lade-Handbremse

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

49,2 % 2,95 / 6

Preis/Leistung

2,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der MG ZS EV Long Range ist ein sympathisch pragmatisches Elektro-SUV: sparsam im Verbrauch, ordentlich geräumig und komfortabel-weich abgestimmt. Diese Stärken erkauft er sich mit klaren Schwächen, allen voran dem betont langsamen DC-Laden, das lange Reisen mühsam macht. Dazu kommen einfache Materialien und eine unrunde iSMART-Software. Da die Baureihe ausgelaufen und durch den MGS5 EV ersetzt ist, spielt der ZS EV seine Karten heute vor allem als günstiger Gebrauchter aus. Wer überwiegend zu Hause lädt und regional fährt, bekommt viel nutzbares Auto, sollte die Ladeschwäche aber bewusst einkalkulieren.

Pro

  • Niedriger Realverbrauch von rund 19,6 kWh/100 km (inklusive Ladeverluste)
  • Viel Kofferraum mit 448 Litern und gute Alltags-Übersicht
  • Komfortabel-weiches Fahrwerk, nach dem Facelift angenehm leise
  • V2L-Stromausgabe und 11-kW-Bordlader serienmäßig
  • Lange Herstellergarantie und günstiges Preisniveau (vor allem gebraucht)

Contra

  • Langsames Schnellladen: nur rund 92 kW Spitze, etwa 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent
  • Unterdurchschnittliche Material- und Verarbeitungsqualität
  • iSMART-Software mit Übersetzungsfehlern und verschachtelten Menüs
  • Entkoppelte Lenkung und spürbare Seitenneigung, kein Fahrdynamiker
  • Als Neuwagen ausgelaufen, nur noch als Lager- oder Gebrauchtwagen erhältlich

Der MG ZS EV war lange das Sinnbild für bezahlbare Elektromobilität: ein kompaktes SUV aus chinesischer Produktion, das euch viel Auto fürs Geld versprach. Wir schauen uns hier die Long-Range-Version mit der großen 72,6-kWh-Batterie an, also die Variante mit dem größten Akku und der meisten Alltagsreichweite. Wichtig vorweg: Diese Generation ist 2025 ausgelaufen und wurde vom neueren MGS5 EV abgelöst. Als Neuwagen bekommt ihr den ZS EV also kaum noch, auf dem Gebrauchtmarkt taucht er dagegen häufig auf. Genau dort wird die Frage spannend, was der günstige Stromer wirklich taugt, wenn man ihn nüchtern vermisst.

Bildergalerie

MG ZS EV Aussenansicht
MG ZS EV Heckansicht
MG ZS EV Seitenansicht
MG ZS EV Innenraum
MG ZS EV Sitze
MG ZS EV Infotainment

Technische Daten

Marktstart 2021
Basispreis 37.990 €
Nutzbare Batterie 68,3 kWh
Realverbrauch 19,6 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 17,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 310 km
Ladeleistung (Peak) 92 kW
Ladezeit 10–80 % 40 min
Leistung 115 kW (156 PS)
0–100 km/h 8,4 s
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Kofferraum 448 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 500 kg
Wendekreis 11,1 m
Maße (L×B) 4.323 × 1.809 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam, solange ihr nicht rast

Beim Verbrauch überrascht der ZS EV positiv. Im standardisierten ADAC-Ecotest genehmigt er sich rund 19,6 kWh auf 100 Kilometer, und dieser Wert schließt die Ladeverluste bereits mit ein. Für ein hochbauendes SUV ist das ein ordentlicher Schnitt, der sich mit effizienten Kompakten wie einem VW ID.3 messen kann. Die nutzbare Batterie fasst etwa 68,3 kWh, woraus im gemischten Alltag realistische 350 bis 375 Kilometer werden.

Praktisch heißt das: Für Pendeln, Einkäufe und Wochenendausflüge müsst ihr euch über die Reichweite kaum Gedanken machen. Wer viel in der Stadt und über Land fährt, kommt dem WLTP-Versprechen von 440 Kilometern erstaunlich nahe.

Die Kehrseite zeigt sich auf der Autobahn. Der kastige Aufbau schiebt viel Luft beiseite, und bei Tempo 130 klettert der Verbrauch auf fast 23 kWh. Dann schrumpft die Reichweite auf etwa 300 bis 320 Kilometer. Im Winter oder bei zügiger Fahrt solltet ihr also eher mit Zwischenstopps planen als mit Rekordetappen.

Laden & Reisetauglichkeit: hier zieht MG die Handbremse

Das ist der wunde Punkt. Am Schnelllader nimmt der große Long-Range-Akku bestenfalls 92 kW an, und selbst diese Spitze hält er nur kurz. Von 10 auf 80 Prozent vergehen rund 40 Minuten, oberhalb von 80 Prozent bricht die Leistung auf etwa 28 kW ein. Kurios: Der konzerneigene, teils günstigere MG4 lädt an derselben Säule mit bis zu 135 kW.

Zu Hause ist das kein Thema. Der serienmäßige 11-kW-Bordlader füllt die Batterie über Nacht locker auf, und für den Alltag ist damit alles gut. Auf der langen Urlaubsfahrt dagegen summieren sich die Nachteile: mittlere Reichweite plus zähes Laden bedeutet mehr und längere Pausen als bei den meisten Mitbewerbern.

Im Vergleich zu Konkurrenten wie Hyundai Kona Elektro oder Peugeot e-2008 verliert der MG genau auf der Langstrecke Zeit. Wer regelmäßig weite Strecken am Stück fährt, wird die konservative Ladetechnik spüren. Für alle, die vor allem daheim laden, fällt sie kaum ins Gewicht.

Antrieb & Fahrdynamik: entspannter Gleiter statt Kurvenjäger

Der Elektromotor an der Vorderachse leistet 115 kW, umgerechnet rund 156 PS. Damit sprintet der ZS EV in etwa 8,4 bis 8,6 Sekunden auf 100 km/h, bei 175 km/h ist elektronisch Schluss. Das reicht für müheloses Mitschwimmen in der Stadt und souveräne Zwischenspurts über Land.

Im Alltag gibt sich der MG betont gelassen. Er ist als bequemer Cruiser ausgelegt, nicht als Sportler. Das weiche Fahrwerk bügelt Unebenheiten ordentlich glatt, und die drei Rekuperationsstufen lassen sich per Tastendruck an die eigene Fahrweise anpassen.

Die ehrliche Schwäche liegt im Handling. Tester beschreiben die Lenkung als entkoppelt und synthetisch, in schnellen Kurven neigt sich der hohe Aufbau spürbar zur Seite. Fahrspaß im sportlichen Sinne dürft ihr also nicht erwarten. Wer stattdessen ein ruhiges, unaufgeregtes Auto sucht, wird mit der Abstimmung gut leben können.

Komfort & Geräusch: weich gebettet, aber windig

Federungsseitig spielt der ZS EV seine Cruiser-Rolle konsequent aus. Die weiche Abstimmung sorgt für einen komfortablen Grundton, kurze Stöße und Querfugen steckt das Fahrwerk gut weg. Für den täglichen Weg zur Arbeit oder die Fahrt mit der Familie ist das genau die richtige Auslegung.

Beim Geräuschkomfort hat das Facelift deutlich zugelegt. Das ungewöhnlich laute Surren des Vor-Facelift-Motors ist verschwunden, der Antrieb arbeitet nun so unauffällig, wie man es von einem Elektroauto erwartet.

Bei höherem Autobahntempo meldet sich allerdings der Wind. Die aufrechte SUV-Silhouette erzeugt spürbare Windgeräusche, die den sonst ruhigen Eindruck etwas trüben. Die Sitze gehen für die Klasse in Ordnung, sind aber kein Ausstattungshighlight. Unterm Strich ein stimmiger Komfort, der erst jenseits der Richtgeschwindigkeit an Grenzen stößt.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: praktisch, aber sparsam möbliert

Beim Platz macht der MG vieles richtig. Der Kofferraum fasst 448 Liter und wächst mit umgeklappter Rückbank auf 1166 Liter. Damit liegt der ZS EV trotz seiner überschaubaren Länge erstaunlich nah an einem Kia Niro EV. Vier Erwachsene reisen ordentlich, Dachreling gibt es serienmäßig. Einen Frunk unter der vorderen Haube besitzt der MG dagegen nicht.

Im Alltag ist das ein praktisches Paket: Der Kofferraum schluckt Familieneinkauf, Kinderwagen oder das Reisegepäck für zwei ohne Murren, und die hohe Sitzposition gefällt vielen im täglichen Gebrauch.

Der Kompromiss steckt in der Anmutung. Tester bemängeln unterdurchschnittliche Materialqualität und viel Hartplastik, der letzte Feinschliff bei der Verarbeitung fehlt. Gemessen am ursprünglich günstigen Preis ist das verschmerzbar, an das Niveau europäischer Platzhirsche reicht der Innenraum aber nicht heran.

Software, Bedienung & E-Funktionen: Licht und viel Luft nach oben

Das iSMART-System bleibt der zweite große Kritikpunkt. Tester berichten von teils bizarren Übersetzungsfehlern und einer unlogischen, verschachtelten Menüführung. Immerhin sind nicht alle Funktionen in Touch-Ebenen vergraben, einige physische Bedienelemente bleiben erhalten, was im Alltag hilft.

Auf der Habenseite stehen die E-Funktionen. Serienmäßig gibt es den 11-kW-Bordlader und V2L, ihr könnt also 230-Volt-Geräte direkt aus dem Autoakku versorgen, was beim Camping oder im Garten praktisch ist. Drei Rekuperationsstufen und mehrere Fahrmodi runden das Angebot ab.

Schwächer sieht es bei der cleveren Ladeorganisation aus. Eine ausgereifte Ladestopp-Planung und eine Batterie-Vorkonditionierung, die den Akku vor dem Schnelllader aufwärmt, fehlen oder arbeiten unzuverlässig. Die Assistenzsysteme sind vorhanden und solide, insgesamt hinkt die Software-Reife aber hinter etablierten Anbietern wie VW oder Hyundai her.

Einordnung im Ranking

Der MG ZS EV Long Range ist ein ehrliches Angebot: ein effizientes, geräumiges und komfortabel abgestimmtes Kompakt-SUV, das sich vor allem durch sein zähes Laden, die einfache Materialqualität und die unrunde Software ausbremst. Am besten passt er zu Menschen, die überwiegend zu Hause laden, regional unterwegs sind und Wert auf niedrigen Verbrauch und Platz legen statt auf Langstreckentempo. Wer ständig weite Autobahnetappen fährt, ist mit schneller ladenden Alternativen wie Hyundai Kona Elektro, Kia Niro EV oder Peugeot e-2008 besser bedient.

Beim Preis lohnt der nüchterne Blick. Sein Schnäppchen-Ruf stammt großteils aus der Zeit der staatlichen Förderung, die den effektiven Preis stark drückte. Am reinen Listenpreis gemessen war der Long Range etwas teuer fürs Gebotene. Auf dem heutigen Gebrauchtmarkt kann sich das Bild aber deutlich zu euren Gunsten drehen.

Bildquellen

  • MG ZS EV Aussenansicht — © MG Motor Presse Portal
  • MG ZS EV Heckansicht — © MG Motor Presse Portal
  • MG ZS EV Seitenansicht — © MG Motor Presse Portal
  • MG ZS EV Innenraum — © MG Motor Presse Portal
  • MG ZS EV Sitze — © MG Motor Presse Portal
  • MG ZS EV Infotainment — © MG Motor Presse Portal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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