Renault Scénic E-Tech im Test: viel Reichweite, gemächliches Laden

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

60,0 % 3,60 / 6

Preis/Leistung

2,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Renault Scénic E-Tech Long Range ist ein ehrliches Familien-SUV mit einer echten Kernkompetenz: Reichweite. Rund 490 Kilometer im realitätsnahen Test und serienmäßiges 22-kW-Laden machen ihn zum entspannten Alltags- und Pendlerauto, das man daheim ruckzuck wieder vollhat. Dem stehen ein gemächliches Schnellladen, ein nur klassenüblicher Kofferraum ohne Frunk und viel Hartplastik gegenüber, das zum stolzen Preis nicht ganz passt. Wer Effizienz-Bestwerte oder Premium-Anmutung sucht, wird woanders glücklicher – wer ein geräumiges, reichweitenstarkes E-Familienauto will und viel zu Hause lädt, bekommt hier einen souveränen Kandidaten.

Pro

  • Große reale Reichweite (rund 490 km im Ecotest) für ein Kompakt-SUV
  • Wärmepumpe und 22-kW-AC-Laden serienmäßig – daheim schnell wieder voll
  • Geräumiger, cleverer Fond mit ebenem Boden und teilbarer Rückbank
  • Modernes Google-Infotainment mit echten Klimatasten

Contra

  • Gemächliches Schnellladen (rund 39 min von 10 auf 80 %, Peak nur ~145 kW)
  • Viel Hartplastik und Sparstellen trotz hohem Preis
  • Nur klassenüblicher Kofferraum, hohe Ladekante, kein Frunk
  • Fürs Gebotene eher etwas teuer

Mit dem Scénic E-Tech schickt Renault einen alten Bekannten in ein neues Zeitalter: Aus dem einstigen Kompaktvan ist ein vollelektrisches Familien-SUV geworden, einen Verbrenner gibt es nicht mehr. Wir haben uns die stärkere Ausführung mit dem großen 87-kWh-Akku angesehen – jene, die Renault als „220 Long Range“ verkauft. Der Anspruch ist klar: viel Reichweite, viel Platz für die Familie, möglichst wenig Effizienz-Kompromisse. Ob das aufgeht und wo der Franzose glänzt oder schwächelt, klären wir hier auf Basis öffentlicher Messdaten.

Bildergalerie

Renault Scenic E-Tech Aussenansicht
Renault Scenic E-Tech Heckansicht
Renault Scenic E-Tech Seitenansicht
Renault Scenic E-Tech Innenraum
Renault Scenic E-Tech Infotainment
Renault Scenic E-Tech Sitze
Renault Scenic E-Tech Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 48.890 €
Nutzbare Batterie 87 kWh
Realverbrauch 20,6 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 17,5 kWh/100 km
Reale Reichweite 490 km
Ladeleistung (Peak) 145 kW
Ladezeit 10–80 % 39 min
Leistung 160 kW (218 PS)
0–100 km/h 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 315 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.100 kg
Wendekreis 11,1 m
Maße (L×B) 4.470 × 1.864 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: die große Stärke

Hier liegt das klare Highlight des Scénic. Im praxisnahen ADAC Ecotest, der Klimaanlage und einen Autobahn-Anteil einbezieht, kommt der große Akku auf rund 490 Kilometer – ein für ein Kompakt-SUV überdurchschnittlicher Wert. Renault selbst nennt nach WLTP fast 600 Kilometer, doch die realitätsnahe Messung ist die ehrlichere Hausnummer. Eine unabhängige Effizienz-Datenbank ordnet den Alltagsradius mit etwa 480 Kilometern praktisch deckungsgleich ein.

Für euch heißt das: Pendeln, Wochenendausflug und der übliche Familienalltag laufen entspannt ohne ständige Ladeplanung. Selbst im Winter bei Autobahntempo bleiben laut Messdaten noch rund 340 Kilometer übrig – genug, um Reichweitenangst gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Die Kehrseite: Sparsam im Sinne der effizientesten Stromer ist der Scénic nicht. Der Ecotest weist gut 20 kWh auf 100 Kilometer aus (Ladeverluste eingerechnet), auf der Autobahn klettert der Verbrauch auf etwa 24 kWh. Die große Reichweite erkauft sich der Renault also vor allem über den üppig dimensionierten Akku, weniger über einen besonders effizienten Antrieb.

Laden & Reisetauglichkeit: schnell zu Hause, gemächlich unterwegs

Beim Wechselstrom-Laden macht Renault fast alles richtig: Bis zu 22 kW sind serienmäßig an Bord, viele Konkurrenten schaffen nur die Hälfte. An einer passenden Wallbox ist der 87-kWh-Akku damit in rund viereinhalb Stunden wieder voll – ideal, wenn ihr daheim oder am Arbeitsplatz ladet.

Am Schnelllader sieht die Sache weniger souverän aus. In Messungen erreicht der Scénic einen Spitzenwert von etwa 145 kW, hält ihn aber nur bis rund zur Hälfte des Ladehubs und fällt danach deutlich ab. Ein Sprung von 10 auf 80 Prozent dauert so etwa 39 Minuten – Wettbewerber schaffen das teils in unter einer halben Stunde.

Unterm Strich ist der Renault damit ein souveräner Langstrecken-Begleiter, solange die große Reichweite die Ladestopps selten macht. Wird es doch mal eng, kostet die zurückhaltende Ladekurve spürbar Zeit. Immerhin: Eine automatische Laderoutenplanung und eine Batterievorkonditionierung beim Navigieren zur Säule sind vorhanden und nehmen euch Planung ab.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän, nicht sportlich

Der 160 kW starke Fronttriebler leistet rund 218 PS und schiebt den Scénic in 7,9 Sekunden auf Tempo 100, bei 170 km/h ist Schluss. Auf dem Papier ist das ordentlich, im Alltag reicht der spontane Antritt des Elektromotors locker zum flotten Einfädeln und Überholen.

Abgestimmt ist der Renault klar auf Familie statt Rennstrecke. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und direkt, das ESP regelt früh und sicherheitsorientiert. Wer einen kompakten Stromsportler wie einen MG4 oder Cupra Born sucht, ist hier falsch – wer einen unaufgeregten Alltagswagen will, richtig.

Die Kehrseite ist eher gefühlt als gemessen: Für sein moderates Gewicht wirkt die Kraftentfaltung etwas verhalten, echter Fahrspaß kommt kaum auf. Für ein Familien-SUV ist das aber verschmerzbar und passt zum ruhigen Charakter des Autos.

Komfort & Geräusch: entspanntes Reisen mit einer Einschränkung

Auf langen Strecken punktet der Scénic: Tester loben das komfortable Fahrwerk und die bequemen Sitze, und dank ebener Bodengruppe reist es sich auch im Fond angenehm. Die raffinierte, verschiebbare Mittelkonsole wertet den Aufenthalt hinten zusätzlich auf.

Die Einschränkung heißt Bereifung. Mit den optionalen 20-Zoll-Rädern federt der Renault auf schlechtem Pflaster spürbar straffer, kurze Stöße kommen deutlicher durch. Eine Luftfederung gibt es nicht – auf der Autobahn bleibt der Komfort aber auf gutem Niveau. Mit den kleineren Serienrädern fällt das Abrollen entsprechend geschmeidiger aus.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, durchwachsene Materialien

Beim Platz spielt der Scénic seine Van-Gene aus: Der Fond ist großzügig, der ebene Boden ohne Mitteltunnel erleichtert das Sitzen zu dritt, die Rückbank lässt sich praktisch im Verhältnis 40:20:40 teilen. Der Kofferraum fällt dagegen eher klassenüblich aus – der ADAC misst als Standardvolumen 315 Liter bis zur Abdeckung, während Renault offiziell 545 Liter angibt. Ein Frunk unter der Fronthaube fehlt, und die hohe Ladekante von 77 Zentimetern macht das Beladen mühsam.

Zwiespältig ist die Verarbeitung. Optisch wirkt das Cockpit hochwertig, die Spaltmaße stimmen. Beim Anfassen bröckelt der Eindruck aber: Viel Hartplastik an Türen und unterer Konsole, eine bei Belastung nachgebende Mittelkonsole und schlecht entgratete Kanten passen nicht recht zum durchaus stolzen Preis.

Für Familien bleibt der Innenraum trotzdem ein guter Ort – hell, luftig und clever geschnitten. Wer Premium-Materialanmutung erwartet, sollte die Sparstellen aber vorher selbst ertasten.

Software, Bedienung & E-Funktionen: Google an Bord

Das OpenR-Link-System basiert auf Android mit Google-Diensten, und das merkt man positiv: Der Google Assistant funktioniert tadellos, Kartenmaterial und App-Auswahl sind modern. Erfreulich ist auch, dass Renault für die wichtigsten Klimafunktionen echte Tasten behält.

Ganz rund läuft es aber nicht. Die Menüführung wirkt stellenweise überladen, das Zentraldisplay steht für reine Touch-Bedienung recht weit weg, und der eigenwillige Multimedia-Lenkstockhebel will erst gelernt sein. Nach kurzer Eingewöhnung kommt man gut zurecht.

Bei den E-Funktionen ist der Scénic solide bis stark aufgestellt: Wärmepumpe und das erwähnte 22-kW-AC-Laden sind serienmäßig, dazu kommen Vorkonditionierung und Laderoutenplanung. Kleine Lücken bleiben – etwa der fehlende Frunk und eine fehlende Ladeleistungsanzeige im Display.

Bildergalerie

Renault Scenic E-Tech Aussenansicht
Renault Scenic E-Tech Heckansicht
Renault Scenic E-Tech Seitenansicht
Renault Scenic E-Tech Innenraum
Renault Scenic E-Tech Infotainment
Renault Scenic E-Tech Sitze
Renault Scenic E-Tech Kofferraum

Einordnung im Ranking

Der Renault Scénic E-Tech ist ein grundsympathisches Familien-SUV, das seine große Reichweite und sein Platzangebot gegen ein gemächliches Schnellladen und durchwachsene Materialien eintauscht. Direkte Alternativen sind unter anderem VW ID.4, Hyundai Ioniq 5, Kia EV6, Peugeot e-3008 und Nissan Ariya – teils mit flotterem Laden, aber selten mit so viel serienmäßiger AC-Ladeleistung.

Preislich ruft Renault selbstbewusste Summen auf: Die große Long-Range-Version startet bei knapp unter 49.000 Euro, der voll ausgestattete Testwagen lag bei rund 57.000 Euro. Fürs Gebotene ist der Scénic damit eher etwas teuer – vor allem, wer Materialqualität und Ladetempo hoch gewichtet, findet für ähnliches Geld schärfer kalkulierte Konkurrenten. Wer dagegen vor allem Reichweite, Familienplatz und flottes Laden zu Hause sucht, bekommt hier einen überzeugenden Begleiter.

Bildquellen

  • Renault Scenic E-Tech Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
  • Renault Scenic E-Tech Heckansicht — © Stellantis Presseportal
  • Renault Scenic E-Tech Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
  • Renault Scenic E-Tech Innenraum — © Stellantis Presseportal
  • Renault Scenic E-Tech Infotainment — © Stellantis Presseportal
  • Renault Scenic E-Tech Sitze — © Stellantis Presseportal
  • Renault Scenic E-Tech Kofferraum — © Stellantis Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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