Leapmotor B05 im Supertest: Viel Auto für wenig Geld — mit einem Haken

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

55,8 % 3,35 / 6

Preis/Leistung

4,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Leapmotor B05 ist die derzeit vielleicht ehrlichste Antwort auf die Frage, wie viel Elektroauto man für unter 32.000 Euro bekommen kann. Er bietet mehr Platz für die Insassen als manches teurere Kompaktmodell, eine überraschend saubere Verarbeitung, eine Ausstattung ohne Aufpreisliste und eine Effizienz, die im Alltag überzeugt. Dass der Heckantrieb dabei eher für Gelassenheit als für Sportlichkeit sorgt, ist kein Nachteil — das Marketing verspricht hier allerdings mehr, als das Auto einlöst.

Zwei Punkte trüben das Bild deutlich. Der Kofferraum ist für die Fahrzeuglänge klein, ein Frunk fehlt, und eine Anhängerfreigabe gibt es nicht. Vor allem aber ist die Bedienung ein echter Schwachpunkt: verschachtelte Menüs, fast keine physischen Tasten und Assistenzsysteme, die sich gegen den Fahrerwillen wieder einschalten. Ein Software-Update ist angekündigt, bewertet haben wir den heutigen Stand. Wer damit leben kann, bekommt viel Auto fürs Geld — wer täglich pragmatisch bedienen und viel transportieren will, sollte sich die Alternativen genau ansehen.

Pro

  • Sehr viel Ausstattung ohne Aufpreispakete, Wärmepumpe serienmäßig
  • Überdurchschnittliche Beinfreiheit im Fond, saubere Verarbeitung
  • Guter Realverbrauch und ordentliche Ladeleistung für die Preisklasse
  • Kräftiger Heckantrieb mit komfortabler Abstimmung
  • LFP-Akku: unbedenklich voll ladbar, mit Vorwärmung

Contra

  • Kofferraum mit 295 Litern klein für die Fahrzeuglänge, kein Frunk
  • Bedienung verschachtelt, kaum physische Tasten, Software-Fehler gemeldet
  • Assistenzsysteme greifen rigide ein und setzen sich selbst zurück
  • Keine Anhängerfreigabe, kein höhenverstellbarer Ladeboden
  • Immer 19-Zoll-Räder, kein Ladekurven-Messwert verfügbar

Kompaktklasse, Heckantrieb, 218 PS und ein Einstiegspreis, der eher nach Kleinwagen klingt: Der Leapmotor B05 ist der erste Nicht-SUV des chinesisch-europäischen Gemeinschaftsunternehmens von Leapmotor und Stellantis — und er zielt ziemlich unverblümt auf die Golf-Klasse. Wir haben für euch zusammengetragen, was die öffentlich verfügbaren Messdaten und die unabhängigen Fahrberichte über dieses Auto hergeben. Vorweg: Der B05 macht erstaunlich viel richtig, leistet sich aber ausgerechnet bei der Bedienung Schwächen, die im Alltag jeden Tag nerven können.

Bildergalerie

Leapmotor B05 Aussenansicht
Leapmotor B05 Heckansicht
Leapmotor B05 Seitenansicht

Technische Daten

Marktstart 2026
Basispreis 31.900 €
Nutzbare Batterie 65 kWh
Realverbrauch 18,8 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,9 kWh/100 km
Reale Reichweite 380 km
Ladeleistung (Peak) 168 kW
Ladezeit 10–80 % 24 min
0–100 km/h 6,7 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 295 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 10,3 m
Maße (L×B) 4.430 × 1.880 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam auf dem Papier, solide in der Praxis

Der B05 fährt in der hier betrachteten Ausführung mit einem 67,1-kWh-Akku in Lithium-Eisenphosphat-Technik, von dem rund 65 kWh nutzbar sind. Nach WLTP-Norm sollen daraus 482 Kilometer werden, bei einem Normverbrauch von 15,9 kWh je 100 Kilometer. Ein wichtiger Hinweis zur Datenlage: Ein ADAC Autotest der Variante liegt noch nicht vor, ein Green-NCAP-Ergebnis ebenfalls nicht. Wir stützen uns deshalb auf den modellierten Realwert einer Effizienz-Datenbank, umgerechnet auf die Netzseite — also inklusive der Verluste, die beim Laden anfallen und die ihr trotzdem bezahlt. Daraus ergeben sich rund 18,8 kWh je 100 Kilometer im gemischten Profil bei gemäßigten Temperaturen und eine Alltagsreichweite um 380 Kilometer.

Die unabhängigen Fahrberichte stützen diese Größenordnung von beiden Seiten. Eine Redaktion notierte im Mischbetrieb einen Bordcomputerschnitt von 17,6 kWh, im günstigsten Fall knapp unter 17 — auf die Netzseite hochgerechnet landet man damit sehr nah an unserem Ansatz. Andere Tester kamen auf deutlich niedrigere Werte, teils unter 13 kWh, allerdings auf betont sparsamen Routen mit wenig Autobahnanteil. Der Hersteller selbst weist für den Autobahnteil des WLTP-Zyklus 21,8 kWh aus. Übersetzt heißt das: Wer viel pendelt und auf Landstraße und in der Stadt unterwegs ist, kommt entspannt über 400 Kilometer. Wer regelmäßig Richtung Tempo 130 fährt, sollte eher mit gut 300 Kilometern planen.

Die Kehrseite ist die Unsicherheit der Datenbasis: Datenbankmodelle liegen erfahrungsgemäß unter dem späteren Ergebnis eines standardisierten Realtests. Kommt ein ADAC-Messwert, kann sich die Einschätzung nach oben verschieben — wir tragen ihn dann nach.

Laden & Reisetauglichkeit: schnell genug, aber ohne Messwert

Leapmotor gibt für die große Batterie eine Spitzenladeleistung von 168 kW an — das ist eine Herstellerangabe, keine gemessene Zahl, denn ein unabhängiger Ladekurventest dieser Variante existiert bislang nicht. Je nach Quelle kursieren auch 174 kW. Für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent nennt der Hersteller rund 24 Minuten, eine Effizienz-Datenbank rechnet mit 26 Minuten und einer Durchschnittsleistung um 110 kW. Das ist für ein Auto dieser Preisklasse ordentlich und liegt über dem, was viele europäische Kompaktwagen bieten. Zu Hause lädt der B05 dreiphasig mit 11 kW; eine volle Ladung dauert rund sieben Stunden.

Praktisch heißt das: gut zweieinhalb Stunden fahren, eine Viertelstunde laden, weiterfahren. Die Lithium-Eisenphosphat-Zellen lassen sich vorwärmen und dürfen bedenkenlos regelmäßig voll geladen werden; eine Wärmepumpe ist in beiden Ausstattungslinien serienmäßig.

Beim Nutzwert wird es dann eng. Der B05 hat keine Anhängerfreigabe, es lässt sich also weder ein Wohnwagen noch ein Fahrradträger für die Anhängerkupplung nutzen. Auch für Dachlasten gibt es laut den vorliegenden Angaben keine Freigabe. Wer regelmäßig etwas zieht, ist hier schlicht falsch. Automatisches Freischalten des Ladevorgangs am Ladepunkt beherrscht der B05 ebenfalls nicht.

Antrieb & Fahrdynamik: sportlich beworben, komfortabel abgestimmt

An der Hinterachse sitzt ein Elektromotor mit 160 kW, also 218 PS, und 240 Nm Drehmoment. Aus dem Stand auf Tempo 100 vergehen laut Hersteller 6,7 Sekunden — für einen bezahlbaren Kompaktwagen ein selbstbewusster Wert. Schluss ist bei 170 km/h, und die sind schnell erreicht. Wer regelmäßig sehr zügig auf der Autobahn unterwegs ist, sollte diese Abriegelung im Hinterkopf behalten.

Technisch spricht einiges für Fahrspaß: Heckantrieb, eine ausgeglichene Gewichtsverteilung und ein Fahrwerk, das nach Angaben des Herstellers in Europa abgestimmt wurde. Ein australischer Test sieht das Handling deutlich über dem chinesischen Wettbewerb, eine deutsche Redaktion beschreibt den B05 als angenehm erwachsen abgestimmt. Es gibt aber auch die Gegenstimme, und sie kommt von einer gewichtigen Quelle: Der ADAC beschreibt Fahrwerk, Lenkung und Bremsen nach der ersten Testfahrt als durch und durch komfortabel — eben nicht sportlich. Die Vordersitze bieten bei flotter Kurvenfahrt zu wenig Seitenhalt, und eine weitere Redaktion hält die beworbene Sportlichkeit schlicht für nicht eingelöst.

Aus der Zusammenschau bleibt: Der B05 fährt kräftig und unaufgeregt, ist aber kein Sportgerät — das Marketing verspricht hier mehr, als das Auto einlöst.

Komfort & Geräusch: gut gedämmt, aber immer auf 19 Zoll

Die komfortbetonte Abstimmung, die dem Dynamikanspruch im Weg steht, zahlt im Alltag ein. Tester beschreiben ein Fahrwerk, das Unebenheiten gelassen wegsteckt, und eine Dämmung, bei der Abroll- und Windgeräusche bis rund 140 km/h im Hintergrund bleiben. Bei kräftiger Beschleunigung wurde ein leises Surren des Elektromotors wahrgenommen. Der Hersteller gibt das Fahrgeräusch mit 68 dB an.

Ein Detail schränkt das Komfortversprechen aber strukturell ein: Der B05 rollt in beiden Ausstattungslinien serienmäßig auf 19-Zoll-Rädern, eine kleinere Alternative gibt es nicht. Kurze, harte Stöße kommen dadurch spürbarer durch als mit mehr Reifenflanke. Eine Redaktion ordnet den B05 daher eher als handliches denn als besonders langstreckenkomfortables Auto ein — für den Arbeitsweg reicht das locker, für die Dauerreise gibt es Komfortablere.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: großzügig vorn, knapp hinten im Kofferraum

Der B05 ist ein Fünfsitzer mit 4,43 Metern Länge und einem Radstand von 2,74 Metern — spürbar mehr, als die Kompaktklasse üblicherweise bietet. Das merkt man vor allem im Fond: Weil ein Mitteltunnel fehlt und der Radstand lang ausfällt, ist die Beinfreiheit hinten überdurchschnittlich. Die Einschränkung liefert der ADAC gleich mit: Wegen der Batterie im Boden sitzt man hinten tief, die Beine stehen angewinkelt. Sehr großen Fahrern ist zudem der Verstellbereich der Vordersitze zu knapp.

Die Verarbeitung überrascht positiv: Kontaktflächen an Armlehnen, Türen und Armaturenbrett sind unterschäumt, auch die harten Kunststoffe wirken sauber gefertigt, Hochglanzflächen fehlen weitgehend. Kritik gibt es beim Kunstleder der höheren Linie; eine Höhenverstellung für den Beifahrersitz fehlt ganz.

Die klare Schwäche ist der Kofferraum. 295 Liter unter der Laderaumabdeckung sind für ein Auto dieser Länge wenig — deutlich kürzere Konkurrenten bieten teils rund 90 Liter mehr. Umgeklappt wächst der Raum auf 1205 Liter, doch einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, das Ladekabel landet also im Kofferraum. Auch ein höhenverstellbarer Ladeboden fehlt, sodass die Ladekante bleibt, wie sie ist.

Software, Bedienung & E-Funktionen: hier liegt der wunde Punkt

Bei den E-Funktionen ist die Ausstattung für den Preis bemerkenswert: Wärmepumpe, Batterievorkonditionierung, Ladeplanung im Navigationssystem, Rundumsichtkamera, induktive Ladeschale und die Möglichkeit, externe Geräte mit bis zu 3,3 kW aus dem Fahrzeugakku zu versorgen — all das ist serienmäßig, und zwar in beiden Linien. Lücken bleiben trotzdem: Die Vorkonditionierung startet nicht automatisch über die Navigation, die Ladeplanung lässt keine Auswahl von Ladeanbietern zu, und ein Frunk fehlt wie erwähnt.

Die Bedienung dagegen wird von praktisch allen Quellen kritisiert, und zwar deutlich. Fast alles läuft über den großen Touchscreen, physische Tasten gibt es kaum — selbst Fahrmodus und Rekuperationsstufe wählt man am Bildschirm. Die Menüstruktur erschließt sich nach übereinstimmender Einschätzung nicht auf Anhieb, einzelne Punkte wirken unlogisch sortiert. Mehrere Tester berichten zusätzlich von Software-Fehlern.

Besonders ärgerlich ist die Abstimmung der Assistenzsysteme. 21 Systeme sind an Bord, aber der Spurhalteassistent greift nach Testberichten übertrieben rigide ein, und der Tempowarner meldet sich beharrlich. Der ADAC beschreibt, dass sich Fahrprofile nur im Stand bei eingelegter Parkstellung wählen lassen und deaktivierte Systeme sich kurz darauf selbstständig wieder zuschalten — abschalten lässt sich das nur über einen tief vergrabenen Menüpunkt. Leapmotor stellt Besserung per Software-Update in Aussicht. Bewertet haben wir den heutigen Serienstand.

Bildergalerie

Leapmotor B05 Aussenansicht
Leapmotor B05 Heckansicht
Leapmotor B05 Seitenansicht

Einordnung im Ranking

Der B05 ist ein Auto mit klarem Profil: viel Platz für die Insassen, gute Verarbeitung, ordentliche Effizienz und eine Ausstattung, die es sonst erst zwei Preisklassen höher gibt — bezahlt mit einem kleinen Kofferraum, fehlender Anhängerfreigabe und einer Bedienung, die deutlich hinter dem Rest zurückbleibt. In der Preis/Leistungs-Betrachtung, die wir getrennt vom Gesamturteil ausweisen, schneidet er gut ab und ist etwas günstiger, als es der gebotene Gegenwert erwarten ließe.

Wichtig für die Kaufentscheidung ist die Wahl der Linie. Die Basis Life mit dem kleineren Akku kostet spürbar weniger und bringt Wärmepumpe, Rundumsichtkamera, Navigation und Abstandstempomat bereits mit. Wer zur höheren Linie Design greift, bekommt neben der größeren Batterie unter anderem Panoramaglasdach, Kunstlederbezüge, beheizbare Vordersitze, Lenkradheizung und ein größeres Soundsystem — all das fehlt in der Basis. Aufpreispakete gibt es bei keiner Linie, einzige Option ist die Metallic-Lackierung. Direkte Alternativen: VW ID.3, MG4 und Opel Astra Electric. Wer Platz, Ausstattung und Fahrruhe sucht und mit dem kleinen Gepäckabteil leben kann, findet hier ein starkes Angebot; wer viel transportiert oder eine tadellose Bedienung erwartet, schaut besser weiter.

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