Mercedes GLB 250+ elektrisch im Test: Familien-SUV mit 800-Volt-Tempo

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

70,8 % 4,25 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Mercedes GLB 250+ elektrisch übersetzt die Stärken des alten GLB gelungen ins Elektrozeitalter: viel Platz, ein großer Frunk, optional sieben Sitze und dazu eine Ladeleistung, die Langstrecken fast so entspannt macht wie mit dem Verbrenner. Der Verbrauch ist für ein SUV dieser Größe gut. Abzüge gibt es für kurze Fondsitze, eine teils fummelige Bedienung und eine lange Aufpreisliste, auf der sogar die Smartphone-Einbindung steht. Wer die Basis sinnvoll ergänzt, bekommt ein sehr rundes Familienauto, muss aber mit einem Preis deutlich über dem Einstieg rechnen.

Pro

  • Sehr schnelles Laden: in Messungen 340 bis 350 kW Spitze und 22 bis 23 Minuten von 10 auf 80 Prozent
  • Viel Platz mit 540 Liter Kofferraum, 127 Liter Frunk und optional sieben Sitzen
  • Für ein SUV dieser Größe effizient, im Mischbetrieb gut 450 Kilometer
  • Leiser Innenraum und sehr kurze Bremswege

Contra

  • Viele Funktionen nur gegen Aufpreis, selbst Apple CarPlay und Android Auto
  • Bildschirme zu tief montiert, Lenkrad-Bedienfeld und Touchflächen nicht optimal
  • Kurze Sitzflächen im Fond
  • Lenkgefühl in Tests teils als synthetisch kritisiert

Der Mercedes GLB war schon in seiner ersten Generation ein Auto für Leute, die lieber Innenraum als Show wollen. Die zweite Generation bleibt kantig, fährt als GLB 250+ aber vollelektrisch auf der Technik des sparsamen CLA: 800-Volt-System, 85 kWh nutzbarer Akku, Heckantrieb und ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse. Den elektrischen EQB gibt es damit nicht mehr, er geht im neuen GLB auf. Wir haben die verfügbaren Messwerte und Testberichte für euch ausgewertet. Das Ergebnis fällt insgesamt gut aus, mit einer klaren Stärke an der Ladesäule, viel Platz für Familien und einer Aufpreisliste, die Mercedes-typisch lang ist.

Bildergalerie

Mercedes GLB EQ Aussenansicht
Mercedes GLB EQ Heckansicht
Mercedes GLB EQ Innenraum
Mercedes GLB EQ Sitze
Mercedes GLB EQ Kofferraum

Bilder: © Mercedes

Technische Daten

Marktstart 2026
Basispreis 59.048 €
Nutzbare Batterie 85 kWh
Realverbrauch 18,9 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 467 km
Ladeleistung (Peak) 350 kW
Ladezeit 10–80 % 22 min
Leistung 200 kW (272 PS)
0–100 km/h 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Kofferraum 540 l
Frunk 127 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.500 kg
Wendekreis 11,8 m
Maße (L×B) 4.732 × 1.861 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: effizient für ein Zwei-Tonnen-SUV

Die aussagekräftigste Messung stammt von AUTO BILD: Auf einer normierten 155-Kilometer-Runde mit etwa gleichen Anteilen Stadt, Landstraße und Autobahn kam der GLB 250+ auf 18,9 kWh pro 100 km, gemessen an der Steckdose, also inklusive Ladeverlusten. Das liegt rund ein Fünftel über dem WLTP-Wert von 15,8 kWh, für einen knapp 2,2 Tonnen schweren, kastigen SUV aber auf einem guten Niveau. Daraus ergeben sich im Mischbetrieb gut 450 bis knapp 470 Kilometer. Wer sparsam fährt, kommt laut Messung mit gut 14 kWh aus, sportlich getrieben werden es über 25 kWh.

Im Alltag heißt das: Pendler mit 50 Kilometern pro Tag laden bequem einmal pro Woche. Auf der Autobahn solltet ihr realistisch mit rund 400 Kilometern planen, im Winter mit spürbar weniger. Die eng verwandte CLA-Limousine ist dank flacherer Form noch deutlich sparsamer, gegenüber dem alten EQB ist der Fortschritt aber groß.

Die Kehrseite: Eine zweite Messung von AUTO ZEITUNG kam auf 21,1 kWh und rund 400 Kilometer. Beide Testwagen rollten auf 20-Zoll-Rädern, die Basis auf 18 Zoll dürfte eher etwas sparsamer sein. Einen ADAC-Test gibt es noch nicht, sobald er vorliegt, aktualisieren wir die Werte.

Laden & Reisetauglichkeit: die große Stärke

An der Schnellladesäule spielt der GLB seine 800-Volt-Technik voll aus. Mercedes gibt als Herstellerangabe 320 kW Spitzenleistung an, in den Messungen lagen die Werte sogar darüber: AUTO BILD sah 350 kW, AUTO ZEITUNG 341 kW bereits nach einer halben Minute. Von 10 auf 80 Prozent vergehen 22 bis 23 Minuten, im Schnitt mit rund 175 kW. In dieser Zeit fließen gut 70 kWh in den Akku, genug für über 300 Kilometer.

Für die Urlaubsfahrt bedeutet das: Auch 800 Kilometer Autobahn schafft ihr mit zwei kurzen Stopps, die kaum länger dauern als eine Kaffeepause. Die Ladeplanung im Navi berücksichtigt dabei Gefälle, Temperatur und Tempo und konditioniert den Akku automatisch vor. Zu Hause lädt der GLB serienmäßig mit 11 kW, 22 kW kosten Aufpreis.

Auch als Zugfahrzeug taugt der Hecktriebler: 1.500 kg Anhängelast reichen für einen kleinen Wohnwagen oder Bootsanhänger, die 2 Tonnen gibt es nur mit Allradantrieb. Mit Anhänger schrumpft die Reichweite allerdings deutlich, dann werden die Stopps häufiger.

Antrieb & Fahrdynamik: kräftig, aber kein Sportler

Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 200 kW, also rund 272 PS, und 335 Nm. In den Messungen ging es in 7,1 bis 7,3 Sekunden auf 100 km/h, das Werk nennt 7,4 Sekunden. Das Zweiganggetriebe wechselt etwa bei Tempo 120 die Übersetzung, abgeregelt wird bei 210 km/h. Für Überholvorgänge auf der Landstraße ist also genug Reserve da.

Besonders gut schneidet der GLB beim Bremsen ab: Aus 100 km/h stand er in beiden Messtests nach rund 32 bis 34 Metern, auch nach mehreren Vollbremsungen. Weil die Vorderräder weit einschlagen, wirkt er zudem handlicher, als seine Größe vermuten lässt.

Beim Fahrgefühl gehen die Urteile auseinander. Einige Tester loben eine präzise, direkte Lenkung und wenig Seitenneigung. AUTO ZEITUNG kritisiert dagegen ein recht synthetisches Lenkgefühl ohne echte Rückmeldung und spürbare Karosseriebewegungen in schnellen Kurven. Ein Sportler ist der GLB nicht, und das will er auch nicht sein.

Komfort & Geräusch: leise, beim Fahrwerk kommt es auf die Ausstattung an

Leise ist der GLB auf jeden Fall: Bei 130 km/h maß AUTO BILD 67 dB(A) im Innenraum, Tester loben die gute Dämmung von Wind- und Abrollgeräuschen. Auf langen Strecken entspannt das spürbar, zusammen mit der gut dosierbaren Rekuperation in vier Stufen inklusive Automatikmodus.

Beim Federungskomfort sind sich die Tester uneins. AUTO ZEITUNG ist überrascht, wie sanft der GLB über Querfugen rollt. AUTO BILD empfindet schon die weichere Fahrwerksstufe als eher straff für einen Mercedes. Wichtig für euch: Beide Testwagen hatten 20-Zoll-Räder und die optionalen adaptiven Dämpfer. Die Basisversion fährt auf 18 Zoll mit konventionellem Fahrwerk, dazu liegen noch keine unabhängigen Messungen vor.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: ein Van im SUV-Kleid

Hier spielt der GLB seine Form aus. Serienmäßig ist er ein Fünfsitzer, eine dritte Sitzreihe für zwei weitere Plätze gibt es gegen Aufpreis. In den ersten beiden Reihen loben Tester reichlich Luft in alle Richtungen. Der Kofferraum fasst 540 Liter und wächst auf 1.715 Liter, dazu kommt ein Frunk mit 127 Litern, in dem Ladekabel oder eine Tasche verschwinden. Damit ist der GLB eines der praktischsten Elektro-SUV seiner Größe.

Es gibt aber Details, die stören: Die Sitzflächen im Fond sind kurz, größeren Mitfahrern fehlt auf Langstrecken Auflage für die Oberschenkel. Die längs verschiebbare Rückbank ist beim Fünfsitzer nur optional. Die Verarbeitung wird überwiegend als hochwertig beschrieben, einzelne Tester fanden an den Materialien aber Sparstellen.

Software, Bedienung & E-Funktionen: stark, aber vieles kostet extra

Der GLB nutzt das neue Betriebssystem MB.OS mit Google-Karten und einem KI-gestützten Sprachassistenten, den Tester als sehr verständig beschreiben. Wärmepumpe, Ladeplanung, automatische Vorkonditionierung, Rückfahrkamera, Abstandstempomat und Totwinkelwarner sind Serie. Die Assistenzsysteme arbeiten in Tests zuverlässig, auch in Baustellen.

Kritik gibt es an der Bedienung im Detail: Die Bildschirme sitzen zu tief, das Bedienfeld am Lenkrad und einzelne Touchflächen sind nicht optimal gelöst. Ärgerlicher ist die Aufpreispolitik: Selbst die Einbindung von Apple CarPlay und Android Auto kostet extra, ebenso das teilautonome Fahren, der Parkassistent und der Superscreen mit Beifahrerdisplay. Viele Testwagen-Eindrücke beziehen sich also auf eine deutlich teurere Ausstattung als die Basis.

Bildergalerie

Mercedes GLB EQ Aussenansicht
Mercedes GLB EQ Heckansicht
Mercedes GLB EQ Innenraum
Mercedes GLB EQ Sitze
Mercedes GLB EQ Kofferraum

Bilder: © Mercedes

Einordnung im Ranking

Unter den Familien-SUV mit Elektroantrieb gehört der GLB 250+ zu den stimmigsten Angeboten, vor allem wegen der Kombination aus viel Platz, guter Effizienz und sehr schnellem Laden. Mit einem Grundpreis von gut 59.000 Euro ist er für das Gebotene fair bepreist, ein stimmiges Preis/Leistung. Die gut ausgestatteten Testwagen lagen allerdings zwischen 68.000 und 82.000 Euro, und das spiegelt eher, was viele Käufer am Ende zahlen.

Direkte Alternativen sind der Peugeot E-5008 mit ähnlichem Preis und drei Sitzreihen oder das Tesla Model Y, das günstiger startet. Wer mehr Luxus will, landet beim elektrischen GLC, wer vor allem sparsam fahren möchte, beim CLA. Für Familien, die viel Langstrecke fahren und Wert auf Platz legen, passt der GLB sehr gut.

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