Cadillac Vistiq im Test: Viel Luxus, viel Durst

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

55,8 % 3,35 / 6

Preis/Leistung

0,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Cadillac Vistiq ist ein Elektro-SUV für Menschen, die Auftritt, Kraft und Ruhe über Effizienz stellen. Drei Sitzreihen, ein souveräner Antrieb und ein leiser Innenraum machen das entspannte Gleiten zum Vergnügen. Beim Verbrauch, beim Ladetempo und in engen Innenstädten zeigt er aber deutlich, dass knapp drei Tonnen und 400-Volt-Technik ihren Preis haben. Und der ist mit rund 100.000 Euro ohnehin hoch: Wer viel Langstrecke fährt, findet bei der Konkurrenz mehr Elektroauto fürs Geld.

Pro

  • Enorme Antriebskraft mit 452 kW und souveränem Durchzug
  • Drei vollwertige Sitzreihen, als Sechssitzer mit bequemem Durchgang nach hinten
  • Sehr leiser Antrieb, entspanntes Reisen bei gemäßigtem Tempo
  • Wärmepumpe, Batterie-Vorkonditionierung und 22 kW AC-Laden serienmäßig

Contra

  • Hoher Realverbrauch von rund 27 kWh je 100 km
  • Nur 130 kW Ladeleistung, lange Ladestopps auf der Langstrecke
  • Kleiner Kofferraum hinter der dritten Reihe, kein Frunk
  • Klimabedienung über tief liegenden Touchscreen, nerviger Tempowarner
  • Sehr teuer, noch dünnes Händler- und Servicenetz

Ein Cadillac ohne V8, aber mit 615 PS, drei Sitzreihen und einem Auftritt, der auf keinem Parkplatz untergeht: Der Vistiq ist das große Elektro-SUV der Amerikaner für Europa und steht in der Modellpalette zwischen Lyriq und Escalade IQ. Mit 5,22 Metern Länge und knapp drei Tonnen Leergewicht spielt er in der Oberklasse, preislich geht es in Deutschland bei 99.640 Euro los. Wir haben die verfügbaren Messdaten und Testberichte für euch ausgewertet. Die Kurzfassung vorweg: viel Kraft, viel Platz, viel Ruhe an Bord, aber beim Verbrauch und beim Laden liegt er klar hinter der Konkurrenz.

Bildergalerie

Cadillac Vistiq Aussenansicht
Cadillac Vistiq Heckansicht
Cadillac Vistiq Innenraum
Cadillac Vistiq Infotainment
Cadillac Vistiq Sitze

Bilder: © Cadillac

Technische Daten

Marktstart 2025
Basispreis 99.640 €
Nutzbare Batterie 91 kWh
Realverbrauch 27,1 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 21,8 kWh/100 km
Reale Reichweite 370 km
Ladeleistung (Peak) 130 kW
Ladezeit 10–80 % 40 min
Leistung 452 kW (615 PS)
0–100 km/h 3,7 s
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Kofferraum 297 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 7 Sitze
Anhängelast 1.230 kg
Wendekreis 12,1 m
Maße (L×B) 5.216 × 2.026 mm
Antrieb Allrad

Reichweite und Verbrauch: Der Durst des Dickschiffs

Wichtig vorab: Die Europa-Version des Vistiq ist nicht identisch mit dem US-Modell. Hierzulande steckt ein Akku mit 91 kWh nutzbarer Kapazität im Boden, in den USA sind es rund 102 kWh. Viele Reichweitenzahlen, die im Netz kursieren, stammen deshalb aus Amerika und passen nicht zu dem Auto, das ihr hier kaufen könnt.

Ein standardisierter Realtest des ADAC liegt für den Vistiq noch nicht vor. Unser Wert stützt sich auf ein Realverbrauchsmodell für genau diese Variante: Rund 27 kWh je 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten im gemischten Alltag, daraus ergeben sich etwa 370 Kilometer Reichweite bei gemäßigten Temperaturen. Der WLTP-Wert von 21,8 kWh und 460 Kilometern ist davon ein gutes Stück entfernt. Die Testberichte bestätigen die Richtung: Tester notierten auf längeren Strecken rund 28 kWh laut Bordcomputer, bei zügiger Autobahnfahrt sogar über 36 kWh.

Für den Alltag heißt das: Pendeln und Wochenendausflüge sind kein Problem. Wer aber auf der Autobahn Tempo macht, sollte eher mit 300 Kilometern bis zum nächsten Stopp planen, im Winter mit spürbar weniger. Für ein Auto dieser Größe und dieses Gewichts ist der hohe Verbrauch erklärbar, konkurrenzfähig ist er nicht.

Laden und Reisetauglichkeit: Hier bremst die Technik

Der Vistiq arbeitet mit 400-Volt-Technik. Cadillac gibt für die Europa-Version eine maximale Ladeleistung von 130 kW an, ein Test kam mit rund 123 kW recht nah an diesen Wert heran. Die Zahl von 190 kW, die ihr in manchen Berichten findet, ist eine Angabe für das US-Modell. Von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Hersteller etwa 40 Minuten. Zuhause und an der Wallbox sieht es besser aus: Serienmäßig lädt der Vistiq mit Wechselstrom bis zu 22 kW, was an entsprechenden Säulen eine volle Ladung in rund fünf Stunden erlaubt.

Auf der Urlaubsfahrt summiert sich das. Für 800 Kilometer bei Richtgeschwindigkeit müsst ihr mit drei Ladestopps von jeweils rund 40 Minuten rechnen. Konkurrenten wie Hyundai Ioniq 9, Mercedes EQS SUV oder Volvo EX90 kommen laut Testern weiter und laden schneller.

Beim Anhängerbetrieb gilt es genau hinzuschauen: Für den hier getesteten Siebensitzer sind 1.230 Kilogramm gebremste Anhängelast eingetragen, für andere Konfigurationen werden bis zu zwei Tonnen genannt. Ein Wohnwagen für die große Tour ist damit je nach Ausführung eher knapp.

Antrieb und Fahrdynamik: Wucht mit Wankneigung

Zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse liefern zusammen 452 kW und 880 Newtonmeter. Cadillac nennt 3,7 Sekunden von null auf 100, nach üblicher Messweise ohne abgezogenen Rollweg sind es rund 4,1 Sekunden. Das ist für ein Fahrzeug mit fast drei Tonnen enorm, und Tester beschreiben den Antritt als lässig und nahezu lautlos. Abgeregelt wird bei 210 km/h.

In der Praxis zeigt sich allerdings, dass Masse sich nicht wegprogrammieren lässt. In schnellen Kurven wankt der Aufbau spürbar, eine aktive Wankstabilisierung gibt es nicht. Die Bremsen fangen das Gewicht nach übereinstimmenden Berichten zuverlässig ein. Die mitlenkende Hinterachse, die in Testwagen verbaut war, macht das Auto handlicher. Ob sie in der Basisausstattung serienmäßig ist, geht aus den verfügbaren Daten nicht eindeutig hervor.

Unterm Strich ist der Vistiq ein Auto zum souveränen Gleiten, nicht zum Kurvenräubern. Genau darin liegt sein Charakter.

Komfort und Geräusch: Leise, aber die Basis wirft Fragen auf

Beim Geräuschkomfort punktet der Cadillac: Tester loben die Ruhe an Bord, zu hören ist bei gemäßigtem Tempo vor allem das Abrollen der großen Räder. Entspanntes Cruisen liegt dem Vistiq besser als alles andere.

Beim Fahrwerk ist die Lage weniger klar. Die Testwagen waren mit adaptiver Luftfederung unterwegs, die laut mehreren Berichten optional ist, während eine frühe Meldung sie zur Serie zählte. Die offiziellen Typdaten der Einstiegsversion Luxury führen Stahlfedern mit adaptiven Dämpfern. Wir bewerten deshalb vorsichtig auf Basis der sicher belegten Serienausstattung. US-Tester empfanden die Abstimmung zudem als eher straff, was bei 22-Zoll-Rädern nicht überrascht.

Unser Tipp: Wenn euch Federungskomfort wichtig ist, lasst euch vor dem Kauf genau bestätigen, welches Fahrwerk in eurer Ausstattung steckt.

Innenraum, Raumangebot und Verarbeitung: Drei Reihen, geteilte Meinungen

Der Vistiq ist ein echter Siebensitzer, alternativ gibt es sechs Plätze mit Einzelsesseln in der zweiten Reihe. Tester empfehlen genau diese Variante, weil ihr dort einfach zwischen den Sitzen in die dritte Reihe durchgehen könnt, fast wie in einem Van. Allerdings fanden nicht alle den Fond großzügig: Wer über 1,90 Meter misst, sitzt hinten laut einem Test enger, als die Außenmaße vermuten lassen.

Der Kofferraum ist die klare Schwachstelle des Konzepts. Bei voller Bestuhlung bleiben 297 Liter, bei umgeklappter dritten Reihe sind es bis zu 889 Liter. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, und die hohe Ladekante erschwert das Beladen.

Bei der Verarbeitung gehen die Urteile auseinander. Einige Tester loben massive, wertige Schalter und schöne Materialien. Andere kritisieren knarzende Blenden an den Luftausströmern und einfache Griffe in der zweiten Reihe, was bei diesem Preis nicht passt.

Software, Bedienung und E-Funktionen: Großer Bildschirm, kleine Tücken

Blickfang im Cockpit ist der 33 Zoll große, gebogene Bildschirm. Das Grundkonzept ist fahrerorientiert, im Detail hakt es aber: Das Lenkrad verdeckt Teile der Anzeige, und die Klimaanlage steuert ihr über einen tief montierten Touchscreen, der den Blick lange von der Straße holt. Das Lenkrad ist mit Tasten überladen, und der Tempowarner meldet sich penetrant, ohne schnelle Abschaltung.

Bei den E-Funktionen ist der Vistiq ordentlich ausgestattet. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig, die Batterie wird über die Navigation automatisch fürs Schnellladen vorgewärmt. Hinzu kommen umfangreiche Assistenzsysteme mit Abstandsregelung, Spurwechsel- und Querverkehrsassistent. Es fehlen dagegen Plug and Charge sowie die Möglichkeit, externe Geräte aus der Batterie zu versorgen. Das in den USA bekannte freihändige Fahrsystem Super Cruise ist für Deutschland nicht belegt.

Bildergalerie

Cadillac Vistiq Aussenansicht
Cadillac Vistiq Heckansicht
Cadillac Vistiq Innenraum
Cadillac Vistiq Infotainment
Cadillac Vistiq Sitze

Bilder: © Cadillac

Einordnung im Ranking

Klassenübergreifend landet der Vistiq im Mittelfeld: Stark bei Antrieb, Raum für bis zu sieben Personen und Ruhe an Bord, schwach bei Verbrauch, Ladetempo und Stadttauglichkeit.

Beim Preis/Leistungs-Verhältnis sieht es deutlich schlechter aus: Für rund 100.000 Euro ist der Vistiq sehr teuer, das Preis/Leistungs-Verhältnis ist schwach.

Wer ein großes Elektro-SUV mit drei Reihen sucht und oft lange Strecken fährt, ist mit einem Hyundai Ioniq 9, Kia EV9 oder Volvo EX90 besser bedient. Der Cadillac passt zu euch, wenn ihr vor allem amerikanischen Auftritt und entspanntes Gleiten wollt, selten weit am Stück fahrt und mit dem noch dünnen Händlernetz leben könnt.

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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