EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
4,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der BYD Dolphin mit dem großen Akku ist ein ehrlicher Preis-Tipp: Er bietet viel Platz, guten Komfort, eine überraschend wertige Verarbeitung und eine Ausstattung, für die man anderswo draufzahlt. Diese Qualitäten machen ihn zu einem stimmigen Alltags- und Familienauto für alle, die meist zu Hause laden. Bezahlen muss man das mit einer schwachen Ladeperformance, fehlender Ladeplanung und einer Fahrdynamik, die zwischen kräftigem Antrieb und gefühlloser Lenkung nie ganz rund wird. Wer damit leben kann, bekommt viel Auto fürs Geld.
Pro
- Großzügiges Raumangebot mit viel Beinfreiheit im Fond
- Komfortabel abgestimmtes Fahrwerk, gut fürs Alltagstempo
- Wertige Verarbeitung und Materialien über Klassenniveau
- Umfangreiche Serienausstattung inkl. Wärmepumpe und V2L
- Zuverlässiges Navi und drehbarer Touchscreen
Contra
- Langsames DC-Laden (86 kW Peak, 43 min von 10 auf 80 %)
- Keine automatische Ladeplanung und keine Batterie-Vorkonditionierung
- Gefühlsarme Lenkung, Traktions- und Bremsschwächen
- Bedienung mit verschachtelten Menüs und ohne Schnellwahltasten
Der BYD Dolphin ist der Versuch des weltgrößten E-Auto-Herstellers, den etablierten Kompakt-Stromern wie dem VW ID.3 mit viel Ausstattung zum kleinen Preis das Wasser abzugraben. Wir schauen uns hier die große Ausstattung mit dem 60,4-kWh-Blade-Akku und 204 PS an – also den Dolphin, der auf dem Papier alltags- und sogar langstreckentauglich sein soll. Unterm Strich ist er ein sympathischer, überraschend gut verarbeiteter Kleinwagen mit viel Platz, der sich vor allem beim Laden und beim Fahrgefühl ein paar echte Schwächen leistet.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: solide, aber kein Sparwunder
Im praxisnahen ADAC Ecotest genehmigt sich der Dolphin 19,1 kWh auf 100 Kilometer – gemessen inklusive der Verluste beim Laden. Für einen Kleinwagen ist das kein Spitzenwert, sondern eher solides Mittelfeld. Innerorts fällt er mit knapp 18 kWh angenehm sparsam aus, auf der Autobahn klettert er auf rund 21 kWh.
Aus dem 60,4-kWh-Akku ergibt das im gemischten Betrieb reale rund 350 Kilometer. Zum Pendeln, für die Stadt und die meisten Wochenendtouren reicht das locker. Wer dagegen viel Autobahn fährt, landet eher bei knapp 290 Kilometern, und im Winter bestätigen Realtests Werte um die 300 Kilometer.
Damit liegt der Dolphin im Kompakt-Umfeld im guten Durchschnitt, ohne herauszustechen. Die ehrliche Kehrseite: Der offizielle WLTP-Wert von 427 Kilometern ist im Alltag deutlich zu optimistisch, und für die Klasse ist der Verbrauch einen Tick höher, als man es sich wünschen würde.
Laden & Reisetauglichkeit: der größte Schwachpunkt
Hier verliert der Dolphin am meisten Boden. An der Schnellladesäule erreichte der ADAC im Test einen Spitzenwert von nur 86 kW, im Schnitt lädt er mit rund 68 kW. Die Füllung von 10 auf 80 Prozent dauert deshalb 43 Minuten – Konkurrenten schaffen das teils in unter 30. Am heimischen Wechselstrom sind dreiphasig 11 kW möglich, eine volle Ladung dauert damit knapp sechs Stunden.
Für den Alltag mit Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz ist das völlig unkritisch. Auf der langen Reise summieren sich die Nachteile aber: Es fehlt eine automatische Ladeplanung in der Navigation, Stopps müssen also selbst gesucht werden, und eine Vorkonditionierung der Batterie gibt es nicht – bei Kälte kann das Laden dadurch noch länger dauern.
Ein Pluspunkt bleibt: Über die serienmäßige Vehicle-to-Load-Funktion versorgt der Dolphin externe Geräte mit Strom, vom Kühlschrank bis zum E-Grill. Für lange Urlaubsfahrten mit vielen Ladestopps ist er trotzdem nur bedingt die erste Wahl.
Antrieb & Fahrdynamik: kräftig, aber unrund abgestimmt
Mit 150 kW – das sind rund 204 PS – an der Vorderachse ist der Dolphin flott unterwegs. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt er in etwa sieben Sekunden, und im Alltag fühlt er sich damit spürbar kräftig an: zügiges Abbiegen, entspanntes Überholen, kein Problem.
Sobald es sportlicher wird, zeigen sich aber die Grenzen. Tester kritisieren die Lenkung fast einhellig als gefühlsarm und rückmeldungsschwach. Dazu neigt der kräftige Fronttriebler zum Durchdrehen der Räder – selbst auf trockener Fahrbahn – was der Fahrstabilität nicht guttut.
Auch die Bremse überzeugt nicht restlos: Sie spricht weich an, und die gemessenen Bremswege aus 100 km/h fallen mit rund 38 bis 41 Metern länger aus als bei vielen Wettbewerbern. Der Dolphin ist also ein souveräner Alltagsbegleiter, aber kein Fahrdynamiker.
Komfort & Geräusch: die heimliche Stärke
Beim Federungskomfort spielt der Dolphin einen seiner Trümpfe aus. Die Abstimmung ist bewusst weich gewählt, im Stadtverkehr bügelt er Unebenheiten angenehm glatt. Genau das lobt der ADAC ausdrücklich – für ein Auto dieser Preisklasse ist der Federungskomfort überdurchschnittlich.
Ganz makellos ist das Bild aber nicht. Auf richtig groben Schlägen wird die Hinterachse etwas unruhig, und ab rund 100 km/h machen sich deutliche Windgeräusche bemerkbar. Eine Luftfederung oder adaptive Dämpfer gibt es nicht – das wäre in der Klasse aber auch eine Überraschung.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: mehr Platz, als man denkt
Mit 4,29 Metern Länge ist der Dolphin ein kompakter Fünftürer, nutzt seinen Radstand aber clever. Vorn sitzen selbst Zwei-Meter-Menschen bequem, und im Fond fällt die Beinfreiheit erstaunlich großzügig aus. Praktisch für Familien: Isofix gibt es nicht nur hinten außen, sondern auch auf dem Beifahrersitz.
Der Kofferraum fasst 345 Liter und wächst mit umgeklappter Rückbank auf 1.310 Liter – ordentlicher Klassenschnitt. Einen zusätzlichen Frunk unter der Fronthaube gibt es allerdings nicht.
Bei der Verarbeitung überrascht der Chinese positiv: Tester bescheinigen ihm saubere Spaltmaße und einen Materialmix aus veganem Leder und weichen Oberflächen, der über dem Klassenstandard liegt. Klar, im unteren Bereich findet sich auch Hartplastik – aber der Gesamteindruck wirkt wertiger, als der Preis vermuten lässt.
Software, Bedienung & E-Funktionen: viel drin, etwas verschachtelt
Der Star im Cockpit ist der 12,8-Zoll-Touchscreen, der sich per Knopfdruck vom Quer- ins Hochformat drehen lässt – das bietet in der Klasse sonst niemand. Das hauseigene Navi arbeitet zuverlässig und zeigt sogar an, welche Ladesäulen gerade frei oder belegt sind. Sprachsteuerung und ein paar physische Tasten sind ebenfalls an Bord.
Die Bedienung braucht aber Eingewöhnung. Es fehlen dauerhafte Schnellwahltasten, für Navigation oder Radio muss man den Umweg über die Home-Taste nehmen, und Basics wie die Heckscheibenheizung verstecken sich im Klimamenü. Dazu sorgen kryptische Menübezeichnungen für Stirnrunzeln.
Bei den E-Funktionen ist die Basis gut: Wärmepumpe und V2L sind serienmäßig, das Assistenzpaket mit adaptivem Tempomat, Notbremse, 360-Grad-Kamera und Totwinkelwarner ist üppig. Was fehlt, sind die schon erwähnte Batterie-Vorkonditionierung und die automatische Ladeplanung – zwei Bausteine, die den Dolphin auf der Langstrecke besser machen würden.
Einordnung im Ranking
Der BYD Dolphin tritt in einem der spannendsten Segmente überhaupt an: gegen VW ID.3, MG4, Cupra Born, Smart #1 und den GWM Ora 03, preislich schielt er auch Richtung Citroën ë-C3 und Hyundai Inster. Seine Stärken sind das großzügige Raumangebot, der Komfort, die wertige Verarbeitung und die für den Preis fast schon üppige Ausstattung samt langer Garantie. Gegen ihn sprechen das langsame Laden, die fehlende Ladeplanung und die unrunde Fahrdynamik.
Gemessen an dem, was er bietet, ist der Dolphin etwas günstiger bepreist, als man erwarten würde – ein solides Argument für preisbewusste Käufer, die vor allem Platz, Komfort und Ausstattung suchen und überwiegend zu Hause laden. Wer dagegen häufig lange Autobahnetappen fährt, sollte die Ladeschwäche ernst nehmen. Wo genau der Dolphin im Gesamtfeld landet, zeigt die folgende Einordnung.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 68 von 104
Quellen
- ADAC – Autotest BYD Dolphin Comfort (PDF)
- ADAC – BYD Dolphin Comfort, Katalog & Ecotest
- ADAC – BYD Dolphin (2024): Test, Reichweite, Preis
- AUTO BILD – BYD Dolphin im Test (14.08.2023)
- carwow.de – BYD Dolphin Test
- What Car? – BYD Dolphin Review (Winter-Realtest)
- EV Database – BYD Dolphin 60.4 kWh (MY24)
- EVKX – BYD Dolphin 60.4 kWh
Bildquellen
- BYD Dolphin Aussenansicht — © BYD Presseportal
- BYD Dolphin Heckansicht — © BYD Presseportal
- BYD Dolphin Seitenansicht — © BYD Presseportal
- BYD Dolphin Innenraum — © BYD Presseportal
- BYD Dolphin Infotainment — © BYD Presseportal
- BYD Dolphin Sitze — © BYD Presseportal
- BYD Dolphin Kofferraum — © BYD Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
