Dacia Spring (65) im Test: Der günstigste Stromer als Stadt-Spezialist

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

40,0 % 2,40 / 6

Preis/Leistung

4,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Dacia Spring bleibt das, was er immer war: der günstigste Einstieg in ein fabrikneues Elektroauto – und ein echter Stadt-Spezialist. Kurze Abmessungen, kleiner Wendekreis und ein sehr sparsamer Antrieb machen ihn im urbanen Alltag stark. Dafür müsst ihr mit einer knappen Reichweite, langsamem (und nur optionalem) Schnellladen, schwachem Fahrkomfort und einfacher Verarbeitung leben. Als kleines Zweitauto für Stadt und Umland ist der Spring stimmig und preislich kaum zu schlagen; wer mehr Reichweite, Komfort oder Fernstreckentauglichkeit braucht, sollte sich woanders umsehen.

Pro

  • Günstigster Einstieg in ein neues Elektroauto
  • Ideal für die Stadt: nur 3,70 m kurz, 9,6 m Wendekreis
  • Sehr sparsam: 16,7 kWh/100 km im ADAC Ecotest
  • Für die Klasse großzügiger Kofferraum (308 L nominal)

Contra

  • Knappe Reichweite (rund 185 km, Autobahn/Winter deutlich weniger)
  • Schnellladen nur optional und mit rund 30 kW langsam
  • Schwaches Fahrverhalten und dürftiger Federungskomfort
  • Einfache Materialqualität, nur 1 Stern im Euro NCAP (2021)

Der Dacia Spring ist seit Jahren das günstigste Elektroauto auf dem deutschen Markt – und genau das ist sein ganzer Charakter. Hier bekommt ihr kein Reichweitenwunder und keinen Fahrdynamik-Star, sondern einen ehrlichen kleinen Stromer für die Stadt und den Kurzstrecken-Alltag. Wir schauen uns den 2024 überarbeiteten Spring in der 65-PS-Version an: 48 kW, ein 26,8-kWh-Akku und Abmessungen, die in jede Parklücke passen. Wo er glänzt und wo ihr Abstriche macht, klären wir hier – vorweg so viel: Der Spring ist ein Spezialist, kein Alleskönner.

Bildergalerie

Dacia Spring Aussenansicht
Dacia Spring Heckansicht
Dacia Spring Seitenansicht
Dacia Spring Innenraum
Dacia Spring Sitze

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 18.900 €
Nutzbare Batterie 26,8 kWh
Realverbrauch 16,7 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 14,6 kWh/100 km
Reale Reichweite 185 km
Ladeleistung (Peak) 33 kW
Ladezeit 10–80 % 38 min
Leistung 48 kW (65 PS)
0–100 km/h 13,7 s
Höchstgeschwindigkeit 125 km/h
Kofferraum 308 l
Frunk 35 l
Sitzplätze 4 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 9,6 m
Maße (L×B) 3.701 × 1.583 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber knapp bemessen

Beim Verbrauch macht der Spring vieles richtig. Im ADAC Ecotest genehmigt er sich 16,7 kWh auf 100 Kilometer – und dieser Wert schließt sogar die Ladeverluste beim Wechselstromladen mit ein. Für ein Elektroauto ist das ein richtig guter Schnitt, der zeigt, wie effizient ein leichtes, kleines Fahrzeug sein kann. Im Alltag heißt das: geringe Stromkosten, und an der heimischen Wallbox ist der Akku ohnehin schnell wieder voll.

Der Haken steckt in der Batterie. Mit netto 26,8 kWh ist sie schlicht klein, und so bleibt trotz des sparsamen Antriebs nur eine bescheidene Reichweite. Im ADAC Ecotest sind es rund 185 Kilometer bei gemischter Fahrweise. Auf der Autobahn und im Winter schmilzt das spürbar zusammen – realistisch bewegt ihr euch dann eher um die 110 Kilometer. Für Pendelstrecken, Einkäufe und den Stadtverkehr reicht das gut aus; wer regelmäßig weiter fährt, ist mit dem Spring aber am falschen Ende unterwegs.

Unterm Strich ist der Spring damit ein Effizienz-Musterknabe mit einem klaren Reichweiten-Kompromiss. Das ist keine Schwäche des Antriebs, sondern eine bewusste Entscheidung zugunsten des Preises – ihr solltet nur wissen, worauf ihr euch einlasst.

Laden & Reisetauglichkeit: fürs Umland, nicht für die Fernstrecke

Serienmäßig lädt der Spring nur mit Wechselstrom. Das reicht für zu Hause und für die Arbeit, macht ihn aber an der Schnellladesäule zunächst außen vor. Gleichstromladen gibt es nur gegen Aufpreis – und selbst dann bleibt es zäh: Der CCS-Anschluss nimmt in der Spitze rund 30 kW an (Messungen zeigen bis etwa 33 kW), von 10 auf 80 Prozent vergehen so grob 38 Minuten.

Das klingt auf dem Papier nicht dramatisch, wird auf der Langstrecke aber schnell zur Geduldsprobe: kleine Batterie plus gemächliches Laden bedeutet häufige und vergleichsweise lange Stopps. Der Spring ist damit ehrlicherweise kein Reisewagen. Wer ihn als Stadt- und Umlandauto begreift und die Fernstrecke anderen überlässt, wird mit dem Ladeverhalten gut leben – für alle anderen ist es der größte Kompromiss des Konzepts.

Antrieb & Fahrdynamik: genug für die Stadt, mehr nicht

In der getesteten 65er-Version leistet der Elektromotor 48 kW, also rund 65 PS. Damit spurtet der leichte Spring in der Stadt erstaunlich munter von der Ampel und hängt manch größeres Auto ab. Oberhalb von 50 km/h lässt der Vortrieb allerdings deutlich nach, bei 125 km/h ist Schluss. Den Standardsprint auf 100 km/h erledigt er in 13,7 Sekunden – solide für die Klasse, aber weit von flott entfernt.

Sobald es aus der Stadt hinausgeht, zeigt der Spring seine Grenzen. Tester bemängeln eine sehr indirekte Lenkung, ausgeprägte Wankneigung und ein niedriges Grip-Niveau; im Ausweichtest wirkt er wenig präzise und das ESP meldet sich hörbar zu Wort. Das ist kein Auto, das zum Kurvenwedeln einlädt – es will sicher und sparsam von A nach B kommen, nicht mehr.

Für den vorgesehenen Zweck ist das in Ordnung: Im dichten Stadtverkehr fühlt sich der kleine Antrieb spritzig und passend an. Wer aber öfter Landstraße oder Autobahn fährt, wird die zurückhaltenden Fahrleistungen und das schwammige Fahrgefühl bemerken.

Komfort & Geräusch: hier wird gespart

Beim Komfort merkt man dem Spring den günstigen Preis am deutlichsten an. Das Fahrwerk rollt straff ab und reicht Unebenheiten spürbar durch, die Dämmung ist überschaubar, und bei höherem Tempo wird es im Innenraum laut. Tester bewerten den Fahrkomfort entsprechend als dürftig.

Im Stadtverkehr, für den der Spring gemacht ist, fällt das weniger ins Gewicht – bei niedrigem Tempo und kurzen Wegen stört die Härte kaum. Auf längeren Etappen dagegen wird der Mangel an Ruhe und Federungskomfort schnell anstrengend. Auch das unterstreicht: Der Spring ist ein Kurzstrecken-Spezialist.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: praktisch, aber einfach

Vorn sitzt man im Spring überraschend entspannt, im Fond wird es dagegen eng – dort fühlen sich vor allem Kinder und kleine Erwachsene wohl. Der Kofferraum ist mit nominal 308 Litern für einen Kleinstwagen erstaunlich groß und damit einer der größten seiner Klasse; umgeklappt wächst er auf gut 1.000 Liter. In der Praxis relativiert sich das etwas: Tester messen eher rund 200 Liter nutzbar, die Ladekante ist hoch und die Öffnung schmal. Neu ist ein kleiner Frunk unter der Fronthaube mit 35 Litern – praktisch fürs Ladekabel, allerdings nur gegen Aufpreis erhältlich.

Bei Materialien und Verarbeitung zeigt sich wieder der Spar-Charakter: viel Hartplastik, eine einfache Anmutung, und auch nach dem Facelift bleibt das Qualitätsniveau bescheiden. Ehrlich erwähnen muss man auch die Sicherheit – im Euro-NCAP-Crashtest von 2021 holte der Spring nur einen von fünf Sternen. Das serienmäßige Notbremssystem hilft, ändert am mageren Grundergebnis aber wenig.

Wer hier einen wertigen Innenraum erwartet, sucht am falschen Fahrzeug. Wer dagegen ein robustes, unkompliziertes Stadtauto will, bekommt genau das – mit für die Klasse ordentlich viel Stauraum.

Software, Bedienung & E-Funktionen: aufgeräumt, aber sparsam ausgestattet

Das mit dem Facelift überarbeitete Cockpit wirkt modern und lässt sich weitgehend intuitiv bedienen. Angenehm: Für Klima und wichtige Funktionen gibt es weiterhin echte Tasten und Regler statt reiner Touch-Menüs. In den höheren Ausstattungen kommen ein 10-Zoll-Touchscreen sowie kabelloses Apple CarPlay und Android Auto hinzu; die Basisversion nutzt schlicht das eigene Smartphone als Infotainment. Updates über Mobilfunk sind möglich.

Bei den E-spezifischen Funktionen bleibt der Spring dagegen karg. Eine Wärmepumpe fehlt ebenso wie eine Vorkonditionierung der Batterie, und schnelles Laden ist nur eine Option. Immerhin lässt sich über die My-Dacia-App der Innenraum vorklimatisieren und der Ladestand prüfen, und die gesetzlich vorgeschriebenen Assistenzsysteme sind an Bord. Vom Funktionsumfang eines teureren Stromers ist der Spring aber weit entfernt – auch das gehört zum Preis dazu.

Einordnung im Ranking

Der Dacia Spring ist ein klarer Spezialist: In der Stadt spielt er dank Mini-Abmessungen, kleinem Wendekreis und niedrigem Verbrauch seine Stärken voll aus, jenseits davon fordert er Kompromisse bei Reichweite, Komfort und Fahrverhalten. Absolut betrachtet landet er deshalb im hinteren Feld – das liegt aber in der Natur eines kompromisslos günstigen Kleinstwagens und nicht an groben Fehlern. Beim Preis/Leistungs-Verhältnis dreht sich das Bild: Fürs Gebotene ist der Spring spürbar günstiger als der Gegenwert, den man normalerweise erwarten würde.

Als direkte Alternativen bieten sich der Leapmotor T03 mit mehr Platz und Technik oder der etwas gehobenere Hyundai Inster an – beide kosten allerdings mehr. Wer schlicht den günstigsten Weg in ein neues Elektroauto sucht und vor allem in der Stadt unterwegs ist, findet im Spring genau das passende Werkzeug. Übrigens: Seit Ende 2025 gibt es eine weitere Überarbeitung mit neuem Akku und stärkeren Motoren – die stand für diesen Test aber noch nicht mit unabhängigen Messwerten zur Verfügung und ist hier daher nicht bewertet.

Bildquellen

  • Titelbild: Dacia Spring (Facelift 2024) — © Dacia
  • Dacia Spring Aussenansicht — © Dacia Presseportal
  • Dacia Spring Heckansicht — © Dacia Presseportal
  • Dacia Spring Seitenansicht — © Dacia Presseportal
  • Dacia Spring Innenraum — © Dacia Presseportal
  • Dacia Spring Sitze — © Dacia Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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